1968

Leichen pflastern seinen Weg (1968)

Regie: Sergio Corbucci
Original-Titel: Il grande silenzio
Erscheinungsjahr: 1968
Genre: Western, Drama
IMDB-Link: Il grande silenzio


Vergesst Simmering gegen Kapfenberg. Kinski gegen Trintignant – das ist Brutalität! Inszeniert von Sergio Corbucci prallen die beiden schauspielerischen Schwergewichte in der eisigen Winterlandschaft in Utah aufeinander. Es sind harte Zeiten im Wilden Westen. Viele haben keine Arbeit und müssen sich daher als Banditen durchschlagen. Das wiederum bringt ruchlose Kopfgeldjäger auf den Plan, die armen Kerle wie räudige Hunde niederzuschießen. Vor allem Loco (Klaus Kinski) ist einer, dem nichts heilig ist. Überall im Schnee hat er Leichen konserviert, die er mit der Postkutsche ins nächste Örtchen Snow Hill bringt. Das schmeckt dem dortigen Sheriff zwar nicht, aber Gesetz ist Gesetz. Doch wenn schon dem Gesetz die Hände gebunden sind, muss halt einer eingreifen, der schnell ziehen kann. Und das ist der stumme Silence (Jean-Louis Trintignant), Rächer der ungerecht Behandelten. Sein Clou: Die bösen Jungs provozieren, bis sie ziehen, und sie dann über den Haufen knallen. Denn das ist vor dem Gesetz Notwehr. Das weiß auch Loco, und so entspinnt sich ein Psychospiel, als die Witwe eines durch Locos Hand Verblichenen Silence um Hilfe bittet. Und die Dinge werden allmählich persönlich. Lange Zeit war „Leichen pflastern seinen Weg“ für mich auf dem Weg zu einem durchschnittlichen, soliden Western-Beitrag mit manchmal etwas unbeholfenen Dialogen, aber insgesamt eben ganz gut gemacht. Dann kam das Ende. Und das Verständnis dafür, warum „Leichen pflastern seinen Weg“ heute zu den ganz großen Klassikern des Italo-Western, vielleicht sogar des Western-Genres insgesamt zählt. Der Weg dahin ist mitunter ein bisschen mühsam, aber er lohnt sich – denn am Ende sieht man etwas, was man selten sieht. Und mehr möchte ich eigentlich gar nicht verraten, denn jedes Wort mehr würde dem Film seine Kraft nehmen.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 19 Teil meiner Filmreisechallenge 2018 – und insgesamt auch der letzte Film meiner Reise. Mehr darüber hier.)


7,5
von 10 Kürbissen

Der Löwe im Winter (1968)

Regie: Anthony Harvey
Original-Titel: The Lion in Winter
Erscheinungsjahr: 1968
Genre: Drama, Historienfilm, Politfilm, Satire
IMDB-Link: The Lion in Winter


Einer der 8 Nicht-Oscars von Peter O’Toole. Einer von 4 Oscars von Katherine Hepburn. Ein junger Anthony Hopkins, ein blutjunger Timothy Dalton. „The Lion in Winter“ ist ganz klar großes Schauspielkino. König Henry II. von England (O’Toole) sorgt sich um seine Nachfolge. Sein Favorit wäre der etwas dümmliche John (Nigel Terry), seine Frau Eleonore (Hepburn) nutzt die Gelegenheit des Weihnachtsfestes, an dem sie von ihrem Gemahl ausnahmsweise mal aus ihrem Gefängnis geholt wird, um ihren Lieblingssohn Richard (Hopkins), der später den Beinamen Löwenherz bekommen wird, in Stellung zu bringen. Der dritte Sohn, Geoffrey (John Castle), sieht sich das Ganze mal an, hat aber seine eigenen Pläne. Dazu kommt noch die wunderschöne Geliebte des Königs, Alais (zum Verlieben: Jane Merrow), und der junge König von Frankreich (Timothy Dalton) mischt auch noch fröhlich mit. Alles, was Anthony Harvey für seinen Klassiker benötigte, war eine Burgkulisse, diese Ansammlung großartiger Schauspieler und ein brillantes Drehbuch. Es ist zauberhaft, wie durchtrieben und spitzzüngig hier in alle Richtung konspiriert und intrigiert wird. Das alles gelegentlich begleitet von charmanten Komplimenten, die das Messer im Rücken noch etwas tiefer ins Fleisch treiben. Und so ist das ein großer, anspruchsvoller Spaß. Der Film hat zwar seine Längen und er ist natürlich auch gealtert (die Kampfszenen sind heute eher lustig als episch anzusehen), aber die Dialoge funktionieren noch immer. Eleonore, mit einem Becher in der Hand: „I have a confession.“ Henry, lehnt gelangweilt im Stuhl: „Yeah?“ Eleonore: „I don’t much like our children.“


7,5
von 10 Kürbissen

Frühling für Hitler (1968)

Regie: Mel Brooks
Original-Titel: The Producers
Erscheinungsjahr: 1968
Genre: Komödie, Musikfilm / Musical, Satire
IMDB-Link: The Producers


Der ehemals so erfolgreiche Broadway-Produzent Max Bialystock (Zero Mostel, herrlich überdreht) hat ein Problem: Er ist nicht mehr erfolgreich. Im Gegenteil – um sich irgendwie über Wasser zu halten, bandelt er mit alten Witwen an, um ihnen ein paar Dollars für fiktive Theaterproduktionen abzuluchsen. Auftritt des Buchhalters Leo Bloom (Gene Wilder, hysterisch und Oscar-nominiert). Der überkorrekte und völlig neurotische Angsthase spinnt ein theoretisches, buchhalterisches Konstrukt, das Bialystock aufhorchen lässt: Wenn es einem gelänge, einen geplanten Flop zu produzieren, könnte man damit eine Menge Geld machen. Und zwar ist der Plan ganz simpel: Man bringt eine hohe Summe von Sponsoren auf, verwendet nur einen Bruchteil davon für die Produktion des Stücks und kassiert den Rest selbst ein. Je weiter man weg ist von der Gewinnzone, desto höher ist der Betrag, der den Produzenten bleibt, da die Sponsoren nur mitknabbern, wenn das Stück Geld abwirft. Diese Idee greift Bialystock sofort auf. Es gilt also, das schlechteste Broadway-Stück aller Zeiten zu produzieren. Und was wäre dafür vielversprechender, als das Theaterstück „Frühling für Hitler“ des Alt-Nazis Franz Liebkind (Kenneth Mars, nie ohne Stahlhelm) zu nehmen, der damit dem Führer Gerechtigkeit widerfahren lassen möchte, und darauf den schlechtesten Regisseur aller Zeiten anzusetzen, der daraus eine Revue-Musical-Nummer macht? Ein todsicherer Plan …

Allein schon wegen der Musicalnummer am Ende weiß man, warum „The Producers“ regelmäßig zu den besten Komödien der Filmgeschichte gezählt wird. Mel Brooks, selbst Jude, zieht den Erzfeind Hitler dermaßen konsequent ins Lächerliche, dass einem beim Ansehen auch heute noch die Spucke wegbleibt. Wenn die SS im Stechschritt eine Hakenkreuz-Formation tanzt, dann wird klar: Mel Brooks hatte wirklich Eier. „The Producers“ ist eine hinreißend hysterische, völlig durchgeknallte und wirklich vor nichts und niemanden Halt machende, bitterböse Satire auf die Geldgier, auf das Hitler-Regime, auf windige Broadway-Produktionen und die seltsamen Blüten des Kapitalismus. Das Nummernschild des Schlachtschiffs in „Spaceballs“, einer weiteren grandiosen Mel Brooks-Komödie, fällt einem in diesem Zusammenhang ein: „We break for nobody!“

Allein die Tonalität des Films ist gewöhnungsbedürftig. Hier wird geschrien, gefuchtelt, getanzt, gebrüllt, geschwitzt und hysterisch gelacht. Da ist kein leiser Ton dabei, alles ist bis zum Exzess überdreht. Das war mir persönlich an manchen Stellen sogar ein bisschen too much, aber saukomisch ist und bleibt der Film dennoch.


7,5
von 10 Kürbissen