1954

Sabrina (1954)

Regie: Billy Wilder
Original-Titel: Sabrina
Erscheinungsjahr: 1954
Genre: Liebesfilm, Drama, Rom-Com
IMDB-Link: Sabrina


Bert Brecht hat es im Moritat von Mackie Messer in seiner Dreigroschenoper auf den Punkt gebracht: „Denn die einen sind im Dunkeln / Und die andern sind im Licht. / Und man sieht die im Lichte / Die im Dunkeln sieht man nicht.“ Während Terrasse und Haus der Industriellenfamilie Larrabee hell beleuchtet ist für Cocktailpartys und Empfänge, bleibt die Garage, über der die Chauffeurstochter Sabrina (Audrey Hepburn) wohnt, dunkel, und sie selbst versteckt sich im Baum, um einen Blick auf den geliebten Erben, Lebemann und Nichtsnutz David Larrabee (William Holden) zu erhaschen. Überflüssig zu sagen, dass David ihre Gefühle nicht erwidert, sie nicht einmal richtig wahrnimmt. So geht Sabrina nach Paris, um kochen zu lernen, und als sie zwei Jahre später zurück in die Heimat kommt, bringt sie ein bisschen französisches Flair und Pariser Eleganz in die Bude, sodass auch David nur noch mit den Ohren wackeln kann und sich sofort in die junge Schöne verguckt. Blöd nur, dass schon die Hochzeit mit der Magnatentochter Elizabeth (Marthy Hyer) arrangiert ist. Es wäre die vierte des David Larrabee. Sein Bruder Linus (Humphrey Bogart) beobachtet die sich entwickelnde Romanze kritisch, denn mit Elizabeth kommen zwanzig Millionen Dollar Aussteuer und der wichtigste Zulieferer zum neuen Geschäftszweig der Plastik-Produktion. Also beschließt Linus, in die Beziehung von Sabrina und David einzugreifen – mit allerlei verschlagenen Mitteln, denn als trockener Geschäftsmann steht er auf dem Standpunkt, dass der Zweck die Mittel heiligt. „Sabrina“ von Billy Wilder ist eine temporeich inszenierte Liebesgeschichte, die durchaus gegen Konventionen und Erwartungen läuft und gerade darin die größten Stärken wie Schwächen gleichermaßen hat. Denn während der Film auf eine Verbindung von Sabrina und David und die Läuterung des Lebemanns hinarbeitet, entwickelt sich die eigentliche Liebesgeschichte fast beiläufig und im Hintergrund, sodass das Ende irgendwie nicht ganz stimmig wirkt. Aber sei’s drum. Denn niemand kann so charmant schauen wie Audrey Hepburn, und niemand trägt einen Hut so lächerlich und stilvoll gleichermaßen wie Humphrey Bogart, und niemand kann sich amüsanter zum Deppen machen, wenn er sich auf ein Sektglas setzt, als William Holden, und niemand hatte ein besseres Gespür für komödiantisches Timing als Billy Wilder, und damit macht der Film auch heute noch Spaß.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by MPTV – © 1954 Paramount, Quelle http://www.imdb.com)

Abgründe der Leidenschaft (1954)

Regie: Luis Buñuel
Original-Titel: Abismos de pasión
Erscheinungsjahr: 1954
Genre: Drama, Liebesfilm
IMDB-Link: Abismos de pasión


Drama, Baby, Drama! Buñuels Interpretation von Emily Brontës „Wuthering Heights“ ist alles Mögliche, nur nicht subtil. Buñuel nimmt den ohnehin schon dramatischen Stoff, versetzt ihn in die mexikanischen Berge und lässt dort glutäugige Schönheiten und stolze mexikanische Gutsbesitzer leidenschaftliche Wortgefechte austragen, an deren Ende immer jemand wutentbrannt oder schluchzend (oder beides gleichzeitig) aus dem Zimmer stürmt. Am Ende fließen nicht nur Tränen, sondern dickes, pulsierendes Herzblut. Natürlich macht sich Buñuel einen Riesenspaß aus der Geschichte, und sein „Abismos des Pasión“ ist vor allem ein satirischer, in allen Belangen überzeichneter Blick auf Menschen, die nur sich selbst lieben und egoistisch über alle Gefühle ihrer Mitmenschen trampeln, aber es hilft nicht unbedingt, dass einem dadurch wirklich ausnahmslos jeder Protagonist herzlich unsympathisch ist. Dass es Buñuel, der ja später durch surrealistische Überzeichnungen Unsterbliches geschaffen hat, auch subtiler kann, hat er mit seinem Meisterwerk Die Vergessenen von 1950 bewiesen. So bin ich ein bisschen im wigl wogl. Mag ich den Film? Nicht unbedingt. Finde ich ihn gut gemacht? Mit Abstrichen schon. Gegen Andrea Arnolds Version von Wuthering Heights kommt er nicht an, jener Film bleibt für mich weiterhin das Referenzwerk, was diese Geschichte betrifft. Aber ein interessanter, sehenswerter Beitrag zum Thema ist Buñuels Film trotzdem.


6,0
von 10 Kürbissen

Reise in Italien (1954)

Regie: Roberto Rossellini
Original-Titel: Viaggio in Italia
Erscheinungsjahr: 1954
Genre: Drama, Liebesfilm
IMDB-Link: Viaggio in Italia


Wenn einer eine Reise tut, kann er was erleben. So ergeht es dem seit acht Jahren verheirateten Paar Katherine und Alex Joyce (Ingrid Bergman und George Sanders) in Roberto Rossellinis Film „Reise in Italien“. (Der alternative deutsche Titel heißt „Liebe ist stärker“, aber nachdem mich dieser Titel eher an eine Rosamunde-Pilcher-Verfilmung denken lässt, bleibe ich lieber bei jenem Verleihtitel, der dem Originaltitel folgt.) Die beiden reisen nach Neapel, um das Haus des verstorbenen Onkels, ein Kunst-Mäzen und Lebemann, der im stolzen Alter von 90 die Schlapfen gestreckt hat, zu besichtigen, um es anschließend zu verscherbeln. Alex ist Anwalt und das, was man gemeinhin als Workaholic bezeichnet. Katherine hat mehr Sinn für Kunst und Lebensfreude, fühlt sich aber in der Ehe ein wenig unterjocht. Schnell wird klar, dass sich zwei sehr gegensätzliche Charaktere einander das Ja-Wort gegeben haben, und nun wissen sie nicht so recht, was aus diesem Ja geworden ist. Man lebt ja so nebenher. Und weil auf so einer Urlaubsreise, die wenig Ablenkung durch Alltag bietet, die Gefahr groß ist, sich gegenseitig auf die Nerven zu gehen, löst man das Problem auf pragmatische Weise: Man geht getrennte Wege. Alex nutzt gleich mal die Gelegenheit, um kräftig mit den schönen Damen der Gesellschaft zu flirten, denn so Neapolitanerinnen haben schon Feuer unter dem Hintern, selbst wenn sie sich das Bein gebrochen haben. Und Katherine versucht das Beste aus der Situation zu machen, in dem sie Museen und Ausstellungen besucht. Immerhin ist man sich einig: Wir passen nicht zueinander, wir kennen uns eigentlich gar nicht. Das knallt man sich in spitzzüngigen Dialogen auch gerne mal direkt an den Kopf. Das große Drama bleibt allerdings aus. Zu resigniert wirken beide Seiten, als dass sie kampfeslustig noch mal die Rüstungen anlegen würden. Lieber blockt man die verbalen Schläge des Gegenübers mit einem müden Schulterzucken ab. „Reise nach Italien“ ist ein sehr dialoglastiger Film, der vor allem Freunden des geschliffenen Wortes Freude bereiten wird. Allerdings war er mir phasenweise nicht zwingend genug, und auch das Ende konnte mich nicht überzeugen. Dennoch ist es ein guter Zeitvertreib, Bergman und Sanders dabei zuzusehen, wie sie sich Gemeinheiten in die Seelen rammen. Man lernt dabei einiges über die Bedeutung des Schiller-Zitats „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob das Herz zum Herzen findet.“


6,5
von 10 Kürbissen

Godzilla (1954)

Regie: Ishirō Honda
Original-Titel: Gojira
Erscheinungsjahr: 1954
Genre: Science Fiction, Horror
IMDB-Link: Gojira


Es ist Zeit für einen Klassiker. Der erste Godzilla-Film von 1954 ist ein durchaus ansehnliches Trash-Vergnügen, jedenfalls was die Special Effects betrifft. Das Gummimonster mit den lustigen Glubsch-Augen stapft über Kartonmodelle und wirft zornig mit Modelleisenbahnwaggons um sich. Blickt man über diese amüsanten, wenngleich fantasievollen Notbehelfe hinweg, sticht jedoch die gut durchdachte, mitreißende Story ins Auge. „Godzilla“ war anno dazumal nicht weniger als ein Versuch der cineastischen Aufarbeitung des japanischen Atombombentraumas. Gleichzeitig ist die Story verknüpft mit der Frage nach der Verantwortung der Wissenschaft für das Weltgeschehen. Zwar werden dem Zuseher alle Fragen und Erkenntnisse mit dem Holzhammer eingebläut, aber schon der Versuch, sich dieser Themen anzunehmen, ist löblich und stellt den Original-Godzilla schon mal weit über das Emmerich’sche Desaster von 1998 (über das ich lieber keine weiteren Worte verliere, auch wenn ich Jean Reno seit „Léon der Profi“ vergöttere). Dazu kommen durchaus interessante Protagonisten mit eigenen Geschichten und Motivationen, die dem Zuseher Identifikationsmöglichkeiten bieten. Einzige Schwierigkeit: Die japanischen Gesichter auseinanderzuhalten, was durch die körnigen Schwarz-Weiß-Aufnahmen noch einmal eine besondere Herausforderung darstellt für das die Physiognomie des Ostens betreffend ungeübte Auge. Aber gut, auch wir Europäer sehen schließlich alle gleich aus. Es ist alles eine Frage der Perspektive. Und die japanische Perspektive ist eine durchaus interessante, die nicht nur viele weitere Fortsetzungen mit sich gezogen, sondern auch dazu geführt hat, dass auch der Westen dieses ur-japanischste aller Monster lieben gelernt hat.

 


6,5
von 10 Kürbissen