1979

Apocalypse Now (1979)

Regie: Francis Ford Coppola
Original-Titel: Apocalpyse Now
Erscheinungsjahr: 1979
Genre: Anti-Kriegsfilm
IMDB-Link: Apocalypse Now


Die Mutter aller Antikriegsfilme ist wohl Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“. Unglaublich eigentlich, dass ich 37 Jahre alt werden musste, um diesen Meilenstein der Filmgeschichte zu sehen (in der ursprünglichen Kino-Fassung, die mit etwa 2,5 Stunden etwas schlanker ausfällt als die Redux-Version). Angesichts der Vorschusslorbeeren war meine Erwartungshaltung recht hoch. Sie wurde allerdings nicht enttäuscht – im Gegenteil. „Apocalypse Now“ hat eine unfassbare Wucht, die auch 30 Jahre nach der Entstehung noch voll auf die Magengrube zielt – und trifft. Nie zuvor habe ich den ganzen Wahnsinn von Krieg so ungeschönt, schmerzhaft und brutal auf die Leinwand gebannt gesehen wie hier. Da kommt selbst die Anfangssequenz von „Saving Private Ryan“ nicht mit, auch wenn dort mehr Gedärme durch die Luft fliegen. Was aber Coppola gelingt wie keinem Zweiten ist es, die Sinnlosigkeit und den Wahnsinn eines Krieges spürbar zu machen. Sein durchgeknallter Colonel Kurtz (Marlon Brando) ist nur ein Symptom, nicht die Ursache des Wahnsinns. Und während wir Captain Willard (Martin Sheen) auf dem Boot durch den Dschungel folgen auf der Suche nach eben jenem Colonel Kurtz, begreifen wir, dass der Wahnsinn überall ist. Hinter jeder Ecke, in jeder Sekunde kann er hervorspringen und dir den Kopf abbeißen. Ob er nun in Gestalt eines Tigers im Dschungel auftaucht oder in Form einer Hubschrauber-Formation, die zu Wagners Walküren-Ritt angreift oder als surfender Lieutenant, der den Geruch von Napalm am Morgen liebt – die Nerven liegen blank und der Mensch ist als solcher kaum mehr erkennbar. Zugespitzt wird dieser apokalyptische Irrsinn in einem surreal anmutenden Schlussdrittel, das man so schnell nicht vergessen wird. Nach diesem Film hätte es eigentlich keine weitere Kriegsfilme mehr gebraucht. Denn damit ist alles gesagt.


9,5
von 10 Kürbissen

Rocky II (1979)

Regie: Sylvester Stallone
Original-Titel: Rocky II
Erscheinungsjahr: 1979
Genre: Sportfilm, Drama
IMDB-Link: Rocky II


„Rocky II“ führt die Geschichte des ersten Films nahtlos fort. Er setzt ein, als die beiden schwer ramponierten Gegner Rocky Balboa und Apollo Creed im Krankenhaus gefahren werden. Das Adrenalin vom Kampf pulsiert noch rot blinkend im Körper, also zettelt Creed gleich mal einen kleinen Beef mit Rocky an, denn dass ihn dieser Amateur vor den Augen der Welt so vermöbelt hat (auch wenn Creed als Punktesieger Weltmeister blieb), kratzt am Ego. Rocky selbst will eigentlich nur seine Ruhe haben. Immerhin weiß er nun, dass er mithalten kann. Aber jetzt zählen erst einmal die Spaziergänge mit Adrian, die in einen Heiratsantrag münden (mit einem Tiger als Zeugen und ersten geladenen Gast) und schließlich in eine Hochzeit und Schwangerschaft. Das Familienglück wäre komplett, wenn nicht Rocky, der gutherzige Straßenproll, irgendwann einmal im Leben gelernt hätte, mit Geld anders umzugehen, als es für dubiose Halbkriminelle aus armen Schuldnern herauszuprügeln. Aber er macht halt den Fehler, den viele machen, die unverhofft zu etwas Kohle kommen: Er lebt nach dem George Best-Motto. „Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst.“ Gut, Alkohol ist nicht Rockys Problem, aber er ist trotzdem schon bald pleite und muss wieder kleinere Brötchen backen. Kurzfristig findet er eine Anstellung im Schlachthaus, in dem auch sein Schwager Paulie arbeitet. In der Zwischenzeit plant der immer noch geladene Apollo Creed einen Rückkampf – und Rocky, der Kämpfer in Geldnöten, kann eigentlich gar nicht ausschlagen, auch wenn Adrian damit gar nicht einverstanden ist. Zudem kommt es kurz vor dem entscheidenden Kampf bei der Geburt des Nachwuchses noch zu Komplikationen. Auch wenn „Rocky II“ einiges richtig macht, in dem der Film vor allem seinem Hauptcharakter treu bleibt, der einfach keinen Dunst vom Leben der Reichen und Schönen hat, aber hier wäre etwas weniger Drama, Baby, Drama besser gewesen. Die Handlung ist teils schon sehr klischeehaft und vorhersehbar. Immerhin findet der Film auch immer wieder ruhigere Zwischentöne – immer dann, wenn er sich auf die unbeholfenen Versuche Rockys, seiner Adrian ein schönes Leben zu ermöglichen, konzentriert. Insofern hat auch die Fortsetzung ihre guten Momente. Der Endkampf ist dramatisch und visuell ansprechend inszeniert, auch wenn mir persönlich das Ende dann doch etwas zu viel des Guten war.


6,0
von 10 Kürbissen

Mad Max (1979)

Regie: George Miller
Original-Titel: Mad Max
Erscheinungsjahr: 1979
Genre: Action, Roadmovie, Science Fiction
IMDB-Link: Mad Max


Wenn man keine Kohle hat, muss man für eine Filmszene auch schon mal seinen eigenen Wohnwagen zerschreddern. Diese cineastische Grenzerfahrung machte George Miller bei seinem Low Budget-Actionfilm „Mad Max“, der zu einem überraschenden Box Office-Hit und Kultfilm geriet (weshalb er dann in weiterer Zukunft seine Wohnwägen behalten durfte). Wenn man den Film in einem Satz beschreiben müsste, würde dieser wohl lauten: Auf dem Highway ist die Hölle los. In einem dystopischen Australien der Zukunft machen Biker-Gangs die Straßen unsicher. Die Polizei stellt sich diesen mit aller Brutalität entgegen und ist dabei um keinen Deut besser. Max (Mel Gibson in der Rolle, die nicht nur George Millers Wohnwagen, sondern auch ihm zum Durchbruch verhalf) ist einer der besten Polizisten. Entspannung nach adrenalinberauschten Verfolgungsjagden findet er zuhause bei Frau und Kind. Doch als er einen berüchtigten Biker, der gerade freiwillig seinen Gefängnisurlaub verkürzt hat, unter die Räder kriegt, legt er sich mit der gefürchtetsten Gang von allen an, die vom sadistischen Toecutter geleitet wird. Klarerweise ist das schon bald eine Belastung für das Familienglück. Doch einen Mad Max macht man besser nicht wütend, denn das geht zulasten der eigenen Gesundheit. Ich kannte bislang nur „Mad Max: Fury Road“ und nutzte die Filmreisechallenge, um die Bildungslücke der fehlenden Original-Trilogie nachzuholen. Im Gegensatz zum schrillen, wüst-trostlosen „Fury Road“ und auch zu den beiden Fortsetzungen ist der erste Mad Max-Film noch erstaunlich gegenwartsnah. Das Dystopie-Feeling der späteren Filme stellt sich noch nicht ein. Dafür sieht man einen schlanken Rache-Action-Reißer, der aus geringen Mitteln viel macht. Dennoch: Wenn man sich aus schnellen Autos und wilden Verfolgungsjagden nicht viel macht, ist „Mad Max“ zwar unterhaltsam, aber nicht so wahnsinnig interessant, da insgesamt doch recht eindimensional.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 26 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,0
von 10 Kürbissen