1981

Jäger des verlorenen Schatzes (1981)

Regie: Steven Spielberg
Original-Titel: Raiders of the Lost Ark
Erscheinungsjahr: 1981
Genre: Abenteuerfilm
IMDB-Link: Raiders of the Lost Ark


Es kann so simpel sein: Man dreht einen Film über einen eigentlich ziemlich unsympathischen Macho, der selbst Null zur Story beiträgt, und dann wird das solch ein Erfolg, dass dieser unsympathische Macho zur popkulturellen Ikone aufsteigt, drei Fortsetzungen folgen und eine Zeit lang jedes Kind Schatzsucher von Beruf werden wollte. Dabei könnte „Jäger des verlorenen Schatzes“, der erste Teil der Indiana Jones-Filmreihe, gut und gerne auf Indiana Jones verzichten – die Geschichte würde deshalb nicht groß anders ablaufen. Der Hauptbeitrag von Indy besteht aus trockenen Sprüchen, während auf ihn geschossen oder er von grimmigen Gestalten gejagt wird. Die eigentliche Arbeit bei der Suche nach der verschollenen Bundeslade erledigen andere. Trotzdem funktioniert der Film, was nicht zuletzt an Harrison Ford liegt, der nach Han Solo als Indiana Jones die zweite Lebensrolle ausfüllte. Andere Schauspieler würden sich alle Finger danach ablecken, nur einmal in die Nähe einer solchen Kultrolle zu kommen, und Harrison Ford schüttelt die der Reihe nach aus dem Ärmel, als wäre er der einzige Schauspieler auf der Welt. Aber er ist halt auch eine coole Socke, und wirklich niemand hätte den verwegenen Archäologen mit der lockeren Moral so stimmig verkörpern können wie er. Da wird dann auch jede Story zur Nebensache. Im Grunde geht es bei allen Indiana Jones-Filmen nur darum, dabei zuzusehen, wie sich Harrison Ford aus brenzligen Situationen befreit, während er Rätsel löst, die ihn zu einem verwunschenen Schatz führen. „Jäger des verlorenen Schatzes“ als erster Teil der Reihe spricht das Kind in uns allen an, das davon geträumt hat, irgendwann einmal aufzubrechen, um nach dem roten X auf einer Schatzkarte zu suchen. Mehr will der Film nicht sein, mehr muss er auch nicht sein, mehr dürfte er eigentlich auch gar nicht sein. In seinem kindlichen Vergnügen liegt seine große Stärke.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 1981 – Lucasfilm, Ltd., Quelle http://www.imdb.com)

Tanz der Teufel (1981)

Regie: Sam Raimi
Original-Titel: The Evil Dead
Erscheinungsjahr: 1981
Genre: Horror, Komödie
IMDB-Link: The Evil Dead


Es braucht nicht viel für einen Kultfilm. Man sperre eine Gruppe von Jugendlichen in eine einsame Waldhütte, lasse durch Abspielen einer Tonaufnahme das Böse auferstehen in Form von Dämonen,  die von den Körpern der Jugendlichen Besitz ergreifen, und dann braucht es eigentlich nicht viel mehr als gute Drogen am Set für Maskenbildner, Kameramann und Regisseur Sam Raimi – und schon tanzen die Teufel in einem irren, trashigen Reigen, der irgendwo zwischen schaurigem Grusel, Splatter, Gore und einem LSD-Trip angesiedelt ist. Mehr Horror als Komödie, auch wenn der Film seine Gruselszenen ambitioniert in Szene setzt, bietet der Film auch heute noch, wenngleich schon deutlich angestaubt, beste Unterhaltung für einen Filmabend im Freundeskreis. Für Sam Raimi bedeutete „Der Tanz der Teufel“ der Durchbruch als Filmemacher, und für Hauptdarsteller Bruce Campbell als kognitiv minderbegabter Teenager Ash reichten weit aufgerissene Augen, um ihn als Kultdarsteller in seinem Genre zu etablieren. Man merkt in jeder Szene, wie viel Spaß die Beteiligten beim Dreh haben mussten. Die offiziellen Behörden waren von diesem Spaß jedoch weniger angetan. In Deutschland beispielsweise war der Film bis 2016 beschlagnahmt und stand als jugendgefährend auf dem Index. Wohl um zu verhindern, dass sich Legionen von Pfadfindern im Wald von Dämonen besessen lassen und sich gegenseitig metzeln – dem Bruttosozialprodukt täte ein solcher Einschnitt unter den zukünftig Erwerbstätigen gar nicht gut. Aber diese Zensur gehört zum Glück der Geschichte an, und so kann man sich heutzutage an dieser kleinen filmischen Perle erfreuen, für die man allerdings aufgrund des Blut-und-Beuschel-Festivals einen festen Magen benötigt.


7,5
von 10 Kürbissen

Zechmeister (1981)

Regie: Angela Summereder
Original-Titel: Zechmeister
Erscheinungsjahr: 1981
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Zechmeister


Der inszenierte, mit Schauspielern umgesetzte Dokumentarfilm „Zechmeister“ von Angela Summereder ist eine durchaus mühsame Angelegenheit, in die man als Zuseher etwas Aufwand hineinstecken muss. Denn die Nacherzählung eines Justizdramas aus dem Jahr 1948, als Maria Zechmeister beschuldigt wurde, ihren Mann, den Kriegsheimkehrer Toni Zechmeister, mit Rattengift ums Eck gebracht zu haben, bedient sich allerlei formaler Kniffe, die hart am Rande der der Unschaubarkeit manövrieren. Hier werden stolpernd aus dem Off Sätze gesprochen, die so klingen, als würde sie ein Erstklässler vom Blatt ablesen. Oder die Kamera hält mal minutenlang auf das dahinfließende Wasser eines Flusses, während aus dem pathologischen Bericht vorgelesen wird. Maria Zechmeister, die Hauptfigur, ist erst gar nicht zu sehen, nur ihre Stimme hört man gelegentlich, wenn sie ihre Geschichte erzählt. Und die hat es in sich: Denn sie wird wegen Mordes angeklagt und verurteilt, ohne dass das Gericht tatsächlich Beweise vorlegen könnte für ihre Schuld. Und je tiefer Angela Summereder bohrt, desto unklarer wird das Bild. Die formalen Spielereien, die eben auch manchmal nerven können, v.a. wenn man nicht konzentriert bei der Sache bleibt, unterstreichen die Farce, die dieser Justizfall anno dazumals abgegeben hat. Man fühlt sich stellenweise an Kafkas „Prozess“ erinnert. Das ist durchaus beabsichtigt und verfehlt seine Wirkung nicht – vorausgesetzt, man lässt sich auf diese surreale Weise, die Geschichte zu erzählen, als Zuseher tatsächlich ein. So gesehen ist „Zechmeister“ definitiv kein Film für ein besonders breites Publikum, und ich kann auch verstehen, wenn man nach zehn Minuten die Kiste abdreht, aber wenn man dranbleibt und diese surrealen Kapriolen akzeptiert, wird man die Mühe mit einem wirklich interessanten Dokumentarfilm belohnt, der viel über Macht und Ohnmacht im Österreich der Nachkriegsjahre aussagt.


6,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Stadtkino Filmverleih)

Mad Max 2 – Der Vollstrecker (1981)

Regie: George Miller
Original-Titel: Mad Max 2: The Road Warrior
Erscheinungsjahr: 1981
Genre: Action, Roadmovie, Science Fiction
IMDB-Link: Mad Max 2: The Road Warrior


Der zweite Mad Max-Film gehört zu den seltenen Fällen, in denen die Fortsetzung besser als das Original ist. Möglich gemacht hat dies der große Erfolg des ersten Films, dank dem George Miller für die Fortsetzung ein ordentliches Budget zur Verfügung hatte, das er dann gleich mal für richtig gelungene Action-Szenen und der Umsetzung seiner dystopischen Vorstellungen einsetzte. Die Zukunft ist noch abgefuckter als in Teil 1. Das wichtigste Gut der Menschen ist Benzin. Um eine zu einer Festung ausgebauten Raffinerie tobt ein heftiger Kampf zwischen einer Gang von Outlaws unter Lord Humungus und den Menschen, die in der Raffinerie leben und diese betreiben. Max Rockatansky (Mel Gibson), auf der Suche nach Benzin, lässt sich auf einen Deal ein: Er bringt den Leuten einen Sattelschlepper in die Raffinerie, mit dem sie den Benzintank transportieren können, und sie geben ihm dafür Benzin. So weit, so gut. Dass das alles nicht so einfach ist, wenn man in einer Welt lebt, in der es nur noch Verrückte gibt, für die ein Menschenleben nichts wert ist, erschwert die Sache natürlich enorm. Aber Mad Max ist ja auch kein Waldorfschulenabsolvent, und so nimmt der Action-Kracher ordentlich Fahrt auf. Was an „Mad Max 2 – Der Vollstrecker“ überzeugt, ist das reduzierte, aber dennoch sehr wirkungsvoll dystopisch in Szene gesetzte Setting. Das hat schon ein spürbares Endzeitflair. Auch ist der sehr geradlinig inszenierte Film höllisch spannend und weist keine Längen auf. Da ist kein Gramm Fett dran an diesem Mad Max-Film. Trotzdem bleibt der Film unterm Strich natürlich das, was er ist: Ein schnörkelloser Endzeit-Actionfilm, der durch möglichst viele gelungene Explosionen unterhalten will, aber nicht unbedingt eine tiefgründige Botschaft oder besonders ausgeklügelte Motivationen seiner Figuren mit sich bringt. Als Actionfilm funktioniert der Film aber tadellos.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 27 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


7,0
von 10 Kürbissen

Kopfstand (1981)

Regie: Ernst Josef Lauscher
Original-Titel: Kopfstand
Erscheinungsjahr: 1981
Genre: Drama
IMDB-Link: Kopfstand


Das erste, was an „Kopfstand“ auffällt, ist die unglaubliche Matte des blutjungen Christoph Waltz. Aber gut, wir alle waren mal jung – manche von uns sind es sogar noch, andere, so wie ich, immerhin nur noch mitteljung. Wenn man sich erst einmal an die wallende Löwenmähne gewöhnt hat und das markante Kinn darunter dem erfolgreichsten österreichischen Schauspieler seit Karlheinz Grasser korrekt zugeordnet hat, kann man sich auf die Geschichte konzentrieren – und die hat es in sich. Der junge Markus wird nämlich aufgrund eines familiären Auszuckers und eines Missverständnisses in die Psychiatrie eingewiesen, wo man den unkooperativen Rebellen mit Pulverchen und Elektroschocks bearbeitet. „Einer flog über das Kuckucksnest“ lässt grüßen. Und wie auch in dem Hollywood-Klassiker mit Jack Nicholson wird hier kein allzu erbauliches Bild gezeichnet. Drinnen findet man Verbündete, vielleicht sogar Freundschaften, das schon, aber der Weg nach draußen ist verbaut durch Bürokratie und seelenlose, selbstherrliche Ärzte. Aber gut – wenn man erst mal raus kommt, was dann? Sind nicht außerhalb der Zäune der psychiatrischen Anstalt die eigentlich Wahnsinnigen zu finden? Der gewaltbereite, ignorante Stiefvater zum Beispiel? Die völlig überforderte Mutter, die Markus die Misere eigentlich erst eingebrockt hat? Der Film gibt darauf eine überraschende Antwort voller Zärtlichkeit, und es sind die Momente von echter Zuneigung und Freundschaft, die bleiben. Wenn Markus am Ende als besserer Mensch aussteigt, dann ist das kein Verdienst der Anstalt und auch nicht seiner Außenwelt, seiner Familie und Freunde, sondern ganz allein seiner – der Wille, der Grausamkeit der Welt, die er soeben kennengelernt hat, ein wenig Freundlichkeit entgegenzusetzen. Christoph Waltz verkörpert diesen anfänglich rebellischen Jugendlichen, der durch Selbsterkenntnis eine Läuterung erfährt, sehr zurückhaltend und nuanciert. Er zeigt hier eine große Wandlungsfähigkeit und Verletzlichkeit (an alle gerichtet, die nicht glauben können, dass Waltz auch anders spielen kann als in seinen oscarprämierten Paraderollen in „Inglorious Basterds“ und „Django Unchained“). Zwar hat der Film seine Längen und er wirkt ein wenig wie aus der Zeit gefallen, aber das Grundthema und die guten schauspielerischen Leistungen fesseln auch heute noch. Humanistisches Kino, nüchtern und ohne Sentimentalitäten erzählt, aber deshalb nicht weniger dringlich.


7,0
von 10 Kürbissen