Thriller

Der Spinnenkopf (2022)

Regie: Joseph Kosinski
Original-Titel: Spiderhead
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Thriller, Drama, Action, Science Fiction
IMDB-Link: Spiderhead


Chris Hemsworth als Thor ist der absolute Hammer. Als nerdiger Wissenschaftler, der Strafgefangenen in einer Versuchsanordnung Substanzen spritzt, die Emotionen wecken sollen, eher nicht so. Aber das ist nicht mal das Hauptproblem der Netflix-Eigenproduktion „Der Spinnenkopf“ unter der Regie von Joseph Kosinski. Denn an sich wäre die Prämisse brauchbar und geeignet, einen spannenden Film, der moralische Fragen aufwirft, zu produzieren. Aber: Der Film weiß nicht, was er sein möchte. Schwarzhumoriges Kammerspiel? Action mit Science Fiction-Elementen? Eine düstere Romanze? Oder eben doch der erhobene Zeigefinger? Ein bisschen was ist von allem dabei, und wie so oft: Mehr bedeutet nicht immer mehr. Am ehesten zieht der Film seine Substanz noch aus dem Kammerspiel, doch reizt er dessen Möglichkeiten nicht weit genug aus, um interessant zu sein. Und dann wäre da eben noch besagter Chris Hemsworth, der gerne möchte, aber nicht kann. Und daneben Miles Teller, der vielleicht könnte, aber zufrieden damit ist, seinen Stiefel runterzuspielen. Die Gage bei Netflix wird schon stimmen. Ein Terence Fletcher hätte ihm angesichts der laxen Einstellung schon was auf die Mütze gegeben, aber wo sind die unerbittlichen Musiklehrer, wenn man sie mal braucht? Der weibliche Cast? Größtenteils als optischer Aufputz gedacht, was den Film nicht sympathischer macht. Egal, die Click-Zahlen bei Netflix stimmen ja trotzdem. Irgendwie sind wir ja selbst daran schuld, dass wir seit einiger Zeit so viel Mist auf dem Streaming-Dienst angeboten bekommen. Der Kunde zahlt ja eh.


3,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Argo (2012)

Regie: Ben Affleck
Original-Titel: Argo
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Drama, Historienfilm, Thriller
IMDB-Link: Argo


Oscar-Verleihung 2013. Das war jene Preisverleihung, als Jennifer Lawrence der grandiosen Emmanuelle Riva den Oscar wegschnappte, Haneke aber immerhin bei fünf Nominierungen, darunter für die beste Regie, das beste Drehbuch und den besten Film, den Hauptpreis für den besten fremdsprachigen Film nach Hause nehmen konnte, sich jedermann und jedefrau fragte, wie es passieren konnte, dass Ben Affleck nicht für die beste Regie nominiert war und am Ende doch „Argo“ als bester Film triumphierte. Die besten Geschichten schreibt das Leben – und wenn eine solche Geschichte auch noch so gekonnt und spannend inszeniert wird wie „Argo“ von Ben Affleck, dann passt das schon mit dem großen Hauptpreis für diesen Politthriller. Die Geschichte: 1979 strandeten nach der Islamischen Revolution im Iran einige US-amerikanische Botschaftsangehörige in der Botschaft von Kanada, wo sie versteckt gehalten wurden. Alle anderen Botschaftsmitarbeiter:innen wurden vom Iran als Geiseln gehalten. Die Frage war nun, wie kriegt man die in der kanadischen Botschaft Versteckten aus dem Land, ohne dass sie als Botschaftsangehörige enttarnt werden, denn das hätte eine sofortige weitere Geiselnahme oder noch Schlimmeres für die Betroffenen zur Folge gehabt. Dem von Affleck gespielte CIA-Mitarbeiter Tony Mendez kommt schließlich die zündende Idee: Die Amerikaner sollen sich als Produzenten eines Hollywood-Films auf Location-Suche ausgeben. Und damit die misstrauischen Iraner auch wirklich keinen Verdacht schöpfen, muss der fiktive Film so authentisch wie möglich wirken. Was nach einer absurden Verwechslungskomödie klingt, wurde von Affleck als rasiermesserscharfer und realistischer Thriller realisiert. Das Tempo ist gemächlich, doch gerade dadurch baut sich die Spannung auf bis zum großen Finale. „Argo“ ist ein weiterer Beweis dafür, dass Affleck seine persönlichen Höchstleistungen vielleicht nicht als Mime erreicht, sehr wohl aber als Regisseur mit einem guten Gespür für Spannungsaufbau und realitätsnahe Inszenierungen.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Courtesy Warner Bros. Entertainment – © 2012 Warner Bros. Entertainment Inc, Quelle http://www.imdb.com)

Fight Club (1999)

Regie: David Fincher
Original-Titel: Fight Club
Erscheinungsjahr: 1999
Genre: Thriller, Drama
IMDB-Link: Fight Club


Die erste Regel des Fight Clubs: Ihr verliert kein Wort über den Fight Club! Die zweite Regel des Fight Clubs: Ihr verliert kein Wort über den Fight Club!

Daher ein Rezept für 2 kg Seife. Ihr braucht:
650 g Kokosfett
650 g Sonnenblumenöl
650 g klares Olivenöl
290 g Natronhydroxid
1 Liter Mineralwasser

Zubereitung:
Schutzbrille und Schutzhandschuhe anziehen.
Zuerst das Kokosfett in einen Topf geben und zusammen mit dem restlichen Öl auf 35°C – 36,5°C erwärmen.
Parallel dazu die Natronhydroxid in einem Frischhaltebeutel abwiegen. Dieser wird am Schluss entsorgt.
Das Wasser in einen ausreichen großen Plastikeimer geben.
Anschließend das Natronhydroxid in mehreren kleinen Mengen nacheinander in das Wasser geben, um Laugenwasser/Natronlauge zu erhalten. (Achtung: Keinesfalls anders herum zusammenschütten!) Der erste Schwung Wasser, der mit dem Natronhydroxid in Berührung kommt, würde auf einen Schlag sehr stark erhitzen und heftig verdampfen. Ein Hinweis: Bei Zugabe des Pulvers in das Wasser erhitzt dieses sich schnell und stark. Dabei kann es überkochen (-> daher der große Behälter) und Dampf entwickeln. Macht diesen Arbeitsschritt also nach Möglichkeit unter freiem Himmel (Balkon oder Terrasse) oder zumindest bei offenem Fenster und steht nicht direkt über dem Behälter. Schutzbrille und Handschuhe ebenfalls nicht vergessen.
Nun kommt der komplizierteste Schritt: Sowohl das Öl als auch das Laugenwasser müssen sehr genau auf 35-36°C erwärmt bzw. abgekühlt werden. Arbeitet zum gezielten Abkühlen am besten mit einem kalten Wasserbad. Passt die Temperatur beim Zusammenschütten nicht, klappt die Verseifung nicht. Wenn die Temperatur stimmt, das Laugenwasser in das Öl geben und ununterbrochen rühren, bis die Mischung dickflüssig wird und sich “eine Spur bildet”. Das kann nach ein paar Minuten schon passieren, kann aber auch mal eine dreiviertel Stunde dauern. Hat man eine übrig, kann man auch eine alte Küchenmaschine mit Knethaken auf niedrigster Stufe nutzen.
Abschließend gebt ihr die Rohseife in eine eingefettete oder mit Backpapier ausgelegte Form zum Erhärten. Achtung: Zu diesem Zeitpunkt ist die Rohseife ebenfalls noch ätzend! Die Rohseife dann mit einem Karton als Deckel und eingewickelt in ein paar Handtücher einen bis drei Tage an einem ruhigen und kühlen Ort und außerhalb des Zugriffs von Kindern und Haustieren stehen lassen. Die Handtücher werden benötigt, damit die Seife ihre Wärme langsam und gleichmäßig abgibt, was sich positiv auf Aussehen und Struktur auswirkt.
Mit bestem Dank an Habe ich selbstgemacht – Foodblog München.


9,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

The Batman (2022)

Regie: Matt Reeves
Original-Titel: The Batman
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Action, Thriller
IMDB-Link: The Batman


Comicverfilmungen waren mal bunt, schräg, durchgeknallt und unglaublich trashig. Spätestens seit der Dark Knight-Trilogie von Christopher Nolan weiß man, dass es auch anders geht, dass Comics auch düster und erwachsen und brutal sein können. Aber „The Batman“ von Matt Reeves, der schon am Regiestuhl der neuen Planet der Affen-Trilogie geglänzt hat, ist Grunge pur. Da ist es nur konsequent, wenn Nirvana den Soundtrack begleiten. Den ganzen Dreck, die auf Emo geschminkte Augenpartie von Robert Pattinson, die dunklen, verregneten Ecken der Stadt (man fühlt sich zeitweise an Blade Runner erinnert) beiseitegelassen, bietet dieser Batman allerdings keine überraschenden neuen Erkenntnisse. Batman ist immer noch der einsame Rächer in der Nacht, die Gefährten und Gegner (The Riddler, der Pinguin, Catwoman, Lieutenant Gordon) immer noch das gleiche Personal – hier zollt man der Comicvorlage sichtlich Tribut. Es ist halt alles nur ein wenig dreckiger und realistischer. Dazu passt auch, dass es zwar ein hochfrisiertes Auto als Batmobil gibt, das aber zuweilen etwas Startschwierigkeiten hat und außer ordentlich Wumms unter der Motorhaube ansonsten nicht viel bietet. Wenn es mal abhebt, dann nicht aufgrund einer supermodernen Flugtechnologie, sondern einfach, weil es manchmal chaotisch auf den Straßen hergeht, vor allem, wenn ein Massenauffahrunfall mit LKWs eben diese blockiert und einer der schleudernden LKWs eine eher zufällige Rampe anbietet. Was man auch sagen kann: Trotz seiner Laufzeit von 3 Stunden wirkt „The Batman“ nie langatmig oder gar langweilig. Die Geschichte ist gut aufgebaut und spannend erzählt, und Matt Reeves gibt seinem Batman auch Raum abseits von Prügeleien den dunklen Machenschaften, die sich sein sinisterer Gegenspieler so ausgedacht hat. Die ruhigen Stellen sind die Momente, in denen Robert Pattinson besonders glänzen kann. Und ja, wir müssen über ihn reden. Denn als Grunge-Batman ist er schlicht großartig. Sehr ernst, sehr traumatisiert, die schwierige Kindheit muss gar nicht erzählt werden, die merkt man seinem Batman jeder Bewegung an. Als Alter Ego Bruce Wayne hat Pattinson zu wenig Spielzeit für eine seriöse Bewertung, aber als finstere Fledermaus ist er eine Idealbesetzung. Noch kommt er bei mir nicht ganz an Christian Bale heran, der einfach auch ein fantastischer Bruce Wayne war, aber besetzungstechnisch macht „The Batman“ alles richtig. Und apropos Besetzung: Versucht mal, ohne zu googeln, herauszufinden, wen Colin Farrell spielt. Ich wittere eine Oscar-Nominierung für die beste Maske.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Courtesy of Warner Bros. Picture – © 2021 Warner Bros. Entertainment Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Nightmare Alley (2021)

Regie: Guillermo del Toro
Original-Titel: Nightmare Alley
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Drama, Krimi, Thriller
IMDB-Link: Nightmare Alley


Wer diesen Blog in den vergangenen Monaten etwas intensiver verfolgt hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass ich einige Film Noirs aus den 40ern besprochen habe. „Nightmare Alley“, der neueste Film von Guillermo del Toro, würde gut in diese Reihe passen – wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass es bereits eine Verfilmung aus dem Jahr 1947 gibt unter dem Titel „Der Scharlatan“, ein Film Noir, der auf dem gleichnamigen Roman von William Lindsay Gresham beruht. Nun, ich kenne weder den Roman noch die Originalverfilmung, aber ich kann mir die Vibes des Films aus den 40ern sehr gut vorstellen, denn del Toros „Nightmare Alley“ ist eine Zeitreise in die Blütezeit des Film Noirs. Und wenn wir schon bei Zeitreisen sein: Cate Blanchett stammt ebenfalls eindeutig aus dieser Zeit. Ihre Femme Fatale, die das selbsternannte Medium Stanton Carlisle straucheln lässt, wirkt wie aus der Zeit gefallen. Überhaupt gibt sich del Toro jede Mühe, einen Film zu machen, der nicht nur Hommage an eine frühere Dekade des Kinos ist, sondern diese Zeit wieder auferstehen lässt. Die Detailversessenheit, an der man bei wohl jeder Einstellung die Handschrift des Regisseurs erkennt, zeitigt zwar ein visuell eindrucksvolles Ergebnis, führt aber auch zu erzählerischen Längen. Vielleicht ist del Toro selbst ein bisschen zu verliebt in seinen Film. Und so geht man die Reise zwar gerne mit, aber am Ende macht sich schon das Steißbein bemerkbar und ohne Proviant, sprich: einer großen Portion Popcorn, kommt man kaum gut durch. Dabei stimmt schon jedes Detail – die Darsteller:innen, allen voran Bradley Cooper, machen ihre Sache ausgezeichnet (da fällt mir ein: warum zum Teufel hat David Strathairn noch keinen Oscar?), Kostüme, Ausstattung und Score sind exzellent, die Geschichte diabolisch und spannend – aber für einen richtig großen Film ist von allem halt ein bisschen zu viel da. Klotzen, nicht kleckern, kann gut gehen, aber führt nicht immer zum bestmöglichen Ergebnis. So ist „Nightmare Alley“ ein unbestritten guter Film, aber nicht das Ereignis, das er selbst gerne wäre.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Kerry Hayes, Quelle http://www.imdb.com)

Der Mann mit der Narbe (1948)

Regie: Steve Sekely
Original-Titel: Hollow Triumph
Erscheinungsjahr: 1948
Genre: Thriller, Krimi
IMDB-Link: Hollow Triumph


Paul Henreid, in die Annalen der Filmgeschichte eingegangen durch seine Rolle als Victor László in Casablanca, hatte dem Vernehmen nach genug davon, immer die braven Burschen spielen zu dürfen. In „Der Mann mit der Narbe“ durfte er mal eine andere Facette seines Könnens zeigen: als Verbrecher John Muller, dessen Coup, zusammen mit seiner Gang ein Casino auszurauben, fürchterlich schief geht, worauf er untertauchen muss. Zufälligerweise stößt er dabei auf den Psychoanalytiker Dr. Bartok, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Allein eine Narbe auf der Wange unterscheidet die beiden. Doch so eine Narbe ist rasch ins Gesicht geschnitten, und schon bald ist Muller bereit, Dr. Bartoks Platz einzunehmen. Der muss dafür natürlich erst einmal von der Bildfläche verschwinden. Doch der Teufel steckt im Detail. Man könnte sagen: „Alles verlief nach Plan, nur der Plan war scheiße“. Schafft es Muller, trotz der Fehler, die ihm unterlaufen, davonzukommen, oder siegt die Gerechtigkeit, und der Schurke muss für seine Taten büßen? Das Mitfiebern mit Anti-Helden ist ja durchaus spannend – man wird als Zuseher in einem moralischen Zwiespalt gezogen und überträgt diesen inneren Konflikt auf den Spannungsbogen des Films. Leider funktioniert das im Fall von „Der Mann mit der Narbe“ nur bedingt, denn Paul Henreid ist reichlich uncharismatisch als Bösewicht. Zudem wird die Geschichte etwas zu umständlich erzählt. Das Tempo fehlt. So bleibt dieser düstere Film Noir, der in der Story gute Ansätze hätte, leider nur Durchschnittskost.


5,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Burn After Reading – Wer verbrennt sich hier die Finger? (2008)

Regie: Ethan und Joel Coen
Original-Titel: Burn After Reading
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Komödie, Satire, Thriller, Krimi
IMDB-Link: Burn After Reading


Wenn Joel und Ethan Coen rufen, kommen sie alle. Und so versammelt „Burn After Reading“ nicht weniger als fünf Oscar-Preisträger:innen (Frances McDormand, Tilda Swinton, George Clooney, Brad Pitt und J.K. Simmons), und auch John Malkovich und Richard Jenkins waren schon für den wichtigsten Schauspielpreis nominiert. Bei so viel geballter Schauspielkunst und einem in bester Coen-Manier abgefahrenem Drehbuch kann nicht viel schiefgehen. Und so ist „Burn After Reading“ vielleicht nicht der bedeutendste Wurf der Coen-Brüder, aber rasend komisch und sehr unterhaltsam. Die Story ist eine für die Coens typische Verwechslungsgeschichte voller Zufälle, die durch unklug handelnde Protagonisten hochgeschaukelt werden bis zum großen Finale. Eigentlich wollte der gerade gefeuerte CIA-Analyst Osbourne Cox (John Malkovich) einfach in Ruhe (und im Suff) seine Memoiren schreiben. Die CD mit seinen Recherchen und Unterlagen landet aber zufällig beim debilen Fitnesstrainer Chad (Brad Pitt) und seiner naiven Kollegin Linda (Frances McDormand). Als die beiden beschließen, den Besitzer der CD ausfindig zu machen, und versuchen, ihn zu erpressen, laufen die Dinge natürlich so gehörig aus dem Ruder, wie es sich für eine aberwitzige Komödie gehört. Mittendrin auch noch der notorische Schwerenöter und Paranoiker Harry (George Clooney), dessen Liebhaberin Katie (Tilda Swinton), die praktischerweise auch noch die Ehefrau des bestohlenen Analysten Ozzie Cox ist, und ein sichtlich ahnungsloser und mit der Situation hoffnungslos überforderter CIA-Chef (J.K. Simmons). Überhaupt sind die (kurzen) Szenen, in denen sich die CIA einen Reim auf den ganzen Irrsinn zu machen versucht, die lustigsten des Films. Wie gesagt – eine freche, saukomische und intelligente Komödie, die auch bei der wiederholten Sichtung großen Spaß macht.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 2008 – Focus Features., Quelle http://www.imdb.com)

Spiel mit dem Tode (1948)

Regie: John Farrow
Original-Titel: The Big Clock
Erscheinungsjahr: 1948
Genre: Thriller, Krimi
IMDB-Link: The Big Clock


So ein Redakteur hat’s schwör. Vor allem, wenn man sich abschuftet wie ein Tier, sodass nicht einmal Zeit für eine Hochzeitsreise bleibt, der Chef ein Sadist ist, der noch mehr Überstunden einfordert, man sich genau dann betrinkt und in einer Bar versumpert, wenn man endlich in den wohlverdienten Urlaub begeben sollte (was die sitzengelassene Ehefrau natürlich nicht so leiwand findet), das noch dazu in Gesellschaft der Geliebten des Chefs, die dann – welch Überraschung – bald auch schon tot in der Wohnung aufgefunden wird. Und als hätte man nicht schon genug um die Ohren, setzt einen der eigene Chef auf den Fall an, und man stellt schon bald fest, dass man selbst Tatverdächtiger Nummer Eins ist. Es gibt Tage, da verliert man, und es gibt Tage, da gewinnen die Anderen. Jedenfalls hetzt sich Ray Milland als Redakteur George Stroud durch einen sehr mittelmäßigen Thriller, der allein durch die Präsenz und Schauspielkunst von Charles Laughton als tyrannischer Chef ein wenig Klasse bekommt – doch selbst Charles Laughton ist sichtlich unterfordert. Bei „Spiel mit dem Tode“ handelt es sich um einen Film Noir von der Stange. Diese dunklen Thriller mit schweigsamen (und permanent alkoholisierten) Männern als Hauptfiguren und geheimnisvollen Frauen mit häufig kurzer Lebensdauer in den Nebenrollen erlebten in den 40er Jahren einen regelrechten Boom. Die Nachfrage musste halt befriedigt werden, der künstlerische Anspruch litt zuweilen darunter – wie eben bei diesem Film. Schlecht ist er nicht, aber eben recht belanglos und auch bald schon wieder aus dem Gedächtnis gestrichen. Stattdessen greift man dann doch lieber zu den Klassikern des Genres wie zum Beispiel Rächer der Unterwelt. Damit fährt man besser.


5,0 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Paramount Pictures/Getty Images, Quelle http://www.imdb.com)

Midsommar (2019)

Regie: Ari Aster
Original-Titel: Midsommar
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Horror, Thriller, Drama
IMDB-Link: Midsommar


Der legendäre Hans Huber wusste es schon lange, nachzusehen auf Youtube: „Die Schweeeeeeden sind ein ganz harter Brocken.“ Und so ist trotz schönstem Wetter und langer Tage während des Midsommar-Fests in einer entlegenen schwedischen Kommune bei weitem nicht alles eitel Sonnenschein, wie Dani (Florence Pugh), die sich kurzerhand ihren Freunden bei diesem ethnologisch interessanten Trip angeschlossen hat, im Verlauf von Ari Asters Horrordrama feststellen muss. Dabei hätte Dani ein bisschen Ruhe und Abstand gebraucht, nachdem sich ihre depressive Schwester umgebracht hat und dabei auch noch gleich ihre Eltern mitgerissen hat. Freund Christian (Jack Reynor, das Ergebnis einer wilden Party der Gene von Chris Pratt und Chris Hemsworth) ist keine große Unterstützung. Immerhin bietet sich hier in der Kommune seines schwedischen Kumpels Pelle (Vilhelm Blomgren) die Möglichkeit einer interessanten Abschlussarbeit in Anthropolie. Doch Vorsicht, hätten sie bloß Herbert Prohaska dabei gehabt: Seine Warnung „Da san a poa Hurnkinda dabei“ wäre wohl nicht ungehört verhallt. Aber gut, der Mensch lernt durch Erfahrungen. Das einzige Problem: Diese Erfahrungen müssen erst mal überlebt werden, damit man von ihnen lernen kann. Ari Aster hat ein richtig stimmungsvolles und gleichzeitig abgründiges Horrordrama vorgelegt, das eingefleischte Horroraficionados ob des Mangels an Schreckmomenten wohl eher enttäuschen wird. Vielmehr schleicht sich das Grauen auf leisen Füßen ein. Es ist genau dieser Kontrast zwischen den in der Mittagssonne grell ausgeleuchteten Szenen und der rätselhaften Handlung, die die Stimmung immer bedrückender macht. „Midsommar“ ist kein Horrorfilm im klassischen Sinne, eher ein langsamer, aber unentrinnbarer Strudel ins Herz des Mystischen und der Folklore. In Schweden wird der Film angeblich als schwarze Komödie gefeiert. So kann man es auch sehen. Jedenfalls ist „Midsommar“ ein starker Film, der sich alle Zeit nimmt, die er für seine Geschichte braucht, doch die Zeit ist gut investiert, denn viele Bilder und Szenen lassen einen lange nicht mehr los.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Gabor Kotschy – © A24, Quelle http://www.imdb.com)

Opfer der Unterwelt (1949)

Regie: Rudolph Maté
Original-Titel: D.O.A.
Erscheinungsjahr: 1949
Genre: Thriller, Drama, Krimi
IMDB-Link: D.O.A.


Die Abkürzung D.O.A., so auch der englische Titel des Film Noirs von Rudolph Maté mit Edmond O’Brien in der Hauptrolle, steht unter anderem für „Dead on Arrival“. Und das passt, denn als der Buchhalter und Notar Frank Bigelow in einer denkwürdigen Auftaktszene ins Polizeiquartier stolpert, um einen Mord anzuzeigen, überrascht er alle, als er sich als den Ermordeten nennt. In seinem Körper ist ein hochgradig wirksames Gift, gegen das es kein Gegenmittel gibt. Eingefangen hat er sich dieses ungute Zeug während eines Kurzurlaubs in San Francisco. Da soll einer noch mal sagen: Wenn einer eine Reise tut, kann er was erleben. Dass er tödlich vergiftet wurde, ist ihm rasch klar, doch aus welchen Gründen, das nicht. Und so macht er sich in der geringen Zeit, die ihm noch verbleibt, auf die Suche nach seinen Mördern. In seiner Grundprämisse ähnelt „Opfer der Unterwelt“ dem 2021 erschienenen Netflix-Actionblockbuster Kate. Doch damit enden die Ähnlichkeiten auch schon. Denn auch wenn „Opfer der Unterwelt“ mit einigen guten Actionszenen aufwarten kann, so ist der Held der Geschichte ein ganz normaler, ja sogar ziemlich unscheinbarer Typ, der nicht auf Rache aus ist, sondern schlicht und ergreifend verstehen will, warum ihm so etwas Schreckliches widerfährt. Der Film bezieht seine Spannung aus dem Wettlauf gegen die Zeit. Nach und nach wird ein dichtes Netz an halbseidenen Figuren und kriminellen Machenschaften sichtbar, in das sich Bigelow eher zufällig verfangen hat. „Opfer der Unterwelt“ ist ein gelungener Genrebeitrag zum Film Noir, der auch heute noch spannend anzusehen ist.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)