Thriller

Opfer der Unterwelt (1949)

Regie: Rudolph Maté
Original-Titel: D.O.A.
Erscheinungsjahr: 1949
Genre: Thriller, Drama, Krimi
IMDB-Link: D.O.A.


Die Abkürzung D.O.A., so auch der englische Titel des Film Noirs von Rudolph Maté mit Edmond O’Brien in der Hauptrolle, steht unter anderem für „Dead on Arrival“. Und das passt, denn als der Buchhalter und Notar Frank Bigelow in einer denkwürdigen Auftaktszene ins Polizeiquartier stolpert, um einen Mord anzuzeigen, überrascht er alle, als er sich als den Ermordeten nennt. In seinem Körper ist ein hochgradig wirksames Gift, gegen das es kein Gegenmittel gibt. Eingefangen hat er sich dieses ungute Zeug während eines Kurzurlaubs in San Francisco. Da soll einer noch mal sagen: Wenn einer eine Reise tut, kann er was erleben. Dass er tödlich vergiftet wurde, ist ihm rasch klar, doch aus welchen Gründen, das nicht. Und so macht er sich in der geringen Zeit, die ihm noch verbleibt, auf die Suche nach seinen Mördern. In seiner Grundprämisse ähnelt „Opfer der Unterwelt“ dem 2021 erschienenen Netflix-Actionblockbuster Kate. Doch damit enden die Ähnlichkeiten auch schon. Denn auch wenn „Opfer der Unterwelt“ mit einigen guten Actionszenen aufwarten kann, so ist der Held der Geschichte ein ganz normaler, ja sogar ziemlich unscheinbarer Typ, der nicht auf Rache aus ist, sondern schlicht und ergreifend verstehen will, warum ihm so etwas Schreckliches widerfährt. Der Film bezieht seine Spannung aus dem Wettlauf gegen die Zeit. Nach und nach wird ein dichtes Netz an halbseidenen Figuren und kriminellen Machenschaften sichtbar, in das sich Bigelow eher zufällig verfangen hat. „Opfer der Unterwelt“ ist ein gelungener Genrebeitrag zum Film Noir, der auch heute noch spannend anzusehen ist.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Franck Spadone (1999)

Regie: Richard Bean
Original-Titel: Franck Spadone
Erscheinungsjahr: 1999
Genre: Thriller
IMDB-Link: Franck Spadone


Woran erkennt man einen miesen Film? Nun, es gibt dafür viele Anzeichen. Eines wäre zum Beispiel, dass die Protagonisten die meiste Zeit nur herumsitzen oder -stehen und sich anschweigen und selbst auf Fragen nicht reagieren. Das ist in „Franck Spadone“, einem viertklassigen Thriller aus Frankreich, der Fall. Ich glaube, niemand von den Darsteller:innen musste mehr als zehn Zeilen Text lernen. Ein anderes Anzeichen für einen richtig schlechten Film: Dümmliche Dialoge. Auch hier können wir bei Franck Spadone unser Häkchen setzen. Wenn die Charaktere mal den Mund aufkriegen, kommt meistens nichts besonders Intelligentes dabei heraus. Ein drittes Charakteristikum wäre dann noch ein komplett misslungener Spannungsaufbau. Und auch hierfür kann man „Franck Spadone“ getrost als Musterbeispiel nehmen. Der größte Thrill des Thrillers zieht sich aus der Frage, wer als erster das kollektive Schweigen durchbricht. Aber mitfiebern mit der von Stanislas Merhar gespielten, nein, herumstehenden Hauptfigur eines Taschendiebs, der sich in Unterwelt-Angelegenheiten hineinziehen lässt? Fehlanzeige. Selbst Monica Bellucci kann da nichts rausreißen, die steht genauso sinnlos in der Gegend herum wie der restliche Cast, nur dass sie dabei meistens leichter bekleidet ist. Dabei war die Dame kurz nach der Jahrtausendwende richtig gut im Geschäft – mit „Der Zauber von Malèna“, „Pakt der Wölfe“ und „Irreversibel“ hat sie drei ihrer allerbesten Filme in den zwei Jahren nach „Franck Spadone“ herausgebracht. Vielleicht ihr Glück, dass kaum jemand diesen komplett verkorksten Film vor den Castingentscheidungen der folgenden Filme gesehen hat. Die sich damals anbahnende Weltkarriere wäre sich sonst wohl eher nicht ausgegangen.


2,5 Kürbisse

Match Point (2005)

Regie: Woody Allen
Original-Titel: Match Point
Erscheinungsjahr: 2005
Genre: Krimi, Thriller, Liebesfilm
IMDB-Link: Match Point


Fragt man eine Reihe von Filmliebhabern nach Woody Allens besten Film, wird man oft „Der Stadtneurotiker“ als Antwort bekommen. Bei allem Respekt vor diesem wunderbaren Film, so muss meine Antwort aber anders ausfallen. Für mich ist „Match Point“ der beste Film seiner langen Karriere und einer der besten Filme der letzten zwanzig Jahre. Und nein, zu dieser Einschätzung komme ich nicht nur aufgrund von Scarlett Johanssons Beteiligung, auch wenn ihre Darstellung der amerikanischen Möchtegernschauspielerin Nola Rice, die vom gesellschaftlichen Aufsteiger Chris Wilton (Jonathan Rhys Meyers) umgarnt wird, durchaus denkwürdig ist. Es ist dieser tiefe Zynismus, von dem der Film erzählt und den er auch selbst zelebriert, der die Geschichte von einem jungen, mittellosen Mann, der es bis in die obersten Schichten der Gesellschaft schafft und dann über die Liebe stolpert, so besonders und mitreißend macht. In hell ausgeleuchteten Settings taucht Woody Allen tief in die dunkelsten Ecken der Menschen hinein. Jonathan Rhys Meyers als Hauptfigur ist dabei ein Glücksgriff – er spielt den tragischen Helden, der beinahe zum Ikarus wird, mit einer grandiosen Ambivalenz. Man weiß die meiste Zeit über gar nicht, was man sich für diesen smarten Draufgänger wünschen möchte – dass er mit seinem doppelten Spiel durchkommt oder fürchterlich auf die Pappn fällt. Bis zum Schluss bleibt der Film spannend, und er überrascht mit seinen Wendungen, die aber in sich nur konsequent sind. Bis zu seinem bitteren Ende stimmt wirklich alles bei diesem Film – ein Meisterwerk.


9,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Ministerium der Angst (1944)

Regie: Fritz Lang
Original-Titel: Ministry of Fear
Erscheinungsjahr: 1944
Genre: Thriller, Drama, Krimi
IMDB-Link: Ministry of Fear


Oft hast ein Pech. Da bist du großer Fan von Graham Greene und bekommst die Möglichkeit, einen seiner Romane zu verfilmen, und dann stellst du bei der Lektüre des Drehbuchs fest, dass du eigentlich gar keinen Bock darauf hast, musst das Ding aber jetzt trotzdem durchziehen. So ging’s Regiegigant Fritz Lang mit „Ministerium der Angst“, einem Spionagethriller, der leider an einer reichlich konfusen Story krankt. Aber Fritz Lang wäre nicht Fritz Lang, wenn es ihm nicht gelänge, auch aus dem halbseidenen Stoff einen packenden Thriller mit denkwürdigen Szenen zu schaffen. Die Story: Der eben aus einer Nervenheilanstalt entlassene Stephen Neale (Ray Milland) gewinnt durch Zufall bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung eine Torte. Diese wird ihm im Zug von einem angeblich Blinden abgenommen, der wiederum bei einem Bombenangriff der Deutschen auf Großbritannien getötet wird. Fortan sind Neale allerlei suspekte Gestalten auf den Fersen, und ihm wird auch noch ein Mord angedichtet. Um sich zu retten, muss er also selbst die Ermittlungen aufnehmen und das Komplott, in das er hineingezogen wurde, aufdecken – klassischer Film Noir-Stoff eben. Zugegeben, es ist nicht leicht, den Kapriolen der Geschichte zu folgen. Heute würde man einen solchen Stoff wohl in eine Miniserie verpacken und sich ausreichend Zeit nehmen, alle Verwicklungen sauber aufzubereiten und zu verarbeiten. Der Pluspunkt des Films ist eindeutig die spannungsgeladene Inszenierung, die von gelungenen Bildern begleitet wird. Insgesamt kein Höhepunkt in Fritz Langs Schaffen, aber auch nichts, weswegen er sich schämen müsste.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Unter Verdacht (1944)

Regie: Robert Siodmak
Original-Titel: The Suspect
Erscheinungsjahr: 1944
Genre: Thriller, Drama, Krimi, Liebesfilm
IMDB-Link: The Suspect


London um die Jahrhundertwende. Gentlemen wie Philip Marshall (Charles Laughton) haben es nicht einfach. Einerseits erfüllen sie mit ihrem höflichen Gehabe perfekt die Anforderungen ihrer Zeit, auf der anderen Seite hingegen führen diese oft zu privaten Zwängen, die einem das Leben arg erschweren – vor allem, wenn man unglücklich mit seiner Ehe ist und sich in ein junges Mädel (Ella Raines) verschaut. Die Ehegattin ist ebenfalls kreuzunglücklich und in den Jahren äußerst gehässig geworden, doch allein schon der Vorschlag einer Scheidung ist für sie ein Affront, der auf das Entschiedenste zurückgewiesen wird. ‚Bis dass der Tod uns scheidet‘, heißt es in der Bibel. Also gut, da kann Philip Marshall nachhelfen, und dem frischen Glück steht nichts mehr im Wege – außer einem besonders neugierigen Inspektor und dem versoffenen und bestechlichen Nachbarn. Und so zieht sich die Schlinge enger und enger um den stattlichen Hals des höflichen Tabakwarenverkäufers. „Unter Verdacht“ von Robert Siodmak ist ein Meisterstück herausragender Schauspielkunst. Die Leistung von Charles Laughton kann man ohne Übertreibung als phänomenal bezeichnen – man fiebert mit dem armen Tor, der wider seine Natur zum Mörder wurde, auf das Herzlichste mit. Gleichzeitig versteht es Robert Siodmak, subtil die Spannung anzuziehen. Die düstere Stimmung eines nebligen Londons der Jahrhundertwende untermalt das Geschehen perfekt, wirklich jede Einstellung ist gelungen und zeugt von technisch höchster Fertigkeit. Der Mix aus Krimi, Liebesgeschichte und Moralstück ist ausgewogen dosiert, da ist gefühlt kein Gramm Fett am Gerüst des Films, und dennoch wirkt er zu keinem Zeitpunkt gehetzt. „Unter Verdacht“ ist ein zeitloser Klassiker, der heute noch so gut funktioniert wie vor acht Jahrzehnten. Ein Film für die Ewigkeit.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Der unheimliche Gast (1944)

Regie: Lewis Allen
Original-Titel: The Uninvited
Erscheinungsjahr: 1944
Genre: Thriller, Drama, Horror
IMDB-Link: The Uninvited


Das Setting klingt sehr vertraut: Ein einsames Haus an der Küste mit einer rätselhaften Vergangenheit und einem tragischen Todesfall, ein Paar (in diesem Fall: ein Geschwisterpaar), das sich in dieses Haus verliebt und das Hals über Kopf kauft, und schon geht der ganze Spuk los. Im Dachzimmer ist es seltsam kalt, Blumen verwelken, der Hund traut sich nicht die Stiegen hoch, und in der Nacht hört man ein fürchterliches Wimmern. „Der unheimliche Gast“ ist so etwas wie die Großmutter aller Spukhaus-Filme. Und bei Oma geht es eben ein bisschen gemütlicher zu. Heutzutage kann der Film nicht mehr schocken, dazu sind wir erstens zu abgebrüht, zweitens ein schnelleres Storytelling gewöhnt und drittens haben die Experten für Spezialeffekte mehr Tricks drauf als damals. Dennoch muss am Lewis Allen und seinem Team zu Gute halten, dass sie aus den geringen Möglichkeiten, die sie damals hatten, wohl ein Maximum herausgeholt haben. Da schwebt dann auch schon mal ein nebelhafter Geist durch das Haus, und Buchseiten blättern sich von selbst um. Soweit, so gut. Das eigentlich Bedauerliche an diesem Film ist aber, dass die Geschichte selbst unnötig kompliziert erzählt wird und gegen Ende hin – wie es so oft in diesem Genre passiert – die eine oder andere Kapriole zu viel schlägt. Damit nimmt sich der Film selbst einiges an Wirkungskraft. Nicht immer ist es kompliziert besser. Gerade im Horrorgenre hat sich gezeigt, dass die einfachen Storys oft die gruseligsten sind – wenn man das Grauen sieht und auch weiß, woher es kommt, es aber dennoch nicht aufhalten kann.


5,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Zeuge gesucht (1944)

Regie: Robert Siodmak
Original-Titel: Phantom Lady
Erscheinungsjahr: 1944
Genre: Thriller, Krimi
IMDB-Link: Phantom Lady


Ein Thema zieht sich beim Film Noir durch: Die Handlung wird häufig durch Ehezwistigkeiten in Gang gesetzt – oft sehr zum Schaden der Ehepartnerin, die dann tot auf dem Diwan liegt, während der Gatte Hals über Kopf die Flucht ergreift. Das ist auch das Thema von „Zeuge gesucht“, dem ersten einer Reihe von Film Noirs, die Robert Siodmak für Universal drehte. In diesem Fall gelingt die Flucht nicht, und der Göttergatte (Alan Curtis) sitzt bald ein. Sein Alibi, dass er nach einem Ehestreit in einer Bar eine mysteriöse Frau aufgerissen hat, von der er nicht einmal mehr den Namen weiß, und den Abend mit ihr verbracht hat, glaubt ihm niemand – mit Ausnahme seiner Mitarbeiterin Carol „Kansas“ Richman (Ella Raines), die sich mit detektivischem Spürsinn an die Arbeit macht, ihren Chef zu entlasten und die unbekannte Dame, die als einzige das Alibi bezeugen kann, zu finden. Ihr zur Seite stehen ein Polizist und der Freund des Verdächtigen, der eigens seine Südamerika-Reise unterbrochen hat, um zu helfen. Etwas boshaft gesagt könnte man meinen, dass Alan Curtis am schwersten an seiner Rolle zu tragen hat, muss er doch in jeder Szene ungefähr 15 Kilogramm Pomade auf seinem Kopf stemmen. Aber es ist Ella Raines, die die Show rockt. Das ist dann auch der erfrischende Aspekt an „Zeuge gesucht“ – die Handlung wird von der jungen Dame mit eisernem Willen und Köpfchen in Gang gesetzt, und auch wenn sie sich gegen Ende hin wieder in klassischen Klischees verlieren muss, die man Frauen jener Zeit so zugedacht hat, behält sie zumindest für den größten Teil des Films die Hosen an. Was hier nicht mithalten kann, ist die Logik bzw. Unlogik der Handlung. Die ist mit Brachialgewalt auf schauderhafte Plot-Twists gebürstet. Allzu intensiv nachdenken sollte man darüber nicht. Wenn man sich aber darauf einlässt, dann kann man zumindest eine couragierte Leistung von Ella Raines sowie eine hintergründig kontrollierte Darbietung von Franchot Tone als Freund und einige hübsche Spannungsmomente genießen.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Universal Pictures/Photofest – © Universal Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Rächer der Unterwelt (1946)

Regie: Robert Siodmak
Original-Titel: The Killers
Erscheinungsjahr: 1946
Genre: Thriller, Krimi
IMDB-Link: The Killers


„Rächer der Unterwelt“, auch bekannt als „Die Killer“, begründete Robert Siodmaks Ruf als exzellenten Regisseur für dramatische Thriller. Und das zurecht. Denn der finstere Film Noir ist spannend und wendungsreich inszeniert, ohne aber die Geduld der Zuseher mit übertriebenen deus ex machina-Momenten zu sehr zu strapazieren. Der Film beginnt mit einer brillanten Szene, als zwei dubiose Gestalten, die sich schon bald höflich als Killer vorstellen, recht nonchalant ein Diner übernehmen, um hier auf „den Schweden“ zu warten, mit dem sie offensichtlich eine Rechnung offen haben. Diese Szene hätte ein Tarantino auch nicht viel besser hinbekommen beziehungsweise würde es mich nicht überraschen, wenn Tarantino ein Bewunderer dieser Szene wäre. Nun, der Schwede ist bald tatsächlich Geschichte, doch sein letzter Wille, mit dem er sein Erspartes einem Zimmermädchen eines Hotels vermacht, gibt dem Versicherungsdetektiv Jim Reardon (Edmond O’Brien) Rätsel auf. Er taucht tief ein in die Vergangenheit des Schwedens, seinen Anfängen als Boxer, seiner Liaison zur mysteriösen Barsängerin Kitty Collins und den Geheimnissen, die nach und nach an die Oberfläche kommen. Der Schwede und seine Kitty werden von niemand Geringerem gespielt als den (späteren) Weltstars Burt Lancaster und Ava Gardner, die damals an den Anfängen ihrer Karrieren standen. Und die mit „Rächer der Unterwelt“ ihren Filmographien schon früh ein Meisterwerk hinzufügen konnten. Wer nur einen einzigen Film Noir in seinem Leben gesehen haben möchte, der kann ruhig zu „Rächer der Unterwelt“ greifen. Die Herausgeber von „1001 Filme, die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist“ sehen das ähnlich und haben den düsteren Krimi in ihre Liste mit aufgenommen.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Die blaue Dahlie (1946)

Regie: George Marshall
Original-Titel: The Blue Dahlia
Erscheinungsjahr: 1946
Genre: Thriller, Krimi
IMDB-Link: The Blue Dahlia


1946 einen Film über Kriegsheimkehrer herauszubringen, war schon eine mutige Entscheidung. In diesem Fall lassen sich die seelischen Verwundungen und das Gefühl der Abgeschiedenheit von der Welt aber gut mit den Stilmitteln des Film Noir kombinieren. Hier findet zusammen, was zusammengehört. Die Geschichte handelt von Johnny, der zusammen mit seinen Kameraden Buzz und George nach Hause zurückgekehrt ist, nur um seine Frau als versoffenes Partygirl mit einer heimlichen Affäre wiederzufinden, und der Sohn ist auch gestorben. Im Streit geht das Ehepaar auseinander, und kurze Zeit später ist die Ehefrau tot. Logisch, dass der Verdacht der Polizei auf den flüchtigen Ehemann fällt. Der hat nun alle Hände voll zu tun, den Fall selbst aufzuklären, ehe er geschnappt wird. Ihm zu Hilfe kommt eine mysteriöse Fremde, die irgendwie auch neben der Spur zu sein scheint. „Die blaue Dahlie“ ist Drama, Drama, Drama! Der Plot biegt vielleicht ein paar Mal zu oft ab, sodass einem mit der Zeit fast schwindlig von den vielen deus ex machina-Momenten und signifikanten Zufällen wird. Doch immerhin ist für Spannung und Unterhaltung gesorgt. Das Ende überrascht, wirkt aber nicht stimmig. Selbst M. Night Shyamalan wäre da wohl nicht mitgegangen. Unterm Strich ist „Die blaue Dahlie“ von George Marshall ein recht klassischer Vertreter des Genres. Wer ein Faible dafür hat, wird gut unterhalten, nur sollte man vorab jeglichen Anspruch an Logik aus seiner Erwartungshaltung streichen.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 1946 Paramount Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Hinterland (2021)

Regie: Stefan Ruzowitzky
Original-Titel: Hinterland
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Krimi, Thriller, Historienfilm
IMDB-Link: Hinterland


Man will es sich als wohlstandsverwahrlostes, verhätscheltes Kind der 80er ja gar nicht vorstellen, was unsere Urgroßväter und -mütter mitmachen mussten. Vier Jahre lang Krieg, den man noch dazu verloren hat, der alte Kaiser ist tot, der neue im Exil, von den Fahnenmasten flattern so seltsame rot-weiß-rote Fahnen, und man versucht herauszufinden, was dieses seltsame Konstrukt der Republik nun bedeutet. In diese fremde Welt wird der Kriegsheimkehrer Peter Perg (Newcomer Murathan Muslu) hineingeworfen. „Für Gott, Kaiser und Vaterland“ war einmal. Heute ist er, der ehemalige Spitzeninspektor der Wiener Polizei, ein Niemand. Noch dazu werden alte Gefährten bestialisch gemeuchelt. Irgendjemand hat es auf Kriegsheimkehrer abgesehen, die er zunächst grausam foltert und dann schön drapiert zur Schau stellt. „Sieben“ lässt grüßen. Also muss sich Perg, seelische Verwundungen hin oder her, der Sache stellen. „Hinterland“ von Stefan Ruzowitzky ist ein expressionistischer Albtraum – die (computergenerierten) Wände der Stadt stehen schief und spiegeln die Schieflage, in der sich die ganze Gesellschaft befindet. Die Morde könnten grauslicher nicht sein, die Mienen sind verzerrt, die Blicke leer, und stinken wird’s auch, so ungewaschen, wie die Leute aussehen. Das alles verfehlt seine Wirkung nicht – selten zuvor habe ich Wohlstandskind drastischer nachempfinden können, was es heißt, in eine kriegsversehrte Welt hineingeworfen zu werden. Ein ganzes Land hat sich selbst verloren. Das wird in „Hinterland“ erlebbar. Allerdings ist Ruzowitzky halt auch jemand, der gerne dick aufträgt. Gerade das Ende versucht sich, in jeder Sekunde selbst zu übertreffen, was dazu führt, dass der Film von einer Klischeefalle in die nächste schlingert. Eine interessante und empfehlenswerte Seherfahrung bleibt „Hinterland“ dennoch. Man hätte sich nur gewünscht, dass die Story der außergewöhnlichen Qualität der Bilder folgen kann.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by freibeuter film – © freibeuter film, Quelle http://www.imdb.com)