2004

Harry Potter und der Gefangene von Askaban (2004)

Regie: Alfonso Cuarón
Original-Titel: Harry Potter and the Prisoner of Azkaban
Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Fantasy, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Harry Potter and the Prisoner of Azkaban


Warum ist „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, der dritte Teil von Filmreihe, so gelungen? Ganz einfach, weil sich hier die Genialität von Joanne K. Rowling, der Autorin der Harry Potter-Buchreihe, erstmals so richtig entfaltet. Boten die ersten beiden Teile schon spannende und komplexe Geschichten, die über sich selbst hinaus auf ein noch größeres Ganzes verwiesen, zeigt sich im dritten Teil nun so richtig, mit wieviel Sorgfalt diese hochkomplexe Story gewebt wurde. Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander, und das auf mehreren Ebenen – auf der Ebene der grundliegenden Geschichte rund um den Tod von Harrys Eltern durch Lord Voldemort, aber auch auf der Ebene der Geschichte rund um den Gefangenen von Askaban selbst – mit viel Verve verkörpert von Gary Oldman. Dieser kommt erst sehr spät zu seinem (denkwürdigen) Einsatz – davor gehört die Bühne vor allem Remus Lupin (David Thewlis), der als neuer Defense against the Dark Arts-Lehrer Harry Potter beibringen muss, wie man sich vor Angriffen finsterer Dementoren schützen muss. Diese Furcht einflößenden Wächter des Gefängnisses Askaban werden nämlich nach Hogwarts abkommandiert, als der irre Mörder Sirius Black aus dem Gefängnis entflieht und man vermutet, dass er nach dem Leben von Harry Potter trachtet. Doch das größere Problem sind erst einmal die Dementoren selbst, die Harry mehr zusetzen als es sein Erzfeind an der Schule, Draco Malfoy, jemals könnte. In „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ zeigt sich Alfonso Cuaróns Handschrift, der die Regie von Chris Columbus übernahm. Der dritte Teil der Filmreihe wirkt düsterer, bedrohlicher, erwachsener. Die Dementoren hätten Platz in jedem Horrorfilm, und auch die Geschichte selbst ist noch mal komplexer und erfordert vollste Aufmerksamkeit. Ein Highlight der Filmreihe.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2004 Warner Bros. Ent. Harry Potter Publishing RightsJ.K.R., Quelle http://www.imdb.com)

Collateral (2004)

Regie: Michael Mann
Original-Titel: Collateral
Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Thriller, Action
IMDB-Link: Collateral


Taxifahren kann ganz schön gefährlich sein, wie Max (Jamie Foxx) feststellen muss. Kaum hat er die charmante Staatsanwältin (Jada Pinkett Smith) abgeladen, steigen mit dem neuen Fahrgast Vincent (Tom Cruise) jede Menge Probleme ein. Zwar zahlt der graumelierte Herr im Anzug sehr gut für die fünf Zwischenstationen, zu denen ihn Max kutschieren soll, doch bereits beim ersten Halt landet eine Leiche auf dem Taxi, und Max dämmert, dass sein spendabler Fahrgast vielleicht eine etwas unethische Agenda hat. Aber: Mitgefangen, mitgehangen, vor allem, wenn man plötzlich eine Knarre an der Schläfe hat. Da bleiben nicht mehr viele Handlungsoptionen. Und so geht es für die beiden durch die Nacht, und überall, wo man hält, hinterlässt man ein Blutbad. „Collateral“ ist zunächst mal ein typischer Michael Mann-Film. Finstere, aber irgendwie auch hoffnungslose Gestalten bewegen sich für einer nüchternen, kalten Atmosphäre und steuern unentwegt ihrem Schicksal entgegen. Das ist ein Thema, das Mann schon des Öfteren beschäftigt hat. Und wie so oft findet man als Zuseher sehr schnell Zugang zu seinen Figuren, selbst zum eiskalten Profikiller Vincent, den Tom Cruise vielschichtig und mysteriös anlegt: Auf der einen Seite ist Vincent in seiner gefühllosen, kontrollierten Art fast schon eine Art Blaupause für einen Profikiller, auf der anderen Seite schimmert immer wieder überraschend Tiefgang und Empathie durch. Sein Vincent ist eine ambivalente Figur und vielleicht eine der besten Karriereleistungen von Tom Cruise. Der Anker in dem Film ist allerdings Jamie Foxx als Max. Auch für Jamie Foxx kann man nur den Hut ziehen, hier stolpert eine in jeder Hinsicht glaubwürdige und überforderte Figur durch das Geschehen. „Collateral“ macht also sehr viel richtig. Allerdings verhindern die Längen zwischendurch, die den Film zuweilen recht zäh werden lassen, am Ende dann doch noch eine noch bessere Bewertung.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2003 Dreamworks Productions, LLC, Quelle http://www.imdb.com)

Girls Club – Vorsicht bissig! (2004)

Regie: Mark Waters
Original-Titel: Mean Girls
Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Komödie
IMDB-Link: Mean Girls


Es gibt Filme, die sind perfekt für ihr Zielpublikum und lassen einen Filmkürbis eher ratlos zurück. „Mean Girls“ von Mark Waters nach einem Drehbuch von Tina Fey, die auch einen Auftritt im Film hat, ist so ein Fall. Wenn man den Film im richtigen Alter gesehen hat, funktioniert er wohl bestens, wie mir meine bessere Hälfte bestätigte. Aber wenn du als bald 40jähriger Kerl zum ersten Mal siehst, wie sich Lindsay Lohan und Rachel McAdams in der High School beharken, bewunderst du maximal die langen Beine in kurzen Röcken, aber eigentlich denkst du dir: „Mädels, chillt mal ein bisschen, eure Endgegner kommen doch alle erst viel später, und sie heißen 5:30-Uhr-Wecker, Finanzamt, Naschereien-vor-dem-Fernseher und Am-24.-Dezember-Geschenke-Einkaufen-Weil-Ihr-Davor-Keine-Zeit-Hattet.“ Aber gut, jeder Generation ihre eigenen Kämpfe. In diesem Fall versucht die Neue an der Schule, die Südafrikanerin Cady (Lindsay Lohan), die Clique der Plastics (Rachel McAdams, Amanda Seyfried und Lacey Chabert) zu infiltrieren und wird letztlich von ihr absorbiert – sehr zum Missfallen ihrer Freunde. Man fühlt sich an die Borgs aus Star Trek erinnert, nur tragen die Borgs in diesem Film Gucci-Handtaschen und Armani-Kleider. Dem Thema „Zugehörigkeit“ wird in „Mean Girls“ viel Raum geboten, doch statt sich ernsthaft an das Thema anzunähern, wird daraus ein Zickenkrieg inszeniert, der ein bisschen an der möglichen Gesellschaftskritik vorbeisegelt und lieber den Pfad des Klamauks nimmt. Das ist ja in Ordnung, und das kann auch sehr erfrischend und lustig sein, aber halt nicht für grumpy Filmkürbisse in den Spätdreißigern. Objektiv betrachtet ist der Film vermutlich besser, aber subjektiv gibt’s 4,5 pinke Kürbisse.


4,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Verrückte Weihnachten (2004)

Regie: Joe Roth
Original-Titel: Christmas with the Kranks
Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Komödie, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: Christmas with the Kranks


Lasst uns mal über Antagonisten reden. Ja, diese Schurken, die alles Leben aushauchen und Tod bringen möchten, die stets Dunkelheit bevorzugen und das Licht meiden, die bösen Russen mit ihren Kalaschnikows und unverständlichem Akzent, die im Stechschritt marschierenden Nazis, die Männer mordenden Femme Fatales und die genialen Blofelds, die immer ein bisschen zu viel quatschen und deshalb ihre sinisteren Pläne nicht zu Ende bringen können. All diese Bösewichte sind harmlos im Vergleich zur fiesesten Film-Antagonistin ever: dem verwöhnten, selbstsüchtigen Töchterchen der Kranks (Tim Allen und Jamie Lee Curtis): Satansbraten Blair (Julie Gonzalo). Diese egoistische Bitch dampft kurz vor Weihnachten nach Peru ab, um sich selbst zu finden, was die Eltern schon mal per se ratlos und emotional zerstört zurücklässt, sodass sie Weihnachten komplett spritzen möchten, findet dort aber nach wenigen Wochen heraus, dass ihr das ganze Blingbling dann doch fehlt (aber ehrlich: die ist ja nur auf die Geschenke scharf), und schneit nun komplett unverhofft doch wieder zuhause ein – samt Latin Lover im Gepäck und der Erwartungshaltung, dass innerhalb weniger Stunden ein Weihnachtsfest organisiert werden kann, wie es sich der verzogene Fratz wünscht. Hätte ich dank des magischen Tickets aus Last Action Hero in den Film einsteigen können, ich wäre zum Flughafen gefahren und hätte da erst mal einen Drogenspürhund auf sie angesetzt, um sie nach Guantanamo verfrachten zu lassen. Dort hätte sie sich für den Rest ihres Lebens „Verrückte Weihnachten“ ansehen müssen, die Augen per Zahnstocher aufgezwungen und bei voller Lautstärke, sodass jeder von Jamie Lee Curtis‘ irrer Kreischanfälle bis ins Knochenmark fährt. Und selbst das wäre noch zu nett für diese Ausgeburt der Hölle gewesen, die nun bei mir einzementiert ist als fiesester Filmbösewicht aller Zeiten.


4,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Super Size Me (2004)

Regie: Morgan Spurlock
Original-Titel: Super Size Me
Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Super Size Me


Die Geschichte ist voller mutiger Forscher, die Leib und Leben für ihre Forschung riskiert haben. Morgan Spurlock ist ein vielleicht eher überraschender Name auf dieser Liste. Aber wenn man sieht, welchen Effekt eine Ernährung, die einen Monat lang nur aus dem Angebot von McDonald’s besteht, auf seinen Körper hat, wird man gleich ein bisschen blass um die Nase und denkt mit großer Scham an den letzten Maci-Besuch zurück, als man noch partout die Käse-Ecken zu seinem Menü haben musste. Die gute Nachricht ist: So gut wie niemand isst alle Mahlzeiten bei McDonald’s. Die schlechte Nachricht ist: Auch wenn man es nicht ganz so exzessiv betreibt, fährt das Zeug so richtig rein. Dass Fast Food nicht unbedingt den Anspruch erhebt, gesund zu sein, ist ja keine neue Erkenntnis, aber das Ausmaß der Katastrophe, die man durch regelmäßigen Burgerkonsum seinem Leib zumutet, wurde 2004 durch Spurlocks Film erstmals so richtig sichtbar. Man muss Spurlock hoch anrechnen, dass er (zumindest zu Beginn) mit großem Enthusiasmus in seine Big Macs beißt und McDonald’s bzw. die Fast Food-Industrie nicht verteufelt – das Zeug schmeckt ja. Gleichzeitig aber legt er gnadenlos offen, welch gefährliche Auswirkungen diese Art der Ernährung tatsächlich mit sich bringt. Schuldbewusst blickt man danach runter auf seinen Ranzen, der zumindest zum Teil von Fast Food und Tiefkühlkost geformt wurde, und gelobt Besserung in Form vom gedünsteten Gemüse und Low Carb-Ernährung – bis halt die nächste Schokoladetafel lockt. Was sind wir doch für armselige Kreaturen! „Super Size Me“ konfrontiert uns somit mit unseren eigenen Schwächen und den möglichen Auswirkungen davon. Der Film hat zwar mittlerweile einige Jahre auf dem Buckel, aber die Qualität der Nährstoffe von McDonald’s & Co. wird seither nicht signifikant angestiegen sein, also hat der Film immer noch seine Relevanz.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Die Unglaublichen (2004)

Regie: Brad Bird
Original-Titel: The Incredibles
Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Animationsfilm, Action, Komödie
IMDB-Link: The Incredibles


Nach einem schiefgegangenem Einsatz muss sich der Superheld Mr. Incredible ins Privatleben zurückziehen. Sein Glück ist, dass er mit der Superheldin Elastigirl sein privates Glück schon gefunden hat und mit ihr ganz friedlich eine Familie gründen kann. Doch wie es halt so ist, wenn man die beste Zeit gefühlt hinter sich hat, kommt irgendwann das Bedauern und die Sehnsucht. Ja, so ein Familienleben ist schon ganz nett, aber der Job in der Versicherung ist langweilig, der Chef cholerisch, die Kinder, die genetisch bedingt ihre ganz eigenen Fähigkeiten haben, anstrengend, und der Bauch wird immer dicker. Einmal noch so jung und knackig und dynamisch wie früher sein! Kurz: Mr. Incredible findet sich schon bald in einer veritablen Midlife Crisis wieder. Das Angebot einer mysteriösen Schönen, geheime Superhelden-Aufgaben auf einer entlegenen Insel zu erledigen, kommt da wie gerufen. Und während die Ehefrau zuhause glaubt, dass sich der Göttergatte auf einem Business Trip befindet, prügelt sich dieser in der Wildnis mit Amok laufenden Kampfrobotern – und stellt fest, dass man die Vergangenheit aus mehreren Gründen nicht immer abschütteln kann. Und: Dass nichts stärker ist als der Zusammenhalt der Familie. „Die Unglaublichen“ ist ein ganz großer Animationsspaß für Jung und Alt. Der Film ist actiongeladen, temporeich und mit viel Witz inszeniert. An manchen Stellen erinnert er an ein völlig aus dem Ruder gelaufenes Jump’n’Run-Abenteuer, aber so explosiv das alles auch inszeniert ist, vergessen die Macher nicht auf Atempausen, in denen der Fokus ganz auf die Beziehungen innerhalb der Familie rückt, die am Ende gestärkt aus diesem Film hervorgehen.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Saw (2004)

Regie: James Wan
Original-Titel: Saw
Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Thriller, Horror
IMDB-Link: Saw


Es gibt Filme, die ein ganzes Genre prägen oder gar begründen. „Saw“ von James Wan ist so ein Fall. Mit dem Erfolg des Films erlebte das Genre des Torture Horror seinen Aufschwung. Worum es in diesem Filmgenre geht? Blut und Beuschel und das altbekannte „homo homini lupus“ – der Mensch ist des Menschen Wolf. Das müssen auch der Arzt Lawrence (Cary Elwes) und der Fotograf Adam (Leigh Whannell) feststellen, die an Eisenrohre angekettet in einem ziemlich grindigen Raum erwachen und dort zum ultimativen Escape Room-Spiel eingeladen werden. Zu gewinnen gibt es immerhin das eigene Leben, das ist förderlich für die Motivation der Spieler. Lawrence weiß auch schon bald, woher der Wind kommt. Er hat nämlich bereits vom „Jigsaw-Killer“ gehört. Diesem wiederum ist der Polizist David Tapp (Danny Glover) auf den Fersen. Der Killer spielt nämlich seine Spielchen schon eine ganze Weile. Wir als Zuseher werden also einerseits Zeugen davon, wie Lawrence und Adam versuchen, sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien (und gleichzeitig zu eruieren, wie und warum sie überhaupt da hineingeraten sind), und andererseits von der Jagd nach dem Mastermind hinter dem blutigen Rätselraten. Das alles ist spannend inszeniert – und tatsächlich hält sich der Splatter-Faktor in Grenzen. Den Magen umgedreht hat es mir jedenfalls nicht, aber vielleicht habe ich auch einfach schon einen cineastischen Saumagen. Allerdings kann man dem Film nicht attestieren, wahnsinnig gut gealtert zu sein. Handwerklich ist er nicht auf dem allerhöchsten Niveau angesiedelt – seien es das teils hölzerne Schauspiel oder Details wie die Beleuchtung, die schon arg nach 90er-Videos aussieht (auch wenn der Film tatsächlich in den 0er-Jahren gedreht wurde). Ein Film, den man aus filmhistorischer Perspektive durchaus einmal ansehen kann. Aber die vielen Fortsetzungen danach braucht es meines Erachtens dann nicht mehr unbedingt.


6,0
von 10 Kürbissen

Marseille (2004)

Regie: Angela Schanelec
Original-Titel: Marseille
Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Drama
IMDB-Link: Marseille


Die Berliner Schule. Zusammengefasst kann man die so beschreiben: Menschen gehen in Bars oder stehen am Fenster, schweigen sich minutenlang an, um dann einen höchst philosophischen Satz von sich zu geben, der von ihrem Gegenüber (in der Bar oder auf dem Nachbarbalkon) eine vielsagende Replik erfährt. Dann wird wieder geschwiegen, und gelegentlich rauscht der Wind durch die Blätter. Am Ende fährt jemand mit dem Auto. Angela Schanelec ist im besten wie im schlimmsten Sinne eine würdige Vertreterin dieser Filmströmung. Mal funktioniert das Konzept für mich (siehe Orly), mal nicht (siehe Mein langsames Leben). „Marseille“ aus dem Jahr 2004 gehört zu den Filmen, die mich interessiert haben und mein Interesse halten konnte, auch wenn 1,5 Stunden lang nichts passiert. Die Berliner Fotografin Sophie (Maren Eggert) fährt für zwei Wochen nach Marseille, weil sie mit einer Marseillerin die Wohnung getauscht hat. Sie trifft auf den charmanten Mechaniker Pierre (Alexis Loret) und spaziert durch die Stadt. Eine bloße Existenz ohne Verpflichtungen, aber auch ohne Antrieb. Schnitt. Zurück in Berlin schlägt sie sich mit dem Alltag herum, mit den Beziehungsproblemen ihrer besten Freundin (Marie-Lou Sellem) mit ihrem Freund (Devid Striesow). Der Alltag besteht aus Missverständnissen und Nichtigkeiten. Eine Sehnsucht schleicht sich auf leisen Füßen in die Szenerie. Und das wäre dann auch schon der ganze Film. Inszeniert ist das alles – wie für Schanelec üblich – in den Dialogen höchst artifiziell. Das Leben als Theater. Wenn man sich darauf einlassen kann, entdeckt man in den Zwischenräumen das, worauf Angela Schanelec (vielleicht) hinauswollte: Die Schwierigkeit, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen und diesen zu halten, denn überall lauert das Missverständnis, die Nichtigkeit, der Alltag eben. Wenn man sich aber nicht darauf einlassen kann, wird so ein Film allerdings zu einer extrem mühsamen Angelegenheit.


6,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Viennale)

Hotel (2004)

Regie: Jessica Hausner
Original-Titel: Hotel
Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Thriller, Horror, Drama
IMDB-Link: Hotel


Jessica Hausner ist nicht Stanley Kubrick. Und das ist auch okay so. Blöd nur, dass auf dem DVD-Cover groß damit geworben wird, dass es seit „The Shining“ von Kubrick kein gruseligeres Hotel mehr gegeben hat als jenes in Hausners „Hotel“. Große Worte. Und ja, auf den ersten Blick lassen sich durchaus Parallelen finden zwischen dem Hotel im Wald in Hausners Film und dem legendären Overlook in Kubricks Verfilmung des Stephen King-Romans. In beiden Filmen sind die Neuankömmlinge einen Großteil der Zeit auf sich selbst gestellt. In beiden Filmen ist die Atmosphäre des Hotels tatsächlich abweisend und auf eine ungute Art geheimnisvoll. Und in beiden Hotels geschehen schon bald Dinge, die sich nicht so einfach erklären lassen. Aber, so ehrlich muss man sein, die Fußstapfen, die Kubrick mit seinem genialen Film hinterlassen hat, sind einfach zu groß. Und man tut Jessica Hausner auch keinen Gefallen, wenn man ihren Film allzu sehr daran misst. „Hotel“ möchte etwas Eigenständiges sein, ist vielmehr Psychodrama mit sanften Horror-Anklängen und das – typisch österreichisch – eingebettet in eine Zurückhaltung und Lakonie, die an Sterilität grenzt. Dazu trägt das distanziert-nüchterne Ambiente des Hotels bei. Franziska Weisz in der Hauptrolle der neuen Rezeptionistin Irene, die mit den unbehaglichen Geschehnissen im Hotel konfrontiert wird, legt ihre Rolle sehr introvertiert an, was zusätzlich Distanz zum Seher schafft. Das alles macht „Hotel“ zu einem stilistisch sauberen Film, dem aber eines nicht gelingt: den Zuseher zu packen. Das Schicksal von Irene wird gleichgültig zur Kenntnis genommen. Und vor leeren Gängen in Hotels bei Nacht fürchtet man sich auch danach nicht. Nur vor dem Zimmer 237. Aber das ist einem anderen Film zu verdanken.


5,0
von 10 Kürbissen

Das wandelnde Schloss (2004)

Regie: Hayao Miyazaki
Original-Titel: Hauro no Ugoku Shiro
Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Animation, Fantasy
IMDB-Link: Hauro no Ugoku Shiro


Kaum zu glauben, aber ich musste 36 Jahre und ein paar zerquetschte Monate alt werden, um meinen ersten Animationsfilm von Hayao Miyazaki zu sehen. Die Wahl fiel auf „Das wandelnde Schloss“, und ohne jetzt eine Einordnung vornehmen zu können, wie sich die Qualität dieses Films im Vergleich zu den anderen Miyazaki-Klassikern verhält, kann ich sagen: Es hat sich definitiv gelohnt. Kaum ein anderes Fantasy-Werk, das ich bislang gesehen habe, weist eine solche Liebe zum Detail auf, so eine überbordende Fantasie und visuelle Überzeugungskraft. Jedes Bild ist ein Meisterwerk für sich, und beim Anblick des mechanisch durch die eindrucksvolle Bergkulisse stampfenden Schlosses schlägt jedes Steampunk-Herz höher. Apropos Herz: Das ist nicht nur hinter den Kulissen der treibende Motor für diesen Film, sondern auch für die Handlung selbst. Denn Sophie, eine junge Hutmacherin, hat eben dieses an den Zauberer Hauro verloren. Die böse Hexe aus dem Niemandsland, die selbst an Hauro interessiert ist, belegt Sophie aus Eifersucht mit einem Fluch: Fortan muss sie im Körper einer alten Frau ihr Dasein fristen. Durch Zufall gelangt sie in die Dienste des angebeteten Hauro. Und schon nimmt eine fantastische, durchaus komplexe und nicht immer ganz schlüssige (aber geschenkt!) Geschichte ihren Lauf, während im Hintergrund ein schrecklicher Krieg ausbricht, der von den Protagonisten bald verlangt, Flagge zu zeigen. Wie gesagt, die Stärke des Films liegt ganz eindeutig in der fantasievollen Umsetzung. Man kommt aus dem Staunen gar nicht heraus. Die Welt, die Miyazaki hier aufbaut, ist gleichermaßen fremd wie auch vertraut. Und man möchte, wenn man sich einmal eingefunden hat, in ihr verbleiben, auch wenn man nicht alles versteht. Die kleine Schwäche des Films: Nicht immer kann man die Handlungen zu 100% nachvollziehen, vor allem die Einbettung des Krieges ist voller Andeutungen und – für mich jedenfalls – schwer in allen Details zu entschlüsseln. Auch ist das Ende selbst ein bisschen zu zuckersüß ausgefallen. Aber sei’s drum – mein erster Miyazaki hat richtig viel Freude bereitet.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 30 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


7,5
von 10 Kürbissen