2003

Was das Herz begehrt (2003)

Regie: Nancy Meyers
Original-Titel: Something’s Gotta Give
Erscheinungsjahr: 2003
Genre: Rom-Com
IMDB-Link: Something’s Gotta Give


Wenn Jack Nicholson sein diabolisches Grinsen aufsetzt, dann steht er entweder kurz davor, seinen Sohn mit einer Axt durch ein Heckenlabyrinth zu jagen, oder das Herz einer Frau zu erobern, die ihn zuvor abstoßend gefunden hat. Siehe „Besser geht’s nicht“ und auch in „Was das Herz begehrt“. Jedenfalls ist sein Charakter Harry Sanborn in Nancy Meyers‘ Rom-Com von 2003 nicht unbedingt ein Schwiegermütter-Traum. Der self-made Millionär, der sich mit keinen Frauen über 30 verabredet, ist zwar charismatisch, aber ein oberflächlicher Macho durch und durch. Eine Alterserscheinung (ein Herzinfarkt im Bett, quasi die Andeutung des großen statt des kleinen Todes) zwingt ihn aber dazu, das Wochenende im Strandhaus seiner Flamme (Amanda Peet) zu verbringen. Diese vertschüsst sich wieder in die Stadt, und der Galan bleibt zurück mit der neurotischen, aber toughen Mutter Erica (Diane Keaton). Trotz aller Gegensätze und gewisser beidseitiger Vorbehalte spüren die beiden schon bald eine gewisse Anziehungskraft aufeinander. Dass der junge Arzt Dr. Mercer (Keanu Reeves in his prime), dem Harry sein Leben verdankt, selbst ein Auge auf die erfolgreiche und zwanzig Jahre ältere Schriftstellerin geworfen hat, führt dann zu den Verwicklungen und Komplikationen, die man aus dem Genre der Rom-Coms schon gut kennt. Die Geschichte wird routiniert und überraschungsfrei erzählt. Allerdings sind alle Beteiligten mit sichtlicher Spielfreude bei der Sache, und die Wandlung des Protagonisten vom Saulus zum Paulus wird zwar mit den genre-üblichen Überspitzungen, aber dennoch mit Herz und Empathie erzählt. Mich persönlich hat nur genervt, dass Regisseurin und Drehbuchautorin Nancy Meyers beim Wendepunkt der Geschichte vor dem letzten Drittel nicht mehr ihren Figuren vertraut hat, und ihre bislang starke Figur der Erica in Hysterie aufgehen hat lassen – weil es offenbar in Rom-Coms dazu gehört, dass Frauen hysterisch heulen, wenn sie von einem Mann abgewiesen werden. Nun ja. Davon abgesehen macht Meyers mit ihrem Film aber vieles richtig. So ist „Was das Herz begehrt“ ein gelungener Genre-Vertreter, den man sich an einem verregneten Nachmittag mit der Liebsten oder dem Liebsten gut ansehen kann.


6,0
von 10 Kürbissen

Struggle (2003)

Regie: Ruth Mader
Original-Titel: Struggle
Erscheinungsjahr: 2003
Genre: Drama
IMDB-Link: Struggle


Das Leben kann aus unterschiedlichen Gründen schwierig sein. Wenn man zum Beispiel arm und eine allein erziehende Mutter aus Polen ist, die sich in Österreich illegal mit knochenharten Jobs über Wasser halten muss – darunter von Hand tagein, tagaus Erdbeeren pflücken oder in einer Putenfleischfabrik schwere Kisten schleppen. Oder aber, wenn man sich von der eigenen Tochter bereits völlig entfremdet hat und immer mehr vereinsamt. Aleksandra Justa und Gottfried Breitfuß spielen die beiden sehr gegensätzlichen Figuren, die am Ende ein Stück des Weges gemeinsam gehen. Bis dahin ist man als Zuseher ganz nah dran an den Mühlen des Alltags. Man steht mit der Protagonistin auf dem Erdbeerfeld, am Fließband der Fabrik, schrubbt mit ihr den Pool, alles wortlos und eintönig. „Struggle“ ist ein entschleunigter Film. Man könnte ihn fast als meditativ bezeichnen, doch dafür fehlt etwas – die positive Erkenntnis, die sich mit der Zeit einstellt, das Gefühl, den Menschen beim Zusehen näher gekommen zu sein. Denn das ist hier definitiv nicht der Fall. Im Gegenteil: Die Langsamkeit wird quälend, je länger der Film dauert, das Schweigen baut sich auf wie eine Wand. Nein, man fühlt sich nicht herrlich entspannt wie nach einer Yoga-Übung, sondern erschöpft. Und wenn am Ende die Stille durchbrochen wird vom kindlichen Puppentheater, fühlt sich dieser kurze Moment des alltäglichen Kinderglücks an wie eine Erlösung. „Struggle“ ist österreichisches Kino par excellence. Man fühlt sich danach wie ausgekotzt. Aber es ist dennoch interessant, mit welch sparsamen Mitteln Ruth Mader die menschliche Seelenqual seziert. Und so bekommt man dann doch einen kleinen Blick auf das große Ganze. Humanistisches Kino im besten wie auch im anstrengendsten Sinne.


6,0
von 10 Kürbissen