1973

Robin Hood (1973)

Regie: Wolfgang Reitherman
Original-Titel: Robin Hood
Erscheinungsjahr: 1973
Genre: Animation
IMDB-Link: Robin Hood


Was Pete Docter für die Pixar-Studios ist, war Wolfgang Reitherman für die klassischen Disney-Animationsfilme. Als einer der engsten neun Mitarbeiter von Walt Disney schuf der gebürtige Deutsche Klassiker wie „Das Dschungelbuch“, „Aristocats“, „101 Dalmatiner“ oder eben auch „Robin Hood“, die vielleicht beste Verfilmung des legendären Stoffes überhaupt. Ja, Errol Flynn hatte den schönsten Schnurrbart, Alan Rickman war der großartigste Sheriff von Nottingham, und Mel Brooks verdanken wir das Wissen, dass echte Helden Strumpfhosen tragen, aber der Platz am obersten Stockerl bleibt für mich immer für den schlauen Fuchs reserviert. Als Kind habe ich den Film geliebt, und diese Liebe hat bis heute überdauert. Das muss man nicht einmal mit dem Nostalgiefaktor begründen, der Film ist einfach gut. Es sind die charmant gezeichneten Figuren, die witzigen Einfälle, die kleinen Details am Rande (zB die gefangenen Waschbären im gestreiften Gefängnis-Outfit), die temporeiche Inszenierung, die den Film auch weit über den (hohen) Disney-Standard emporheben. „Robin Hood“ ist einfach von der ersten bis zur letzten Minute ein unschuldiger Spaß für verregnete Sonntage, der dafür sorgt, dass zumindest im Herzen die Sonne ein wenig aufgeht, wenn nach all den Abenteuern ein stolzer König Richard am Ende mit den Worten aus der Kirche schreitet: „Jetzt habe ich einen Verbannten zum Verwandten!“. Bleibt mir nur noch zu sagen: Udelelli!


8,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 1973 – Walt Disney Studios., Quelle http://www.imdb.com)

Die Schlacht um den Planet der Affen (1973)

Regie: J. Lee Thompson
Original-Titel: Battle for the Planet of the Apes
Erscheinungsjahr: 1973
Genre: Science Fiction, Action
IMDB-Link: Battle for the Planet of the Apes


Nach dem vierzigsten Messerstich röchelte Caesar mit letzter Kraft: „Mein letzter Wille – benennt einen Salat nach mir!“ Und so ward es geschehen. Der Caesar Salad steht heute für zwei Dinge: Ein schmackhaftes Salatgericht mit einem eigens kreierten Dressing, Croutons und Parmesan einerseits, und für den unglaublichen Salat, den der Hauptaffe in der Planet der Affen-Reihe durch seine unmotivierte Expedition in die verbotene Stadt, die Welt der Menschen angerichtet hat. Wäre er hübsch zuhause geblieben, aber nein, der angeblich so kluge Primat möchte sich ein paar Home Videos seiner Eltern Zira und Cornelius ansehen – als hätte er nicht genug damit zu tun, seine Affenbande zusammenzuhalten und sie davon abzuhalten, den Menschen, die seit der Eroberung vom Planet des Affen versklavt wurden, den Knüppel zu geben. Dazu macht der eigene Sohn gerade eine pubertäre Phase durch. Wie gesagt: Wäre er einfach zuhause geblieben, dann wären die Menschen nicht in ihren Schulbussen ausgerückt, um den Affen den Garaus zu machen. Und dann hätten wir alle nicht diese fürchterlich lahmen Kampfszenen sehen müssen, die jene aus dem Vorgängerfilm noch mal dramatisch unterbieten. Wer hier konzentriert bei der Stange bleibt, ist cineastisch hartgesotten. Mir ist es nicht gelungen. Zu fad, zu banal, zu vorhersehbar und zu lahm ist das Geschehen auf dem Schirm. Und wirklich alle Charaktere sind so eindimensional und langweilig und ja, auch unsympathisch, dass man am Ende einfach hofft, dass dann doch irgendeiner noch einen auf Charlton Heston macht, auf einen roten Knopf drückt und Primaten wie Homo Sapiens gleichermaßen in die ewige Verdammnis schießt. Es ist nämlich wirklich wurscht, wer die Keilerei gewinnt. Hauptsache, der Film ist aus.


2,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Jahr 2022 … die überleben wollen (1973)

Regie: Richard Fleischer
Original-Titel: Soylent Green
Erscheinungsjahr: 1973
Genre: Science Fiction, Thriller
IMDB-Link: Jahr 2022 … die überleben wollen


Ältere Science Fiction-Filme sind eigentlich immer interessant anzusehen, v.a. wenn sie in der Zeit des Betrachters spielen. Eines gleich vorweg: Bei der Einwohnerzahl von New York im Jahr 2022 hat sich „Soylent Green“, 1973 erschienen, ein wenig verschätzt. Die 40 Millionen gehen sich in den nächsten zwei Jahren beim besten Willen nicht aus. Aber viele Probleme unserer heutigen Zeit wie der drohende Zusammenbruch des Ökosystems durch Überfischung, Rodung, Knappheit von Lebensraum, ungleiche Ressourcenverteilung, letztlich die Überbevölkerung des Planeten, werden in diesem Klassiker vorweggenommen. Die Reichen können sich auch mal ein schönes Stück Rindfleisch leisten, die Armen schlafen übereinandergestapelt in Stiegenhäusern und futtern synthetische Riegel. Der schmackhafteste Scheiß ist dabei das sogenannte „Soylent Green“. Blöd nur, dass ein Direktor der Firma, die diese grünen Riegel produziert, erschlagen wird, was dem abgeranzten Detective Thorn (Charlton Heston) eine Menge Arbeit – und dann Ärger – einbringt. Ihm zur Seite steht der alte Bibliothekar Sol Roth (Edward G. Robinson, der kurz nach Fertigstellung des Films gestorben ist, mit einer Glanzleistung), der sich noch an die Zeiten vor der Ökokatastrophe erinnern kann und vor Freude schier auszuckt, als er mal in einen richtigen Apfel beißen kann. Bald sehen sich Thorn und Roth einer breiten Verschwörung gegenüber, und irgendjemand investiert richtig viel Mühe, um den nervigen Polizisten zum Schweigen zu bringen. Was steckt nun hinter Soylent Green? Und lohnt es sich, 1,5 Stunden dranzubleiben, um das Geheimnis zu erfahren? Nun, gut gealtert ist der Film nicht. Man sieht ihm sein knappes halbes Jahrhundert doch deutlich an. Dennoch überrascht, von welcher Brisanz die Themen, die der Film unter der Regie von Richard Fleischer nach einem Buch von Harry Harrison anschneidet, auch heute noch sind – vielleicht mehr, als man sich 1973 vorzustellen vermochte oder befürchtet hat. Insofern ist „Soylent Green“ ein zeitloser Klassiker, den man sich mal zu Gemüte geführt haben sollte.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 1973 Warner HE, Quelle: imdb.com)

Papillon (1973)

Regie: Franklin J. Schaffner
Original-Titel: Papillon
Erscheinungsjahr: 1973
Genre: Drama, Biopic
IMDB-Link: Papillon


Müsste man „Papillon“, der Verfilmung von Henri Charrières autobiographischem Roman, ein Motto voranstellen, so könnte dieses lauten: Schlimmer geht’s immer. Denn die Versetzung von Henri Charrière (Steve McQueen) und Louis Dega (Dustin Hoffman) auf die Teufelsinsel, einer Strafkolonie vor der Küste von Französisch-Guyana, ist erst der Beginn einer jahrelangen Marter. Hitze, korrupte und sadistische Aufseher, Mangelernährung, Isolationshaft und schließlich Einkerkerung bei Dunkelheit brechen die Häftlinge physisch wie psychisch. Dass der „Papillon“ (deutsch: Schmetterling) genannte Charrière das alles durchhält, ist nur einem eisernen Überlebens- und Freiheitswillen zu verdanken. Steve McQueen spielt diesen Besessenen mit allem, was er hat. Ständig bewegt sich Charrière am Rande des Wahnsinns und manchmal auch einen Schritt darüber hinaus, aber immer wieder findet er zu sich zurück und zur Motivation, weiterzumachen mit der Hoffnung auf Freiheit, irgendwann und irgendwie – sei es auf einem Seesack durchs offene Meer schwimmend. Eine grandiose Leistung von McQueen, deren man sich nicht entziehen kann. Auch Dustin Hoffman als nerdiger Sidekick überzeugt. Die beiden Männer tragen den Film auch über die opulente Spieldauer von fast 2,5 Stunden. Diese scheint allerdings nicht zur Gänze nötig zu sein, denn der Film krankt ein wenig an einem Problem, zu dem viele autobiographische Erzählungen neigen: Redundanzen und Leerstellen. Das echte Leben ist eben (auch) geprägt von Wiederholungen und Momenten, die dramaturgisch einfach in der Luft hängen. Selbst jene, die an Gott und die göttliche Vorhersehung glauben, tun sich etwas schwer damit, sich den Rauschebart dort oben a la Dalton Trumbo, der das Drehbuch für „Papillon“ geschrieben hat, mit Zigarre im Mundwinkel und Schreibmaschine auf einem Brett in einer Wolkenbadewanne vorzustellen, wie er das Leben von uns Erdwürmlingen in die Erstfassung seines Manuskripts tackert. Was ich damit sagen will: Das Leben kann halt manchmal fad sein. Und vor solchen Momenten ist auch „Papillon“ nicht gefeit, auch wenn er zurecht als Film-Klassiker gilt und über den Großteil seiner Laufzeit wirklich grandios ist. Kürzen hätte man ihn dennoch können.

 


7,5
von 10 Kürbissen

Begegnung am Vormittag (1973)

Regie: Clint Eastwood
Original-Titel: Breezy
Erscheinungsjahr: 1973
Genre: Liebesfilm
IMDB-Link: Breezy


Nur wenig ist amerikanischer als Clint Eastwood. Der schweigsame, knurrige Action- und Westernheld, überzeugter Republikaner, wandelndes Testimonial für den 2. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, eine Filmikone, deren schauspielerisches Schaffen sich über sechs Jahrzehnte erstreckt, und möglicherweise ist er auch unsterblich. Umso überraschender und manchmal in erstaunlichem Gegensatz zu seinen politischen Überzeugungen sind viele seiner Regiearbeiten, wie zB „Gran Torino“, dieses Plädoyer für Menschlichkeit und gegen Fremdenhass, oder auch eine seiner ganz frühen Regiearbeiten „Breezy“ (deutscher Verleihtitel: „Begegnung am Vormittag“). Gedreht Anfang der 70er versprüht der Film den Duft von Flower Power und freier Liebe, lässt allerdings diese ungezwungene, jugendliche Leichtigkeit (die hinreißende Kay Lenz als junge Aussteigerin, die alle Liebe dieser Welt in sich vereint) kollidieren mit dem konservativen Establishment, verkörpert von William Holden als Anzug tragendem und stinkreichem Makler. Es entspinnt sich eine recht vorhersehbare, aber doch charmante Liebesbeziehung zwischen dem lebenslustigen und naiven Hippiemädchen und dem alten, vom Leben und der Liebe gebeutelten Zyniker. Gespielt ist das alles sehr gut und mitreißend, auch viele Dialogzeilen sind gut geschrieben und hallen lange nach. Was man dem Film allerdings schon vorwerfen kann, ist seine Überraschungsfreiheit und die Tatsache, dass im Grunde mal wieder der alte, erfahrene Mann den Takt vorgibt, und das junge Mädchen mal wieder jene Figur ist, die diesem Takt scheinbar bedingungslos folgt. Man versteht auch nicht so ganz, worauf sich diese Liebe, die da entflammt, begründet, was sie also an dem Herrn so großartig und anders findet, dass da eben Liebesgefühle aufkeimen können, aber gut, Märchen sind nicht immer nach logischen Kriterien zu beurteilen, und ein Märchen ist „Breezy“. Ein charmanter Film für einen verregneten Sonntagnachmittag, um das Gemüt zu verbessern. Allerdings kein Film, der schon eine Ahnung auf die kommenden Meisterwerke von Clint Eastwood (wie eben „Gran Torino“, „Erbarmungslos“ oder „Million Dollar Baby“) aufkeimen lässt.


6,0
von 10 Kürbissen

Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)

Regie: Nicolas Roeg
Original-Titel: Don’t Look Now
Erscheinungsjahr: 1973
Genre: Drama, Horror
IMDB-Link: Don’t Look Now


„The Shining“ in Venedig. Trotz einer Vorahnung gelingt es dem Familienvater John (Donald Sutherland) nicht, die kleine Tochter vor dem Ertrinken im Gartenteich zu retten. Wenig später sieht man ihn und seine Frau (Julie Christie) in Venedig, wo er einen Auftrag als Restaurator einer Kirche durchführt. Dort macht das Ehepaar Bekanntschaft mit zwei seltsamen Schwestern, von denen eine blind und mit der Gabe des zweiten Gesichts, also der Vorhersehung, gesegnet ist. Der Mutter tut es gut zu erfahren, dass die Tochter im Jenseits in Sicherheit ist und lächelt, der Vater tut dies als Spinnereien ab. Doch immer wieder sieht und hört er Seltsames zwischen den Kanälen des nächtlichen Venedigs, das mit seinem morbiden, zerfallenden Charme zu einem weiteren Protagonisten der Erzählung wird. Soweit also kurz umrissen der Inhalt des Filmes, der auf einer Erzählung von Daphne du Maurier beruht und auch heute noch gern zitiert wird. Interessant ist, dass er gerne auf die Sexszene zwischen Sutherland und Christie reduziert wird. Haben sie nun? Haben sie nicht? Nach Sichtung des Films: Sie könnten es getan haben. Ist aber wurscht. Denn „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (bzw. „Don’t Look Now“, wie er im Original passenderweise heißt, auch wenn der deutsche Verleihtitel poetischer klingt) ist kein Sexfilmchen der 70er-Jahre, sondern eine interessante Mischung aus Trauerbewältigung und subtilem Horror. Zwar wirkt er heute schon ein wenig angestaubt (v.a. das Overacting an einigen Stellen fällt negativ auf) und er hat auch trotz der ökonomischen Laufzeit von 105 Minuten einige Längen, aber interessant anzusehen ist er dennoch mit seinen vielen Symbolen und Andeutungen und Verschränkungen. Kann man sich mal geben an einem verregneten Nachmittag.


6,5
von 10 Kürbissen