Science Fiction

Der Spinnenkopf (2022)

Regie: Joseph Kosinski
Original-Titel: Spiderhead
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Thriller, Drama, Action, Science Fiction
IMDB-Link: Spiderhead


Chris Hemsworth als Thor ist der absolute Hammer. Als nerdiger Wissenschaftler, der Strafgefangenen in einer Versuchsanordnung Substanzen spritzt, die Emotionen wecken sollen, eher nicht so. Aber das ist nicht mal das Hauptproblem der Netflix-Eigenproduktion „Der Spinnenkopf“ unter der Regie von Joseph Kosinski. Denn an sich wäre die Prämisse brauchbar und geeignet, einen spannenden Film, der moralische Fragen aufwirft, zu produzieren. Aber: Der Film weiß nicht, was er sein möchte. Schwarzhumoriges Kammerspiel? Action mit Science Fiction-Elementen? Eine düstere Romanze? Oder eben doch der erhobene Zeigefinger? Ein bisschen was ist von allem dabei, und wie so oft: Mehr bedeutet nicht immer mehr. Am ehesten zieht der Film seine Substanz noch aus dem Kammerspiel, doch reizt er dessen Möglichkeiten nicht weit genug aus, um interessant zu sein. Und dann wäre da eben noch besagter Chris Hemsworth, der gerne möchte, aber nicht kann. Und daneben Miles Teller, der vielleicht könnte, aber zufrieden damit ist, seinen Stiefel runterzuspielen. Die Gage bei Netflix wird schon stimmen. Ein Terence Fletcher hätte ihm angesichts der laxen Einstellung schon was auf die Mütze gegeben, aber wo sind die unerbittlichen Musiklehrer, wenn man sie mal braucht? Der weibliche Cast? Größtenteils als optischer Aufputz gedacht, was den Film nicht sympathischer macht. Egal, die Click-Zahlen bei Netflix stimmen ja trotzdem. Irgendwie sind wir ja selbst daran schuld, dass wir seit einiger Zeit so viel Mist auf dem Streaming-Dienst angeboten bekommen. Der Kunde zahlt ja eh.


3,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Stowaway – Blinder Passagier (2021)

Regie: Joe Penna
Original-Titel: Stowaway
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Science Fiction, Drama
IMDB-Link: Stowaway


Langsame, philosophische Science Fiction – darin geht der Filmkürbis auf. Seien es alte Meisterwerke wie „2001 – Odyssee im Weltraum“ oder neuere Beiträge wie Ad Astra, wenn jemand das Science Fiction-Genre klug nutzt, um die Essenz des Menschseins herauszuarbeiten, gehe ich voll mit. Insofern hatte „Stowaway“, die neueste Regiearbeit von Joe Penna, der zuletzt Mads Mikkelsen in Arctic durch das Eis latschen ließ (unwirtlich sind sowohl das Weltall als auch das ewige Eis, von daher kann man eine gewisse Präferenz des Regisseurs für Extremsituationen herauslesen), schon mal gute Karten. Dazu kommt eine wirklich gute Besetzung, angeführt von Toni Collette, die sich spätestens seit dem Oscar für Jessica Chastain diesen März in der Pole Position für längst überfällige Oscar-Auszeichnungen zu befinden scheint, und Anna Kendrick in einer für sie ungewohnten Rolle: sie muss nämlich nicht singen. Dazu kommen Daniel Dae Kim und Shamier Anderson, die ebenfalls ihre Sache gut machen. Was weniger gut ist: Das ermüdende Erzähltempo des Films. Sagte ich nicht gerade, dass ich mit solch langsamen Filmen etwas anfangen kann? Ich präzisiere: Langsam, nicht langweilig. Doch genau das Problem hat „Stowaway“: Er ist langweilig. Dabei wäre die Ausgangssituation so vielversprechend: Eine dreiköpfige Crew auf dem Weg zum Mars stellt fest, dass ein unfreiwilliger blinder Passagier an Board ist. Noch dazu geht die Anlage für die Sauerstoffaufbereitung in die Binsen, also hat man das Problem: Die Luft reicht für drei, nicht aber für vier, und zurück kann man auch nicht mehr. Assoziationen zu George Floyd und seinem tragischen „I can’t breathe!“ werden unweigerlich wach, da wird klug auf mehreren Ebenen gespielt. Aber alle Anspielungen nutzen nichts, wenn man im Film in Anbetracht der kompletten Spannungsfreiheit selig wegbüselt. Ich sag ja nicht, dass da Michael Bay-artig alle fünf Minuten die halbe Raumstation explodieren muss, aber zumindest hätte man die intrinsische Spannung des moralischen Dilemmas, in dem sich die Crew befindet, besser nutzen können. Doch auch das geschieht nicht. Und so ist es mir am Ende fast egal, wie der Film ausgeht. Leider.


4,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

The Adam Project (2022)

Regie: Shawn Levy
Original-Titel: The Adam Project
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Science Fiction, Action
IMDB-Link: The Adam Project


Shawn Levy und Ryan Reynolds – das funktioniert. In Free Guy haben der Regisseur und der unerwartete Superstar schon auf höchst unterhaltsame Weise kollaboriert, und „The Adam Project“, ihr nächstes gemeinsames Baby, stürmt via Netflix die Streaming-Charts weltweit. Inhalt und Cast lesen sich auch vielversprechend: Cooler Typ (Ryan Reynolds wie immer als Ryan Reynolds) aus der Zukunft trifft via Zeitreise auf sein 12jähriges Ich (Jungdarsteller Walker Scobell spielt gekonnt einen jungen Ryan Reynolds, der mal Ryan Reynolds spielen wird), und gemeinsam müssen die zukünftige Katastrophen abwenden. Mit dabei: Hollywoodgrößen wie Jennifer Garner, Mark Ruffalo, Zoe Saldana und Catherine Keener. Klingt nach einem gemütlichen Popcorn-Abend. Und ja, auf dieser Ebene funktioniert der Film auch. Kopf ausschalten, Popcorn reinschieben und entspannen. Konzentriert bei der Sache bleiben muss man nicht, denn man kann sich darauf verlassen, dass die Handlung bei jeder Kreuzung genau dort abbiegt, wo man es auch erwartet. Aber okay, das muss noch kein Qualitätskriterium sein. Wirklich ärgerlich ist, dass der Film sein Zeitreisethema komplett verschenkt. Dass der alte Ryan Reynolds aus der Zukunft kommt, ist tatsächlich für die Handlung des Films irrelevant. Der Film könnte exakt genauso funktionieren, wenn Reynolds Adam einfach nur ein Geheimagent wäre, der irgendwas in die Luft sprengen muss und von einer bösen Macht gejagt wird. Ein Bewerbungsschreiben für den nächsten James Bond ist das aber dennoch nicht – dafür ist Reynolds eben zu sehr Reynolds. Der Film verlässt sich zu sehr auf seinen Charme und seine derzeitige Strahlkraft, um das Publikum vor den Fernseher zu bekommen. Ein vernünftiges Drehbuch hätte dem Film aber gutgetan. So ist „The Adam Project“ einfach nur Netflix-Durchschnittskost, die schon bald wieder vergessen sein wird – Platz 1 in den Streaming-Charts hin oder her.


5,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Interstellar (2014)

Regie: Christopher Nolan
Original-Titel: Interstellar
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Science Fiction, Drama
IMDB-Link: Interstellar


Christopher Nolan macht es seinem Publikum in der Regel nicht leicht. Da muss man schon konzentriert bei der Sache bleiben und mitdenken, und selbst dann erschließen sich viele Filme erst bei der zweiten oder dritten Sichtung – oder überhaupt nie. „Interstellar“ mit Matthew McConaughey und Anne Hathaway in den Hauptrollen (und prominent besetzt in den Nebenrollen mit Jessica Chastain, Michael Caine, Matt Damon, Ellen Burstyn und Casey Affleck) ist so ein Fall, bei dem man bei der ersten Sichtung wohl hauptsächlich die eindrucksvollen Bilder auf sich wirken lässt, aber im Grunde keinen Plan hat und am Ende mit vielen Fragezeichen im Kinosaal oder vor dem Fernseher sitzt. Bei mir war es jedenfalls so, damals, beim ersten Kinobesuch. Ja, das war alles grandios, was da über die Leinwand flimmerte, der Film war interessant und trotz seiner langen Laufzeit kurzweilig und spannend, die Bilder – ob im Weltall, auf einer von Sandstürmen geplagten Erde oder auf den fremden Planeten – unfassbar schön anzusehen mit hohem Erinnerungswert, aber: WHAT? THE? ACTUAL? FUCK??? Jahre später dann die zweite Sichtung, und zu den schönen Bildern gesellte sich dann endlich eine komplexe, aber verständliche Handlung. Über die physikalischen Grundprinzipien, auf die der Film beruhen soll, kann und will ich nicht eingehen, dafür ist mein Kürbis viel zu hohl, aber in sich klingt die Geschichte stimmig – und das ist in der fiktiven Welt des Films das Wichtigste. Und weil der Inhalt so vielschichtig und kompliziert ist, will ich gar nicht erst darüber schreiben, sondern einfach nur auf den Weg geben: Wenn euch der Film bei der ersten Sichtung einen Knoten in die Hirnlappen gemacht hat, gebt ihm zumindest noch eine Chance. Es hat schon einen Grund, warum Christopher Nolan als neuer Säulenheiliger des Blockbusterkinos gefeiert wird.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2014 – Paramount Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall (1999)

Regie: Dean Parisot
Original-Titel: Galaxy Quest
Erscheinungsjahr: 1999
Genre: Komödie, Satire, Science Fiction, Action
IMDB-Link: Galaxy Quest


Bei Grabthars Hammer – an dem Film scheiden sich die Geister. Für die Einen ist diese unverblümte Raumschiff Enterprise-Parodie (inklusive stilechter Papplandschaften) eine erfrischende, lustige Satire mit einer großartigen Besetzung, die sichtlich Spaß hat an der Sache, für die Anderen ist der Film doof und unlustig und rückt viel zu sehr Sigourney Weavers Brüste in den Fokus. Ich bekenne: Ich gehöre zur ersten Fraktion. Ich mochte den Film schon mit der ersten Sichtung als Jugendlicher, und daran hat sich nichts geändert. Ich lachte vielleicht mit fast 40 über andere Stellen, aber ich lache trotzdem. Die Story: Die Darsteller einer allmählich in Vergessenheit geratenen Science Fiction-Serie geraten auf einer Comic Convention an Außerirdische, die die Fernsehübertragungen erhalten haben und glauben, dass alles darin echt sei, und die Crew des Raumschiffes ihnen helfen kann, einen Krieg gegen böse Unterdrücker zu gewinnen. Natürlich dauert es eine Weile, bis a) die Schauspieler begreifen, dass sie für echt gehalten werden und b) die Außerirdischen begreifen, dass sie sich vielleicht die falsche Hilfe gesucht haben. Die Slapstick-Szenen, die daraus resultieren, sind rasend komisch. „Galaxy Quest“ ist keine anspruchsvolle Komödie, sie ist zuweilen etwas einfach gestrickt und derb, aber die Chemie zwischen allen Darsteller:innen stimmt, der Film ist keinen Moment langweilig und die Parodie auf Star Trek mehr als gelungen. Vor allem Tim Allen als sich selbst maßlos überschätzender Hauptdarsteller/Captain macht seine Sache sehr gut, aber ihm steht mit der schon angesprochenen Sigourney Weaver, Alan Rickman, Tony Shalhoub, Sam Rockwell und Daryl Mitchell eine hochkarätige Crew zur Seite, die alle ihre komödiantischen Momente haben. Kurz zusammengefasst: „Galaxy Quest“ ist vielleicht der unterhaltsamste Star Trek-Film.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 1999 Paramount HE, Quelle http://www.imdb.com)

Mel Brooks‘ Spaceballs (1987)

Regie: Mel Brooks
Original-Titel: Spaceballs
Erscheinungsjahr: 1987
Genre: Komödie, Satire, Science Fiction
IMDB-Link: Spaceballs


Willkommen in meiner Kindheit! Was habe ich mich zerkugelt über die Abenteuer von Lone Starr (Bill Pullman) mit seinem getreuen Möter, halb Mensch, halb Köter Waldi (John Candy) bei dem Versuch, die eingebildete Prinzessin Vespa (Daphne Zuniga) aus den Klauen der bösen Spaceballs (Rick Moranis als Lord Helmchen und Mel Brooks himself als Präsident Skroob) zu befreien. Ich hätte damals wohl einen ganzen Tag nur mit Spaceballs-Zitaten bestreiten können. „Durchkämmt die Wüste!“, „Möge der Saft mit dir sein!“, „Ich wusste es. Ich bin von Arschlöchern umgeben.“ und so weiter. Für mich war diese Parodie auf die Star Wars-Filme, die ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal kannte, der witzigste Film aller Zeiten. Nun, im aktuellen Alter wiedergesehen muss ich sagen, dass entweder der Zahn der Zeit entweder dem Film oder mir nicht allzu gut getan hat. Die Gags bringen mich auch heute noch zum Schmunzeln, doch ist da mittlerweile viel Sentimentalität dabei. Würde ich den Film heute zum ersten Mal sehen, müsste ich wohl zu einer niedrigeren Bewertung greifen. Denn objektiv betrachtet, ist die Gagdichte zwar hoch, aber leider gehen viele dieser Witze auch daneben, da sie zu albern, zu klamaukig, zu weit unter der Gürtellinie sind und sich zum Teil auch wiederholen. Echte Schmankerl sind immer noch die Instant-Videokassetten („Wann ist jetzt?“ – „Jetzt ist jetzt!“), die zunehmend verzweifelten Versuche des Pfarrers, Prinzessin Vespa unter die Haube zu bringen, oder der von Michael Winslow gespielte Radartechniker und seine Geräusche. Der Rest der 7-Kürbis-Bewertung speist sich aus den Lachanfällen, die ich in meiner Kindheit hatte. So wird der Film für mich auch die nächsten drei Jahrzehnte funktionieren, und zu dieser Bewertung kann ich mit ruhigem Gewissen stehen – aber würde ich den Film jemanden, der ihn noch nicht kennt, uneingeschränkt empfehlen? Das wäre ernsthaft zu hinterfragen.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: © Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Spider-Man: No Way Home (2021)

Regie: Jon Watts
Original-Titel: Spider-Man: No Way Home
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Science Fiction, Abenteuerfilm, Action
IMDB-Link: Spider-Man: No Way Home


Kaum ein Film wurde in diesem Jahr gespannter erwartet als der dritte, finale Teil der Spider-Man Homecoming-Trilogie. Zum dritten Mal schlüpft in einem Solo-Film Tom Holland in die Rolle der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft – und die hat gleich zu Beginn ein gewaltiges Problem: Am Ende des zweiten Films wurde die Identität von Spider-Man preisgegeben, und noch dazu glaubt die halbe Welt, dass er ein Oberschurke ist, der den Superhelden Mysterio auf dem Gewissen hat. Schlechte Voraussetzungen also für ein chilliges Leben im Big Apple. Auch mit der College-Bewerbung Peter Parkers und seiner Freunde scheint es schwierig zu werden. Also wendet er sich an den einen Menschen, der ihm dank magischer Kräfte vielleicht noch helfen könnte: Doctor Strange (Benedict Cumberbatch). Und der hat tatsächlich eine Idee, nur geht die Ausführung derselben leider fürchterlich schief, weshalb die Probleme, die Peter Parker zuvor noch hatte, plötzlich wie eine Kinderjause aussehen gegen das, was sich nun am Horizont zusammenbraut. „Spider-Man: Far From Home“ erfüllt durchaus die hohen Erwartungen, die an ihn gestellt werden. Ich würde jetzt nicht so weit gehen, diesen Film als die Erlösung zu bezeichnen für alle Marvel-Fans, die der Meinung sind, dass sich das Marvel Cinematic Universe festgetreten hätte, aber der Film greift die erfrischende Leichtigkeit der ersten beiden Spider-Man-Filme auf, schlägt aber parallel dazu deutlich dunklere Töne an und wird gegen Ende hin sogar richtig emotional. Der Spider-Man am Ende hat mit dem Spider-Man am Anfang der Trilogie nicht mehr allzu viel gemeinsam. Die Figur hat sich weiterentwickelt, hat Niederlagen einstecken und im Verlauf vieler Abenteuer schmerzhafte Verluste erfahren müssen. So etwas formt natürlich den Charakter. Und die Trilogie macht alles richtig, indem sie sich auf diese Charakterentwicklung konzentriert. „Spider-Man: Far From Home“ ist ein konsequenter Abschluss dieser Entwicklung, doch auch für sich betrachtet der beste Film der Trilogie. Fans haben ihre helle Freude damit, wie der spontane Szenenapplaus während meines Kinobesuchs bewiesen hat. Aber man muss kein Marvel-Nerd sein, um dieses gut geschriebene und spannend inszenierte Stück Abenteuerkino schätzen zu können.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Courtesy of Sony Pictures – © 2021 CTMG. All Rights Reserved, Quelle http://www.imdb.com)

Eternals (2021)

Regie: Chloé Zhao
Original-Titel: Eternals
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Fantasy, Science Fiction, Abenteuerfilm, Action
IMDB-Link: Eternals


Was für ein großartiger Anfang: Mit Pink Floyds Meisterwerk „Time“ und dessen grandiosem Intro beginnt Chloé Zhaos Reise durch die Zeit und das Marvel-Universum. Ganz ehrlich: Besser kann man einen Film nicht eröffnen. Die Oscarpreisträgerin zeigt hier gleich einmal, dass sie mit ihrem ersten Blockbuster „Eternals“ die ausgetretenen Marvel-Pfade verlassen und ein bisschen mehr Anspruch reinbringen möchte. Und ja, „Eternals“ fühlt sich definitiv anders an als alle anderen Filme des Marvel-Universums, die auf Konstanten setzen wie epische Superhelden mit einem ganz persönlichen Klescher, humorvolle Action und actionreichem Humor sowie einem gut dosierten Wohlgefühl beim Publikum (man kann sich darauf verlassen, dass das Böse unter Einsatz von ausreichend Hieben und lockeren Sprüchen in die Schranken gewiesen wird). „Eternals“ hingegen legt die Geschichte noch weitaus größer und bedrohlicher an. Hier geht’s gleich ins Göttliche. Allerdings wirkt die Geschichte nicht ganz rund, und selbst die Laufzeit von über 2,5 Stunden reicht nicht ganz aus, um die Figuren, die Geschichte und das Setting vertraut zu machen. Man fremdelt ein wenig mit allem. Sei es mit den zehn mit recht banalen Superkräften ausgestatteten Eternals, mit den gefräßigen Widersachern, den Deviants, oder mit der ganzen göttlichen Schöpfungsgeschichte. Alles scheint groß aufgeblasen und episch zu sein, entpuppt sich aber im Kern dann als doch recht einfach, fast schon banal. Großartig ist immerhin die unaufgeregte Diversität, die schon in vielen Kritiken wohlwollend angesprochen wurde. Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Es ist schön, dass es Filme gibt, die Diversität aufgreifen und umsetzen, ohne dass das groß zum Thema gemacht wird. So können auch mal talentierte Schauspieler:innen aus der zweiten Reihe glänzen, und die nominellen Superstars wie Angelina Jolie oder Salma Hayek haben kein Problem damit, sich als Nebenfiguren einzugliedern. Der Cast macht seine Sache gut, auch wenn es dann vielleicht doch etwas an Tiefgang fehlt. Das Thema der unsterblichen Held:innen hätte man durchaus noch differenzierter betrachten können. Sehr schön hingegen sind die Sprünge durch die Zeit, der Aufbau der Zivilisation, die Reise durch die Menschheitsgeschichte. Irgendwie beschleicht mich da das Gefühl, dass sich der Stoff als Serie besser gemacht hätte, denn gerade diesen Aspekt, das vorsichtige Leiten der Menschheitsgeschichte durch die Eternals, hat mich persönlich fast am meisten interessiert. Insgesamt ist „Eternals“ ein sehenswerter Film, der sich deutlich vom üblichen Marvel-Universum abhebt (was man nun je nach persönlichen Präferenzen gut oder eher nicht so gut finden kann), der aber leider dann in vielen Belangen doch eher Stückwerk bleibt.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Der Marsianer – Rettet Mark Watney (2015)

Regie: Ridley Scott
Original-Titel: The Martian
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Science Fiction, Abenteuerfilm
IMDB-Link: The Martian


Irgendwer hat sich mal den Spaß erlaubt, nachzurechnen, was es der Welt gekostet hätte, Matt Damon aus all den misslichen Lagen zu retten, in die er in seinen Filmen wie „Der Soldat Private Ryan“, „Interstellar“ oder eben „Der Marsianer“ gerutscht ist. Das war schon ein erkleckliches Sümmchen – dagegen muten die Steuergeldverschwendungen der türkisen ÖVP wie ein Lercherlschaß an. Und wir alle wissen, wie teuer uns diese Bande bislang schon zu stehen kam. In „Der Marsianer“ hat der von Matt Damon gespielte Biologe und Astronaut Mark Watney eben das Pech, nach einem überstürzten Notaufbruch zurückgelassen zu werden. Nun ist der Mars ja nicht unbedingt für seine wirtlichen Bedingungen bekannt. Zum Glück ist Mark Watney aber ein Sprücheklopfer mit einem brillanten Hirn, sodass wir ihm dann zwei Stunden lang dabei zusehen können, wie er sich dort oben gemütlich einrichtet und den Mars kolonialisiert, während unten auf der Erde die Köpfe rauchen, wie man den Gestrandeten wieder zurück auf heimischen Boden bringt. Eines gleich vorweg: Nach der Lektüre von Andy Weirs brillanten Roman war mir nicht klar, wie man diese One-Man-Show, die nur von Logbuch-Einträgen getragen wird, auf Film bannen möchte. Doch ich habe Altmeister Ridley Scott gnadenlos unterschätzt. Ihm gelingt es mit seiner Verfilmung tatsächlich, die launige Komik des Buchs auf die große Leinwand zu übertragen und das auch noch sauspannend zu inszenieren, ohne sich aber gegenüber der Romanvorlage verbiegen zu müssen. Das ist ganz große Regiekunst. Dazu liefert Matt Damon die wohl beste Leistung seit „Good Will Hunting“. Somit ist „Der Marsianer“ einer der besten Science Fiction-Filme der vergangenen zwanzig Jahre – ungemein unterhaltsam, zum Nägelbeißen spannend, exzellent gespielt und technisch/handwerklich höchstklassig umgesetzt. So muss Science Fiction aussehen.


8,5 Kürbisse

(Bildzitat: © TM &2015 Twentieth Century Fox Film Corporation, Quelle http://www.imdb.com)

Lapsis (2020)

Regie: Noah Hutton
Original-Titel: Lapsis
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Science Fiction, Satire
IMDB-Link: Lapsis


In einer alternativen Realität sind Quantencomputer der neue heiße Scheiß, den jeder haben muss. Für das Verlegen der Quantenkabeln braucht es jedoch die neue Berufsgruppe der Kabelverleger. Die rennen mit Kabelrollen auf fest vorgegebenen Routen durch den Wald und stöpseln die Kabeln an Hubs an. Je länger und aufwendiger die Route, desto mehr Kohle gibt es. Gleichzeitig marschieren quasi als Ansporn kleine Roboter die gleichen Routen entlang – und wer von einem solchen Roboter überholt wird, bekommt kein Geld ausgezahlt. Ray (Dean Imperial) nimmt, auch wenn er nicht sonderlich gut in Form ist, diesen Job an, um die teure Behandlung seines kranken Bruders zahlen zu können. Auf dem Weg lernt er andere Kabelverleger kennen, die aber seltsam reagieren, wenn er seinen Usernamen nennt. Während sich für gewöhnlich jeder selbst einen Namen aussuchen kann, wurde Ray der Name zugeteilt – und der Name scheint eine Vergangenheit zu haben. Erst die Gespräche mit der Kabelverlegerin Anna (Madeline Wise) bringen allmählich Teile dieser Vergangenheit ans Tageslicht. „Lapsis“ ist ein gemütlicher Film. Die meiste Zeit über hatschen Ray und seine Kompagnons durch die Landschaft, während sie Kabelrollen hinter sich herziehen, oder sie campieren pfadfindermäßig in Zeltlagern. Im Detail und zwischen den Zeilen offenbart sich aber eine subtile Gesellschaftskritik, die die alternative Realität nur so weit entfremdet, dass diese Kritik nicht mit dem Holzhammer, sondern mit der feinen Klinge geübt wird. Das ist vielleicht gleichzeitig auch der größte Schwachpunkt des Films: Gerade dieser subtile Zugang ist halt nicht wahnsinnig aufregend anzusehen. Allerdings steckt inhaltlich schon einiges drinnen (Ausbeutung der Arbeiter durch Großkonzerne, Verdrängung durch Automatisierung, das Sozial- und Medizinwesen der USA) – man muss nur ein Stück weit unter das Offensichtliche tauchen.


7,0 Kürbisse

(Foto: Slash Filmfestival)