1966

Zum Beispiel Balthazar (1966)

Regie: Robert Bresson
Original-Titel: Au Hasard Balthazar
Erscheinungsjahr: 1966
Genre: Drama
IMDB-Link: Au Hasard Balthazar


In Gedenken an Hans Hurch, den vor kurzem verstorbenen Direktor der Viennale, suchten in einer Hommage vierzehn Freunde jeweils einen Film aus, den sie Hurch widmen möchten. Die Wahl von Tilda Swinton fiel auf „Au Hasard Balthazar“ von Robert Bresson. Dieser wurde bei seinem Erscheinen von der Kritik frenetisch gefeiert, und Godard meinte sogar, dass der Film in 90 Minuten die ganze Welt zeigen würde. Godard. Mein alter Spezi. Hüstel. Jetzt die spannende Frage: Kann ein Film, den Godard liebt, auch mir gefallen? Die Antwort vorweg: Ja, er kann. Denn Bresson ist nicht Godard, und die Leidensgeschichte des Esels Balthazar ist eindringlich und gleichzeitig ökonomisch erzählt – auch wenn man dem Film sein Alter ansieht, vor allem in manch unbeholfener Darstellerleistung. Von der ungestümen und unschuldigen Jugend über die harten Jahre als misshandelter Packesel und gedemütigter Zirkusesel bis zum Tod zeichnet Bresson das Leben Balthazars nach und findet damit eine Allegorie auf das menschliche Leben und die parallel ablaufende Geschichte der jungen Marie, der einzige Mensch, der Balthazar wirkliche Zuneigung zukommen lässt. Der religiöse Symbolismus, der aber nur dezent in den Film eingebaut wird, lässt sich recht leicht als Anspielung auf den Leidensweg Christi entziffern. Die unschuldige Kreatur büßt für die Sünden der Menschen. Die meisten Menschen nämlich nutzen Balthazar für Zwecke, die nicht unbedingt als rechtschaffen zu bezeichnen sind. Der Esel lädt die Sünden nicht nur im übertragenen Sinne auf – sondern auch auf seinem Rücken. Dabei ist „Au Hasard Balthazar“ kein religiöser Film. Man kann ihn auch als naturalistischen Abgesang auf die Unschuld sehen. Das Ende ist bitter und rührt zu Tränen. Die Unschuld ist tot.


7,5
von 10 Kürbissen

Persona (1966)

Regie: Ingmar Bergman
Original-Titel: Persona
Erscheinungsjahr: 1966
Genre: Drama
IMDB-Link: Persona


Weird. „Persona“ von Ingmar Bergman ist definitiv keine einfache Kost. Bergman baut Elemente des Experimentalfilms in seine Geschichte rund um eine Schauspielerin, die während einer Theateraufführung verstummt, und ihrer jungen Krankenpflegerin. Immer wieder wird die vierte Wand durchbrochen, die Chronologie der gezeigten Ereignisse ist nicht immer klar, und die Anfangssequenz ist überhaupt nur eine Montage verschiedener Bilder, die nichts mit der späteren Handlung zu tun haben. Ein sperriges Stück, und von den bisher gesehenen Bergmans ist „Persona“ auch der Film, der mich am unschlüssigsten zurücklässt. An sich ist „Persona“ ein Spiel mit Rollen, mit Identität, mit Masken und Projektionsflächen (so gibt die offenherzige Krankenschwester immer intimere Details aus ihrem Leben preis, einfach, weil sie Zustimmung und Mitgefühl bei der schweigenden Schauspielerin zu erkennen glaubt, das ist es jedenfalls, was sie da hineinprojiziert), und der Grundaufbau erinnert mich ein wenig an die Romane rund um das Thema Identität von Max Frisch: „Stiller“ und „Mein Name sei Gantenbein“ vor allen Dingen. Jedenfalls bleibt es dem Zuseher überlassen, sich die Fragen, die der Film aufwirft, für sich selbst herauszusuchen und weiterzuverarbeiten. Ein rätselhaftes Werk, nicht uninteressant, aber manchmal auch ein wenig mühsam.


6,0
von 10 Kürbissen