1912

Falling Leaves (1912)

Regie: Alice Guy
Original-Titel: Falling Leaves
Erscheinungsjahr: 1912
Genre: Kurzfilm, Drama
IMDB-Link: Falling Leaves


Basierend auf einer Kurzgeschichte von O Henry, der selbst auch das Drehbuch zu diesem Kurzfilm geschrieben hat, erzählt Filmpionierin Alice Guy-Blaché von dem jungen Mädchen Trixie, das die Hiobsbotschaft, ihre Schwester würde an Tuberkulose versterben, wenn das letzte Blatt vom Baum gefallen ist, nicht hinnehmen möchte. Also macht sie sich auf den Weg, um ihre Schwester zu retten. „Falling Leaves“ ist sicherlich ein Rührstück und im Vergleich zu O Henrys Geschichte auch arg verkürzt, aber darüber sieht man gerne hinweg, finden sich doch in diesen etwa 12 Minuten genug schöne Momente, die zeigen, warum Alice Guy-Blaché ein solch hohes Ansehen unter Filmfans genießt. Es sind diese fast beiläufigen Dinge, wie zum Beispiel, als sich die Mutter, vor Schmerz gekrümmt, kurz wegdreht, als die kranke Winifred am Piano zu spielen beginnt, die den Film interessant machen. Auch der Versuch der kleinen Trixie, die herabgefallenen Blätter wieder am Baum zu befestigen, um ihrer Schwester Zeit zu verschaffen, ist einfühlsam in Szene gesetzt. Und auch die Darsteller:innen machen durch die Bank einen guten Job. Diese 12 Minuten Zeit kann man durchaus einmal investieren, wie ich finde.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Aschenputtel oder der wundersame Pantoffel (1912)

Regie: Georges Méliès
Original-Titel: Cendrillon ou la pantoufle merveilleuse
Erscheinungsjahr: 1912
Genre: Kurzfilm, Fantasy
IMDB-Link: Cendrillon ou la pantoufle merveilleuse


Warum das Märchen von Aschenputtel zu Ostern passt: Zu Ostern kommt der Osterhase und bringt den braven Kindern bunte Eier und Schokolade. Bei Aschenputtel kommt die gute Fee und bringt dem braven Mädel ein Paar neue Schuhe und den Märchenprinzen. Man kann also festhalten: Die gute Fee und der Osterhase sind im Grunde das gleiche Konzept. Die Existenz von beiden darf im Übrigen bezweifelt werden. Aber das nur als einleitende Gedanken, die einem kommen, wenn einem fad im Schädel ist. Jetzt zum eigentlichen Film, den wir hier besprechen wollen. 1912, nach nur etwas mehr als einer Dekade, in der das Filmschaffen maßgeblich geprägt hatte, war der Stern von Georges Méliès bereits am Sinken. Die Welt verlangte nach realistischeren Darstellungen, nach fiktionalem Erzählen, das sich nur schwer mit dem theatralischen Stil von Méliès vereinbaren ließ. Seine Neuauflage des Märchens Aschenputtel stieß daher nicht mehr auf allzu großes Interesse. Filmhistorisch gesehen ist das höchst unfair, denn diese Neuverfilmung ist ausgereifter und in sich runder und stimmiger als die erste Verfilmung. Ein Jahrzehnt mehr an Erfahrung macht sich klar bemerkbar. Mit einer Laufzeit von 23 Minuten ist dieser Film auch einer der längeren von Méliés. Aber es zahlt sich aus, diese 23 Minuten zu investieren. Das dauert auch nicht länger als die jährliche Suche nach Ostereiern. Womit wir wieder die Brücke zurück zur Einleitung gespannt hätten, auch wenn das, ehrlich gesagt, nicht notwendig war. Aber egal, irgendwie will man eine solche Rezension ja auch mal zu Ende bringen. Und jetzt klickt’s auf den Youtube-Link da unten, ihr Gfraster. Frohe Ostern!


8,0 Kürbisse