2002

Catch Me If You Can (2002)

Regie: Steven Spielberg
Original-Titel: Catch Me If You Can
Erscheinungsjahr: 2002
Genre: Biopic, Krimi
IMDB-Link: Catch Me If You Can


Leonardo DiCaprio zählt heute zu den profiliertesten Schauspielern überhaupt und wird oft in einer Reihe mit den Allzeitgrößten genannt. 2002, fünf Jahre nach seinem Megaerfolg mit „Titanic“, war seine Karriere gerade so richtig am Durchstarten. Da hatte er schon eine ganze Reihe gewichtiger und vielbeachteter Rollen auf seinem Buckel, aber die Zusammenarbeit mit den Meistern Martin Scorsese („Gangs of New York“) und Steven Spielberg (eben in „Catch Me If You Can“) hat dem weiteren Verlauf seiner Karriere sicherlich nicht geschadet, um es mal so zu formulieren. „Catch Me If You Can“ schultert er trotz seiner renommierten Nebenleute (Tom Hanks, Christopher Walken, Martin Sheen, Amy Adams etc.) quasi im Alleingang. Als Hochstapler Frank Abagnale Jr. macht er den großen Reibach als falscher Pilot, als falscher Arzt, als falscher Anwalt und nutzt gnadenlos die Schwächen eines Systems aus, in dem mehr Wert auf Schein als auf Sein gelegt wird. Selbst sein Widersacher Carl Hanratty (Tom Hanks), der ihm immer auf den Fersen, aber meist einen Schritt zu spät ist, hegt eine gewisse Bewunderung für den charmanten und gerissenen jungen Mann, der nicht nach den Regeln spielen will, sondern lieber seine eigenen erfindet. Wie von Spielberg gewohnt, ist die Story dynamisch und nuanciert umgesetzt mit von einer gewissen Leichtfüßigkeit getragen, die vielen seiner Filme innewohnt, jedenfalls seinen Komödien und familiengerechten Unterhaltungsfilmen. Da fallen auch die fast 2,5 Stunden Spieldauer nicht arg ins Gewicht. Allerdings: Auch wenn ich den Film mag und gerne sehe und er auch schauspielerisch über alle Zweifel erhaben ist, irgendwie hatte ich trotzdem immer das Gefühl, dass „Catch Me If You Can“ eine Art bessere Fingerübung des Meisters war. Für mich ein guter Spielberg, der bei allem Unterhaltungswert nicht ganz die Brillanz seiner besten Filme erreicht.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2002 – Dreamworks LLC, Quelle http://www.imdb.com)

Bubba Ho-Tep (2002)

Regie: Don Coscarelli
Original-Titel: Bubba Ho-Tep
Erscheinungsjahr: 2002
Genre: Komödie, Horror
IMDB-Link: Bubba Ho-Tep


Elvis lebt. Ein bisschen alt ist er geworden und gebrechlich, und alle halten ihn für einen Elvis-Imitator, aber so leicht ist der King of Rock’n’Roll nicht aus dem Rhythmus zu bringen, auch wenn die Stimmung eher Blues als Rock ist. In seinem Altenheim, wo er mit seinem Kumpel John F. Kennedy (Ossie Davis) durch die Gänge schlurft, geschehen aber plötzlich merkwürdige Dinge. Eine als Redneck verkleidetet ägyptische Mumie saugt die Seelen der Alten im Schlaf aus deren Arschlöchern heraus. Das können Elvis und JFK nicht auf sich sitzen lassen und sagen dem Kerl, der schon deutlich über dem Verfallsdatum drüber ist, den Kampf an und ziehen auf Krücken und Rollstühlen in den Krieg. Ich glaube, viel bizarrer und absurder kann eine Filmidee nicht mehr werden. „Bubba Ho-Tep“ von Don Coscarelli basiert auf einer Kurzgeschichte von Joe R. Lansdale, und was Lansdale im Entstehungsprozess für die Befeuerung der Kreativität konsumiert haben muss, will ich lieber gar nicht erst wissen. Der Film ist eine Low-Budget-Perle, die nur wenige kennen, aber von den Wenigen geliebt wird. Und ganz klar: Der Film macht Spaß. Das ist vor allem Bruce Campbell zu verdanken, der einen besseren Elvis abgibt als Elvis selbst jemals geschafft hat. Die Performance ist auf den Punkt und verankert all das trashige Chaos. Überraschend ist, dass die Tonalität des Films eine recht melancholische ist. Aber gut, wenn alte Säcke, die kurz vor dem Abnippeln stehen und die auch niemand mehr für voll nimmt, in den letzten Krieg ausziehen, kann man schon mal kurz innehalten und über das Leben reflektieren. Viel kommt da eh nicht mehr, vor allem, wenn man davon ausgehen muss, dass der Endgegner deutlich fitter und mobiler ist als man selbst. Und so ist „Bubba Ho-Tep“ eine interessante Mischung aus Low-Budget-Horrorkomödie und Altenheim-Drama. Ganz gleich, wie man zu diesem Film steht: Etwas Ähnliches wird man so schnell nicht wieder finden.


7,0
von 10 Kürbissen

K-19: Showdown in der Tiefe (2002)

Regie: Kathryn Bigelow
Original-Titel: K-19: The Widowmaker
Erscheinungsjahr: 2002
Genre: Thriller, Historienfilm, Drama
IMDB-Link: K-19: The Widowmaker


Wenn man sich die Filmographie von Kathryn Bigelow ansieht, dann stellt man fest, dass sie ein Faible für Genres hat, die man in einer ersten spontanen Eingebung eher männlichen Filmschaffenden zuordnen würde: Ob Kriegsfilm („The Hurt Locker – Tödliches Kommando“), Polizeithriller ohne politischer Dimension („Blue Steel“) oder mit (Detroit) oder im Surfer-Milieu („Gefährliche Brandung“) oder Polit-Thriller („Zero Dark Thirty“) – die Dame fühlt sich wohl im Kreise ihrer männlichen Kollegen. In „K-19: Showdown in der Tiefe“ von 2002 taucht sie nun mit ihrer ausschließlich männlichen Besatzung (angeführt von Harrison Ford und Liam Neeson) in einem russischen U-Boot ab. Das soll Anfang der 60er mitten im Kalten Krieg der ganze Stolz der Sowjetarmee werden, aber da man die tauchende Zigarre ein wenig zu früh ihre Raketen abschießen lässt (quasi ein militärischer ejaculatio praecox), darf man sich schon bald mit ein paar Problemchen herumplagen, die man auf einem U-Boot nicht so gerne hat: zum Beispiel mit einem Leck im Kühlkreis des Kernreaktors, der das Boot antreibt und der in Folge dessen in die Luft zu gehen droht. Und weil man gerade recht nahe an einer NATO-Basis herumschippert und somit weit weg ist von russischer Erde, ist man erst mal auf sich allein gestellt. Weil: Die Amis anrufen und denen die Malaise zu schildern, käme politisch gesehen nicht so toll, da verliert man doch ein bisschen das Gesicht. Ein U-Boot als Atombombe neben ihren Schiffen hochgehen zu lassen, kommt aber auch nicht so gut. Und auch wenn man ein treuer russischer Volksgenosse ist, möchte man doch irgendwann mal gemütlich in der Tundra auf seiner Veranda sitzen und den Enkelkindern beim Spielen zusehen. Also sind Kreativität und Mut und Schnelligkeit gefragt. Und die Bereitschaft, das eigene Leben für das Wohl der Kameraden aufs Spiel zu setzen. Denn irgendwer muss da hinein zu diesem blöden Reaktor und das Ding wieder zusammenflicken. Die Geschichte von „K-19: Showdown in der Tiefe“ beruht auf wahren Begebenheiten. Dieses Unglücksboot, das sich noch vor dem Stapellauf den Beinamen „The Widowmaker“ verdient und diesen dann mit Havarien wie der hier beschriebenen weiter einzementiert hat, gab es tatsächlich. Natürlich werden die Ereignisse von damals stark verkürzt und dramatisiert erzählt – das ist eben Hollywood. Das eigentliche Problem des ansonsten sehr passablen, aber recht routiniert abgespulten Thrillers liegt in der Besetzung. Ich kaufe weder Harrison Ford noch Liam Neeson die russischen Offiziere ab. Da können sie sich noch so sehr mit einem pseudo-russischen Akzent abmühen (der bei Ford nach keiner nachvollziehbaren Logik kommt und geht), die Diskrepanz ist einfach da und nicht wegzuwischen.


6,0
von 10 Kürbissen

Frida (2002)

Regie: Julie Taymor
Original-Titel: Frida
Erscheinungsjahr: 2002
Genre: Biopic, Drama
IMDB-Link: Frida


Frida Kahlo und Diego Rivera. Die große Liebesgeschichte Mexikos. Beide sind zu einem Teil der mexikanischen Identität geworden, ihre Geschichte ist größer als die Wirklichkeit selbst. Julie Taymor versuchte im Jahr 2002, diese Geschichte in Bilder zu fassen und Frida Kahlos wechselhaftes und an Schicksalsschlägen reiches Leben zu verfilmen. Und wer wäre für die Titelrolle geeigneter gewesen als Mexikos populärste Schauspielerin, Salma Hayek? Die ist auch wunderbar als Frida Kahlo, vielleicht sogar zu wunderbar, denn Hayeks klassische Schönheit überstrahlt immer wieder die eigentlich sperrige Strenge der realen Frida Kahlo, die mit Oberlippenflaum und buschigen Augenbrauen jegliche Schönheitsideale stolz beiseite wischte und gerade dadurch diese Aura von Unabhängigkeit und Stärke bekam. Hayek bemüht sich nach Kräften, diese Tugenden und diese Ausstrahlung zu verkörpern, und in vielen guten Momenten gelingt ihr das auch. Doch leider wird sie in ihren Bemühungen immer wieder torpediert vom Drehbuch, das mehr Interesse für den vor Vitalität strotzenden Diego Rivera (Alfred Molina) aufzubringen scheint als für die Hauptfigur selbst. So ist Frida in vielen Szenen die Nebenfigur ihrer eigenen Geschichte. Zu sehr legt der Film den Fokus auf die Liebesbeziehung zwischen Frida und Diego, und da ist, so ehrlich muss man sein, das oftmals erratische Verhalten des jeder Liebelei wie auch dem Kommunismus glühend zugeneigten Rivera für den Zuseher deutlich interessanter als Fridas Mischung aus Pragmatismus und Lebenskraft. Fridas eigene Leidenschaft, ihr eigenes Glühen, ihr eigenes Leiden, wird phasenweise erstickt vom Charisma ihres Partners. Und das ist jammerschade. Denn zu wenig erfährt der Zuseher von den großen Leistungen und der Stärke dieser Frau, die heute sinnbildlich für ganz Mexiko steht: Stolz, groß, schier unbesiegbar, und doch im Schatten Anderer. So ist „Frida“ ein schöner und gut gespielter Film, der uns aber die historische Figur der Frida Kahlo nicht wirklich näher bringen kann.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 41 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


5,5
von 10 Kürbissen

Richtung Zukunft durch die Nacht (2002)

Regie: Jörg Kalt
Original-Titel: Richtung Zukunft durch die Nacht
Erscheinungsjahr: 2002
Genre: Drama, Liebesfilm, Fantasy
IMDB-Link: Richtung Zukunft durch die Nacht


„People assume that time is a strict progression of cause to effect, but actually from a non-linear, non-subjective viewpoint – it’s more like a big ball of wibbly wobbly … time-y wimey … stuff.“ Soweit Doctor Who zu diesem Thema. Der 2007 viel zu früh verstorbene Filmemacher Jörg Kalt hatte dazu eine ähnliche Meinung. In „Richtung Zukunft durch die Nacht“ (mit einer österreichischen Best-Of-Besetzung: Simon Schwarz und Kathrin Resetarits in den Hauptrollen, dazu Georg Friedrich und Nicholas Ofczarek in kleinen Rollen) erzählt Kalt die recht simple Geschichte eines Kennenlernens in einer Bar und einer Reise durch die Nacht. Der arbeitslose Vorspeisenkoch Nick (Schwarz) trifft auf die asynchrone Filmstudentin Anna (Resetarits). Asynchron, weil manchmal ihre Worte erst zu hören sind, nachdem sie diese gesprochen hat. Nick kocht für sie, sie erleben absurde Abenteuer, sie verlieben sich ineinander. Doch dann, eine Beziehung ist aus dieser Nacht entstanden, wacht Nick eines Tages auf und während seine Zeit normal vorwärts läuft, läuft sie für alle anderen Menschen in seiner Umgebung rückwärts, auch für Anna. Die Beziehung, schon überschattet von Missverständnissen, entwickelt sich also zurück zu ihrem Ursprung. „Wibbly wobbly time-y wimey stuff“ eben. Und eine sehr erfrischende Idee, denn was sind Beziehungen denn tatsächlich? Wiederholungen bekannter Muster, an deren Anfang und an deren Ende die Einsamkeit, das Alleinsein steht. Das erzählt Jörg Kalt sehr unaufgeregt und in nur etwa einer Stunde Laufzeit. Warum mich „Richtung Zukunft durch die Nacht“ dennoch nicht wirklich mitreißen konnte, liegt neben der manchmal arg verkopften Herangehensweise auch an der sehr reduzierten, amateurhaft wirkenden Ausarbeitung in Bild und Ton. Auch das Schauspiel kommt meiner Meinung nach in seiner Vereinfachung und Reduzierung etwas zu kurz. Man kann es mit der Lakonie auch übertreiben. So ist „Richtung Zukunft durch die Nacht“ ein durchaus interessanter Werkbeitrag zum österreichischen Film mit einer spannenden Idee, aber leider einer schwachen Umsetzung, die dafür sorgt, dass ich hier einen Film der verpassten Möglichkeiten sehe – als wäre der Film eine reine Fingerübung eines Filmstudenten. Aber gut, vielleicht war er ja auch genau das.


5,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Polyfilm)

Weihnachtsmann gesucht (2002)

Regie: Uwe Janson
Original-Titel: Weihnachtsmann gesucht
Erscheinungsjahr: 2002
Genre: Komödie, Rom-Com, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: Weihnachtsmann gesucht


Christoph Waltz. Er war (nicht mehr ganz so) jung und brauchte das Geld. Klinkenputzen vor den Oscars. In diesem Fall haben ihn die Nöte des Alltags dazu gebracht, die Rolle des griesgrämigen, verhuschten, seine Exfrau krankhaft stalkenden Johannes anzunehmen in einer romantischen deutschen Weihnachtskomödie. (Nuff said.) 1,5 Stunden lang durchläuft nun der große Waltz und mit ihm sein Publikum sämtliche Kreise der Hölle. Der Film ist eine Mischung aus Fegefeuer und chinesischer Tröpfchenfolter, und es zerreißt einem fast das Herz, zu sehen, wie sehr sich Waltz bemüht, zumindest ein bisschen Klasse in die ganze Chose zu bringen, und wie er daran scheitert. Denn wenn das Drehbuch Dialoge vorgibt, gegen die die Teletubbies plötzlich wie avantgardistische Kunst wirken, gibt’s einfach keine Rettung mehr. Die Handlung: Der Zoofachhändler Johannes lebt in der Wohnung neben seiner Ex-Frau Marion (von Barbara Auer als Lady in Red getarnte nervtötende Zickentussi gespielt) und hängt immer noch an ihr. Blöd, dass eine (rissige) Mauer die beiden Wohnungen voneinander trennt. Nun ja, Zoofachhändler stellt Aushilfe ein, ein Psychologe, der nebenberuflich als Weihnachtsmann arbeitet, Aushilfe verletzt sich durch Schuld des Zoofachhändlers den Fuß, weihnachtshassender Zoofachhändler muss als Weihnachtsmann aushelfen, trifft auf Kind (Oscar für das nervigste Arschlochkind der Filmgeschichte – bitte posthum verleihen), das traurig ist, weil sich die Eltern so furchtbar viel streiten tun, Zoofachhändlerweihnachtsmann gibt genervtes Versprechen, dass sich Eltern wieder vertragen werden, stellt immer noch der Tussi in Red nach, Kind wird noch trauriger und noch nerviger, es kommt zur Katastrophe (Spoiler: die Katastrophe ist, dass das Kind überlebt), Zoofachhändlerweihnachtsmann besinnt sich nun doch menschlicher Werte, Kind und Familie erleben Happy End (leider), Zoofachhändler erlebt Happy End, Klappe zu, Zuseher tot. Alle Klischees, die irgendwie denkbar sind, haben sich in diesem Machwerk versammelt. Kein Problem – man muss ja nur aufs DVD-Cover schreiben, dass es sich dabei um eine „augenzwinkernde Liebeskomödie“ handelt, dann kann man auch den ärgsten Scheiß verkaufen. Armer Waltz. Ich glaube, jedes Mal, wenn der Film irgendwo im Fernsehen angekündigt wird, wirft er einen Blick auf das Regal mit den beiden Oscars und fängt bitterlich an zu weinen. Aber zumindest lässt sich aus dem Film für die nächsten Jahre ein super Trinkspiel zu Weihnachten ableiten. Jedes Mal, wenn Barbara Auer überrascht die Augen aufreißt, einen Kurzen, und einen Doppelten jedes Mal, wenn das nervige Kind im Bild ist. Frohe Weihnachten. Und nicht vergessen: Vorab die Rettung verständigen, das kann dann sehr schnell gehen …


1,5
von 10 Kürbissen