2003

Tatsächlich … Liebe (2003)

Regie: Richard Curtis
Original-Titel: Love, Actually
Erscheinungsjahr: 2003
Genre: Episodenfilm, Komödie, Liebesfilm
IMDB-Link: Love, Actually


Da kommt er wieder durch, der Romantiker in mir. Der zweitschönste Weihnachtsfilm nach Stirb Langsam ist ein warmherziger und humorvoller Episodenfilm mit einer legendären Besetzung (Emma Thompson! Liam Neeson! Hugh Grant! Bill Nighy! Keira Knightley! Colin Firth! Alan Rickman! Laura Linney! Martine McCutcheon! Martin Freeman!) – da bleiben selbst Granden und Promis wie Billy Bob Thornton, Rowan Atkinson, Elisha Cuthbert, Claudia Schiffer, Denise Richards, Shannon Elizabeth und Chiwetel Ejiofor nur kleinste Nebenrollen und Cameo-Auftritte. Kurz gesagt: Alles, was kurz nach der Jahrtausendwende talentiert und angesagt war, wurde in diesen Film gepackt. Und die Rechnung geht auf. Zwar sind nicht alle Episoden zwingend oder wirklich überzeugend (den Handlungsstrang mit dem Vollidioten, der sein Glück in den USA versuchen möchte, fand ich immer doof, und was Alan Rickmans Charakter an Heike Makatsch fand, erschloss sich mir auch nie), aber in den besten Momenten ist „Tatsächlich … Liebe“ schlicht das Referenzwerk für romantische Komödien. Da steckt so viel Herzblut und Charme und Witz drinnen, und alle Darstellerinnen und Darsteller hatten sichtlich Spaß mit ihren Rollen. Ganz groß ist die Geschichte rund um den gehörnten Schriftsteller Jamie (Colin Firth), der in Frankreich sämtliche Sprachbarrieren überwindet. Und mein persönliches Traumpaar ist Hugh Grant als britischer Premierminister (den er so anlegt, wie er jede Figur anlegt: verpeilt, charmant und ein bisschen neben der Spur, aber genau so funktioniert die Figur auch wunderbar) und Martine McCutcheon als dessen unglaublich süße Assistentin, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Die Chemie zwischen den beiden ist überragend. Schade, dass es für McCutcheon mit der Rolle nicht zum großen Karrieresprung gereicht hat, aber dafür war sie vielleicht auch ein Stück zu speziell, zu britisch. Überhaupt ist „Tatsächlich … Liebe“ nach Monty Python vielleicht das Britischste seit der Erfindung von Baked Beans. Und seit über 15 Jahren gehört er zu Weihnachten wie ein schwitzender, blutender Bruce Willis im Aufzugschacht. Was soll ich sagen? Traditionen und Kulturgüter muss man pflegen.


8,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Ong-Bak (2003)

Regie: Prachya Pinkaew
Original-Titel: Ong-Bak
Erscheinungsjahr: 2003
Genre: Eastern, Action
IMDB-Link: Ong-Bak


Manchmal braucht es einfach den richtigen Anschub, um ein Land auf der cineastischen Weltkarte zu verankern. 2003 war für Thailand der Martial Arts-Film „Ong-Bak“ dieser Anschub. Dieser Film gilt mittlerweile als Klassiker der Haudrauf-Filme, und ganz ehrlich: Gegen Tony Jaa hätte sogar Bud Spencer (selig) seine liebe Not gehabt. Er hätte das schlaksige Springginkerl einfach nicht zwischen die Oberarme bekommen. Und im Grunde ist damit alles über den Film gesagt. Tony Jaa hüpft und läuft und springt und prügelt sich durch die Gegend. Von seinem Dorf wurde er beauftragt, den gestohlenen Kopf der heiligen Buddha-Statue des Ortes zurückzuholen aus Bangkok. Dabei helfen ihm seine Kenntnisse des Muay Thai, ein ehemaliger Dorfbewohner, der unter die Kleinkriminellen gegangen ist, sowie seine zierliche Kumpanin, die gut Motorrad fahren kann, aber ansonsten wenig zur Geschichte beiträgt. Am meisten hilft natürlich das Muay Thai. Damit machen Schurken, Drogenbosse, verrückte Amerikaner und jede Menge Tuk-Tuks unliebsame Bekanntschaft. Und die Kampfszenen und Stunts können wirklich beeindrucken. Denn hier werden keine halben Sachen gemacht: Wenn der Bösewicht eines zwischen die Rippen bekommt, hat es dem armen Kerl, der in dieses Kostüm gesteckt worden ist, mit Sicherheit weh getan. Denn hier wird tatsächlich auf den Körper gezielt und nicht einen halben Meter daneben geschlagen, sodass man noch den Luftzug hören kann. Und auch mit unsichtbaren Seilen und dergleichen ist nichts – die hüpfen tatsächlich wie Flummis durch die Gegend. Ich frage mich, was für einen Verschleiß an Schauspielern das Produktionsteam hatte. Immerhin hat Tony Jaa den ganzen Wahnsinn überlebt. Und war danach in Asien der neue Superstar. Als Fazit für den Film kann man gerne die Ärzte zitieren: „Immer mitten in die Fresse rein!“

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 36 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,5
von 10 Kürbissen

Böse Zellen (2003)

Regie: Barbara Albert
Original-Titel: Böse Zellen
Erscheinungsjahr: 2003
Genre: Drama, Episodenfilm
IMDB-Link: Böse Zellen


Manu (Kathrin Resetarits) macht in Rio de Janeiro Urlaub, und auf dem Rückflug stürzt das Flugzeug ab. Wie durch ein Wunder überlebt sie. So die Eingangssequenz von Barbara Alberts Episodenfilm „Böse Zellen“. Schnitt. Sechs Jahre später. Manu ist verheiratet mit Andreas (Georg Friedrich), hat eine kleine Tochter und geht noch immer gern mit ihrer besten Freundin Andrea (Ursula Strauss) feiern. An einem Abend kommt es zur Katastrophe, als Manu am Heimweg von einem entgegenkommenden abgeschossen wird und stirbt. Episodenhaft wird im Anschluss aus dem Leben von Menschen erzählt, die mehr oder weniger das soziale Netz von Manu geformt haben. Der trauernde Witwer fängt sich etwas mit Andrea an. Manus Schwester hat ein massives psychisches Problem, vielleicht auch ein Drogenproblem, und lässt sich von einem einbeinigen Lustmolch aushalten. Der Bruder, ein verpeilter Lehrer, verschaut sich ein bisschen in eine Schülerin, die wiederum Probleme mit ihrer Mutter hat, die sie kaum wahrzunehmen scheint, da sie selbst all ihre Aufmerksamkeit auf den Gendarmen Karl legt, in den sie verschossen ist. Ein Mitschüler wiederum, der das entgegenkommende Auto gelenkt hat, fühlt sich schuldig an der Querschnittslähmung seiner Freundin, die damals ebenfalls im Auto gesessen ist. Eine weitere Mitschülerin, die in der Schule gemobbt wird, legt Séancen. Und irgendwie geht das alles nicht wirklich zusammen, die Geschichten bleiben kaleidoskopartig aufgefächerte Bruchstücke. Das verbindende Element aller Figuren und Geschichten ist eine tiefe innere Einsamkeit und die Unfähigkeit, diese zum Ausdruck zu bringen oder etwas dagegen zu tun. Ein Feelgood-Movie ist „Böse Zellen“ definitiv nicht, eher anstrengend. Auch zeigt der Film deutlich auf, wie schwer es ist, gute jugendliche Darsteller/innen zu casten. Das, was die so spielen, wirkt teilweise arg hölzern. Aber: Die Figuren sind allesamt immerhin so lebensnah dargestellt und viele Episoden in sich geschlossen auch interessant, sodass man dann doch einigermaßen neugierig dranbleibt. Insgesamt ein seltsames Werk – nichts, was man sich öfter ansehen muss.


5,5
von 10 Kürbissen

Was das Herz begehrt (2003)

Regie: Nancy Meyers
Original-Titel: Something’s Gotta Give
Erscheinungsjahr: 2003
Genre: Rom-Com
IMDB-Link: Something’s Gotta Give


Wenn Jack Nicholson sein diabolisches Grinsen aufsetzt, dann steht er entweder kurz davor, seinen Sohn mit einer Axt durch ein Heckenlabyrinth zu jagen, oder das Herz einer Frau zu erobern, die ihn zuvor abstoßend gefunden hat. Siehe „Besser geht’s nicht“ und auch in „Was das Herz begehrt“. Jedenfalls ist sein Charakter Harry Sanborn in Nancy Meyers‘ Rom-Com von 2003 nicht unbedingt ein Schwiegermütter-Traum. Der self-made Millionär, der sich mit keinen Frauen über 30 verabredet, ist zwar charismatisch, aber ein oberflächlicher Macho durch und durch. Eine Alterserscheinung (ein Herzinfarkt im Bett, quasi die Andeutung des großen statt des kleinen Todes) zwingt ihn aber dazu, das Wochenende im Strandhaus seiner Flamme (Amanda Peet) zu verbringen. Diese vertschüsst sich wieder in die Stadt, und der Galan bleibt zurück mit der neurotischen, aber toughen Mutter Erica (Diane Keaton). Trotz aller Gegensätze und gewisser beidseitiger Vorbehalte spüren die beiden schon bald eine gewisse Anziehungskraft aufeinander. Dass der junge Arzt Dr. Mercer (Keanu Reeves in his prime), dem Harry sein Leben verdankt, selbst ein Auge auf die erfolgreiche und zwanzig Jahre ältere Schriftstellerin geworfen hat, führt dann zu den Verwicklungen und Komplikationen, die man aus dem Genre der Rom-Coms schon gut kennt. Die Geschichte wird routiniert und überraschungsfrei erzählt. Allerdings sind alle Beteiligten mit sichtlicher Spielfreude bei der Sache, und die Wandlung des Protagonisten vom Saulus zum Paulus wird zwar mit den genre-üblichen Überspitzungen, aber dennoch mit Herz und Empathie erzählt. Mich persönlich hat nur genervt, dass Regisseurin und Drehbuchautorin Nancy Meyers beim Wendepunkt der Geschichte vor dem letzten Drittel nicht mehr ihren Figuren vertraut hat, und ihre bislang starke Figur der Erica in Hysterie aufgehen hat lassen – weil es offenbar in Rom-Coms dazu gehört, dass Frauen hysterisch heulen, wenn sie von einem Mann abgewiesen werden. Nun ja. Davon abgesehen macht Meyers mit ihrem Film aber vieles richtig. So ist „Was das Herz begehrt“ ein gelungener Genre-Vertreter, den man sich an einem verregneten Nachmittag mit der Liebsten oder dem Liebsten gut ansehen kann.


6,0
von 10 Kürbissen

Struggle (2003)

Regie: Ruth Mader
Original-Titel: Struggle
Erscheinungsjahr: 2003
Genre: Drama
IMDB-Link: Struggle


Das Leben kann aus unterschiedlichen Gründen schwierig sein. Wenn man zum Beispiel arm und eine allein erziehende Mutter aus Polen ist, die sich in Österreich illegal mit knochenharten Jobs über Wasser halten muss – darunter von Hand tagein, tagaus Erdbeeren pflücken oder in einer Putenfleischfabrik schwere Kisten schleppen. Oder aber, wenn man sich von der eigenen Tochter bereits völlig entfremdet hat und immer mehr vereinsamt. Aleksandra Justa und Gottfried Breitfuß spielen die beiden sehr gegensätzlichen Figuren, die am Ende ein Stück des Weges gemeinsam gehen. Bis dahin ist man als Zuseher ganz nah dran an den Mühlen des Alltags. Man steht mit der Protagonistin auf dem Erdbeerfeld, am Fließband der Fabrik, schrubbt mit ihr den Pool, alles wortlos und eintönig. „Struggle“ ist ein entschleunigter Film. Man könnte ihn fast als meditativ bezeichnen, doch dafür fehlt etwas – die positive Erkenntnis, die sich mit der Zeit einstellt, das Gefühl, den Menschen beim Zusehen näher gekommen zu sein. Denn das ist hier definitiv nicht der Fall. Im Gegenteil: Die Langsamkeit wird quälend, je länger der Film dauert, das Schweigen baut sich auf wie eine Wand. Nein, man fühlt sich nicht herrlich entspannt wie nach einer Yoga-Übung, sondern erschöpft. Und wenn am Ende die Stille durchbrochen wird vom kindlichen Puppentheater, fühlt sich dieser kurze Moment des alltäglichen Kinderglücks an wie eine Erlösung. „Struggle“ ist österreichisches Kino par excellence. Man fühlt sich danach wie ausgekotzt. Aber es ist dennoch interessant, mit welch sparsamen Mitteln Ruth Mader die menschliche Seelenqual seziert. Und so bekommt man dann doch einen kleinen Blick auf das große Ganze. Humanistisches Kino im besten wie auch im anstrengendsten Sinne.


6,0
von 10 Kürbissen