1935

Papageno (1935)

Regie: Lotte Reiniger
Original-Titel: Papageno
Erscheinungsjahr: 1935
Genre: Kurzfilm, Animation
IMDB-Link: Papageno


Ich bin ein Fan von Lotte Reinigers Scherenschnitt-Animationen. Wenn unbändige Kreativität auf handwerkliche Begabung trifft, ist das Ergebnis zeitlos. Und so verzaubert ihr Kurzfilm „Papageno“ nach Motiven der Oper „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart auch heute noch. In gerade mal elf Minuten erzählt sie auf ihren Scherenschnitt-Tableaus die Geschichte des Vogelfängers Papageno und dessen Liebe zu Papagena, die er in mutigen Abenteuern für sich erobert. Was mich an Reinigers Filmen immer fasziniert ist, wie sie mit Raum, Tiefe und Perspektive umging. Sie erstellte mit zweidimensionalen Silhouetten räumliche Welten, in denen auch stets im Hintergrund viel passiert. Jedes Detail war für Lotte Reiniger wichtig, jede Randfigur bekam ihre ganze Aufmerksamkeit. Diese Liebe zum Detail und zu ihrem Werk überträgt sich auf die Zuseher. Man vergisst heutzutage in Zeiten von CGI und Effekten, die jegliche nur denkbare Welt auf die Leinwand bringen können, wie viel Arbeit und Fantasie nötig sind, um diese Welten zu erschaffen. Die Filme von Lotte Reiniger führen dem Zuseher dies wieder vor Augen. „Papageno“ aus dem Jahr 1935 ist pure Kino-Magie. Diese elf Minuten sind gut investierte Zeit, eine kurze Flucht aus der Realität in einen schönen Traum, der das Herz öffnet für die kleinen und größeren Wunder, die sonst spurlos an uns vorüberziehen.


7,5
von 10 Kürbissen

Frankensteins Braut (1935)

Regie: James Whale
Original-Titel: Bride of Frankenstein
Erscheinungsjahr: 1935
Genre: Horror, Drama
IMDB-Link: Bride of Frankenstein


Lord Byron sitzt mit dem Ehepaar Shelley bei einem Gläschen beisammen, die Nacht ist düster, der Wind peitscht gegen die Fenster, und der Horror, der sich in Frankenstein entfaltet hat, schüttelt dem guten Lord die Knochen durch. Anerkennend fragt er Mary Shelley, wie es sein kann, dass ein solch zartes Weibsbild eine solch schauerliche Geschichte erfinden konnte. Und die grinst nur schelmisch und meint, dass er noch nicht die ganze Geschichte gehört hätte. So also der Auftakt zur Fortsetzung des Filmklassikers mit Boris Karloff. Denn das von ihm verkörperte Monster hat die Feuersbrunst am Ende des ersten Films überlebt, und nun streift er durch die Wälder und wird von den Dorfbewohnern gejagt. Währenddessen bekommt Doktor Frankenstein Besuch von einem Kollegen, der ihn von einem finsteren Vorhaben überzeugen möchte. Wenn man den Film auf das Wesentlichste herunterbrechen möchte, dann wäre die Synopsis in etwa: Frankensteins Monster verliert Freunde und wird aus Einsamkeit zum Alkoholiker und Kettenraucher. Also eh eine moderne Geschichte, wenn man so will. Und man fragt sich, ob man für ein etwaiges Remake vielleicht Georg Friedrich begeistern könnte – der würde passen wie Arsch auf Eimer. Was „Frankensteins Braut“ in jedem Fall bieten kann, sind erstaunliche Spezialeffekte (die kleinen Menschen in den Reagenzgläsern!), ein sichtlich erleichterter Boris Karloff, der auch mal ein paar Sätze sprechen darf und schwarzer, teils ins Groteske gehender Humor. Die Schlusssequenz ist auch nach heutigen Maßstäben sensationell geschnitten. Man kann zwar nicht sagen, dass der Film rasend gut gealtert ist, und der Schrecken von damals ist die schenkelklopfende Unterhaltung von heute, aber wenn man sich darauf einlässt, ist der Film auch jetzt noch spannend und kurzweilig und tatsächlich noch einen Tick besser als der erste Teil.


7,0
von 10 Kürbissen

Tag der Freiheit – Unsere Wehrmacht (1935)

Regie: Leni Riefenstahl
Original-Titel: Tag der Freiheit – Unsere Wehrmacht
Erscheinungsjahr: 1935
Genre: Dokumentation, Propagandafilm, Kurzfilm
IMDB-Link: Tag der Freiheit – Unsere Wehrmacht


Leni Riefenstahl war eine geniale Filmemacherin. Visuell gehören ihre Filme zu den eindrucksvollsten ihrer Zeit. Ihre Inszenierungen sind visuelle Leckerbissen. Aber bei niemandem geht die Schere zwischen Form und Inhalt so weit auseinander wie bei ihr. Das strrrrammme teutschäää Määdääl hat nämlich Filme gemacht, die die Welt so dringend gebraucht hat wie Darmkrebs. „Tag der Freiheit – Unsere Wehrmacht“ ist Propagandamüll der übelsten Sorte. Der Inhalt? Nun, bevor Paintball populär wurde, mussten sich die militanten Halbstarken anderweitig behelfen, und zwar mittels Wehrsportübungen mit scharfen Waffen. Daneben stehen Onkel Adi und seine Wadlbeißer und blicken mit Argusaugen auf die vorexerzierte Stärke von deutschem Kruppstahl (der sich vorzugsweise dort befindet, wo andere Menschen ihr Gehirn haben). Da wird marschiert und gesungen und geballert und in Hakenkreuz-Formation geflogen. Würde man nicht wissen, welch verheerenden Schaden diese Ballermänner im Laufe des nächsten Jahrzehnts noch angerichtet haben, wäre diese ganze Turnübung fast tragikomisch. So aber geht einem das Geimpfte wieder auf. Wie gesagt, visuell ist das alles sehr gut inszeniert, und man denkt sich unweigerlich: Was für eine Verschwendung von Talent! Aber Freude hat an diesem Film mutmaßlich nur jemand wie Gaul-Leiter Kickl, der sich an der strammen Formation der Kavallerie erfreut. Für alle Anderen gilt: Dieser Dreck kann weg. Der hat nicht einmal mehr pädagogischen Wert.


1,0
von 10 Kürbissen

Triumph des Willens (1935)

Regie: Leni Riefenstahl
Original-Titel: Triumph des Willens
Erscheinungsjahr: 1935
Genre: Dokumentation, Propagandafilm
IMDB-Link: Triumph des Willens


Aus der Reihe „Filme, die ich mir angesehen habe, damit ihr sie nicht ansehen müsst“: Leni Riefenstahls Propagandafilm „Triumph des Willens“, der den Reichsparteitag 1934 nutzt, um Hitler und die NSDAP ins rechte Licht zu rücken. Warum sieht man sich zwei Stunden lang Nazi-Propaganda an? Nun, zum einen deckt der Film tatsächlich eine Aufgabe der Filmreisechallenge ab, zum anderen gehört er zu den einflussreichsten Filmen des 20. Jahrhunderts, da viele technische und handwerkliche Aspekte wegweisend für weitere Filme waren. Selbst George Lucas hat sich für „Krieg der Sterne“ von der Ästhetik des Films inspirieren lassen. Filmhistorisch gesehen ist also Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“ durchaus von Bedeutung. Gleichzeitig interessierte mich die Frage, wie ich selbst aus heutiger Sicht einen solchen Propagandafilm aufnehmen würde, mit welchen Methoden und Bildern damals gearbeitet wurde, um Menschen zu manipulieren, und was diese Bilder mit mir selbst machen würden. Und ja, es war interessant zu sehen, wie sich die NSDAP in diesem Film selbst inszenierte und verherrlichte – und man kann durchaus Parallelen zu Inszenierungen und Worthülsen heutiger Rechtspopulisten ziehen. Von daher gehört der Film eigentlich – von einem fachkundigen Lehrer mitkommentiert – in jeden Geschichtsunterricht aufgenommen. Auch wenn plumpe Propaganda wie in „Triumph des Willens“ so heute nicht mehr funktionieren würde, lassen sich gewisse Mechanismen in einer subtileren Weise auch heute noch entdecken, wenn man genau hinsieht. Mitunter ist „Triumph des Willens“ aber auch eine sehr ermüdende Angelegenheit, vor allem, wenn die Wehrmacht in einer Parade eine halbe Stunde lang am Führer vorbeitanzt (an dem Punkt habe ich mich gefragt, ob sich der Adi dabei genauso gelangweilt hat wie ich). Und über den Inhalt der Reden kann man getrost den Mantel des Schweigens breiten. Mit dem Wissen der heutigen Zeit lassen sich zwischen den Zeilen vielleicht noch interessante Andeutungen und Androhungen der Schrecken, die drei Jahre später Realität wurden, herauslesen, aber ansonsten ist das alles der übliche Nazi-Dreck á la „niemand kann uns aufhalten“. Insgesamt ist „Triumph des Willens“ eine ambivalente Geschichte: Technisch und handwerklich sicherlich herausragend, inhaltlich übelster Propagandamist, den man kaum zwei Stunden lang ohne gröbere Schmerzen durchhalten kann. So kommt dann auch meine Bewertung zustande (und die „Auszeichnung“, als einziger Film keine Bewertung zu erhalten, wollte ich diesem Mist nicht gönnen). Die 3 Kürbisse bekommt der Film ausschließlich für seine bahnbrechenden Kamerafahrten und innovativen Beleuchtungskonzepte. Auf den hier üblichen eingebetteten Trailer verzichte ich an dieser Stelle im Übrigen – aber ein Ausschnitt aus einer der bekanntesten Reden Hitlers aus dem Film darf es schon sein.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 13 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


3,0
von 10 Kürbissen