1997

Mein Herz – Niemandem! (1997)

Regie: Helma Sanders-Brahms
Original-Titel: Mein Herz – Niemandem!
Erscheinungsjahr: 1997
Genre: Drama, Biopic, Experimentalfilm
IMDB-Link: Mein Herz – Niemandem!


Mit Unter dem Pflaster ist der Strand war mein Erstkontakt mit der Filmemacherin Helma Sanders-Brahms ein durchaus interessanter und erfreulicher. So war ich durchaus gespannt auf ihre Verfilmung der Liebelei zwischen den deutschen Dichtergrößen Else Lasker-Schüler (Lena Stolze) und Gottfried Benn (Cornelius Obonya). Wie für Helma Sanders-Brahms üblich wird die Geschichte halb dokumentarisch, halb inszeniert erzählt. Historische Fotos werden in die Handlung hineingeschnitten und aus dem Off kommentiert. Dazu kommt eine reduzierte, spartanische Inszenierung mit Schauspielern vor Kulissen, die an Schülertheater erinnern. Kann ja funktionieren, so ein minimalistischer Ansatz, tut er hier aber nicht. Denn das historische Setting, das verzweifelt mit geringsten Mitteln heraufbeschworen wird, will sich einfach nicht einstellen und unterläuft damit die Glaubwürdigkeit der Figuren. Dazu kommt erschwerend, dass diese Figuren einfach schnarchlangweilig sind und im schlimmsten Fall ohne Qualitätsverlust durch Pappfiguren ersetzt werden könnten (gilt für alle Nebenfiguren). Am interessantesten ist noch Lena Stolzes Else Lasker-Schüler, aber auch sie bleibt austauschbar und motivationslos. Gottfried Benn ist einfach nur ein Unsympathler, dem man die Genialität zu keinem Zeitpunkt abnimmt. Und irgendwie ist es wirklich völlig wurscht, was die Figuren sagen, denn keine der Dialogzeilen hilft dabei, die Figuren besser zu verstehen – selbst wenn es sich um historische Zitate handelt. So werden Else Lasker-Schüler und Gottfried Benn wie Spielfiguren in einem Spiel verschoben, dessen Regeln niemand kennt und niemand versteht. Helma Sanders-Brahms vielleicht, das wage ich ja schon zu hoffen, aber leider hat sie vergessen, dem Film eine Spielanleitung beizulegen. Daher eine 1-Stern-Rezension bei Amazon: „Produkt leider mangelhaft, wird wieder retourniert.“


2,5
von 10 Kürbissen

Das fünfte Element (1997)

Regie: Luc Besson
Original-Titel: The Fifth Element
Erscheinungsjahr: 1997
Genre: Science Fiction, Abenteuerfilm
IMDB-Link: The Fifth Element


Wenn Luc Besson im Regiestuhl sitzt, darf man gespannt sein. Die Bandbreite des Outputs geht dann von genial (zB „Léon – Der Profi“) über sehr sehenswert (zB „Nikita“) bis hin zu sehr mäßig (zB „Lucy“ oder „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten„). Beim seinem Sci-Fi-Spektakel „Das fünfte Element“ aus dem Jahr 1997 handelt es sich glücklicherweise um einen Vertreter der ersten Kategorie. Besetzt mit einer ganzen Star-Riege (Bruce Willis, Milla Jovovich, Gary Oldman, Chris Tucker, Ian Holm, Luke Perry) ist der Film einer der kommerziell erfolgreichsten europäischen Filme aller Zeiten. Das muss ja nicht zwangsweise einhergehen mit hoher Qualität, aber „Das fünfte Element“ macht nahezu alles richtig. Erzählt wird eine epische futuristische Weltrettung mit Ingredienzen, die allesamt etwas over the top sind: Humor, Kostüme, Kulissen – hier ist einfach alles bunt und abgedreht. Selbst Gary Oldman als Superschurke Jean-Baptiste Emanuel Zorg hat die Lacher auf seiner Seite. Der Film macht einfach Spaß – von Anfang bis Ende. Die Story ist fast nebensächlich. Es geht darum, dass alle 5.000 Jahre das Böse aus dem All auftaucht und alles Leben (vorzugsweise auf der Erde) verschlingen möchte. Doch das Gute hat eine Superwaffe, nämlich das fünfte Element (eine Milla Jovovich mit knallrot gefärbten Haaren), das zusammen mit den anderen vier Elementsteinen (Wasser, Feuer, Erde, Luft) das Böse besiegen kann. Blöd nur, wenn das fünfte Element beim Versuch, der Polizei zu entkommen, einem grantigen Taxifahrer (Bruce Willis), der auf der Suche nach der perfekten Frau ist, durch das Dach ins Taxi fällt. Und noch blöder, wenn oben genannter Superschurke auf der Seite des ultimativ Bösen steht und die Elementsteine in seinen Besitz bringen möchte. Dann wird das alles plötzlich ein großes Durcheinander. Irgendwie macht das nicht wirklich viel Sinn, aber eben jede Menge Spaß. Schweinsgesichtige Söldner, Kostüme von Jean Paul Gaultier, dämliche Admirale, abenteuerlustige Priester, Oper und Industrial – hier findet zusammen, was nicht zusammen gehört. Und so funktioniert der Film auch über 20 Jahre nach seiner Entstehung ausgezeichnet. Ein Kultfilm.

PS: Ihr Hollywood-Leute, eines sei euch gesagt: Wenn ihr diesen Film in einem Remake verhunzt, dann gibt’s was auf die Mütze!


9,0
von 10 Kürbissen