Berlinale 2018

Gordon und Buffy (2017)

Regie: Linda Hambäck
Original-Titel: Gordon och Paddy
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Animation
IMDB-Link: Gordon och Paddy


Gordon ist der Polizeiinspektor des Waldes und hat im Laufe seiner Dienstjahre schon viel gesehen. Seine Ermittlungsarbeit ist legendär, die Bewohner des Waldes vertrauen ihm. Nur ist Gordon allmählich im pensionsreifen Alter. So kommt es ihm gelegen, als er die aufgeweckte Buffy (im Original: Paddy, und es weiß mal wieder kein Mensch, warum man so eingängige Eigennamen ändern muss) kennenlernt und diese zur Assistentin und später Nachfolgerin aufbaut. Der erste gemeinsame Fall betrifft den Diebstahl von Eichhörnchen Valdemars Nussvorrat. Der Hauptverdächtige ist für Gordon rasch gefunden: Der Fuchs, der Listige, der Gefährliche. Und damit bekommt Gordon das große Zittern, nicht nur aufgrund der Winterkälte. Gordon ist nämlich nur ein kleiner Frosch und seine Assistentin Buffy eine Maus. Was soll man da gegen den großen, starken, schnellen und gefräßigen Fuchs anfangen? Nichtsdestotrotz nehmen Gordon und Buffy die Ermittlungen auf und versuchen, den Fuchs auf frischer Tat zu ertappen. „Gordon und Buffy“ ist ein liebevoll gezeichnetes Abenteuer für die Kleinen. Sowohl die Story als auch die Zeichnungen selbst sind sehr einfach gehalten und überfordern auch die Kleinsten nicht, beinhalten aber eine wertvolle Botschaft, nämlich jene, dass man sich vor Vorurteilen hüten sollte und dass selbst die Besten nicht davor gefeit sind. Die Einfachheit der Erzählung geht natürlich zu Lasten des Genusses für die Erwachsenen, denen das kindliche Abenteuer wohl zu simpel gestrickt sein dürfte, um wirklich gut zu unterhalten. Allerdings kann auch der ausgewachsene Kinobesucher sich an den im besten Sinne naiv gehaltenen Animationen erfreuen, und auch die musikalische Untermalung ist in „Gordon und Buffy“ sehr hörenswert. Und die Moral von der Geschicht‘: Der Fuchs ist böse, oder er ist es nicht.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 8 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


5,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) LEE Film)

 

Infinite Football (2018)

Regie: Corneliu Porumboiu
Original-Titel: Fotbal Infinit
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Fotbal Infinit


Der Provinz-Beamte Laurentiu gibt dem Filmemacher Corneliu Porumboiu ein Interview über seine revolutionären Pläne, den Fußball zu modernisieren. „Der Ball muss frei sein“, so seine Devise. Gleich zu Beginn des Interviews wird klar, dass die Pläne persönlichen Lebenskränkungen entsprungen sind. Die Verletzung als Jugendlicher beim Fußballspiel, die nicht eingetreten wäre, wenn Fußball nach anderen Regeln gespielt worden wäre. Die kurzfristige Absage eines Job-Angebots in den USA. Der langweilige Bürojob, den der Beamte nun schon seit zwanzig Jahren tagein, tagaus erledigt. Hinter all seinen Überlegungen, die er noch während des Gesprächs mit Porumboiu wieder verwirft, da er die Fehler und Unstimmigkeiten seines Regelwerks erkennt, steckt der Wunsch, etwas Bedeutsames zu leisten, anerkannt zu werden, eine Rolle im Weltgeschehen einzunehmen. Das macht „Infinite Football“ trotz des engen Themas zu einem sehr universellen Film. Gleichzeitig wirft Porumboiu eher beiläufig auch einen Blick auf die rumänische Bürokratie, an der schon so einige Träume zerschellt sind. Laurentiu steht hier stellvertretend für viele Menschen, die sich ihre Träume nicht verwirklichen konnten. Sein Umgang damit ist allerdings ein sehr eigener, sehr persönlicher, und teilweise auch rasend komischer, ohne dass Porumboiu Laurentiu zur Schau stellt oder gar auflaufen lässt. Das macht „Infinite Football“ auch zu einem mitfühlenden Film. Allerdings ist das Thema selbst trotz seiner universellen Gültigkeit keines, das geeignet wäre, den Zuseher durchzuschütteln. So gesehen verpasst man auch nicht viel, wenn man den Film nicht gesehen hat. Ihn zu sehen ist aber dennoch keine Zeitverschwendung.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 53 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,0
von 10 Kürbissen

Die defekte Katze (2018)

Regie: Susan Gordanshekan
Original-Titel: Die defekte Katze
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama, Liebesfilm
IMDB-Link: Die defekte Katze


Der Assistenzarzt Kian (Hadi Khanjanpour), iranischstämmiger Deutscher, hat nicht viel Glück mit den Dates. Irgendwie ist nie die Richtige dabei. Und Mina (Pegah Ferydoni), noch im Iran, ist mit Anfang 30 fast schon ein bisschen zu alt, um zu heiraten. So beschließen die beiden, den traditionellen Weg zu gehen und sich verheiraten zu lassen. Die Eltern regeln das, und so zieht Mina vom Iran nach Deutschland zu Kian. Sie sind sich fremd, und der Gedanke, dass sie nun ein Eheleben zu führen haben, ist noch mehr als gewöhnungsbedürftig. Auch der Grad der Freiheit, den Mina in Deutschland genießt, ist zu Beginn erst einmal einschüchternd. Im Bikini ins gemischte Schwimmbad zu gehen ist eine völlig neue Erfahrung für sie. Ein wenig Halt und Zuspruch findet sie bei der „defekten Katze“, die sie eines Tages sehr zum Missfallen Kians kauft. Denn das Tier hat nicht nur einen Gendefekt, sondern einige unangenehme Macken. Die Katze wird zum Symbol für die (defekte) Beziehung, die sich Kian und Mina erst nach und nach erarbeiten müssen. Die Fehler, die sie dabei machen, führen sie jedoch nur weiter voneinander fort anstatt aufeinander zu. Nach Figlia Mia war „Die defekte Katze“ der zweite Film in Folge, den ich auf der Berlinale zum Thema Familie gesehen habe. Während aber in Laura Bispuris die Karten der Familienzugehörigkeit neu gemischt werden, müssen sie in „Die defekte Katze“ erst einmal ausgeteilt werden, und die ersten Regeln müssen definiert werden. Auch hier ist Beziehung harte Arbeit, die von folgenschweren Patzern durchzogen ist. Was ist die Basis für Anziehung? Für einen liebevollen Umgang miteinander? Wie erarbeitet man sich Verständnis füreinander? Und baut Nähe und Vertrautheit auf? Susan Gordanshekan ist ein sehr intimer Film gelungen, der von den beiden Hauptdarstellern gut getragen wird. Vielleicht ist die eine oder andere Entwicklung etwas zu schnell abgearbeitet, und an manchen Stellen bleibt der Film an der Oberfläche, anstatt tiefer im Gefühlschaos zu schürfen, aber dennoch ist „Die defekte Katze“ ein schöner Beitrag zu der Frage: Was ist Liebe? Und wie entsteht sie?

 


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Glory Film / Julian Krubasik)

Meine Tochter (2018)

Regie: Laura Bispuri
Original-Titel: Figlia Mia
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama
IMDB-Link: Figlia Mia


Die zehnjährige rothaarige Vittoria sieht ihrer dunkelhaarigen Mutter Tina (Valeria Golino, die man wohl noch aus „Hot Shots“ in guter Erinnerung hat, die aber so viel mehr kann) so gar nicht ähnlich. Dennoch sind die beiden ein unzertrennliches, liebevolles Gespann. Die fürsorgliche Tina ist auch so anders als die leichtsinnige, alkoholkranke Angelica (Alba Rohrwacher), die kurz vor der Delogierung steht, da sie hochverschuldet ist. Nur ist Angelica Vittorias leibliche Mutter, was diese selbst nicht weiß. Und bevor sie geht, möchte sie einmal Vittoria kennenlernen. Tina lässt sich darauf ein, doch sie unterschätzt einerseits die Beharrlichkeit, mit der Angelica diese Bekanntschaft zu vertiefen versucht, und andererseits die Sturheit ihrer Tochter, die wiederum von der energiegeladenen Angelica fasziniert ist. Und während sich die leibliche Mutter und ihre Tochter allmählich näherkommen, fürchtet Tina um ihr Familienglück. Laura Bispuri verhandelt in „Figlia Mia“ die Themenkomplexe Familie, Zugehörigkeit und Verantwortung. Gedreht mit einer sehr wackeligen und körnigen Handkamera transportiert der Film die Unmittelbarkeit der Figuren – die Kamera ist immer nah dran, umkreist die Figuren, die wiederum um sich selbst kreisen und neu ausverhandeln, was eine Familie ausmacht. Das macht „Figlia Mia“ zu einer recht schwer verdaulichen Kost, vor allem, wenn Angelica wieder einen ihrer Abstürze hat und dem Zuseher klar wird, dass diese Frau nie dazu geeignet sein wird, eine Mutterrolle anzunehmen, da sie ihre Tochter immer enttäuschen wird. Gleichzeitig ist so viel Wärme und Herzlichkeit in vielen Situationen zu spüren, dass man fast wieder versöhnt wird mit dieser im Leben gescheiterten Frau. Und dann ist da Tina, die Frau, die alles zurückstellt für ihr Familienglück, die sich selbst vor einen Bus werfen würde, wenn sie damit Vittoria retten könnte. Aber reicht diese Liebe aus, um weiterhin von Vittoria als Mutter angenommen zu werden? Der Film verweigert sich klarer Aussagen und einer Moral. Alle Figuren sind in ihren Handlungen nachvollziehbar, keine ist mehr im Recht als eine andere, und daraus bezieht „Figlia Mia“ schließlich seine Stärke. Was man dem Film allerdings ein wenig ankreiden kann, ist, dass er recht lange braucht, um in die Gänge zu kommen, und dass er gelegentlich ruhigere Bilder hätte finden können, um seine Geschichte zu erzählen. Es muss nicht immer die wackelige Handkamera sein, wenn man das Gefühl von Realismus vermitteln möchte.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 9 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


7,0
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Vivo film / Colorado Film / Match Factory Productions / Bord Cadre Films)

Isle of Dogs – Ataris Reise (2018)

Regie: Wes Anderson
Original-Titel: Isle of Dogs
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Animation, Drama, Komödie
IMDB-Link: Isle of Dogs


Mit Wes Anderson ist es so eine Sache. Entweder man liebt seine Filme, oder man kann mit seiner Überstilisierung und seiner Lakonie gar nichts anfangen. Ich gehöre definitiv zur ersten Gruppe. Und so gibt es kaum einen Film, auf den ich mich in der letzten Zeit mehr gefreut habe als auf „Isle of Dogs“, den neuen Stop Motion-Animationsfilm von Wes Anderson, der in diesem Genre schon mit „Der fantastische Mr. Fox“ zu begeistern wusste. „Isle of Dogs“ erzählt die sehr japanische Geschichte der Verbannung aller Hunde auf eine Müllinsel, da der diktatorisch agierende Bürgermeister Kobayashi Hunde hasst. Auch der Hund seines Mündels Atari wird deportiert. Das lässt nun eben jener 12jähriger Atari nicht auf sich sitzen, also kapert er kurzerhand ein Flugzeug, um auf die Müllinsel zu fliegen und nach seinem Hund zu suchen. Dort macht er schnell die Bekanntschaft eines Rudels, vom Streuner Chief angeführt, das ihm fortan bei der Suche zur Seite steht. „Isle of Dogs“ ist ein warmherziges Plädoyer für Außenseiter und Ausgestoßene. Es geht um Treue, um Loyalität, um Freundschaft. Es ist einfach, Parallelen zu heutigen Problemen und politischen Entwicklungen zu ziehen, und doch funktioniert der Film gleichermaßen für sich selbst, auch wenn man die politische Agenda ausblendet. Auch das Handwerkliche ist wieder mal auf eine für Wes Anderson typische Weise brillant – diese unglaubliche Liebe zum Detail, die Figurenzeichnung, die Musik von Alexandre Desplat, das alles trägt dazu bei, dass „Isle of Dogs“ fantastisch aussieht. Selten hat Andersons geometrisch durchkomponierter Stil so gut gepasst wie bei diesem Film. Ein weiteres Meisterwerk von Wes Anderson, das bei mir sofortige Liebesgefühle erweckt hat, und die Erstbewertung von 9,5 könnte nach mehrmaliger Sichtung auch noch zur 10 werden und „Isle of Dogs“ damit in die Riege der absoluten Lieblingsfilme aufsteigen.


9,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) 2017 Twentieth Century Fox)

Girls Always Happy (2018)

Regie: Yang Mingming
Original-Titel: Rou Qing Shi
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama
IMDB-Link: Rou Qing Shi


Chinesischer Alltag in der Stadt ist kein Zuckerschlecken, vor allem, wenn man intellektuell, unverheiratet und in einer Zweckgemeinschaft mit der eigenen Mutter lebt. So geht es der Hauptprotagonistin Wu (Yang Mingming, auch Autorin und Regisseurin des Films). Und so isst man zusammen, streitet sich, versöhnt sich wieder, um sich im nächsten Moment doch wieder anzubrüllen, und irgendwie macht das meiste davon einfach keinen Sinn. Dann fährt Wu mal wieder minutenlang auf ihrem Roller durch die Gegend, macht mit ihrem Freund Schluss, lässt ihn dann doch wieder Geschenke bringen, um ihn erneut abzuweisen – Mädel, was willst du? Das hätte ich gern auch Yang Mingming selbst gefragt, denn irgendwo zwischen den endlos verschmatzten Mahlzeiten und konfusen Streitereien könnte in diesem geschwätzigen Film auch ein Sinn verborgen liegen, nur ist mir dieser leider entgangen. Was der Film laut Regisseurin Yang will: Das moderne Leben in Peking darstellen anhand einer Mutter-Tochter-Beziehung. Okay. Aber was genau ist daran interessant? So, wie das Leben gezeigt wird, mag es zwar authentisch sein, aber eine Geschichte ergibt das nicht. Und gehen wir nicht ins Kino, um Geschichten erzählt zu bekommen? Vielleicht war meine Erwartungshaltung diesbezüglich zu hoch, aber als ziemlich gesichert gilt, dass so gut wie nichts passiert in „Girls Always Happy“, und eine Entwicklung der Figuren ist auch nicht spürbar. So wird die Spieldauer von ziemlich genau zwei Stunden zu einer ähnlichen Qual wie die chinesische Tröpfchenfolter. Ein irrelevanter Streit nach dem anderen tropft auf die Häupter des Publikums herab – man weiß: der nächste wird bald folgen, und man kann nichts dagegen tun. Außer vielleicht, das Kino zu verlassen. Aber dafür bin ich wohl zu masochistisch veranlagt.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 3 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


2,5
von 10 Kürbissen

 

Der Buchladen der Florence Green (2017)

Regie: Isabel Coixet
Original-Titel: The Bookshop
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama
IMDB-Link: The Bookshop


Hardborough, eine kleine Hafenstadt nordöstlich von London, 1959. Die junge Witwe Florence Green (die wunderbar verletzliche Emily Mortimer) erfüllt sich einen lang gehegten Traum vom eigenen Buchladen. Sie kauft das alte Haus, das nur noch von Tauben und Ratten bewohnt wird, und gegen den Widerstand einiger Dorfbewohner, die andere Pläne für das Haus gehabt hätten, errichtet sie dort mit viel Liebe und Geschmack einen Traum für Bibliophile wie mich, den Rezensenten. Ihr treuester Kunde ist der zurückgezogen lebende Edmund Brundish (ein wunderbar sanft und zurückhaltend spielender Bill Nighy), ein begeisterter Leser, der allerdings weniger begeistert von sozialer Interaktion ist. Mit ihren Buchempfehlungen (Ray Bradbury! Wie sehr verstehe ich den Mann, der beim Lesen von „Fahrenheit 451“ fast so etwas wie eine Epiphanie hat!) dringt sie allmählich durch die harte Schale durch, und eine zarte, vorsichtige Annäherung bahnt sich an. Florence Green wird Freunde brauchen, denn im Dorf agiert die rücksichtslose und einflussreiche Violet Gamart (Patricia Clarkson) hinterrücks gegen Florence und ihren Buchladen. Violet möchte im alten Haus ein Kulturzentrum errichten, und dass ihr Verhalten Florences Existenz bedroht, ist ihr nicht weiter wichtig. „The Bookshop“ ist in so ziemlich allen Aspekten ein wundervoll altmodischer Film. Die Kostüme, die Settings, das aus der Zeit gefallene Spiel der Schauspieler/innen, selbst die karge Küstenlandschaft passt sich ihrer Rolle in dieser 50er-Jahre-Geschichte an. An sich erzählt „The Bookshop“ weder eine besonders originelle noch übermäßig spannende Geschichte. Aber allein Emily Mortimer dabei zuzusehen, wie ihre Hände über die Bücher streifen, das Leuchten in ihren Augen zu sehen, wenn sie eine neue Ladung Bücher auspackt, ihren konzentrierten Gesichtsausdruck, wenn sie die ganze Nacht lang „Lolita“ liest – ja, ich kenne das, ich kann mit ihrer Figur sehr intensiv mitfühlen. Und wie sich manch gutes Buch wie ein alter Freund anfühlt, so gelingt das auch Isabel Coixets Film. Man fühlt sich einfach wohl mit diesen Figuren in dieser Stadt und Zeit.


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) the producers / Lisbeth Salas)

Maki’la (2018)

Regie: Machérie Ekwa Bahango
Original-Titel: Maki’la
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama
IMDB-Link: –


Die 19jährige Maki’la, genannt „Maki“, lebt auf den Straßen Kinshasas. Sie hält sich mit Diebstählen und Prostitution über Wasser und unterhält eine Beziehung mit dem ebenfalls obdachlosen Mbingazor. Da tritt eines Tages die noch jüngere Acha in ihr Leben, und Maki beginnt, sich verantwortlich zu fühlen für das junge Mädchen, das auf der Suche nach ihrem Bruder ist und noch nicht so abgehärtet wurde vom Leben wie sie selbst. „Maki’la“ erzählt eine wohl leider alltägliche afrikanische Geschichte sehr beiläufig und unsentimental. Freud‘ und Leid liegen hier eng beisammen. Maki ist eine starke Frau, die sich nicht unterkriegen lässt, doch wenn das Leben seine Zähne zeigt, zuckt auch sie zurück, und am Ende fügt sich alles so, als wäre es vorherbestimmt – was den Zuseher nachdenklich zurücklässt. Afrika ist nicht exotisch, Afrika ist nicht sexy, das Leben dort ist ein harter Kampf, den man jeden Tag aufs Neue ausfechten muss – im Schlamm, im Schmutz, im Blut. Leider aber plätschert die Geschichte selbst ziemlich ereignisarm vor sich hin, und es gelingt der Regisseurin Machérie Ekwa Bahango kaum, ihr Publikum eine echte Bindung zu Maki aufbauen zu lassen. Zu spröde ist das alles gefilmt, oft auch zu uninteressant. Es fehlt der rote Faden, an dem sich der Zuseher orientieren kann. Und so ist „Maki’la“ allein schon durch sein Setting und seine Figuren zwar anders als das, was man sonst in unseren Breitengraden üblicherweise zu sehen bekommt, aber ich jedenfalls wurde nicht mitgenommen auf diese tragische Reise. Trotz einer ökonomischen Laufzeit von 78 Minuten fühlt sich der Film lang an. Schade drum.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 6 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


4,5
von 10 Kürbissen

Black 47 (2018)

Regie: Lance Daly
Original-Titel: Black 47
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama, Thriller, Western
IMDB-Link: Black 47


Irland 1847. Die Kartoffelfäule und die Kolonialmacht Großbritannien saugen das Land fürchterlich aus. Über eine Million Menschen sind bereits an Hunger gestorben – wer kann, wandert aus. Einer wandert ein: Martin Feeney (James Frecheville), der in Afghanistan gekämpft hat, kehrt als Deserteur nach Hause zurück. Dort muss er feststellen, dass seine Familie nicht mehr am Leben ist. Der unbarmherzige Landbesitzer Lord Kilmichael (Jim Broadbent) hat diese delougiert, um Steuern zu sparen, was bei klirrender Kälte und grassierender Hungersnot ein sicheres Todesurteil ist. Der als Soldat bestens ausgebildete Feeney startet einen Rachefeldzug, den ausgerechnet sein mittlerweile in Ungnade gefallener Kriegskamerad Hannah (Hugo Weaving) stoppen soll. Für diesen ist die Ergreifung Feeneys der einzige Ausweg aus einer misslichen Lage – hat er doch als Inspektor einen Verdächtigen, der nicht reden wollte, zu Tode gewürgt. Die Aussichten sind klar: Feeney oder er – am Ende baumelt einer. Und so zieht Hannah widerwillig los in Begleitung eines dienstbeflissenen Leutnants, eines Grünschnabels und des Einheimischen Conneely (Stephen Rea). Schon bald kommt es zu einer ersten Konfrontation. „Black 47“ spielt während eines der finstersten Kapitel der europäischen Geschichte – der irischen Hungersnot Mitte des 19. Jahrhunderts. Filme wie „Gangs of New York“ von Martin Scorsese berichten von den Auswirkungen dieser Not, doch kaum ein Film hat bislang auf so drastische und intensive Weise von der Episode selbst erzählt. Das Land ist karg und unwirtlich, und wer kein Dach über dem Kopf hat, stirbt. Doch als wäre eine Geißel nicht genug, zieht auch noch England das letzte bisschen an Ernte aus dem Land heraus. Und in diesem politischen, sozialen Kälteklima ist der Film von Lance Daly angesiedelt. Westernmotive werden ausgiebig bedient, und selten haben diese außerhalb des Wilden Westens selbst so gut gepasst wie hier. „Black 47“ erzählt von Outlaws, deren einziger Überlebenswille sich aus dem Hass auf jene zieht, die ihnen alles genommen haben. Die Wut wird in der zerklüfteten Landschaft genauso spür- und erfahrbar wie der Hunger. So gesehen ist „Black 47“ ein zutiefst pessimistischer Film, der sich auch einer versöhnlichen Schlussbotschaft verschließt, aber gleichzeitig menschelt es hier gewaltig. Vielleicht hat er ein paar Längen und ist an manchen Stellen etwas unrhythmisch erzählt, und auch nicht immer sind alle Handlungen nachvollziehbar, aber dennoch ein Film, den man sich durchaus mal ansehen kann, auch wenn man danach nicht unbedingt gut gelaunt aus dem Kino kommt.


7,0
von 10 Kürbissen

Berlinale 2018

So, es ist geschafft. Eine Woche lag ich krank, aber rechtzeitig vor dem Abflug morgen nach Berlin habe ich von meiner Ärztin das grüne Licht bekommen. Ich fliege also nach Berlin und werde mich dort, mit einer Presseakkreditierung bewehrt, ins Festivalgetümmel werfen – zum ersten Mal außerhalb der eigenen Landesgrenzen. Ich freue mich auf die riesigen Säle des Zoo Palasts und des Berlinale Palasts, auf ein sehr buntes, vielfältiges Programm, das ich mir zusammengestellt habe, und überhaupt meine ersten Erfahrungen als Vertreter der Presse. Die ersten (regulären) Tickets sind gesichert. Vor allem auf „Isle of Dogs“, den neuen Wes Anderson, bin ich sehr gespannt. Die Pressevorführungen werden wohl noch von dem einen oder anderen Lerneffekt begleitet – denn ich habe nicht die leiseste Ahnung, ab wann man sich für die Tickets für diese Vorstellungen anstellen muss. Gut möglich also, dass mein ambitioniertes Programm von 15 Filmen dann eh noch zusammenschrumpft. Ihr werdet es hier jedenfalls lesen, welche Filme ich letztendlich besucht habe und was ich von ihnen halte.