Science Fiction

10 Cloverfield Lane (2016)

Regie: Dan Trachtenberg
Original-Titel: 10 Cloverfield Lane
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Thriller, Horror, Science Fiction
IMDB-Link: 10 Cloverfield Lane


Eine junge Frau (Mary Elizabeth Winstead). Ein junger Mann (John Gallagher Jr.). Ein Gastgeber (John Goodman). Eine nette, gemütliche Wohnung mit einer Jukebox, jede Menge Gesellschaftsspiele, Puzzles – so kann man die Zeit verbringen. Muss man auch, denn nach Ansicht von Howard (Goodman) ist die Erde aktuell nach einer Attacke nicht bewohnbar. Die Wohnung befindet sich daher in einem Bunker unter der Erde. Und während Emmett (Gallagher Jr.) freiwillig die Gastfreundschaft von Howard angenommen hat, ist Michelle (Winstead) nicht aus freien Stücken hier. Und sie zweifelt an Howards Aussagen über die Luftqualität da draußen. „10 Cloverfield Lane“ baut sehr lose auf dem Horror-Sci Fi-Film „Cloverfield“ von Matt Reeves auf, geht aber komplett eigene Wege, indem er als Kammerspiel-Thriller inszeniert ist. Die Besetzung besteht so gut wie ausschließlich aus den drei genannten Darstellern, und 90 Prozent des Films spielen in der Bunkerwohnung. Als Zuseher darf man mit Michelle fröhlich mitraten, ob sie nun in die Fänge eines Psychopathen geraten ist oder Howard tatsächlich Recht hat und da draußen seltsame Dinge vor sich gehen. Lange lässt der Film diese Frage unbeantwortet. Daraus bezieht er seine Spannung. Wie befriedigend man nun das tatsächliche Ende empfindet, bleibt den persönlichen Präferenzen überlassen – ich selbst fand es gut und stimmig. Aber das ist wohl jener Aspekt des Films, an dem sich die Geister am meisten scheiden. Am besten macht man sich selbst ein Bild und bildet sich sein Urteil.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Plan 9 aus dem Weltall (1959)

Regie: Ed Wood
Original-Titel: Plan 9 from Outer Space
Erscheinungsjahr: 1959
Genre: Science Fiction, Horror
IMDB-Link: Plan 9 from Outer Space


Orson Welles. Ingmar Bergman. Federico Fellini. Stanley Kubrick. Steven Spielberg. Fritz Lang. John Hughes. Akira Kurosawa. Martin Scorsese. John Ford. Keine Frage – all diese Regisseure haben ihre Fußstapfen in der Filmgeschichte hinterlassen, doch keiner dieser Gräben war so tief wie jener von Ed Wood. Der Mann hatte Visionen, wie sie die stärksten Drogen für gewöhnlich nicht hervorbringen können. Zur großen Freude aller Film-Aficionados fand er tatsächlich Wege, diese auf die Leinwand zu bringen. Unter einem verantwortungsvollen Produzenten hätte dies ja gar nicht passieren dürfen, aber Ed Wood war ein Wunderwuzzi, der nicht nur seine eigenen Filme schrieb und drehte, sondern eben auch finanzierte und produzierte. So fand er beispielsweise Geldgeber in einer Baptistengemeinde, denen er als Folgeprojekt einen religiösen Film versprach, weshalb sich alle Crewmitglieder kurzfristig taufen lassen mussten, um die Geldgeber zufrieden zu stellen. Nur deshalb kann man heute das Meisterwerk „Plan 9 from Outer Space“ bewundern. Und was wäre die Filmgeschichte ohne dieses konfuse, irre, völlig planlose und miserabel gedrehte Stück Kino? Der absolute Tiefpunkt in Bela Lugosis Filmkarriere, in dem sich Tag und Nacht abwechseln wie Geschlechtskrankheiten bei einem Gangbang, trägt völlig zurecht den Titel als schlechtester Film aller Zeiten (um den er im Übrigen mit „The Room“ von Tommy Wiseau rittert – ein ewiger Streitpunkt unter Cinephilen, der in diesem Jahrhundert wohl nicht mehr beigelegt werden kann). Wirklich alles an diesem Film ist komplett missglückt. Die Dialoge machen keinen Sinn, die Handlung ist völlig durch den Wind, die Darsteller sind so schlecht, dass es fast schon wieder gut ist, und jeder einzelne technische Aspekt des Films ist so amateurhaft umgesetzt, dass man schon Absicht dahinter vermuten muss. Das Irre daran: Ed Wood war von seinem Werk überzeugt und sah sich auf einer Stufe mit Orson Welles. Einzug in die Filmgeschichte hat er jedenfalls gehalten, also Hut ab vor diesem Mann und seinen Ambitionen. Ein Kürbis für den Film zwei zusätzlich für die unfreiwillige, trashige Komik. Ein Werk, das man als Filmliebhaber mal gesehen haben sollte. So sehr konnte ich einen 3-Kürbisse-Film noch nie zuvor empfehlen.


3,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers (2019)

Regie: J.J. Abrams
Original-Titel: Star Wars: The Rise of Skywalker
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Science Fiction, Abenteuerfilm, Action
IMDB-Link: Star Wars: The Rise of Skywalker


Anders als Gulasch schmeckt Kult aufgewärmt in der Regel nicht besser. Dennoch lässt sich mit Kult (anders als mit aufgewärmten Gulasch) eine Menge Geld verdienen. Das weiß auch Mickey Mouse – und so wurde eine neue Star Wars-Trilogie ins Leben gerufen, die mit Episode IX, „The Rise of Skywalker“, nun ihren Abschluss findet. Bei Fans findet dieser Film nur zögerlich Zuspruch, stößt zuweilen auch auf kalte Ablehnung. Wie ein flachsiges Gulasch. Aber das ist eben genau das Problem, wenn man Kult neu aufwärmt. Die Fans haben bestimmte Bilder im Kopf, haben die Geschichte für sich selbst in Gedanken schon fortgeführt und zu Ende gebracht, sie wollen das, was sie kennen und was sie erwarten, bestätigt sehen. Episode IX von J.J. Abrams versucht nun genau diese Erwartungshaltung zu befriedigen. Und das ist die größte Schwäche, die man dem Film vorwerfen muss. Denn man spürt förmlich in jeder Szene den Eiertanz, den das Drehbuch-Team aufführt, um die hartgesottenen Fans zufrieden zu stellen und allen Geschichten, Legenden und Figuren der geliebten Original-Filme ihren Raum zu geben. Hier gerät Crowdpleasing zuweilen zur Anbiederung. Und das ist durchsichtig und wird – wohl zu recht – dann auch bekrittelt. Wenn man aber diesen Aspekt außer Acht lässt und sich einfach nur auf die neue Trilogie und v.a. diesen Film einlässt, wenn man also die Fan-Brille einmal absetzt, dann ist „The Rise of Skywalker“ ein würdiger, gelungener und spannend inszenierter Abschluss der Film-Trilogie, der tatsächlich einen gelungenen Spagat zwischen Nostalgie-Feeling und moderner Inszenierung hinlegt. Die Figuren sind interessant und im Grunde den Figuren der Original-Serie ebenbürtig. Ich wage sogar zu behaupten, dass Rey (Daisy Ridley) der spannendste Charakter des gesamten Star Wars-Universums ist. Was ebenfalls auffällt und gut umgesetzt wurde, ist das alte Thema der Star Wars-Filme der Doppelung oder Spiegelung: Es gibt die helle und die dunkle Seite der Macht. Der Sohn Luke Skywalker muss sich seinem Vater Darth Vader stellen. Der Vater Han Solo muss sich dem Sohn Kylo Ren stellen. (Hier eine Nebenbemerkung: All jene, die an Adam Driver als Schurken gezweifelt haben, sollten nun zu Kreuze kriechen, denn seine Darstellung des Kylo Ren ist großartig, vielschichtig und emotional nachvollziehbar.) Überall Doppelungen, Fäden, die durch die Geschichte gehen, überall die klare Trennlinie zwischen Hell und Dunkel und den Versuchen der Protagonisten, diese Trennlinien aufzubrechen und eigene Geschichten zu schreiben. Dieses Thema zieht sich durch alle Star Wars-Filme. Vielleicht mag das eindimensional erscheinen, aber es ist konsequent und stimmig umgesetzt. Episode IX bringt dies befriedigend und schlüssig zum Ende und setzt damit auch einen Schlussstrich um die Geschichte, die mit Episode I und einem kleinen Jungen in einem Pod-Racer begann. Ein würdiges Ende, dem noch etwas mehr Eigenständigkeit gut getan hätte, aber über 2,5 Stunden sehr gut unterhält und lose Fäden aus den vorigen Filmen zusammenführt.


8,0
von 10 Kürbissen

Terminator: Dark Fate (2019)

Regie: Tim Miller
Original-Titel: Terminator: Dark Fate
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Action, Science Fiction
IMDB-Link: Terminator: Dark Fate


„Terminator 2“ von James Cameron gehört zu den besten Actionfilmen aller Zeiten, ist vielleicht der beste Actionfilm aller Zeiten. Alles, was danach kam, musste zwangsläufig enttäuschen, und so verlor sich mit der Zeit auch mein Interesse an den weiteren Aufgüssen. Interessant, dass das die Macher von „Terminator: Dark Fate“ wohl ähnlich sahen, denn kurzerhand wird alles nach „Terminator 2“ ausradiert, und der neue Film „Terminator: Dark Fate“ setzt auf der Story des zweiten Films auf. Auftritt der alten Garde: Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton, die Mackenzie Davis und Natalia Reyes in den Hauptrollen supporten dürfen. Zwei Dinge fallen dabei auf: Eine Parallelität zu „Terminator 2“ in der Handlung, die dann zwar aufgelöst werden möchte, was aber nicht befriedigend gelingt, und ein Bekenntnis zur Frauenpower. Hier teilen die Damen ein paar g’sunde Watschen aus. Arnies Zutun beschränkt sich im Grunde darauf, seinen massiven Körper zur rechten Zeit zwischen Bösewichter und die Guten zu quetschen, damit Zweitere eine kleine Verschnaufpause haben, um die Wunden zu lecken und ihr Waffenarsenal aufzumotzen. Am Ende geht doch nichts über gelebtes Teamwork. Allerdings hat der neue Terminator-Film ein massives Problem: Die Story. Zum Einen bedient sie sich über eine lange Zeit längst bekannter Themen, um sich am Ende an einem Twist zu versuchen, den der geübte Kinogeher schon beim Vorspann hat kommen sehen, zum Anderen ist sie echt dumm und voller Logiklöcher – ganz anders als die ersten beiden Filme, die natürlich auch ihre Probleme mit der Logik von Zeitreisen hatten, aber die ganze Chose irgendwie noch inhärent stimmig zusammengehalten haben. Bei „Terminator: Dark Fate“ dachten sich die Drehbuchautoren hingegen offenbar schon gleich zu Beginn: ‚Fuck it, Hauptsache, es rummst!‘. Und das tut es. Sogar ein bisschen zu viel. Erholung vom Actiongewitter bietet der Film nicht viel. Immerhin wird er dadurch trotz seiner Laufzeit von deutlich über zwei Stunden nie langweilig. Das muss man ihm zugute halten. Ansonsten: Ein Film, den man nicht unbedingt gesehen haben muss.


5,0
von 10 Kürbissen

 

Ad Astra – Zu den Sternen (2019)

Regie: James Gray
Original-Titel: Ad Astra
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama, Science Fiction, Thriller
IMDB-Link: Ad Astra


Es gibt Filme, für die sich eine IMAX-Leinwand definitiv auszahlt. „Ad Astra“ von James Gray gehört zu diesen Filmen. Wenn man mit Brad Pitt durch die unendliche Weite des Weltraums schwebt, möchte man das nicht auf einem unscharfen Röhrenfernseherbild aus den 80ern tun. Das Weltall ist ein furchteinflößend leerer Ort, das darf man als Zuseher auch spüren. Die Geschichte von „Ad Astra“ ist relativ simpel aufgebaut: Der stoische Weltraumtechniker Roy McBride (Brad Pitt) wird auf eine streng geheime Mission via Mond zum Mars geschickt, um eine Botschaft an seinen lang verschollen geglaubten Vater (Tommy Lee Jones) zu schicken. Dieser hockt mutmaßlich auf dem Neptun herum, Jahre, nachdem der Kontakt zur Mission, die er geleitet hat, abgebrochen ist. Und nun gehen vom Neptun Energiewellen aus, die die ganze Galaxis bedrohen. Was nach einem Michael Bay-Actionfilm mit viel Tschimmbumm und mächtigen Explosionen klingt, stellt sich als sehr leises, langsames Drama im All heraus. Denn James Gray ist nicht so sehr an Weltraumabenteuern interessiert, sondern an dieser gefühlskalten, gut funktionierenden Figur Roy McBride. Dessen glatte Oberfläche, an der alle Katastrophen abzuperlen scheinen, bekommt allmählich Risse. Es schält sich ein Mensch heraus, der vom Schatten des Vaters schier erdrückt wird. Was wir in „Ad Astra“ sehen, ist die filmische Bearbeitung der vielleicht ältesten Fragen überhaupt: Wer sind wir? Worüber definieren wir uns? Action gibt es dennoch, allerdings ist sie sparsam und prägnant umgesetzt. Was James Gray mit „Ad Astra“ beispielsweise richtig gut macht und in dieser Form bislang auch kaum im Kino zu sehen war: Katastrophen bahnen sich nicht mit großem Gedöns an. Sie passieren einfach. Gerade noch war die Welt in Ordnung, doch plötzlich ist alles Chaos, alles konfus, man versucht zu funktionieren und irgendwie einen Ausweg zu finden, und erst am Ende, wenn man diese Katastrophe tatsächlich überlebt hat, kann man rekonstruieren, was eigentlich passiert ist. Diese Erfahrung setzt James Gray brillant um. Und apropos Brillanz: Brad Pitt ist gesondert zu erwähnen. Der liefert einmal mehr eine mehr als tadellose Leistung ab. Seine Darstellung des Roy McBride ist ein Meisterstück an kontrollierten Emotionen. „Ad Astra“ ist ein ungewöhnlicher Film, der eine gewöhnliche, aber universell adaptierbare Geschichte erzählt. Wenn man sich darauf einlässt, versetzt einen der Film fast in Trance.


8,0
von 10 Kürbissen

Strange Days (1995)

Regie: Kathryn Bigelow
Original-Titel: Strange Days
Erscheinungsjahr: 1995
Genre: Science Fiction, Thriller
IMDB-Link: Strange Days


Millennium. Das neue Jahrtausend, der Wechsel von 1999 auf 2000. Wer erinnert sich nicht? An die Hysterie um den angeblichen Millennium-Bug, der am 1. Jänner 2000 sämtliche Computer lahmlegen würde? An die Prophezeiungen des Maya-Kalenders, dass die Welt untergehen würde? An die Gewissheit, dass Eurodance endgültig tot war? Und dann ist alles doch nicht so schlimm gekommen. 19 Jahre später blicken wir mit einem selbstgefälligen Lächeln auf eine friedvolle Welt, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht, uns das Klima davonläuft, weil wir immer noch CO2 hinausheizen wie die Blöden, der Nahe Osten zu einem einzigen Minenfeld geworden ist, wir Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen und allesamt keinen Dunst haben, wie wir in Zukunft all die hungrigen Mäuler inklusive unserer eigenen füttern wollen. Aber Hauptsache, eine Orange mit dem Intellekt einer Amöbe und eine Vogelscheuche mit Stroh im Kopf sind die Leader unserer Welt. (Und ja, ich weiß, die Vogelscheuche ist noch nicht im Amt, aber das ist nur eine Frage der Zeit, denn wenn wir aktuell eines aus der Geschichte lernen können, dann, dass die Grenze der Dummheit bei weitem noch nicht erreicht ist und Niveau zu einem fröhlichen Limbodance geworden ist, bei dem so gut wie alle Länder und Völker fleißig mitspielen.) Aber vielleicht sollte ich mal was über den Film schreiben, in dem in den letzten Tagen des 20. Jahrhunderts auch so einiges aus den Fugen gerät. Ralph Fiennes spielt den gestressten Ex-Polizisten Lenny Nero, der eine neue Art entdeckt hat, Kohle zu scheffeln: Er vertickt Erinnerungen, die quasi direkt aus dem Gehirn gezapft werden, an zahlungskräftige Kunden, die dann diese Erinnerungen nachempfinden können. Eh ganz lustig, quasi eine Vorwegnahme der Go Pro-Action-Cams. Blöd nur, dass Lenny eines Tages ansehen muss, wie eine solche Erinnerung gar unschön ausfällt – und fortan befindet er sich mit Angela Bassett auf der Flucht vor bösen Schurken und versucht, seine Verflossene, gespielt von Juliette Lewis, der grungigste Feger der 90er, zu retten – die aber nicht wirklich gerettet werden will. „Strange Days“ ist zwar nicht unbedingt würdevoll gealtert, aber einige gesellschaftliche Entwicklungen werden dennoch auf spannende Weise vorweggenommen, und die Thrillerhandlung ist handwerklich sauber inszeniert, wie man das von Kathryn Bigelow kennt. So unterhält der Film auch heute noch sehr gut und lässt im Anschluss an die Sichtung tiefschürfende philosophische Diskurse über Vorwegnahmen von Fehlentwicklungen zu. Aber vielleicht sollten wir uns auch einfach mal um unseren eigenen Kram des Jahres 2019 kümmern. Da haben wir ohnehin genug zu tun.


7,0
von 10 Kürbissen

High Life (2018)

Regie: Claire Denis
Original-Titel: High Life
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Science Fiction, Drama
IMDB-Link: High Life


Ein Mann (Robert Pattinson, der ausnahmsweise mal auf keinem Baum sitzt und auch nicht glitzert) und ein Kleinkind. Die Location: Ein ansonsten verlassenes Raumschiff im Nirgendwo nahe eines Schwarzen Lochs. Gentlemen, you had my curiosity, but now you have my attention. Claire Denis schickt in „High Life“ unseren Glitzervampir, der dann doch deutlich mehr kann als leidend schauen, in den Weltraum und lässt ihn dort eine Beinahe-One Man-Show abziehen. Von Pattinson lebt der Film, und wenn er in der Rolle des Ex-Sträflings, der sich für eine besondere Mission verpflichtet hat, nicht glaubwürdig gewesen wäre, wäre der ganze Film in sich zusammengefallen. Ist aber nicht passiert. Im Gegenteil. Das philosophisch-existentialistisch angehauchte Drama mit Requisiten, das an Space Operas aus den 80ern erinnert, überzeugt trotz Logiklöcher auf fast allen Ebenen. Pattinson spielt charismatisch und gut, Juliette Binoche als spermageile Medizinerin ist ohnehin eine Bank, die interessant gewählte Ausstattung habe ich schon erwähnt, und die Story lässt den Zuseher noch länger nach dem Abspann über die Essenz des Lebens nachdenken. Sind wir tatsächlich nur Tiere, die auf den Trieb der Reproduktion zurückgeworfen werden, wenn unsere Gesellschaft in die Binsen geht? Was ist ein Leben wert? Wer bestimmt darüber? Diese Fragen lassen sich nach dem Film herrlich diskutieren, sofern man denn will. Das Tempo des Films ist gemächlich, wer also einen Sci Fi-Actionkracher erwartet, wird wohl ziemlich enttäuscht werden. Für Fans von leisen Tönen ist der Film jedoch genau das Richtige. Er erinnert durch seine Atmosphäre und das Setting ein wenig an  „Moon“. Vielleicht ist „High Life“ nicht ganz so stringent erzählt und am Ende des Tages ist Sam Rockwell dann doch ein etwas besserer Schauspieler als Robert Pattinson, aber wer Duncan Jones‘ Film mochte, sollte auch hier einen Blick riskieren.


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Polyfilm)