Science Fiction

Avatar – Aufbruch nach Pandora (2009)

Regie: James Cameron
Original-Titel: Avatar
Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Science Fiction, Abenteuerfilm, Fantasy
IMDB-Link: Avatar


James Cameron ist ein Besessener. Er macht keine halben Sachen. So entwickelte er für sein Sci-Fi-Abenteuer „Avatar“ komplett neue 3D-Kameratechniken, um seine bunte Vision möglichst eindrucksvoll auf die Leinwand zu bringen. Dass er sich für die Fortsetzung des Erfolgsfilms ein Jahrzehnt Zeit gelassen hat, ist nur konsequent. Aber zurück zu „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ bzw. „Pocahontas im Weltraum“, so der inoffizielle Titel. Wir erleben hier eine klassische Kolonialisierungsgeschichte, in der der weiße Mann zu den Natives überläuft, um sie gegen Ausbeutung und Tod durch die finsteren Kolonialmächte zu beschützen. Dass sich dabei auch noch eine Romanze entwickelt, gehört zum Topos wie der Kartoffelsalat zum Wiener Schnitzel. Die Suppe mag zwar ziemlich dünn sein, und bei allen Auszeichnungen für Cameron und Avatar – ein Oscar für das beste Drehbuch wäre vermessen gewesen – aber auch heute noch, 13 Jahre später und selbst auf einem kleinen Fernseher statt auf der großen Kinoleinwand, strahlen die Bildwelten, die Cameron geschaffen hat, eine beeindruckende Magie aus. In Sachen Creature Design, Set Design und generell Weltenbau ist „Avatar“ auch jetzt noch vorbildhaft für alles, was da sonst noch im Science Fiction-Genre existiert. Das ist Überwältigungskino, dem man Schwächen in der Story gerne verzeiht. Ob Cameron diese Qualität nicht nur beim Ende 2022 erscheinenden zweiten Teil, sondern auch bei den weiteren drei Filmen, die dann bis 2028 noch folgen sollen, halten kann, wird sich weisen. Ich verweise allerdings auf meinen Eingangssatz. James Cameron macht keine halben Sachen, und daher darf man gespannt sein.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat:Foto von Courtesy of WETA – © 2007 Twentieth Century Fox – All Rights Reserved. Quelle http://www.imdb.com)

Shin Ultraman (2022)

Regie: Shinji Higuchi
Original-Titel: Shin Ultraman
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Action, Science Fiction
IMDB-Link: Shin Ultraman


Ich muss zugeben, japanische Populärkultur ist für mich unbekanntes Terrain. Klar, Godzilla kenne ich, die Bücher von Haruki Murakami mag ich, und dass Anime ein großes Ding sind, weiß ich auch, aber damit erschöpft sich mein Wissen um diesen Aspekt des japanischen Lebens auch. So musste mir Olaf Möller, der eine kurze Einführung in „Shin Ultraman“ im nachmittäglich gut besuchten Filmcasino gab, unter anderem erklären, dass „shin“ auf Japanisch „neu“ bedeutet. Einen neuen Ultraman gab’s also zu sehen, und, damit solch kulturell verkommenen Taugenichtse wie ich auch der Geschichte folgen können, das quasi als neue Origin-Story. Ultraman ist ein japanisches Phänomen, ein Gigant aus dem All mit allerlei Superkräften, der auf die Erde kommt, um diese vor böswilligen Kaijū, riesigen Monstern, zu beschützen. Shinji Higuchi nimmt sich dieses Helden, den es schon seit den 60er Jahren in Japan gibt, an und stellt ihn nun einem internationalen Publikum vor. Die Geschichte ist sehr kurzweilig umgesetzt und auch die Special Effects können sich wirklich sehen lassen. Man muss sich, vor allem als jemand, der abseits diverser Festivalfilme noch wenig Kontakt mit der japanischen Filmlandschaft hatte, erst einmal hineinarbeiten in die doch sehr spezielle Art und Weise, wie der Film gemacht ist – in das Spiel der Darsteller:innen, das zwischen leeren Blicken und blitzartigen Gefühlsausbrüchen schwankt, in den teils recht abrupten Schnitt, in die Lichtgestaltung. Das geht doch ein wenig entgegen europäischer Sehgewohnheiten. Doch hat man sich erst einmal daran gewöhnt, ist „Shin Ultraman“ ein vielleicht etwas zu lang geratenes, aber durchaus spannendes Vergnügen. Für Japanophile wohl ein Muss, aber auch für ein breiteres Publikum geeignet.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Thor: Love and Thunder (2022)

Regie: Taika Waititi
Original-Titel: Thor: Love and Thunder
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Abenteuerfilm, Science Fiction, Fantasy, Action
IMDB-Link: Thor: Love and Thunder


Ich bin ja ein großer Fan von Taika Waititis bisherigem Schaffen. What We Do in the Shadows und JoJo Rabbit sind absurd-komische (und in zweiterem Falle auch teils tragische) Meisterwerke. Und auch sein Einstand im Marvel Cinematic Universe mit „Thor: Tag der Entscheidung“, das immerhin schon dritte Abenteuer rund um den Gott des Donners, hat mir sehr gut gefallen. Ich mag diese schnoddrige, respektlose Art, sich Stoffen zu nähern und diese ad absurdum zu führen. Im nun vierten Thor-Film geht der Schuss aber nun erstmals so richtig nach hinten los. Denn plötzlich geht es nur mehr darum, fetzige Bilder zu zeigen, die dann von ironischen oder selbstironischen Sprüchen unterlaufen werden, während aus den Boxen Guns’n’Roses donnern. Immer und immer wieder. Die Story? Egal. Die Figuren? Werden auf dem Altar der Selbstironie geopfert. Und wenn es dann plötzlich dazu kommt, dass sie Tiefe zeigen müssen, können wir nicht mit ihnen mitleiden, da wir den ganzen Film lang über sie gelacht haben. Autsch! Visuell ist auch der vierte Thor-Film schön anzusehen und gelegentlich sogar spektakulär. Und mit Gorr, dem Götterschlächter, hat man auch einen Schurken an der Hand, der einem das Gruseln lehren kann, was nicht zuletzt daran liegt, dass er von niemand Geringerem als Christian Bale verkörpert wird. Aber Waititi nutzt dieses gewaltige Potential nicht aus, er findet einfach keine Balance zwischen der Komik und der Tragik in den Figuren. Und so ist „Thor: Love and Thunder“ eine uneinheitliche Collage mal mehr, mal weniger gelungener Szenen und muss sich komplett auf seinen Schauwert verlassen, denn etwas anderes hat der Film nicht zu bieten. Schade drum. Man sieht leider überdeutlich, dass sich Waititis Schmäh langsam abnutzt. Die Frische, die er mit dem dritten Thor-Film ins Franchise gebracht hat, ist nun aufgebraucht. Immerhin Guns’n’Roses-Fans werden ihre Freude mit dem Film haben.


4,5 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Jasin Boland/Jasin Boland – © Marvel Studios 2022, Quelle http://www.imdb.com)

Doctor Strange in the Multiverse of Madness (2022)

Regie: Sam Raimi
Original-Titel: Doctor Strange in the Multiverse of Madness
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Abenteuerfilm, Science Fiction, Fantasy, Horror, Action
IMDB-Link: Doctor Strange in the Multiverse of Madness


Als hätte es Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) nicht gereicht, mit der Zeit herumzuspielen, nein, der arrogante Zauberer, der die Drecksarbeit in der Regel seinem fliegenden Cape überlässt, muss auch noch durch verschiedene Paralleluniversen fliegen. Wie blöd so etwas ausgehen kann, hat er ja schon in Spider-Man: No Way Home gesehen. Fairerweise muss man dazusagen, dass das fröhliche Hüpfen durch unterschiedliche Welten diesmal nicht auf seinem Mist gewachsen ist, sondern er der jungen Dame America Chavez (Xochitl Gomez) diese Spontanurlaube verdankt. Denn die kann nämlich, wenn sie unter Stress ist, die Tore zu anderen Welten öffnen. Wenig überraschend weckt diese Fähigkeit Begehrlichkeiten, und schon bald hat sie jemanden auf ihren Fersen, der sich dieses Talent für eigene Zwecke aneignen möchte. Doctor Strange, sein treues Cape und Sorcerer Supreme-Buddy Wong (Benedict Wong) haben alle Hände voll zu tun, diese finsteren Pläne zu vereiteln und werden dabei blöderweise auch noch über diverse Parallelwelten verteilt, was die Sache nicht einfacher macht. „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ steht ganz im Zeichen des üblichen Marvel’schen Rezepts, das aus Action, Humor und bunten Fantasiewelten besteht. Mit Sam Raimi auf dem Regiestuhl kommt allerdings eine weitere Komponente hinzu, nämlich eine ordentliche Portion Horror, und das tut dem Film sichtlich gut. Überhaupt fühlt sich das zweite Doctor Strange-Soloabenteuer mehr wie ein Sam Raimi-Film als ein weiterer MCU-Film an. Gekonnt verbindet er die bunte Welt seiner Spider-Man-Trilogie (jene mit Tobey Maguire, und ja, es ist kompliziert mit den Spider-Man-Filmen) mit dem absurden Horror seiner Tanz der Teufel-Filme. Und das passt auch ganz gut zusammen, ohne dass der neueste Doctor Strange zu einem klassischen Horrorfilm werden würde. Aber die gelegentlichen Einsprengsel von Grusel und Schauer passen gut ins Konzept und geben den Humoreinlagen ein stabiles Gegengewicht. Das eigentliche Highlight des Films ist aber der Bösewicht, über den an der Stelle nichts verraten sei – das wäre ein massiver Spoiler. Es sei aber gesagt, dass die schurkischen Ambitionen ausnahmsweise einmal gut nachvollziehbar sind und der Figur Tiefe verleihen. Unterm Strich befindet sich „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ vielleicht nicht unter den allerbesten MCU-Filmen, aber er unterhält auf hohem Niveau und ist durchaus etwas Eigenständiges innerhalb des Comicfilmuniversums.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Courtesy of Marvel Studios/Courtesy of Marvel Studios – © Marvel Studios 2022, Quelle http://www.imdb.com)

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde (2008)

Regie: Eric Brevig
Original-Titel: Journey to the Center of the Earth
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Abenteuerfilm, Science Fiction
IMDB-Link: Journey to the Center of the Earth


Ich musste 40 Jahre alt werden, um zu checken, dass Brandon Fraser trotz seiner kanadischen Staatsbürgerschaft nie in der 90er-Serie „Ein Mountie in Chicago“ mitspielte, obwohl ich sowohl Brandon Fraser als Darsteller sehr mag und viele seiner Filme kenne als auch die Serie damals mit Genuss sah. Dieser peinliche Fauxpas beruht darauf, dass die Hauptfigur in der Fernsehserie Benton Fraser hieß, aber eben nicht von Brandon Fraser, sondern von Paul Gross gespielt wurde. Nach diesem peinlichen Bekenntnis werfen wir nun aber einen Blick auf „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ – sehr frei interpretiert nach dem berühmten Roman von Jules Verne. Brandon Fraser war Ende der 90er und in den 00er-Jahren the shit. Mit lausbübischem Charme ausgestattet warf er sich altägyptischen Mumien entgegen, überlebte in „Eve und der letzte Gentleman“ eine vermeintliche Apokalypse, legte sich mit dem Teufel persönlich an und drang in Eric Brevigs Film von 2008 bis ins Erdinnere vor – in Begleitung seines Neffen (Josh Hutcherson, der später in der Tribute von Panem-Reihe als Peeta bekannt werden sollte) und einer scharfen Bergführerin (Anita Briem, die nie so richtig bekannt werden sollte). Es gibt da diesen wunderbaren Fernsehsender mit dem Namen Syfy, der neben einigen modernen Klassikern der Science Fiction-Fernsehgeschichte auch billige Katastrophenfilme mit hundsmiserablen Special Effects und noch schlechteren Darsteller:innen im Programm hat, die Trash-Aficionados bestens bedienen. Dieser Film bekäme dort seinen verdienten Platz im Sonntagnachmittagsprogramm. Ja, Brandon Frasers Charme funktioniert auch hier, und für die fantasievolle, aber völlig unlogische Welt im Erdinneren kann der Film nichts, da muss man sich schon an Jules Verne halten, aber der Film ist einfach in vielerlei Hinsicht dumm und uninspiriert und wirkt, wie von der Stange gedreht. Die Spezialeffekte sehen für einen Film, für den ein Special Effects-Künstler verantwortlich zeichnet, erstaunlich schwach aus. Vor allem der überdimensionierte Tyrannosaurus Rex im großen Finale ist dermaßen lächerlich CGI-animiert, dass man sich fragen kann, wie eine solche Evolutionsvolte rückwärts von Jurassic Park ausgehend überhaupt möglich sein kann. Als Trash-Fest ist „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ eine Perle, und wenn man mit dieser Erwartungshaltung an die Sichtung begibt, hat man auch viel Spaß. Qualitativ gut ist aber etwas anderes.


3,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Jurassic World: Ein neues Zeitalter (2022)

Regie: Colin Trevorrow
Original-Titel: Jurassic World Dominion
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Abenteuerfilm, Science Fiction, Action, Horror, Thriller
IMDB-Link: Jurassic World Dominion


Das Problem der Jurassic World-Trilogie wurde bereits im großen Finale des ersten Films der neuen Trilogie unverhohlen angesprochen: „We need more teeth!“ Mehr Zähne also. Mehr Furcht einflößende Saurier, die größer, fieser, intelligenter, tödlicher und hungriger sind. Darauf baut die ganze Jurassic World-Trilogie auf. Was man gerne vergisst: Im ikonischen ersten Jurassic Park-Film waren die Dinosaurier insgesamt nur 14 Minuten lang zu sehen, und sie waren keine Killerbestien, sondern einfach große Viecher, die nach ihren Instinkten gehandelt haben (mit Ausnahme der Raptoren, die waren von Anfang an als Intelligenzbestien angelegt). Die Spannung baut sich vielmehr auf dem auf, was man nicht sieht, als auf dem, was man sieht. Diese Tugend wurde im Verlauf der weiteren Filme über Board geworfen, und die Story wurde immer mehr aufgeblasen, immer epischer, und damit immer konfuser. Waren die ersten beiden Filme der neuen Trilogie schon storytechnisch ein Griff in einen großen Haufen Dino-Dung, fährt der dritte Teil den Karren nun endgültig an die Wand. Die Ausgangsbasis wäre großartig gewesen. Umso ärgerlicher ist es, dass Colin Trevorrow dermaßen wenig daraus gemacht hat. Wir erinnern uns: Am Ende von Jurassic World: Das gefallene Königreich geht eine Auktion fürchterlich schief, und die Dinos marschieren los, um es sich neben den Menschen gemütlich zu machen. Vier Jahre später sind Dinosaurier in der freien Wildbahn zuhause und Teil unseres Planeten. Aus dieser Idee hätte man so viel rausholen können! Es hätte gereicht, die reaktivierte alte Garde rund um Sam Neill, Laura Dern und Jeff Goldblum dabei zuzusehen, wie sie versuchen, Dinos einzufangen, sodass diese in einem geschützten Habitat ausgesetzt werden können (und nein, damit meine ich nicht die Tropen in den Dolomiten). Die nicht unspannende Nebengeschichte rund um einen Agrarkonzern, der den Hals nicht vollbekommt und damit die ganze Nahrungskette auf Erden gefährdet (Monsanto, schaut ihr eh gut hin?), hätte man da gut reinmischen können. Stattdessen gibt es aber eben „more teeth“ und den Verdacht, dass Colin Trevorrow heimlich ein Mash-Up aus einem James Bond-Film und dem neuesten Indiana Jones-Film drehen wollte, nur eben mit Dinosauriern. Dieses verhunzte Irgendwas ist im besten Fall dümmlich, im schlimmsten Fall ärgerlich, v.a. wenn man an das vergebene Story-Potential denkt. So bleibt unterm Strich das Fazit: Trotz hoher Erwartungen und offenem Fan-Pleasing durch den Einbau des ursprünglichen Jurassic Park-Casts in tragenden Hauptrollen ist der dritte Teil der neuen Trilogie der schlechteste Film der ganzen Reihe. Einen halben Kürbis extra gibt es immerhin noch für Jeff Goldblum being Jeff Goldblum. Klappe zu. Saurier tot.


4,0 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Universal Pictures and Amblin En – © 2021 Universal Studios and Storyteller Distribution LCC., Quelle http://www.imdb.com)

Beyond the Infinite Two Minutes (2020)

Regie: Junta Yamaguchi
Original-Titel: Droste no hate de bokura
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Science Fiction, Komödie
IMDB-Link: Droste no hate de bokura


Was ist die wichtigste Zutat für einen gelungenen, unterhaltsamen Film? Die Antwort ist ganz einfach: Eine originelle Idee, die konsequent und mit handwerklichem Geschick umgesetzt wird. „Beyond the Infinite Two Minutes“, das Regiedebüt von Junta Yamaguchi, hat genau diese Zutat in ihrer geschmackvollsten Form. Gäbe es einen Oscar für Originalität, der hätte fix nach Japan gehen müssen. In diesem handwerklich einfach gehaltenen, aber inhaltlich komplexen Low-Budget-Film entdeckt ein Kaffeehausbesitzer, dass sein Monitor im Café und jener in seinem Zimmer über dem Café miteinander verbunden sind. Der untere Bildschirm zeigt zwei Minuten in die Zukunft. Nun sind zwei Minuten relativ unspektakulär – große Weissagungen a la Nostradamus lassen sich damit nicht machen. Aber ein Freund von Kato, dem Kaffeehausbesitzer, hat schon bald die Idee, die beiden Bildschirme so aufzustellen, dass sie einander ansehen und so einen sogenannten Droste-Effekt zu erzeugen – das ist, wenn ein Bild ein Bild zeigt, das das Bild zeigt, das das Bild zeigt etc. Und plötzlich geht der Blick in die Zukunft schon weiter – mit allerlei vergnüglichen und aberwitzigen Folgen. „Beyond the Infinite Two Minutes“ ist einer jener Filme, die vom Zuseher höchste Konzentration erfordern, da man sonst schlicht mit diesem minutenweisen Herumhüpfen zwischen Zukunft und Vergangenheit überfordert ist. Gleichzeitig aber, und das macht den Film so besonders, ist das keine große Anstrengung oder Arbeit, denn Yamaguchi inszeniert seine Sci-Fi-Story mit viel Augenzwinkern und ist immer auf den Unterhaltungswert bedacht. So ist der Film zwar clever gestrickt, aber in erster Linie macht er Spaß. An das Overacting der Laientheatertruppe, die für den Film rekrutiert wurde, muss man sich vielleicht zu Beginn erst einmal gewöhnen, aber genau das trägt dann auch zum Charme des Films bei, der so handwerklich unbedarft wirkt, aber mit seiner originellen Story fast schon als Geniestreich bezeichnet werden kann.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Apollo 10 1/2: Eine Kindheit im Weltraumzeitalter (2022)

Regie: Richard Linklater
Original-Titel: Apollo 10 1/2: A Space Age Childhood
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Animation, Science Fiction, Komödie
IMDB-Link: Apollo 10 1/2: A Space Age Childhood


Wenn ich irgendwo Richard Linklaters Namen lese, werde ich schon mal hellhörig. Denn der Mann hat ein sehr gutes Gespür für emotional mitreißende Filme, die dabei jegliche Nähe zum Kitsch gekonnt vermeiden. Meistens witzig und originell und mit einer eigenen Sicht auf die Dinge. In „Apollo 10 1/2: Eine Kindheit im Weltraumzeitalter“ bedient sich Linklater mal wieder der Technik der Rotoskopie. Hierbei werden reale Aufnahmen in der Nachbearbeitung in einen Animationsstil überführt – das Verfahren selbst erinnert an das gute, alte Abpausen mit Transparentpapier. Im Falle von Linklater ist das Ganze natürlich ein wenig komplexer gehalten. Ziel ist es, die Realität auf das Wesentlichste zu reduzieren. Und apropos Reduktion: Die gibt auch die (sehr witzige) Hauptprämisse des Films vor. Die USA stehen kurz vor der Apollo 11-Mission, die den ersten Mann auf den Mond bringen soll. Das Problem: Versehentlich haben sie die Landekapsel etwas zu klein gebaut. Um in der Zwischenzeit, bis eine etwas größere Kapsel gebaut ist, nicht untätig Däumchen drehen zu müssen, schickt man kurzerhand in einer Top-Secret-Mission jemanden auf den Mond, der klein genug für die Kapsel ist. Mit dem raumfahrtbegeisterten 10-jährigen Stanley haben sie auch bald genau den richtigen Kandidaten für dieses Abenteuer. „Apollo 10 1/2: Eine Kindheit im Weltraumzeitalter“ ist ein liebevoll gezeichnetes Schelmenstück, das einerseits das Nostalgiegefühl der 60er Jahre und der ersten Mondlandung heraufbeschwört, andererseits aber auch über Erinnerungen und deren Lücken und subjektiven Einordnungen reflektiert. Es mag nicht einer der „großen“ Filme von Linklater sein (man erinnere sich nur an dieses über ein Jahrzehnt dauernde Mammut-Projekt „Boyhood“), aber der Film ist eine sympathische Zeitreise, der man gerne folgt.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Der Spinnenkopf (2022)

Regie: Joseph Kosinski
Original-Titel: Spiderhead
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Thriller, Drama, Action, Science Fiction
IMDB-Link: Spiderhead


Chris Hemsworth als Thor ist der absolute Hammer. Als nerdiger Wissenschaftler, der Strafgefangenen in einer Versuchsanordnung Substanzen spritzt, die Emotionen wecken sollen, eher nicht so. Aber das ist nicht mal das Hauptproblem der Netflix-Eigenproduktion „Der Spinnenkopf“ unter der Regie von Joseph Kosinski. Denn an sich wäre die Prämisse brauchbar und geeignet, einen spannenden Film, der moralische Fragen aufwirft, zu produzieren. Aber: Der Film weiß nicht, was er sein möchte. Schwarzhumoriges Kammerspiel? Action mit Science Fiction-Elementen? Eine düstere Romanze? Oder eben doch der erhobene Zeigefinger? Ein bisschen was ist von allem dabei, und wie so oft: Mehr bedeutet nicht immer mehr. Am ehesten zieht der Film seine Substanz noch aus dem Kammerspiel, doch reizt er dessen Möglichkeiten nicht weit genug aus, um interessant zu sein. Und dann wäre da eben noch besagter Chris Hemsworth, der gerne möchte, aber nicht kann. Und daneben Miles Teller, der vielleicht könnte, aber zufrieden damit ist, seinen Stiefel runterzuspielen. Die Gage bei Netflix wird schon stimmen. Ein Terence Fletcher hätte ihm angesichts der laxen Einstellung schon was auf die Mütze gegeben, aber wo sind die unerbittlichen Musiklehrer, wenn man sie mal braucht? Der weibliche Cast? Größtenteils als optischer Aufputz gedacht, was den Film nicht sympathischer macht. Egal, die Click-Zahlen bei Netflix stimmen ja trotzdem. Irgendwie sind wir ja selbst daran schuld, dass wir seit einiger Zeit so viel Mist auf dem Streaming-Dienst angeboten bekommen. Der Kunde zahlt ja eh.


3,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Stowaway – Blinder Passagier (2021)

Regie: Joe Penna
Original-Titel: Stowaway
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Science Fiction, Drama
IMDB-Link: Stowaway


Langsame, philosophische Science Fiction – darin geht der Filmkürbis auf. Seien es alte Meisterwerke wie „2001 – Odyssee im Weltraum“ oder neuere Beiträge wie Ad Astra, wenn jemand das Science Fiction-Genre klug nutzt, um die Essenz des Menschseins herauszuarbeiten, gehe ich voll mit. Insofern hatte „Stowaway“, die neueste Regiearbeit von Joe Penna, der zuletzt Mads Mikkelsen in Arctic durch das Eis latschen ließ (unwirtlich sind sowohl das Weltall als auch das ewige Eis, von daher kann man eine gewisse Präferenz des Regisseurs für Extremsituationen herauslesen), schon mal gute Karten. Dazu kommt eine wirklich gute Besetzung, angeführt von Toni Collette, die sich spätestens seit dem Oscar für Jessica Chastain diesen März in der Pole Position für längst überfällige Oscar-Auszeichnungen zu befinden scheint, und Anna Kendrick in einer für sie ungewohnten Rolle: sie muss nämlich nicht singen. Dazu kommen Daniel Dae Kim und Shamier Anderson, die ebenfalls ihre Sache gut machen. Was weniger gut ist: Das ermüdende Erzähltempo des Films. Sagte ich nicht gerade, dass ich mit solch langsamen Filmen etwas anfangen kann? Ich präzisiere: Langsam, nicht langweilig. Doch genau das Problem hat „Stowaway“: Er ist langweilig. Dabei wäre die Ausgangssituation so vielversprechend: Eine dreiköpfige Crew auf dem Weg zum Mars stellt fest, dass ein unfreiwilliger blinder Passagier an Board ist. Noch dazu geht die Anlage für die Sauerstoffaufbereitung in die Binsen, also hat man das Problem: Die Luft reicht für drei, nicht aber für vier, und zurück kann man auch nicht mehr. Assoziationen zu George Floyd und seinem tragischen „I can’t breathe!“ werden unweigerlich wach, da wird klug auf mehreren Ebenen gespielt. Aber alle Anspielungen nutzen nichts, wenn man im Film in Anbetracht der kompletten Spannungsfreiheit selig wegbüselt. Ich sag ja nicht, dass da Michael Bay-artig alle fünf Minuten die halbe Raumstation explodieren muss, aber zumindest hätte man die intrinsische Spannung des moralischen Dilemmas, in dem sich die Crew befindet, besser nutzen können. Doch auch das geschieht nicht. Und so ist es mir am Ende fast egal, wie der Film ausgeht. Leider.


4,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)