1988

In einem Land vor unserer Zeit (1988)

Regie: Don Bluth
Original-Titel: The Land Before Time
Erscheinungsjahr: 1988
Genre: Animation
IMDB-Link: The Land Before Time


Jede Generation braucht ihr Zeichentrickfilmtrauma. Unsere Großeltern und Eltern hatten „Bambi“, wir „In einem Land vor unserer Zeit“. Es gehört einfach zur persönlichen Entwicklung dazu, im Alter von 6-8 Jahren emotional durch den Fleischwolf gedreht zu werden – schließlich muss die nächste Generation an Psychotherapeut:innen und Apotheker:innen beruflich versorgt werden. So läuft das Radl. Und ganz ehrlich, wer nach dem Ableben von Littlefoots Mama im Kampf gegen den bösen Scharfzahn nicht den Impuls hat, eine halbe Flasche Wodka in die heiße Schokolade schütten zu wollen, um den Schmerz zu betäuben, hat wohl die emotionale Bandbreite eines Grashalms. Jedenfalls muss sich Littlefoot nach diesem tragischen Ereignis, bei dem er auch noch von der Herde getrennt wird, allein auf den langen Weg zum großen Tal machen, wo Milch und Honig fließen sollen. Doch glücklicherweise bleibt er nicht lange allein, denn die notorische Besserwisserin Cera, die ängstliche Ducky, der stoische Spike und Petrie, der Flugsaurier, der nicht fliegen kann, leisten ihm schon bald Gesellschaft und bestehen gemeinsam alle Abenteuer. Natürlich ist „In einem Land vor unserer Zeit“ nicht mehr auf dem modernsten Stand des Unterhaltungsstandards – der Film geht trotz der kurzen Laufzeit von knapp über einer Stunde sehr gemächlich mit seinen Held:innen um, aber trotzdem weiß der süß gemachte Animationsfilm auch heute noch zu unterhalten – und zu traumatisieren. Man kann ihn getrost zeitlos nennen, was wiederum recht gut zum Filmtitel passt.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Die Geister, die ich rief … (1988)

Regie: Richard Donner
Original-Titel: Scrooged
Erscheinungsjahr: 1988
Genre: Komödie
IMDB-Link: Scrooged


Jo, is denn scho Weihnochtn? Den Kaiser, äh, die Geister, die ich rief, werde ich nicht mehr los. Das ist wie bei „Last Christmas“ von Wham. Irgendeine Radiostation hat angefangen, den Song schon im November zu spielen. Dann dachte sich die nächste Station: ‚Hey, wir müssen früher dran sein‘ und spielten den Song schon im Oktober. Daraufhin der nächste Sender: ‚Das geht ja gar nicht, dass die vor uns mit dem Lied draußen sind!‘, also ging es für sie im September los. Und so weiter. Sieger ist, wer „Last Christmas“ am 27. Dezember spielt – für das nächste Jahr. Und so ähnlich ist es hier wohl mit den Weihnachtsfilmen. Gut, wir sind immerhin schon im Jänner, aber das nächste Weihnachten kommt bestimmt! Und ganz ehrlich: Bill Murray geht ohnehin das ganze Jahr. Für den braucht es keinen Anlass. Vor allem, wenn man ihn in seiner Paraderolle als zynisches Ekel sehen kann (in diesem Fall: der Produzent eines Fernsehsenders mit einer ausgeprägten Allergie auf Weihnachten), der mit seiner Umgebung den Boden aufwischt. Natürlich – Dickens hat’s geschrieben – erfährt dieser Misanthrop Läuterung, denn es ist Weihnachten, und Weihnachten versuchen wir ja alle, ein besserer Mensch zu sein (mit Ausnahme von Kevin). Be the person your dog thinks you are. Oder so ähnlich. Dazu gibt es in Richard Donners Verfilmung einer Neuinterpretation von Dickens Weihnachtsklassiker „A Christmas Carol“ jede Menge 80er-Flair bei Frisuren und Soundtrack sowie Gags, die auch heute noch zünden. Ja, der Film und seine Figuren sind heillos überspitzt, und den Zuckerguss am Ende kriegst du wirklich nur zu den Festtagen runter nach vier Wochen intensivem Training durch die Aufnahme von Vanillekipferl und Linzer Augen, aber hey, was soll’s! Weihnachten ist eh nur einmal im Jahr. Manchmal beginnt es halt schon im Jänner. In diesem Sinne: Merry Christmas, ihr Beidln!


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Stirb langsam (1988)

Regie: John McTiernan
Original-Titel: Die Hard
Erscheinungsjahr: 1988
Genre: Action, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: Die Hard


Was wäre die besinnliche Zeit des Jahres ohne Weihnachtsfilme? Und der größte Klassiker unter den Weihnachtsfilmen ist „Stirb langsam“. Weihnachten ist dann, wenn Jack Gruber (Alan Rickman) aus dem 30. Stock des Nakatomi Towers fällt. Und wenn ein verschwitzter, verdreckter und blutender John McClane (Bruce Willis in seiner Paraderolle) seine Angetraute Holly (Bonny Bedelia) im Arm hält. Und wenn Sgt. Powell (Reginal VelJohnson) endlich wieder töten kann. Kaum ein anderer Film verkörpert den Geist der Weihnacht so perfekt wie John McTiernans Action-Kracher aus den 80ern. Warum der Film auch heute noch funktioniert? Weil er auf das Wesentlichste reduziert ist. Da gibt es keinen unnötigen Schnickschnack. Gut, die Computerbildschirme sehen definitiv nicht mehr zeitgemäß aus, aber John McClane ist ohnehin mehr der analoge Typ. Das Szenario ist simpel: 12 Terroristen in einem abgeschotteten Hochhaus in L.A. und ein Bulle aus New York, den die bösen Buben bei ihrer Geiselnahme blöderweise übersehen. Und das geht gar nicht gut aus für sie. Denn die mögen zwar schwer bewaffnet und gut organisiert sein, aber dafür haben sie es mit dem größten Sturschädel der westlichen Hemisphäre zu tun. Und der ist mächtig sauer. Den Rest des Films haben die Toten Hosen in ihrem Song „10 kleine Jägermeister“ besungen: Es wird fröhlich heruntergezählt, bis nur noch der Hauptschurke übrig ist. Und das ist es dann auch. Das ist der ganze Film. Aber genau deshalb, weil er kein Statement setzen möchte, weil er nicht mit überraschenden Wendungen und komplexen Handlungen punkten möchte, funktioniert er so gut. Und so hat man zwei Stunden lang ein Grinsen im Gesicht, bis alle bösen Jungs tot sind und die fröhliche Weihnachtsmusik des Abspanns erklingt. Merry Christmas!


9,0
von 10 Kürbissen