Satire

Die Simpsons – Der Film (2007)

Regie: David Silverman
Original-Titel: The Simpsons Movie
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Animation, Satire
IMDB-Link: The Simpsons Movie


Was für ein weltweites popkulturelles Phänomen die gelben Springfielder mit den 4 Fingern sind, muss man wohl niemandem mehr erklären, der nicht die vergangenen drei Jahrzehnte Jahre im Koma gelegen ist. Die Simpsons sind Kult – so einfach ist das. Und auch wenn ich selbst bei weitem nicht alle Folgen gesehen habe, schon gar nicht in der Reihenfolge ihrer mittlerweile 33 Staffeln, so bleibe ich dennoch immer wieder gerne hängen, wenn ich im Fernsehen mal auf eine Episode stoße. Keine andere Serie davor hat den American Way of Life so pointiert auseinandergenommen. In ihrem ersten (und bislang einzigen) großen Kinoabenteuer bleiben die Macher der Simpsons ihrem Stil treu – der Film könnte auch eine einzige lange Episode sein, und das ist keinesfalls schlecht. Interessant ist, dass die Story (die Folgen einer großen Umweltverschmutzung in Springfield) auch heute, 14 Jahre später, noch relevant wirkt. Leider. In diesem Sinne machen die Simpsons ihrer prophetischen Begabung, die man ihnen gerne zuschreibt, wieder alle Ehre. Rund um diese an sich finstere, fast schon apokalyptische Geschichte haben die Schreiber aber ein paar der besten Gags in der Geschichte der Simpsons eingebaut. Ein Beispiel: Im Angesichts der drohenden Katastrophe sieht man die Menschen aus der Kirche und Moe’s Bar strömen, die nebeneinander gelegen sind – und panisch rennen sie in die jeweils andere Seelsorginstitution. Dieser schön eingesetzte subtile Humor entschädigt für manche kleinere Längen oder Nebenstränge, die vielleicht ein klein wenig infantil ausfallen. Durch die Zeitlosigkeit des Films und die vielen bösen Gags, die uns allen einen Spiegel vorhalten, bleiben die Simpsons aber weiterhin relevant und extrem unterhaltsam.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: © The Simpsons TM and 2007 Twentieth Century Fox Film Corporation, Quelle http://www.imdb.com)

Lapsis (2020)

Regie: Noah Hutton
Original-Titel: Lapsis
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Science Fiction, Satire
IMDB-Link: Lapsis


In einer alternativen Realität sind Quantencomputer der neue heiße Scheiß, den jeder haben muss. Für das Verlegen der Quantenkabeln braucht es jedoch die neue Berufsgruppe der Kabelverleger. Die rennen mit Kabelrollen auf fest vorgegebenen Routen durch den Wald und stöpseln die Kabeln an Hubs an. Je länger und aufwendiger die Route, desto mehr Kohle gibt es. Gleichzeitig marschieren quasi als Ansporn kleine Roboter die gleichen Routen entlang – und wer von einem solchen Roboter überholt wird, bekommt kein Geld ausgezahlt. Ray (Dean Imperial) nimmt, auch wenn er nicht sonderlich gut in Form ist, diesen Job an, um die teure Behandlung seines kranken Bruders zahlen zu können. Auf dem Weg lernt er andere Kabelverleger kennen, die aber seltsam reagieren, wenn er seinen Usernamen nennt. Während sich für gewöhnlich jeder selbst einen Namen aussuchen kann, wurde Ray der Name zugeteilt – und der Name scheint eine Vergangenheit zu haben. Erst die Gespräche mit der Kabelverlegerin Anna (Madeline Wise) bringen allmählich Teile dieser Vergangenheit ans Tageslicht. „Lapsis“ ist ein gemütlicher Film. Die meiste Zeit über hatschen Ray und seine Kompagnons durch die Landschaft, während sie Kabelrollen hinter sich herziehen, oder sie campieren pfadfindermäßig in Zeltlagern. Im Detail und zwischen den Zeilen offenbart sich aber eine subtile Gesellschaftskritik, die die alternative Realität nur so weit entfremdet, dass diese Kritik nicht mit dem Holzhammer, sondern mit der feinen Klinge geübt wird. Das ist vielleicht gleichzeitig auch der größte Schwachpunkt des Films: Gerade dieser subtile Zugang ist halt nicht wahnsinnig aufregend anzusehen. Allerdings steckt inhaltlich schon einiges drinnen (Ausbeutung der Arbeiter durch Großkonzerne, Verdrängung durch Automatisierung, das Sozial- und Medizinwesen der USA) – man muss nur ein Stück weit unter das Offensichtliche tauchen.


7,0 Kürbisse

(Foto: Slash Filmfestival)

The Wolf of Wall Street (2013)

Regie: Martin Scorsese
Original-Titel: The Wolf of Wall Street
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Biopic, Satire, Drama
IMDB-Link: The Wolf of Wall Street


Manche Geschichten sind so irre, dass sie nur vom Leben selbst geschrieben werden können. Die Geschichte von Jordan Belfort, der mit viel Chuzpe, noch mehr Drogen und einer völligen Ignoranz gesellschaftlicher Spielregeln, auch „Gesetze“ genannt, zu unverschämt viel Reichtum gekommen ist. In gewisser Weise ist Jordan Belfort in Leonardo DiCaprios Filmografie die logische Weiterentwicklung des Hochstaplers Frank Abagnale aus Catch Me If You Can. Doch während Abagnale noch ein gewitzter Lausbub mit Gewissen war, ist Jordan Belfort quasi ein Virus unserer Zeit. Geld regiert die Welt, und Geld hat man nie genug. Der FBI-Agent Patrick Denham (Kyle Chandler) als moralischer Gegenentwurf steht da von Anfang an auf verlorenem Posten. Es sind die Schurken, die im Gedächtnis bleiben: Belfort selbst natürlich, aber auch seine Entourage, die von einem entfesselt aufspielenden Jonah Hill als Donnie Azoff angeführt wird. Und ganz ehrlich: Auch wenn DiCaprio eine der besten Leistungen seiner Karriere abliefert, so stiehlt im Matthew McConaughey als Mentor Mark Hanna in nur fünf Minuten die ganze Show. Der ganze Film und all seine Darstellerinnen und Darsteller wirken so, als hätte Scorsese sich selbst und seiner Crew an jedem Drehtag morgens eine ordentliche Dosis Marschierpulver eingeworfen und dann einfach die Kamera eingeschaltet und auf das ganze Chaos draufgehalten, bis die Filmrolle leer ist. Ein Energieanfall des Altmeisters, der berechtigterweise zu den denkwürdigsten Filmen der letzten zehn Jahre zählt. Über Moral und Anstand braucht man da nicht mehr diskutieren. Und genau deshalb ist der Film auch ein so guter Kommentar auf unsere Zeit.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Mary Cybulski – © 2013 Paramount Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Mars Attacks! (1996)

Regie: Tim Burton
Original-Titel: Mars Attacks!
Erscheinungsjahr: 1996
Genre: Science Fiction,Komödie, Satire
IMDB-Link: Mars Attacks!


Die frohe Kunde: Wir sind nicht allein im Weltall! Preiset die Marsianer, die sich herablassen zu uns Erdlingen und uns Erleuchtung bringen. Zu Ehren dieser weitgereisten Weisen gibt es den Rest meiner Rezension auf Marsianisch: Ack ack ack ack! Ack! Ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack! Ack ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack! Ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack! Ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack ack! Ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack! Noch Fragen? Ja? Nein? Auf jeden Fall einfach mal Film ab und Tim Burton dabei zusehen, wie er genüsslich zu unserem größten Vergnügen seine grünen Männchen Chaos stiften lässt und fast seinen gesamten Cast wortwörtlich verpulvert. Der Cast hat es überhaupt in sich. Nicht weniger als 31 Oscar-Nominierungen für Schauspiel finden sich darunter, die prominentesten davon sicherlich Jack Nicholson, Glenn Close, Natalie Portman, Pierce Brosnan, Annette Bening, Sarah Jessica Parker, Michael J. Fox, Danny DeVito, Rod Steiger, Christina Applegate, Jack Black, Pam Grier, Martin Short und nicht zuletzt Tom Jones, der die Ehre hat, am Ende eine neue Ära einzusingen. Und was man auch noch festhalten muss: Selbst Jodeln hat seine Daseinsberechtigung. Ack ack ack!


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

American Psycho (2000)

Regie: Mary Harron
Original-Titel: American Psycho
Erscheinungsjahr: 2000
Genre: Thriller, Satire
IMDB-Link: American Psycho


Man kennt das: Langweilige Geschäftsessen, die Kollegen versuchen, sich gegenseitig mit noch schöneren, eindrucksvolleren Visitenkarten zu übertrumpfen, es wird über Abwesende hergezogen, die sich keine tollen Maßanzüge leisten können – der übliche Schwanzvergleich unter großkotzigen Geschäftsmännern, die viel zu jung und viel zu ahnungslos und nur dank ihrer Selbstverliebtheit in die oberen Etagen gekommen sind. Da kann einem schon auch mal der Kragen platzen, und was liegt näher als den ungeliebten Kollegen mit einer Axt den Schädel einzuschlagen? Willkommen in der Welt von Patrick Bateman (Christian Bale der mit seiner ohnehin etwas arroganten Miene eine Traumbesetzung für diese Rolle ist), willkommen in der Welt des American Psycho. Er ist einerseits ein Soziopath erster Güte, andererseits aber auch ein Symptom unserer Zeit, in der in der Welt von Reich & Schön der Schein immer die Überhand über das Sein behält. Es zählt nur, in welchen Restaurants man isst. Gelegentlich fühle ich mich selbst dabei auch ertappt, wenn ich daran denke, was ich schon an Geld für (zugegeben: exzellente) Weinflaschen ausgegeben habe. Aber das ist dann auch die Qualität des Films bzw. des Romans von Bret Easton Ellis: So absurd die Handlung auch sein mag, so satirisch überspitzt sie erzählt wird, irgendwie kann man sich da trotzdem verdammt gut hineinfühlen. Denn wir alle kennen diese Art von Leuten, deren größte Angst es ist, dass ein Vogel auf ihren Porsche kackt, die ihren Ehefrauen protzige Ringe kaufen, um sie am Tag darauf mit ihren Sekretärinnen zu betrügen, die nicht „arbeiten“, sondern „Deals abschließen“, die die bemühte und sichtlich nervöse Kellnerin an ihrem zweiten Arbeitstag zur Sau machen, nur weil sie stilles statt prickelndes Mineralwasser gebracht hat. Und gleichzeitig wollen wir insgeheim ja doch dazugehören, nur dass wir VW statt Porsche fahren würden, auf eine Sekretärin verzichten und mit unseren Jobs etwas Gutes bewirken würden und nett zu Kellnerinnen wären, nicht wahr?


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Hulton Archive/Getty Images – © 2013 Getty Images, Quelle http://www.imdb.com)

Death to 2020 (2020)

Regie: Charlie Brooker
Original-Titel: Death to 2020
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Satire, Politfilm
IMDB-Link: Death to 2020


Ein bisserl Masel hatten die Macher von „Black Mirror“ mit ihrem Jahresrückblick „Death to 2020“ ja schon. Veröffentlicht am 27. Dezember auf Netflix gingen sie frech davon aus, dass in den letzten Tagen des Jahres nichts mehr passieren würde, was in ihrem voreilig veröffentlichten Film sonst fehlen würde. Immerhin hielten sich in den USA die Anhänger des orangenen Proud Boy-Knallkopfs an den Zeitplan und stürmten das Kapitol erst im Jänner. Und so greift „Death to 2020“ im Schnelldurchlauf dann doch alle wichtigen Themen des vergangenen Jahres auf. Schon nach den ersten fünf Minuten wird einem noch einmal so richtig bewusst, was für eine absolute Shitshow auf politischer und gesellschaftlicher Ebene 2020 tatsächlich war. Vieles hat man ja zwischenzeitlich schon erfolgreich verdrängt. Danke, Charlie Brooker, dass du uns den ganzen Mist noch mal nach oben spülst! Waldbrände in Kalifornien, Buschbrände in Australien, Brexit-Chaos, Kettengerassel zwischen Iran und den USA nach der Ermordung von Soleimani, nicht erwähnt, aber durch die Nachrecherche zu dieser Kritik wieder ins Bewusstsein geholt: der Großbrand des Affenhauses in Krefeld, der Terroranschlag in Hanau – und das alles, bevor die erste Fledermaussuppe serviert wurde. Und dann eben dieser wunderschöne Rückfall ins Mittelalter: Eine weltweite Seuche, fundamentalistische Verschwörungstheoretiker, die Wissenschaftler als Ketzer und Häretiker mit Mistgabeln aufspießen wollen, und die Gesandten Gottes in Form der ÖVP-Spitze unter Oberapostel Sobotka, die zum gemeinsamen Gebet ins Parlament laden. Und da soll noch mal einer behaupten, Zeitreisen wären heutzutage noch nicht möglich. Letzteres sparen Charlie Brooker und sein Team gnädigerweise aus, aber Österreich ist nicht der Nabel der Welt, und mit der Aufarbeitung der Fehltritte von Johnson, Bolsonaro und Trump sind die Macher des Films eh gut beschäftigt. Dabei bekommt Brooker tatkräftige Unterstützung aus Hollywood: Samuel L. Jackson als Journalist, Hugh Grant als konservativer Historiker, Lisa Kudrow als dauerlügende Pressetante des Weißen Hauses sind da nur die Speerspitze, Grant und Kudrow dabei die parodistischen Highlights, wenn man von Trump absieht, der selbst seine eigene bestmögliche Parodie abgibt. Das Erschreckende an dem Film ist aber, dass all das, was hier humorvoll aufgearbeitet wird, auch wirklich passiert ist. Da bleibt einem so manches Lachen im Hals stecken. Ein wenig mehr Drive hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle gewünscht, auch sind manche Kommentare zum Weltgeschehen noch immer viel zu zahm – mir wären da noch deutlichere Worte eingefallen. Man hätte den Pegel also durchaus noch etwas nach oben drehen können. 2020 hätte es verdient. Hoffen wir mal, dass es keine Fortsetzung „Death to 2021“ braucht, um diese Empfehlung noch umzusetzen.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2020 Netflix, Inc., Quelle http://www.imdb.com)

5 Zimmer Küche Sarg (2014)

Regie: Jemaine Clement und Taika Waititi
Original-Titel: What We Do in the Shadows
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Komödie, Satire
IMDB-Link: What We Do in the Shadows


Bevor sich Taika Waititi in Hollywood einen Namen machte und es mit Jojo Rabbit sogar zu Oscarwürden brachte, drehte er mit seinem Kumpel Jemaine Clement die abgedrehte Mockumentary „What We Do in the Shadows“. In dieser folgt ein Filmteam einer Vampir-WG in Neuseeland, die neben den offensichtlichen Schwierigkeiten der Nahrungsbeschaffung auch weitaus profanere Probleme haben: Was, wenn einer von ihnen schon seit Jahren seinen häuslichen WG-Pflichten nicht nachkommt und sich der Abwasch bis unter die Decke stapelt? Taika Waititi und Jemaine Clement ließen es sich nicht nehmen, selbst zwei der Hauptfiguren zu spielen, den pedantischen Dandy Viago, der das Filmteam durchs Haus führt, und den von sich eingenommenen Vladislav, der sich etliche seiner mittelalterlichen Ansichten bis in die heutige Zeit bewahrt hat. Vervollständigt wird die WG durch den uralten Petyr (Ben Fransham), der griesgrämig im Keller wohnt, und den jüngsten Vampir der Runde, Deacon (Jonathan Brugh), der mit seiner aufbrausenden Art nicht überall auf Gegenliebe stößt. Als eher versehentlich der als Nachspeise geplante Nick (Cori Gonzalez-Macuer) zur Truppe stößt, selbst Vampir geworden, und er seinen menschlichen Kumpel Stu (Stuart Rutherford) mitbringt, entwickeln sich allmählich Spannungen in der schattigen WG. „What We Do in the Shadows“ (auf Deutsch etwas hatschert mit „5 Zimmer Küche Sarg“ übersetzt) verbindet den Horror mystischer Kreaturen mit dem gewöhnlichen Alltag und führt die Vampire damit ad absurdum. Ein so einfaches wie geniales Rezept, das gerade durch die inszenierte Ernsthaftigkeit die Lachmuskeln so sehr beansprucht wie kaum ein anderer Film der letzten Jahre.


8,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Planet Terror (2007)

Regie: Robert Rodriguez
Original-Titel: Grindhouse: Planet Terror
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Horror, Satire, Action
IMDB-Link: Grindhouse: Planet Terror


Wenn sich zwei hochbegabte Freunde zusammentun, um gemeinsam ein Werk zu erschaffen, kann das Resultat richtig episch werden. Im Fall von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez kamen dabei zwei Filme im Stil der alten Grindhouse-Double Features heraus, also zwei Filme im Stile von 70er-Jahre-Trashfilmen, die in billigen Absteige-Kinos im Doppelpack gezeigt wurden. Robert Rodriguez hat das Konzept für sein „Planet Terror“ mal gleich bis ins kleinste Detail übernommen – sein Film wirkt tatsächlich so, als hätte man in irgendeiner staubigen Garage noch ein paar alte Filmrollen gefunden und die mehr schlecht als recht zusammengestückelt. Allein dieses Konzept macht den Film schon sehenswert. Dazu kommt ein gut aufgelegter Cast (u.a. Josh Brolin, Rose McGowan, Michael Biehn, Marley Shelton, Bruce Willis, Michael Parks, Freddy Rodriguez und Quentin Tarantino himself), die mit sichtlich Freude Blut, Eiter und sonstige Körperflüssigkeiten verlieren oder dafür sorgen, dass ihre Gegenüber diese Flüssigkeiten verlieren. „Planet Terror“ ist ein grindiger Film auf allen Ebenen, aber gerade dadurch, dass er so komplett over the top ist, eine sehr spaßige Angelegenheit und gerade das Richtige für eine Filmparty mit Freunden, die allerdings allesamt über einen Saumagen verfügen sollten. Die Geschichte selbst? Zombies halt. Was wurscht ist, es hätten auch Marsianer sein können oder Werwölfe – Hauptsache, die Gedärme spritzen. Und damit ist meine Rezension gleichermaßen Empfehlung wie Warnung. Viel Spaß mit dem Ding!


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Mainstream (2020)

Regie: Gia Coppola
Original-Titel: Mainstream
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Komödie, Satire
IMDB-Link: Mainstream


Wenn du Coppola heißt, dann wirst du nicht Zuckerbäckerin oder Rauchfangkehrer. Dann gehst du ins Filmbusiness. Basta. So ist nun auch Francis Ford Coppola-Enkelin Gia endgültig auf den Filmfestivals dieser Welt angekommen. Ihr zweiter Langfilm „Mainstream“ fühlt sich ein bisschen wie ein Debüt an: Voller Energie und aberwitziger Regieeinfälle (manche davon gelungen, manche weniger), ein bisschen chaotisch, aber sympathisch, mit einer Botschaft, die dann doch wieder verwässert wird. Die Kellnerin Frankie (Maya Hawke, die Tochter von Uma Thurman und Ethan Hawke, wo wir bei der nächsten cineastisch beschlagenen Familie wären) trifft auf den jungen Spinner und Smartphone-Verweigerer Link (Andrew Garfield), der sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält und in den Tag hineinlebt. Fasziniert von seinen Spompernadeln lässt sie alles liegen und stehen und schließt sich seinem Joie de vivre an. Gemeinsam mit ihrem Kumpel Jake (Nat Wolff) erfinden sie die Kunstfigur No One Special, die uns Smombies den Spiegel vorhalten soll. Ein Musikvideo geht viral, und von da an nimmt das Projekt eine Dynamik auf, die Frankie, Link und Jake bald nicht mehr steuern können – vor allem, als der dubiose Agent Mark Schwartz (Jason Schwartzman) hinzustößt. Man sieht: Das ist alles ein bisschen plump und plakativ. Alle vorstellbaren Klischees und Topoi werden brav abgearbeitet. Und die eigentliche Botschaft des Films wird durch die weitere Storyline korrumpiert. Wie Frankie im Film verliert auch Gia Coppola zunehmend die Kontrolle. Ihre energiegeladene Inszenierung sorgt dennoch dafür, dass der Film kurzweilig und unterhaltsam bleibt, aber wie viel mehr hätte man da noch rausholen können!


5,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

Die Zahlen (2020)

Regie: Oleg Sentsov
Original-Titel: Nomery
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Satire
IMDB-Link: Nomery


Die Ukrainer sind derzeit arg gebeutelt, keine Frage. Und wie so oft in Ländern, die unter Repressalien leiden, ist die Kunst ein wichtiger Katalysator, um Dinge anzusprechen, über die sonst geschwiegen wird bzw. werden muss. So hat Oleg Sentsov mit „Die Zahlen“ ein Theaterstück geschrieben, das vorrangig als Parodie auf religiösen Fanatismus oder auch Religionen per se gesehen werden kann, indirekt aber auch mit der Obrigkeitshörigkeit und dem Streben nach Macht abrechnet. Wer da nicht an Putins Russland denkt (oder andere autoritäre Systeme), hat die vergangenen Jahrzehnte wohl verschlafen. Die Verfilmung des Theaterstücks ist nun … ein Theaterstück. Die Kulissen und das Schauspiel scheinen direkt von der Bühne in die Kamera gestopft zu sein, mit all ihren Reduktionen und Verfremdungen. Das ist zu Beginn recht gewöhnungsbedürftig, aber wenn man mal reingekommen ist, wird die Sache sehr schnell recht vergnüglich. Live-Applaus ist halt im Kinosaal unangemessen, aber ansonsten trennt nicht viel die Performance der Theaterbühne vom Zelluloid. Im Zentrum stehen die Nummern 1 bis 10, wobei Männer die ungeraden Zahlen und Frauen die geraden. Unter Regie und Aufsicht der großen 0, die über der Bühne hängt und die Fäden zieht, müssen die Zahlen gemäß Regelbuch absurde tägliche Rituale durchführen. Und was zu erwarten ist: Irgendwann regt sich Widerstand. Die Nummern 7 und 9 beginnen, die Regeln und Rituale in Frage zu stellen und streben nach einer neuen Ordnung und nach Selbstbestimmung. Besonders subtil ist „Die Zahlen“ nicht, aber wirkungsvoll und unterhaltsam. Und mal was Anderes: Ein Theaterbesuch im Rahmen der Viennale.


6,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)