Satire

Mars Attacks! (1996)

Regie: Tim Burton
Original-Titel: Mars Attacks!
Erscheinungsjahr: 1996
Genre: Science Fiction,Komödie, Satire
IMDB-Link: Mars Attacks!


Die frohe Kunde: Wir sind nicht allein im Weltall! Preiset die Marsianer, die sich herablassen zu uns Erdlingen und uns Erleuchtung bringen. Zu Ehren dieser weitgereisten Weisen gibt es den Rest meiner Rezension auf Marsianisch: Ack ack ack ack! Ack! Ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack! Ack ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack! Ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack! Ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack ack! Ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack! Noch Fragen? Ja? Nein? Auf jeden Fall einfach mal Film ab und Tim Burton dabei zusehen, wie er genüsslich zu unserem größten Vergnügen seine grünen Männchen Chaos stiften lässt und fast seinen gesamten Cast wortwörtlich verpulvert. Der Cast hat es überhaupt in sich. Nicht weniger als 31 Oscar-Nominierungen für Schauspiel finden sich darunter, die prominentesten davon sicherlich Jack Nicholson, Glenn Close, Natalie Portman, Pierce Brosnan, Annette Bening, Sarah Jessica Parker, Michael J. Fox, Danny DeVito, Rod Steiger, Christina Applegate, Jack Black, Pam Grier, Martin Short und nicht zuletzt Tom Jones, der die Ehre hat, am Ende eine neue Ära einzusingen. Und was man auch noch festhalten muss: Selbst Jodeln hat seine Daseinsberechtigung. Ack ack ack!


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

American Psycho (2000)

Regie: Mary Harron
Original-Titel: American Psycho
Erscheinungsjahr: 2000
Genre: Thriller, Satire
IMDB-Link: American Psycho


Man kennt das: Langweilige Geschäftsessen, die Kollegen versuchen, sich gegenseitig mit noch schöneren, eindrucksvolleren Visitenkarten zu übertrumpfen, es wird über Abwesende hergezogen, die sich keine tollen Maßanzüge leisten können – der übliche Schwanzvergleich unter großkotzigen Geschäftsmännern, die viel zu jung und viel zu ahnungslos und nur dank ihrer Selbstverliebtheit in die oberen Etagen gekommen sind. Da kann einem schon auch mal der Kragen platzen, und was liegt näher als den ungeliebten Kollegen mit einer Axt den Schädel einzuschlagen? Willkommen in der Welt von Patrick Bateman (Christian Bale der mit seiner ohnehin etwas arroganten Miene eine Traumbesetzung für diese Rolle ist), willkommen in der Welt des American Psycho. Er ist einerseits ein Soziopath erster Güte, andererseits aber auch ein Symptom unserer Zeit, in der in der Welt von Reich & Schön der Schein immer die Überhand über das Sein behält. Es zählt nur, in welchen Restaurants man isst. Gelegentlich fühle ich mich selbst dabei auch ertappt, wenn ich daran denke, was ich schon an Geld für (zugegeben: exzellente) Weinflaschen ausgegeben habe. Aber das ist dann auch die Qualität des Films bzw. des Romans von Bret Easton Ellis: So absurd die Handlung auch sein mag, so satirisch überspitzt sie erzählt wird, irgendwie kann man sich da trotzdem verdammt gut hineinfühlen. Denn wir alle kennen diese Art von Leuten, deren größte Angst es ist, dass ein Vogel auf ihren Porsche kackt, die ihren Ehefrauen protzige Ringe kaufen, um sie am Tag darauf mit ihren Sekretärinnen zu betrügen, die nicht „arbeiten“, sondern „Deals abschließen“, die die bemühte und sichtlich nervöse Kellnerin an ihrem zweiten Arbeitstag zur Sau machen, nur weil sie stilles statt prickelndes Mineralwasser gebracht hat. Und gleichzeitig wollen wir insgeheim ja doch dazugehören, nur dass wir VW statt Porsche fahren würden, auf eine Sekretärin verzichten und mit unseren Jobs etwas Gutes bewirken würden und nett zu Kellnerinnen wären, nicht wahr?


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Hulton Archive/Getty Images – © 2013 Getty Images, Quelle http://www.imdb.com)

Death to 2020 (2020)

Regie: Charlie Brooker
Original-Titel: Death to 2020
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Satire, Politfilm
IMDB-Link: Death to 2020


Ein bisserl Masel hatten die Macher von „Black Mirror“ mit ihrem Jahresrückblick „Death to 2020“ ja schon. Veröffentlicht am 27. Dezember auf Netflix gingen sie frech davon aus, dass in den letzten Tagen des Jahres nichts mehr passieren würde, was in ihrem voreilig veröffentlichten Film sonst fehlen würde. Immerhin hielten sich in den USA die Anhänger des orangenen Proud Boy-Knallkopfs an den Zeitplan und stürmten das Kapitol erst im Jänner. Und so greift „Death to 2020“ im Schnelldurchlauf dann doch alle wichtigen Themen des vergangenen Jahres auf. Schon nach den ersten fünf Minuten wird einem noch einmal so richtig bewusst, was für eine absolute Shitshow auf politischer und gesellschaftlicher Ebene 2020 tatsächlich war. Vieles hat man ja zwischenzeitlich schon erfolgreich verdrängt. Danke, Charlie Brooker, dass du uns den ganzen Mist noch mal nach oben spülst! Waldbrände in Kalifornien, Buschbrände in Australien, Brexit-Chaos, Kettengerassel zwischen Iran und den USA nach der Ermordung von Soleimani, nicht erwähnt, aber durch die Nachrecherche zu dieser Kritik wieder ins Bewusstsein geholt: der Großbrand des Affenhauses in Krefeld, der Terroranschlag in Hanau – und das alles, bevor die erste Fledermaussuppe serviert wurde. Und dann eben dieser wunderschöne Rückfall ins Mittelalter: Eine weltweite Seuche, fundamentalistische Verschwörungstheoretiker, die Wissenschaftler als Ketzer und Häretiker mit Mistgabeln aufspießen wollen, und die Gesandten Gottes in Form der ÖVP-Spitze unter Oberapostel Sobotka, die zum gemeinsamen Gebet ins Parlament laden. Und da soll noch mal einer behaupten, Zeitreisen wären heutzutage noch nicht möglich. Letzteres sparen Charlie Brooker und sein Team gnädigerweise aus, aber Österreich ist nicht der Nabel der Welt, und mit der Aufarbeitung der Fehltritte von Johnson, Bolsonaro und Trump sind die Macher des Films eh gut beschäftigt. Dabei bekommt Brooker tatkräftige Unterstützung aus Hollywood: Samuel L. Jackson als Journalist, Hugh Grant als konservativer Historiker, Lisa Kudrow als dauerlügende Pressetante des Weißen Hauses sind da nur die Speerspitze, Grant und Kudrow dabei die parodistischen Highlights, wenn man von Trump absieht, der selbst seine eigene bestmögliche Parodie abgibt. Das Erschreckende an dem Film ist aber, dass all das, was hier humorvoll aufgearbeitet wird, auch wirklich passiert ist. Da bleibt einem so manches Lachen im Hals stecken. Ein wenig mehr Drive hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle gewünscht, auch sind manche Kommentare zum Weltgeschehen noch immer viel zu zahm – mir wären da noch deutlichere Worte eingefallen. Man hätte den Pegel also durchaus noch etwas nach oben drehen können. 2020 hätte es verdient. Hoffen wir mal, dass es keine Fortsetzung „Death to 2021“ braucht, um diese Empfehlung noch umzusetzen.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2020 Netflix, Inc., Quelle http://www.imdb.com)

5 Zimmer Küche Sarg (2014)

Regie: Jemaine Clement und Taika Waititi
Original-Titel: What We Do in the Shadows
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Komödie, Satire
IMDB-Link: What We Do in the Shadows


Bevor sich Taika Waititi in Hollywood einen Namen machte und es mit Jojo Rabbit sogar zu Oscarwürden brachte, drehte er mit seinem Kumpel Jemaine Clement die abgedrehte Mockumentary „What We Do in the Shadows“. In dieser folgt ein Filmteam einer Vampir-WG in Neuseeland, die neben den offensichtlichen Schwierigkeiten der Nahrungsbeschaffung auch weitaus profanere Probleme haben: Was, wenn einer von ihnen schon seit Jahren seinen häuslichen WG-Pflichten nicht nachkommt und sich der Abwasch bis unter die Decke stapelt? Taika Waititi und Jemaine Clement ließen es sich nicht nehmen, selbst zwei der Hauptfiguren zu spielen, den pedantischen Dandy Viago, der das Filmteam durchs Haus führt, und den von sich eingenommenen Vladislav, der sich etliche seiner mittelalterlichen Ansichten bis in die heutige Zeit bewahrt hat. Vervollständigt wird die WG durch den uralten Petyr (Ben Fransham), der griesgrämig im Keller wohnt, und den jüngsten Vampir der Runde, Deacon (Jonathan Brugh), der mit seiner aufbrausenden Art nicht überall auf Gegenliebe stößt. Als eher versehentlich der als Nachspeise geplante Nick (Cori Gonzalez-Macuer) zur Truppe stößt, selbst Vampir geworden, und er seinen menschlichen Kumpel Stu (Stuart Rutherford) mitbringt, entwickeln sich allmählich Spannungen in der schattigen WG. „What We Do in the Shadows“ (auf Deutsch etwas hatschert mit „5 Zimmer Küche Sarg“ übersetzt) verbindet den Horror mystischer Kreaturen mit dem gewöhnlichen Alltag und führt die Vampire damit ad absurdum. Ein so einfaches wie geniales Rezept, das gerade durch die inszenierte Ernsthaftigkeit die Lachmuskeln so sehr beansprucht wie kaum ein anderer Film der letzten Jahre.


8,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Planet Terror (2007)

Regie: Robert Rodriguez
Original-Titel: Grindhouse: Planet Terror
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Horror, Satire, Action
IMDB-Link: Grindhouse: Planet Terror


Wenn sich zwei hochbegabte Freunde zusammentun, um gemeinsam ein Werk zu erschaffen, kann das Resultat richtig episch werden. Im Fall von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez kamen dabei zwei Filme im Stil der alten Grindhouse-Double Features heraus, also zwei Filme im Stile von 70er-Jahre-Trashfilmen, die in billigen Absteige-Kinos im Doppelpack gezeigt wurden. Robert Rodriguez hat das Konzept für sein „Planet Terror“ mal gleich bis ins kleinste Detail übernommen – sein Film wirkt tatsächlich so, als hätte man in irgendeiner staubigen Garage noch ein paar alte Filmrollen gefunden und die mehr schlecht als recht zusammengestückelt. Allein dieses Konzept macht den Film schon sehenswert. Dazu kommt ein gut aufgelegter Cast (u.a. Josh Brolin, Rose McGowan, Michael Biehn, Marley Shelton, Bruce Willis, Michael Parks, Freddy Rodriguez und Quentin Tarantino himself), die mit sichtlich Freude Blut, Eiter und sonstige Körperflüssigkeiten verlieren oder dafür sorgen, dass ihre Gegenüber diese Flüssigkeiten verlieren. „Planet Terror“ ist ein grindiger Film auf allen Ebenen, aber gerade dadurch, dass er so komplett over the top ist, eine sehr spaßige Angelegenheit und gerade das Richtige für eine Filmparty mit Freunden, die allerdings allesamt über einen Saumagen verfügen sollten. Die Geschichte selbst? Zombies halt. Was wurscht ist, es hätten auch Marsianer sein können oder Werwölfe – Hauptsache, die Gedärme spritzen. Und damit ist meine Rezension gleichermaßen Empfehlung wie Warnung. Viel Spaß mit dem Ding!


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Mainstream (2020)

Regie: Gia Coppola
Original-Titel: Mainstream
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Komödie, Satire
IMDB-Link: Mainstream


Wenn du Coppola heißt, dann wirst du nicht Zuckerbäckerin oder Rauchfangkehrer. Dann gehst du ins Filmbusiness. Basta. So ist nun auch Francis Ford Coppola-Enkelin Gia endgültig auf den Filmfestivals dieser Welt angekommen. Ihr zweiter Langfilm „Mainstream“ fühlt sich ein bisschen wie ein Debüt an: Voller Energie und aberwitziger Regieeinfälle (manche davon gelungen, manche weniger), ein bisschen chaotisch, aber sympathisch, mit einer Botschaft, die dann doch wieder verwässert wird. Die Kellnerin Frankie (Maya Hawke, die Tochter von Uma Thurman und Ethan Hawke, wo wir bei der nächsten cineastisch beschlagenen Familie wären) trifft auf den jungen Spinner und Smartphone-Verweigerer Link (Andrew Garfield), der sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält und in den Tag hineinlebt. Fasziniert von seinen Spompernadeln lässt sie alles liegen und stehen und schließt sich seinem Joie de vivre an. Gemeinsam mit ihrem Kumpel Jake (Nat Wolff) erfinden sie die Kunstfigur No One Special, die uns Smombies den Spiegel vorhalten soll. Ein Musikvideo geht viral, und von da an nimmt das Projekt eine Dynamik auf, die Frankie, Link und Jake bald nicht mehr steuern können – vor allem, als der dubiose Agent Mark Schwartz (Jason Schwartzman) hinzustößt. Man sieht: Das ist alles ein bisschen plump und plakativ. Alle vorstellbaren Klischees und Topoi werden brav abgearbeitet. Und die eigentliche Botschaft des Films wird durch die weitere Storyline korrumpiert. Wie Frankie im Film verliert auch Gia Coppola zunehmend die Kontrolle. Ihre energiegeladene Inszenierung sorgt dennoch dafür, dass der Film kurzweilig und unterhaltsam bleibt, aber wie viel mehr hätte man da noch rausholen können!


5,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

Die Zahlen (2020)

Regie: Oleg Sentsov
Original-Titel: Nomery
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Satire
IMDB-Link: Nomery


Die Ukrainer sind derzeit arg gebeutelt, keine Frage. Und wie so oft in Ländern, die unter Repressalien leiden, ist die Kunst ein wichtiger Katalysator, um Dinge anzusprechen, über die sonst geschwiegen wird bzw. werden muss. So hat Oleg Sentsov mit „Die Zahlen“ ein Theaterstück geschrieben, das vorrangig als Parodie auf religiösen Fanatismus oder auch Religionen per se gesehen werden kann, indirekt aber auch mit der Obrigkeitshörigkeit und dem Streben nach Macht abrechnet. Wer da nicht an Putins Russland denkt (oder andere autoritäre Systeme), hat die vergangenen Jahrzehnte wohl verschlafen. Die Verfilmung des Theaterstücks ist nun … ein Theaterstück. Die Kulissen und das Schauspiel scheinen direkt von der Bühne in die Kamera gestopft zu sein, mit all ihren Reduktionen und Verfremdungen. Das ist zu Beginn recht gewöhnungsbedürftig, aber wenn man mal reingekommen ist, wird die Sache sehr schnell recht vergnüglich. Live-Applaus ist halt im Kinosaal unangemessen, aber ansonsten trennt nicht viel die Performance der Theaterbühne vom Zelluloid. Im Zentrum stehen die Nummern 1 bis 10, wobei Männer die ungeraden Zahlen und Frauen die geraden. Unter Regie und Aufsicht der großen 0, die über der Bühne hängt und die Fäden zieht, müssen die Zahlen gemäß Regelbuch absurde tägliche Rituale durchführen. Und was zu erwarten ist: Irgendwann regt sich Widerstand. Die Nummern 7 und 9 beginnen, die Regeln und Rituale in Frage zu stellen und streben nach einer neuen Ordnung und nach Selbstbestimmung. Besonders subtil ist „Die Zahlen“ nicht, aber wirkungsvoll und unterhaltsam. Und mal was Anderes: Ein Theaterbesuch im Rahmen der Viennale.


6,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga (2020)

Regie: David Dobkin
Original-Titel: Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Komödie, Musikfilm, Satire, Rom-Com
IMDB-Link: Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga


Will Ferrell kann ganz schön anstrengend sein. Die stoischen Kindsköpfe, die er stets zu spielen pflegt, haben sich halt mittlerweile abgenutzt, und man könnte meinen, dass er ein One-Trick-Pony ist. Für das wunderbare „Stranger Than Fiction“ war er perfekt, aber der Film liegt halt auch schon wieder 14 Jahre zurück. Und nun spielt er in „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ einen isländischen Popmusiker, der mit seiner Partnerin Sigrid (Rachel McAdams) beim Eurovision Song Contest groß rauskommen möchte. Sein einziger Lebenstraum: Dort zu triumphieren. Was nach einem sicheren Weg ins filmische Desaster klingt, nämlich die Parodie auf eine Parodieveranstaltung mit dem stoischen Kindskopf Will Ferrell in der Hauptrolle, entpuppt sich überraschend als recht charmante Hommage an einen Wettbewerb, den keiner ernst nehmen kann und der gerade deshalb so großartig und wichtig ist. Die musikalischen Beiträge und deren Interpreten sind auf dem Punkt. Jeder einzelne von ihnen könnte im echten Eurovision Song Contest auftreten. Und so lächerlich die Veranstaltung per se auch ist, sie wird von David Dobkins Film nicht lächerlich gemacht. Da merkt man, dass die Macher mit sehr viel Liebe ans Werk gegangen sind. Und plötzlich ist auch Will Ferrell wieder erträglich, und die Musik plötzlich bei aller Absurdität gar nicht so schlecht und das Leben irgendwie schön und bunt. Soll nichts Schlimmeres passieren als der neue Will Ferrell-Film.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by John Wilson/NETFLIX/John Wilson/NETFLIX – © 2020 Netflix, Inc., Quelle imdb.com)

Der Schacht (2019)

Regie: Galder Gaztelu-Urrutia
Original-Titel: El hoyo
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Thriller, Satire, Drama, Horror
IMDB-Link: El hoyo


Für einen guten Film braucht es nicht mehr als eine gute Idee. Dann reicht es auch, wenn man beispielsweise Tom Hardy in ein Auto setzt und telefonieren lässt (wie in No Turning Back) oder ein paar Nasen durch ein Labyrinth aus Würfeln laufen lässt (wie in „Cube“). Mit letzterem Film hat „Der Schacht“ des jungen spanischen Regisseurs Galder Gaztelu-Urrutia einiges gemein. Denn auch hier ist die Kulisse auf das Allernötigste zusammengedampft und gerade in seiner Repetition äußerst interessant. Es beginnt damit, dass Goreng (Iván Massagué), der sich freiwillig dafür gemeldet hat, auf der Plattform 48 des Schachtes erwacht. Der Schacht ist ein Konstrukt aus einer unbekannten Anzahl von Ebenen, auf der jeweils zwei Menschen zusammen eingesperrt sind. Die haben je einen persönlichen Gegenstand bei sich sowie die Kleidung, die sie am Körper tragen. In der Mitte dieser Ebenen befindet sich ein rechteckiges Loch. Dadurch fährt einmal pro Tag ein Tisch voller Essen herab. Das Perfide: Je weiter der Tisch nach unten kommt, desto weniger befindet sich logischerweise darauf. Wer also auf einer der oberen Ebenen sitzt, kann sich satt essen. Auf den unteren Ebenen hingegen sieht es hingegen trist aus. Noch perfider: Einmal im Monat werden alle Insassen betäubt und wachen auf einer neuen Ebene auf. Wer vorhin oben war, kann sich nun unten wiederfinden – und umgekehrt. Ebene 48 scheint dabei kein schlechter Start zu sein, wie Gorengs Mitbewohner, der zynische und opportunistische Trimagasi (Zorion Eguileor) versichert. Der ist schon seit zehn Monaten im Schacht und sitzt seine letzten beiden Ebenen ab. Als im nächsten Monat Goreng und Trimagasi auf Ebene 171 erwachen, geht der Spaß los – denn Essen kommt da unten keines mehr an. „Der Schacht“ ist eine düstere Parabel und unverhohlene Kapitalismus-Kritik. Als solche ist sie vielleicht ein wenig plump geraten, aber dennoch – oder vielleicht auch gerade deshalb – äußerst wirkungsvoll. Diese Netflix-Eigenproduktion entwickelt sich gerade zum viralen Renner, und das zurecht. Denn durch die Umsetzung mit minimalen Mitteln konzentriert sich der Film komplett auf seinen Inhalt, der politisch, religiös und vor allem natürlich gesellschaftskritisch interpretiert werden kann. Die von Gaztelu-Urrutia vorgeschlagene Lösung ist vielleicht zu einfach und naiv gestrickt, doch legt er unzweifelhaft den Finger in die Wunde unserer Gesellschaft, dass es nämlich schwierig bis unmöglich ist, das bestehende System von innen, also jenen, die Teil davon sind, zu ändern. In dieser Hinsicht ist die Dystopie keine mehr, sondern ein bitterer Realitäts-Check.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Der Herr Karl (1961)

Regie: Erich Neuberg
Original-Titel: Der Herr Karl
Erscheinungsjahr: 1961
Genre: Drama, Satire
IMDB-Link: Der Herr Karl


„Man hat eine gewisse Größe gespürt.“ So der Herr Karl (Helmut Qualtinger in seiner Paraderolle) über Adolf Hitler und dessen Einmarsch in Österreich. Der Herr Karl hat es sich richten können. Vom Sozialisten zum Nationalsozialisten ist es schließlich nicht weit. Dabei hat er ja nichts Böses im Sinn. Ein braver Arbeiter ist er mit kugelrundem Gesicht und kugelrunden Augen. Ein anständiger Kerl, immer gesetzestreu und katholisch, einer mit Schmäh, der auch gern mal eine Hetz‘ hat. Mit der Treue hat er’s nicht so ganz, aber das ist nun mal die natürliche Ordnung: Die Frau gibt, der Mann nimmt. Wozu gegen die Natur aufbegehren? So kommt er gut durchs Leben, der Herr Karl, und Rückschläge spült er mit einem Bierchen hinunter, man wird sich ja wohl noch was gönnen dürfen. Der Herr Karl ist richtig unangenehm. Ein Opportunist, ein Wadlbeißer, einer, der nach unten tritt und nach oben buckelt. Der Herr Karl ist auch heute noch omnipräsent. Er ist der nette Nachbar, der die Einladungen zum Grillen bei ihm immer wieder mit schal klingenden Ausreden vertröstet, aber jeden Tag zu Kaffee und Kuchen auf der Matte steht. Er ist die tierliebende Nachbarin, die von der Stadt aufs Land zieht, weil in der Stadt wird ja kein Deutsch mehr gesprochen, überall Tschuschen, die unsere heimische Kultur zerstören. Er ist der gewissenhafte Arbeitskollege, der Nachrichten von im Mittelmeer ertrinkenden Kindern mit den Worten kommentiert: „Wären sie halt in Afrika geblieben.“ Er ist die Kassiererin im Supermarkt, die ein altes Mütterchen, das mit zittrigen Fingern nach Münzen im Geldbeutel sucht, anschnauzt, dass sie nicht den ganzen Tag Zeit habe und sie schon längst auf Mittagspause sein könnte. Das ist der Herr Karl. Er ist überall. Und er traut sich heute mehr denn je aus seiner Deckung heraus. Er hat Rückenwind, der Herr Karl. Wenn jeder auf sich schaut, schaut’s gut aus für Leute wie ihn. Man sollte Qualtingers Meisterstück auch heute noch verpflichtend an jeder Schule zeigen. Vielleicht würde es etwas ändern. Weil im Grunde des Herzens möchte keiner der Herr Karl sein. Danke, Helmut Qualtinger, dass du das übernommen hast und der Spiegel geworden bist, den wir manchmal brauchen.


9,0
von 10 Kürbissen