Science Fiction

Mel Brooks‘ Spaceballs (1987)

Regie: Mel Brooks
Original-Titel: Spaceballs
Erscheinungsjahr: 1987
Genre: Komödie, Satire, Science Fiction
IMDB-Link: Spaceballs


Willkommen in meiner Kindheit! Was habe ich mich zerkugelt über die Abenteuer von Lone Starr (Bill Pullman) mit seinem getreuen Möter, halb Mensch, halb Köter Waldi (John Candy) bei dem Versuch, die eingebildete Prinzessin Vespa (Daphne Zuniga) aus den Klauen der bösen Spaceballs (Rick Moranis als Lord Helmchen und Mel Brooks himself als Präsident Skroob) zu befreien. Ich hätte damals wohl einen ganzen Tag nur mit Spaceballs-Zitaten bestreiten können. „Durchkämmt die Wüste!“, „Möge der Saft mit dir sein!“, „Ich wusste es. Ich bin von Arschlöchern umgeben.“ und so weiter. Für mich war diese Parodie auf die Star Wars-Filme, die ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal kannte, der witzigste Film aller Zeiten. Nun, im aktuellen Alter wiedergesehen muss ich sagen, dass entweder der Zahn der Zeit entweder dem Film oder mir nicht allzu gut getan hat. Die Gags bringen mich auch heute noch zum Schmunzeln, doch ist da mittlerweile viel Sentimentalität dabei. Würde ich den Film heute zum ersten Mal sehen, müsste ich wohl zu einer niedrigeren Bewertung greifen. Denn objektiv betrachtet, ist die Gagdichte zwar hoch, aber leider gehen viele dieser Witze auch daneben, da sie zu albern, zu klamaukig, zu weit unter der Gürtellinie sind und sich zum Teil auch wiederholen. Echte Schmankerl sind immer noch die Instant-Videokassetten („Wann ist jetzt?“ – „Jetzt ist jetzt!“), die zunehmend verzweifelten Versuche des Pfarrers, Prinzessin Vespa unter die Haube zu bringen, oder der von Michael Winslow gespielte Radartechniker und seine Geräusche. Der Rest der 7-Kürbis-Bewertung speist sich aus den Lachanfällen, die ich in meiner Kindheit hatte. So wird der Film für mich auch die nächsten drei Jahrzehnte funktionieren, und zu dieser Bewertung kann ich mit ruhigem Gewissen stehen – aber würde ich den Film jemanden, der ihn noch nicht kennt, uneingeschränkt empfehlen? Das wäre ernsthaft zu hinterfragen.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: © Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Spider-Man: No Way Home (2021)

Regie: Jon Watts
Original-Titel: Spider-Man: No Way Home
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Science Fiction, Abenteuerfilm, Action
IMDB-Link: Spider-Man: No Way Home


Kaum ein Film wurde in diesem Jahr gespannter erwartet als der dritte, finale Teil der Spider-Man Homecoming-Trilogie. Zum dritten Mal schlüpft in einem Solo-Film Tom Holland in die Rolle der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft – und die hat gleich zu Beginn ein gewaltiges Problem: Am Ende des zweiten Films wurde die Identität von Spider-Man preisgegeben, und noch dazu glaubt die halbe Welt, dass er ein Oberschurke ist, der den Superhelden Mysterio auf dem Gewissen hat. Schlechte Voraussetzungen also für ein chilliges Leben im Big Apple. Auch mit der College-Bewerbung Peter Parkers und seiner Freunde scheint es schwierig zu werden. Also wendet er sich an den einen Menschen, der ihm dank magischer Kräfte vielleicht noch helfen könnte: Doctor Strange (Benedict Cumberbatch). Und der hat tatsächlich eine Idee, nur geht die Ausführung derselben leider fürchterlich schief, weshalb die Probleme, die Peter Parker zuvor noch hatte, plötzlich wie eine Kinderjause aussehen gegen das, was sich nun am Horizont zusammenbraut. „Spider-Man: Far From Home“ erfüllt durchaus die hohen Erwartungen, die an ihn gestellt werden. Ich würde jetzt nicht so weit gehen, diesen Film als die Erlösung zu bezeichnen für alle Marvel-Fans, die der Meinung sind, dass sich das Marvel Cinematic Universe festgetreten hätte, aber der Film greift die erfrischende Leichtigkeit der ersten beiden Spider-Man-Filme auf, schlägt aber parallel dazu deutlich dunklere Töne an und wird gegen Ende hin sogar richtig emotional. Der Spider-Man am Ende hat mit dem Spider-Man am Anfang der Trilogie nicht mehr allzu viel gemeinsam. Die Figur hat sich weiterentwickelt, hat Niederlagen einstecken und im Verlauf vieler Abenteuer schmerzhafte Verluste erfahren müssen. So etwas formt natürlich den Charakter. Und die Trilogie macht alles richtig, indem sie sich auf diese Charakterentwicklung konzentriert. „Spider-Man: Far From Home“ ist ein konsequenter Abschluss dieser Entwicklung, doch auch für sich betrachtet der beste Film der Trilogie. Fans haben ihre helle Freude damit, wie der spontane Szenenapplaus während meines Kinobesuchs bewiesen hat. Aber man muss kein Marvel-Nerd sein, um dieses gut geschriebene und spannend inszenierte Stück Abenteuerkino schätzen zu können.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Courtesy of Sony Pictures – © 2021 CTMG. All Rights Reserved, Quelle http://www.imdb.com)

Eternals (2021)

Regie: Chloé Zhao
Original-Titel: Eternals
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Fantasy, Science Fiction, Abenteuerfilm, Action
IMDB-Link: Eternals


Was für ein großartiger Anfang: Mit Pink Floyds Meisterwerk „Time“ und dessen grandiosem Intro beginnt Chloé Zhaos Reise durch die Zeit und das Marvel-Universum. Ganz ehrlich: Besser kann man einen Film nicht eröffnen. Die Oscarpreisträgerin zeigt hier gleich einmal, dass sie mit ihrem ersten Blockbuster „Eternals“ die ausgetretenen Marvel-Pfade verlassen und ein bisschen mehr Anspruch reinbringen möchte. Und ja, „Eternals“ fühlt sich definitiv anders an als alle anderen Filme des Marvel-Universums, die auf Konstanten setzen wie epische Superhelden mit einem ganz persönlichen Klescher, humorvolle Action und actionreichem Humor sowie einem gut dosierten Wohlgefühl beim Publikum (man kann sich darauf verlassen, dass das Böse unter Einsatz von ausreichend Hieben und lockeren Sprüchen in die Schranken gewiesen wird). „Eternals“ hingegen legt die Geschichte noch weitaus größer und bedrohlicher an. Hier geht’s gleich ins Göttliche. Allerdings wirkt die Geschichte nicht ganz rund, und selbst die Laufzeit von über 2,5 Stunden reicht nicht ganz aus, um die Figuren, die Geschichte und das Setting vertraut zu machen. Man fremdelt ein wenig mit allem. Sei es mit den zehn mit recht banalen Superkräften ausgestatteten Eternals, mit den gefräßigen Widersachern, den Deviants, oder mit der ganzen göttlichen Schöpfungsgeschichte. Alles scheint groß aufgeblasen und episch zu sein, entpuppt sich aber im Kern dann als doch recht einfach, fast schon banal. Großartig ist immerhin die unaufgeregte Diversität, die schon in vielen Kritiken wohlwollend angesprochen wurde. Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Es ist schön, dass es Filme gibt, die Diversität aufgreifen und umsetzen, ohne dass das groß zum Thema gemacht wird. So können auch mal talentierte Schauspieler:innen aus der zweiten Reihe glänzen, und die nominellen Superstars wie Angelina Jolie oder Salma Hayek haben kein Problem damit, sich als Nebenfiguren einzugliedern. Der Cast macht seine Sache gut, auch wenn es dann vielleicht doch etwas an Tiefgang fehlt. Das Thema der unsterblichen Held:innen hätte man durchaus noch differenzierter betrachten können. Sehr schön hingegen sind die Sprünge durch die Zeit, der Aufbau der Zivilisation, die Reise durch die Menschheitsgeschichte. Irgendwie beschleicht mich da das Gefühl, dass sich der Stoff als Serie besser gemacht hätte, denn gerade diesen Aspekt, das vorsichtige Leiten der Menschheitsgeschichte durch die Eternals, hat mich persönlich fast am meisten interessiert. Insgesamt ist „Eternals“ ein sehenswerter Film, der sich deutlich vom üblichen Marvel-Universum abhebt (was man nun je nach persönlichen Präferenzen gut oder eher nicht so gut finden kann), der aber leider dann in vielen Belangen doch eher Stückwerk bleibt.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Der Marsianer – Rettet Mark Watney (2015)

Regie: Ridley Scott
Original-Titel: The Martian
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Science Fiction, Abenteuerfilm
IMDB-Link: The Martian


Irgendwer hat sich mal den Spaß erlaubt, nachzurechnen, was es der Welt gekostet hätte, Matt Damon aus all den misslichen Lagen zu retten, in die er in seinen Filmen wie „Der Soldat Private Ryan“, „Interstellar“ oder eben „Der Marsianer“ gerutscht ist. Das war schon ein erkleckliches Sümmchen – dagegen muten die Steuergeldverschwendungen der türkisen ÖVP wie ein Lercherlschaß an. Und wir alle wissen, wie teuer uns diese Bande bislang schon zu stehen kam. In „Der Marsianer“ hat der von Matt Damon gespielte Biologe und Astronaut Mark Watney eben das Pech, nach einem überstürzten Notaufbruch zurückgelassen zu werden. Nun ist der Mars ja nicht unbedingt für seine wirtlichen Bedingungen bekannt. Zum Glück ist Mark Watney aber ein Sprücheklopfer mit einem brillanten Hirn, sodass wir ihm dann zwei Stunden lang dabei zusehen können, wie er sich dort oben gemütlich einrichtet und den Mars kolonialisiert, während unten auf der Erde die Köpfe rauchen, wie man den Gestrandeten wieder zurück auf heimischen Boden bringt. Eines gleich vorweg: Nach der Lektüre von Andy Weirs brillanten Roman war mir nicht klar, wie man diese One-Man-Show, die nur von Logbuch-Einträgen getragen wird, auf Film bannen möchte. Doch ich habe Altmeister Ridley Scott gnadenlos unterschätzt. Ihm gelingt es mit seiner Verfilmung tatsächlich, die launige Komik des Buchs auf die große Leinwand zu übertragen und das auch noch sauspannend zu inszenieren, ohne sich aber gegenüber der Romanvorlage verbiegen zu müssen. Das ist ganz große Regiekunst. Dazu liefert Matt Damon die wohl beste Leistung seit „Good Will Hunting“. Somit ist „Der Marsianer“ einer der besten Science Fiction-Filme der vergangenen zwanzig Jahre – ungemein unterhaltsam, zum Nägelbeißen spannend, exzellent gespielt und technisch/handwerklich höchstklassig umgesetzt. So muss Science Fiction aussehen.


8,5 Kürbisse

(Bildzitat: © TM &2015 Twentieth Century Fox Film Corporation, Quelle http://www.imdb.com)

Lapsis (2020)

Regie: Noah Hutton
Original-Titel: Lapsis
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Science Fiction, Satire
IMDB-Link: Lapsis


In einer alternativen Realität sind Quantencomputer der neue heiße Scheiß, den jeder haben muss. Für das Verlegen der Quantenkabeln braucht es jedoch die neue Berufsgruppe der Kabelverleger. Die rennen mit Kabelrollen auf fest vorgegebenen Routen durch den Wald und stöpseln die Kabeln an Hubs an. Je länger und aufwendiger die Route, desto mehr Kohle gibt es. Gleichzeitig marschieren quasi als Ansporn kleine Roboter die gleichen Routen entlang – und wer von einem solchen Roboter überholt wird, bekommt kein Geld ausgezahlt. Ray (Dean Imperial) nimmt, auch wenn er nicht sonderlich gut in Form ist, diesen Job an, um die teure Behandlung seines kranken Bruders zahlen zu können. Auf dem Weg lernt er andere Kabelverleger kennen, die aber seltsam reagieren, wenn er seinen Usernamen nennt. Während sich für gewöhnlich jeder selbst einen Namen aussuchen kann, wurde Ray der Name zugeteilt – und der Name scheint eine Vergangenheit zu haben. Erst die Gespräche mit der Kabelverlegerin Anna (Madeline Wise) bringen allmählich Teile dieser Vergangenheit ans Tageslicht. „Lapsis“ ist ein gemütlicher Film. Die meiste Zeit über hatschen Ray und seine Kompagnons durch die Landschaft, während sie Kabelrollen hinter sich herziehen, oder sie campieren pfadfindermäßig in Zeltlagern. Im Detail und zwischen den Zeilen offenbart sich aber eine subtile Gesellschaftskritik, die die alternative Realität nur so weit entfremdet, dass diese Kritik nicht mit dem Holzhammer, sondern mit der feinen Klinge geübt wird. Das ist vielleicht gleichzeitig auch der größte Schwachpunkt des Films: Gerade dieser subtile Zugang ist halt nicht wahnsinnig aufregend anzusehen. Allerdings steckt inhaltlich schon einiges drinnen (Ausbeutung der Arbeiter durch Großkonzerne, Verdrängung durch Automatisierung, das Sozial- und Medizinwesen der USA) – man muss nur ein Stück weit unter das Offensichtliche tauchen.


7,0 Kürbisse

(Foto: Slash Filmfestival)

Dune (2021)

Regie: Denis Villeneuve
Original-Titel: Dune
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Science Fiction
IMDB-Link: Dune


Es zeigt sich, dass man Leute an Themen lassen sollte, die diese wirklich lieben und umsetzen wollen. David Lynch mag für die Verfilmung von Frank Herberts Sci-Fi-Epos nicht die richtige Wahl gewesen sein, er selbst hasst seinen Film sogar. Bei Denis Villeneuve ist der Stoff in besseren Händen, und schon kommt eine ganz andere Würze hinein. Dass der Mann ein Händchen für eindrucksvolle und atmosphärisch dichte Bilder hat, ist das Salz in der Suppe. Und weil er sich so akribisch in die Materie vertieft hat, ist sein „Dune“ der Auftakt zu einem geplanten Zweiteiler, wobei sich die Produktion der zweiten Hälfte des Films nach dem Box Office-Ergebnis von Teil 1 entscheidet. Also mache ich euch gleich mal ein bisschen Pfeffer unterm Hintern: Geht ins Kino und schaut euch den Film an! Das ist Event-Kino vom Feinsten, für solche Blockbuster sind überdimensionierte Leinwände erfunden worden. Wenn ihr mit dem Inhalt nicht so ganz vertraut seid, hier eine kurze Zusammenfassung in Muskatnuss-Dosis, um euch nicht den Spaß zu spoilern: Auf einem Wüstenplaneten wird das richtig gute Zeug abgebaut, das den Menschen nicht nur schöne Augen macht, sondern Reisen quer durchs All erst möglich macht. Klar: Wer sich das Spice unter den Nagel reißen kann, ist ein gemachter Mann (bzw. ein gemachtes Herrscherhaus). Aber das weckt natürlich auch Begehrlichkeiten, und so haben gleich mehrere Familien ein großes Interesse daran, den Wüstenplaneten unter ihre Herrschaft zu bringen. Währenddessen träumt ein Herrschersohn von einem Spice Girl, und wie so oft in Sci-Fi- und Fantasy-Filmen sind Visionen gefährlich (Christian Stangl kann nach seiner Vision einer K2-Besteigung im Übrigen auch ein Lied davon singen.) Und schon geht alles durcheinander, dem jungen Mann brennt es wie Pfeffer unterm Hintern, um sich zu beweisen. Das alles wird begleitet von den schon angesprochenen atemberaubenden Bildern, für die man sich bei Kameramann Greig Fraser bedanken darf, und einem späten akustischen Höhepunkt in der Karriere des ewigen Hans Zimmer. Die Besetzung steht dem in Sachen Qualität nichts nach. Timothée Chalamet trägt die Bürde der Hauptrolle, an die so große Erwartungen verknüpft sind, mit Leichtigkeit, dazu ergänzen Rebecca Ferguson, Zendaya, Josh Brolin, Oscar Isaac, ein bis zur Unkenntlichkeit aufgedunsener Stellan Skarsgård, Dave Bautista, Jason Momoa, Javier Bardem und Charlotte Rampling den Allstar-Cast, und was soll ich sagen? Die Mischung schmeckt! Einer der ganz großen Höhepunkte dieses bislang so bitteren Kinojahres.


8,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Courtesy of Warner Bros. Picture/Courtesy of Warner Bros. Picture – © 2019 Warner Bros. Entertainment Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Tides (2021)

Regie: Tim Fehlbaum
Original-Titel: Tides
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Science Fiction, Drama
IMDB-Link: Tides


Filme, die darauf basieren, dass wir es als Menschheit einfach kollektiv verkackt haben und die Welt unbewohnbar oder zumindest ein verdammt ungemütlicher Ort geworden ist, gibt es ja so einige. In Zeiten drastischer Klimaveränderung und steigender Ressourcenknappheit ist dieses Topos allerdings so nah am Puls der Gegenwart wie noch nie. Tim Fehlbaum, ein aufstrebender Schweizer Filmemacher, hat sich diese Aktualität zunutze gemacht und einen düsteren Science Fiction-Film auf die Leinwand gebracht, der zeigt, was uns blüht, wenn wir den Zug verpassen. Denn dann vergammelt ein Teil der Menschheit als hirngewaschenes Kollektiv auf einem fernen Planeten, während die verbliebenen armen Hunde des Planeten, „Muds“ genannt, zivilisatorisch ins Mittelalter zurückgeschossen wurden – nur dass sie Feuerwaffen haben, was jetzt allerdings auch nicht unbedingt ein Merkmal entwickelter Zivilisation bedeutet. Es ist immer kalt, es ist immer nass und schlammig (das Wattenmeer als Schauplatz ist klug gewählt, es lässt den Menschen noch weiter wegrücken vom Menschsein), und man vegetiert halt so dahin. Atmosphärisch fühlte ich mich immer wieder an The Bad Batch erinnert, ob nun Sandwüste oder Schlammwüste ist auch schon egal. Allerdings wirft Tim Fehlbaum nicht jegliche konventionelle Storyline über Board, um seine Dystopie auszureizen, im Gegenteil: Die Handlung selbst rund um die wortwörtlich gestrandete Aufklärungsastronautin Blake (Nora Arnezeder) kann in Sachen Originalität mit den eindrucksvollen Bildern nicht mithalten und liefert schon bekannte Kost. Die ist jetzt nicht schlecht, aber eben leider etwas arg vorhersehbar. Dennoch ist „Tides“ ein Film, der die große Leinwand verdient und auch darauf genossen werden will.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: © Constantin Film/BerghausWoebke/Gordon Timpen, Quelle http://www.imdb.com)

Free Guy (2021)

Regie: Shawn Levy
Original-Titel: Free Guy
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Abenteuerfilm, Science Fiction, Komödie
IMDB-Link: Free Guy


Manche Rezepte sind wirklich einfach. Zum Beispiel jenes für Shawn Levys Komödie „Free Guy“: Man mixe Ready Player One mit „Stranger Than Fiction“, würze das mit ein wenig „The Truman Show“ und füge viel Ryan Reynolds (pur, nicht verwässert oder mit anderen Ingredienzen gestreckt) hinzu, und schon schmeckt die Suppe. Ein Level-Up für besondere Kreativität gibt es nicht, aber immerhin prächtige Unterhaltung mit einem grundsympathischen und beherzt aufspielenden Cast (darunter der aus „Stranger Things“ bekannte Joe Keery, ein überdrehter Taika Waititi oder Jodie Comer als Namen, den man sich merken muss – und wenn die Prognosen Recht behalten, dürfen wir sie dank ihrer Rolle im kommenden „The Last Duel“ auch in einigen Monaten während der Award-Season öfter mal unter den Nominierten sehen). Worum geht’s? Ganz einfach um einen NPC (Non Playing Character) eines Open World-Computerspiels, der eines Tages ein Eigenleben entwickelt und feststellt, dass er mehr sein möchte als nur eine sich stetig wiederholende Randfigur. Dass er zu dieser Einsicht kommt, verdankt er dem attraktiven MolotovGirl, das seine Codes ordentlich durcheinanderbringt. Diese ist in der Spielewelt Free City in eigener Mission unterwegs, und schon bald überschlagen sich die Ereignisse, und es geht um nichts Anderes als das digitale Überleben. Wie gesagt, die Idee – so witzig sie auch ist – erinnert schon sehr an die vorhin genannten Filme. Dennoch ist das alles so charmant und unterhaltsam umgesetzt, dass das nicht weiter stört. Im Gegenteil – in seinen stärksten Momenten entwickelt der Film die Ideen der Vorlagen weiter und ist da noch mal ein Stück weit konsequenter. Alles steht und fällt aber natürlich mit der Hauptfigur Guy, die bei Ryan Reynolds in den besten Händen ist. Der Mann wurde einfach geboren für solche Rollen: ein bisschen verpeilt, mit naivem Hundeblick und einem unschuldigen Lächeln auf den Lippen, während die Welt um ihn herum explodiert. Etwas anderes wollen wir eigentlich auch gar nicht von ihm sehen. Womit wir wieder bei den eingangs erwähnten einfachen, aber schmackhaften Rezepten wären.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat:: Photo by Alan Markfield/Photo by Alan Markfield – © 2020 Twentieth Century Fox Film Corporation, Quelle http://www.imdb.com)

Chappie (2015)

Regie: Neill Blomkamp
Original-Titel: Chappie
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Drama, Science Fiction, Action
IMDB-Link: Chappie


Mit dem oscarnominierten „District 9“ hat Neill Blomkamp einen der besten Science Fiction-Filme der letzten 15 Jahre vorgelegt. Meine Erwartungshaltung an „Chappie“ war dementsprechend positiv. Darin geht es um einen Polizeiroboter, der ein Eigenleben, eine Seele entwickelt und lernen muss, sich in einer harten, unbarmherzigen Welt zu behaupten. Ihm dabei zur Seite steht ein Verbrecherduo (Yolandi und Ninja von der südafrikanischen Elektro-Band Die Antwoord) und der Wissenschaftler Deon Wilson (Dev Patel). Die Gegenseite besteht aus Hugh Jackman, der sichtlich Freude daran hat, mal böse sein zu dürfen, und Sigourney Weaver. Das Herzstück des Films ist aber der Roboter Chappie, der tatsächlich als Projektionsfläche für allerlei Emotionen funktioniert. So geht der Film in seinen besten Momenten auch sehr an die Nieren und reißt den Zuseher mit. Allerdings hat „Chappie“ drei gewaltige Probleme: Erstens: Man hat das alles schon in den 80ern Jahren in „Nummer fünf lebt“ gesehen. „Chappie“ wirkt fast schon wie ein Remake des Kultklassikers und hat wenig eigene Ideen. Zweitens: Die beiden Nasen von Die Antwoord können einfach nicht spielen, so lustig sie auch aussehen. Aber neben ihren oscarnominierten Kollegen Weaver, Jackman und Patel (auch wenn die in diesem Film keine Glanzrollen hinlegen) gehen sie nicht nur komplett unter, vielmehr stören sie oft auch das Filmgeschehen mit ihrem unbeholfenen Spiel. Und drittens: „Chappie“ weiß nicht, ob er ein Plädoyer für Diversität und Selbstbestimmung sein möchte, oder ein harter Actionkracher. Der Versuch, beides zu sein, geht daneben, denn dadurch wird der Film unrund und anstrengend. So bleibt es bei vielen guten Ansätzen, die aber insgesamt keinen sonderlich guten Film ergeben. Sehenswert ist „Chappie“ dennoch, aber er verschenkt eben viel Potential und kommt nie auch nur ansatzweise in die Situation, am Stuhl von „District 9“ als Blomkamps Meisterwerk zu sägen.


5,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 2015 CTMG, Inc. All rights reserved. Courtesy of Columbia Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

A Quiet Place 2 (2020)

Regie: John Krasinski
Original-Titel: A Quiet Place: Part II
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Horror, Thriller, Science Fiction
IMDB-Link: A Quiet Place: Part II


Wenn man in Deutschland jemand auffordern möchte, leise zu sein, tut man das in der Regel mit einem „Pssst!“. Das funktioniert in Österreich auch, aber wir Wiener haben da mal wieder kreativere Wörter und Ausdrucksweisen gefunden, die man stattdessen verwenden kann. Ein herzhaftes „Gusch, du Heisl!“ böte sich da an. Auch ein grantiges „Sei stad!“ erfüllt den Zweck. Nicht zu verwechseln übrigens mit dem Wort „hocknstad“ als Synonym für „arbeitslos“. Ja, Sprache schlägt manchmal wunderliche Kapriolen. Jedenfalls kann man das „Gusch!“ nur allen Protagonist:innen von „A Quiet Place 2“ mitgeben, aber man muss das nicht unbedingt tun, denn der Film setzt nahtlos den ersten Teil fort, und insofern wissen Emily Blunt & Co. schon Bescheid. Selbst das leiseste Geräusch kann das letzte sein, was du in dieser Welt machst. Denn die ist ziemlich entvölkert bzw. bevölkert von fiesen Außerirdischen, die zwar blind wie Maulwürfe sind, aber dafür ein besseres Gehör als meine Katzen haben, wenn ich die Lade öffne, in der sich die Leckerlis befinden. „A Quiet Place 2“ fügt der (interessanten) Ausgangsbasis des ersten Teil nicht viel Neues hinzu. Das macht aber nichts. Denn der Film funktioniert über den nervenzerfetzenden Spannungsbogen und die geniale unterlegte Geräuschkulisse. Jedes Knirschen eines Fußes auf dem Kies kann zur Todesfalle werden. Schön ist, dass die gehörlose Tochter Regan (großartig gespielt von der tatsächlich gehörlosen Millicent Simmonds) hier die Hauptlast des Handlungsstranges wuchtet, denn gerade mit ihrem Charakter fiebert man aufgrund ihres Defizits besonders mit. Dafür hätten den nervigen Sohn (Noah Jupe) gerne gleich zu Beginn die Monster holen können. Aber gut. Ein fetzendeppertes Kind braucht jeder Horrorfilm. Und natürlich ist auch dieser Film nicht frei von (teils auch gröberen) Logiklöchern – auch etwas, was fast alle Horrorfilme vereint. Ist „A Quiet Place 2′“ nun besser oder schlechter als der Vorgänger? Ich würde sagen, die beiden Filme bewegen sich auf einem sehr ähnlichen Niveau. Während der erste Teil noch mehr die Schrecken der Welt erkundet hat, handelt der zweite Film mehr von einem Zurückerobern des verlorengegangenen Lebensraums und erzählt damit die Geschichte konsequent weiter. Sauspannend sind beide Filme, also gibt es für beide auch die gleiche Wertung.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Photo Credit: Jonny Cournoyer – © 2019 Paramount Pictures, Quelle http://www.imdb.com)