2005

Harry Potter und der Feuerkelch (2005)

Regie: Mike Newell
Original-Titel: Harry Potter and the Goblet of Fire
Erscheinungsjahr: 2005
Genre: Fantasy, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Harry Potter and the Goblet of Fire


„Harry Potter und der Feuerkelch“, der vierte Teil der Reihe, kann als Musterbeispiel dafür gelten, warum die Medien Buch und Film so unterschiedlich funktionieren und es immer wieder zu Schwierigkeiten kommt, das eine in das andere zu übersetzen. Das, was John Huston angeblich zu Ray Bradbury, dem Drehbuchautor von „Moby Dick“ auf dessen Frage, wie er das Drehbuch zu verfilmen gedenke, geantwortet haben soll, nämlich, dass er die Seiten aus dem Buch reißen und die Kamera stopfen wolle, funktioniert halt nicht immer und überall. Vor allem, wenn die Buchvorlage ein etwa tausendseitiger Wälzer ist mit unglaublich vielen Handlungssträngen, die allesamt für die Geschichte relevant sind. Wenn man so etwas in einen Film packen möchte, gibt es keine andere Möglichkeit, als sich so ökonomisch wie möglich auf die Essenz der Geschichte zu konzentrieren und diese mehr oder weniger flott abzuarbeiten. Da bleibt natürlich vieles auf der Strecke. Zum Beispiel gerade die dichte Atmosphäre und der sich im Buch langsam aufbauende Spannungsbogen bis zum großen, epischen Finale, das einen Wendepunkt in der Harry Potter-Saga bedeutet. Die Bedrohung, die sich bislang in den Schatten verborgen hielt, tritt nun hervor und zeigt ihr Gesicht. Ein großartiger Moment in Film und Buch. Doch der Weg dahin ist eben sehr unterschiedlich zu bewerten. Wo das Buch eine packende Spannung aufbaut, hetzt der Film von Action zu Action. Das ist jetzt nicht schlecht, keinesfalls, der Film hat seine Momente, aber eben nicht die Größe der Buchvorlage, und er erreicht auch nicht ganz die Qualität der weiteren Harry Potter-Verfilmungen. Ein hibbeliger Dumbledore (komplett missverstanden von Michael Gambon, der erst ab dem sechsten Film ein Verständnis für den Charakter seiner Figur zeigt) tut sein Übriges, dass ausgerechnet das wohl beste Buch der Reihe von der schlechtesten Verfilmung begleitet wird.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 2005 Warner Bros. Entertainment Inc. – Harry Potter Publishing RightsJ.K.R., Quelle http://www.imdb.com)

Madagascar (2005)

Regie: Tom McGrath und Eric Darnell
Original-Titel: Madagascar
Erscheinungsjahr: 2005
Genre: Animation
IMDB-Link: Madagascar


Der Großstadtdschungel ist nichts für jeden. Klar, die einen wie Löwe Alex, der Star des Zoos, fühlen sich hier pudelwohl – die Annehmlichkeiten der Zivilisation sind nicht zu unterschätzen. Aber es gibt auch andere wie beispielsweise paramilitärisch organisierte Pinguine oder Alex‘ besten Freund Marty, ein Zebra, die sich im goldenen Käfig fadisieren. Es kommt, wie es kommen muss: Eines Tages ist Marty fort, und Alex samt Nilpferd Gloria und Giraffe Melman machen sich auf die Suche nach ihrem Freund. Eine Verkettung unglücklicher Umstände führt sie schließlich in die Wildnis der Insel Madagascar. Doch mit verkümmerten Urinstinkten und jeder Menge schlechter Laune kommen auch gewaltige Löwen dort nicht weit. Und dann treffen sie auch noch auf ein Volk seltsamer Lemuren, angeführt von König Julien. Nichts davon trägt dazu bei, dass sich unser verwöhnter Großstadtbewohner Alex so richtig an die Wildnis gewöhnt. Auch ein weiteres Problem kommt bald hinzu: Hunger. „Madagascar“ ist ein witziger Animationsklassiker aus den Dreamworks-Studios, dessen Animationen aus heutiger Sicht vielleicht ein wenig ungelenk wirken, der aber immer noch mit einer rasanten, abenteuerlichen Story aufwarten kann. Und vielleicht der besten Version von „I like to move it“ der Geschichte. Insgesamt ist das Abenteuer aber doch recht kindlich gestaltet, sodass der Hype, den der Film damals erzeugt hat, nicht mehr ganz nachzuvollziehen ist. Aber was soll’s – für einen vergnüglichen Filmabend passt das schon.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2006 DreamWorks Animation LLC., Quelle http://www.imdb.com)

Match Point (2005)

Regie: Woody Allen
Original-Titel: Match Point
Erscheinungsjahr: 2005
Genre: Krimi, Thriller, Liebesfilm
IMDB-Link: Match Point


Fragt man eine Reihe von Filmliebhabern nach Woody Allens besten Film, wird man oft „Der Stadtneurotiker“ als Antwort bekommen. Bei allem Respekt vor diesem wunderbaren Film, so muss meine Antwort aber anders ausfallen. Für mich ist „Match Point“ der beste Film seiner langen Karriere und einer der besten Filme der letzten zwanzig Jahre. Und nein, zu dieser Einschätzung komme ich nicht nur aufgrund von Scarlett Johanssons Beteiligung, auch wenn ihre Darstellung der amerikanischen Möchtegernschauspielerin Nola Rice, die vom gesellschaftlichen Aufsteiger Chris Wilton (Jonathan Rhys Meyers) umgarnt wird, durchaus denkwürdig ist. Es ist dieser tiefe Zynismus, von dem der Film erzählt und den er auch selbst zelebriert, der die Geschichte von einem jungen, mittellosen Mann, der es bis in die obersten Schichten der Gesellschaft schafft und dann über die Liebe stolpert, so besonders und mitreißend macht. In hell ausgeleuchteten Settings taucht Woody Allen tief in die dunkelsten Ecken der Menschen hinein. Jonathan Rhys Meyers als Hauptfigur ist dabei ein Glücksgriff – er spielt den tragischen Helden, der beinahe zum Ikarus wird, mit einer grandiosen Ambivalenz. Man weiß die meiste Zeit über gar nicht, was man sich für diesen smarten Draufgänger wünschen möchte – dass er mit seinem doppelten Spiel durchkommt oder fürchterlich auf die Pappn fällt. Bis zum Schluss bleibt der Film spannend, und er überrascht mit seinen Wendungen, die aber in sich nur konsequent sind. Bis zu seinem bitteren Ende stimmt wirklich alles bei diesem Film – ein Meisterwerk.


9,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

King Kong (2005)

Regie: Peter Jackson
Original-Titel: King Kong
Erscheinungsjahr: 2005
Genre: Abenteuerfilm
IMDB-Link: King Kong


Das Leben hält manche Herausforderung parat. Da hast du gerade einen Film hingelegt, der mit 11 Oscars prämiert wurde (dafür gleich drei für dich persönlich) und eine der größten Trilogien der Filmgeschichte beendet, und es ist klar, dass Filmkritiker und Kinogeher weltweit mit Argusaugen auf dein nächstes Werk schauen. Was soll da noch kommen? Peter Jackson hat nach dem Erfolg seiner Herr der Ringe-Trilogie keine künstlerische Schaffenspause eingelegt, sondern sich mit einer Neuverfilmung von „King Kong“ gleich an das nächste große Ding gewagt. Denn der große Affe, der auf dem Empire State Building herumklettert, ist so etwas wie ein Heiligtum der amerikanischen Filmgeschichte. Und einen solchen Film künstlerisch zu versenken, käme einer Katastrophe gleich, die einem nie verziehen werden kann. Das weiß jemand wie Peter Jackson natürlich, und so gibt er sich besonders Mühe. „King Kong“ fasziniert vor allem durch bombastische Schauwerte. Geheimnisvolle Kulissen, die man zuletzt so schön in den Indiana Jones-Filmen bewundern durfte, ein dampfiger Dschungel, eine epische Liebesgeschichte zwischen der Schauspielerin Ann Darrow (Naomi Watts) und dem Schriftsteller Jack Driscoll (Adrian Brody), der angesichts seines übermächtigen Nebenbuhlers über sich hinauswachsen muss, und am Ende ein actiongeladener Showdown, der den Zuseher in den Sessel klebt – all das bietet schon mal gute Unterhaltung. Der Herzstück des Films ist allerdings Andy Serkis‘ brillante Motion Capturing-Darstellung von King Kong. Serkis ist es zu verdanken, dass der Affe eine Seele hat. Und so sind die besten Momente des Films auch die leisen, jene, wenn King Kong einen Sonnenuntergang genießt oder wenn er im Central Park zum ersten Mal auf einer Eisfläche steht und nach anfänglichen Gleichgewichtsproblemen wie ein Kind die Faszination des Rutschens genießt. In solchen Momenten lebt der Film tatsächlich, der andernfalls ab und zu ein bisschen von seinen eigenen Schauwerten erschlagen wird. Ob Peter Jacksons Film auch in 90 Jahren noch relevant sein wird, wie es dem Original gelungen ist, sei dahingestellt, aber gesehen sollte man den Film trotzdem haben.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © Universal Pictures, Quelle: imdb.com)

Sie sind ein schöner Mann (2005)

Regie: Isabelle Mergault
Original-Titel: Je vous trouve très beau
Erscheinungsjahr: 2005
Genre: Komödie, Liebesfilm
IMDB-Link: Je vous trouve très beau


Lassen wir mal die Prämisse des Films, dass nämlich der Mann der Erlöser der armen rumänischen Frauen sein muss, die sonst nur putzen gehen können und sich kaum über Wasser halten, gnädig beiseite. Denn genau betrachtet geht mir die schon gegen den Strich. Aber was Isabelle Mergault mit ihren beiden Hauptdarstellern Michel Blanc in der Rolle des griesgrämigen frischen Witwers auf dem Bauernhof und Medeea Marinescu als lebenslustige Rumänin, die eine Heiratsvermittlerin zusammengebracht hat, in „Sie sind ein schöner Mann“ zeigt, ist ein Feel-Good-Movie par excellence, dem man auch solche groben Schnitzer gerne verzeiht. In den besten Fällen sind französische Komödien ja wunderbar charmant. Diese besten Fälle kommen nur nicht allzu gehäuft vor. Oft müssen sie als Deckmäntelchen für versteckte Ressentiments herhalten, über die herzhaft gelacht werden darf, da sie dann doch nicht weh tun, denn so rassistisch/sexistisch/wasauchimmeristisch sind wir ja in Wirklichkeit gar nicht, nicht wahr? Oder doch? In diese Falle tappt „Sie sind ein schöner Mann“ trotz der holprigen Ausgangslage nicht wirklich. Zumindest hüpft der Film nicht mit Anlauf hinein. Das ist vor allem Marinescu und Blanc zu verdanken, die ihre Figuren mit einer wundervollen Dreidimensionalität ausstatten, die dem Film gut tut. Allein dadurch hebt sich der Film wohltuend von üblicher Durchschnittskost französischer Komödien ab. Dass die Handlung selbst arg vorhersehbar ist, ist wohl dem Genre geschuldet. Dass sich aber ein glatzköpfiger pragmatischer Bauer und eine tanzende, lachende junge Frau mit großen Zukunftsplänen ineinander verlieben können, erzählt der Film auf nachvollziehbare Weise und mit gutem Gespür für die feinen Unterschiede, über die zumindest von Herzen geschmunzelt werden darf. Das passt schon so.


6,5
von 10 Kürbissen

Der Fischer und seine Frau (2005)

Regie: Doris Dörrie
Original-Titel: Der Fischer und seine Frau
Erscheinungsjahr: 2005
Genre: Liebesfilm, Drama, Fantasy
IMDB-Link: Der Fischer und seine Frau


Bei Christian Ulmen muss ich immer daran denken: „In Ulm, um Ulm, und um Ulm herum“. Woran ich künftig wohl eher nicht denken werden bei der Erwähnung dieses Namens: „Der Fischer und seine Frau“, eine Adaption eines Märchens der Gebrüder Grimm, in Szene gesetzt von Doris Dörrie. Ehrlich, der deutsche Film befand sich in den letzten Jahren spürbar im Aufwind – doch 2005 war davon noch nichts zu merken, jedenfalls nicht bei diesem Film. „Der Fischer und seine Frau“ ist eine deutsche Produktion der alten (schlechten) Schule. Das Schauspiel wirkt hölzern (gut, der Ulmen kann es vielleicht nicht besser, aber Alexandra Maria Lara hat zumindest in späteren Rollen bewiesen, dass sie mehr drauf hat), die Dialoge sind unecht und aufgesetzt, die Story wird holprig erzählt, und ein bisschen absurde Fantasy muss auch noch rein in Form von zwei verzauberten Fischen. Ja eh, die Vorlage ist ein Märchen, aber man kann auch Märchen seriös verfilmen. Dabei würde die Geschichte einiges hergeben: Ambitionierte Sie trifft auf idealistischen Er – sie scheffelt die Kohle, er bleibt zuhause beim Kind, die Beziehung driftet immer mehr auseinander, weil sie einfach Unterschiedliches erwarten vom Leben. Daraus hätte man etwas Feines stricken können, aber leider nimmt der Film sein Thema nicht ernst. Von Logiklöchern so groß wie Koi-Teiche und Unmengen von Kontinuitätsfehlern ganz zu schweigen. So wirkt „Der Fischer und seine Frau“ wie eine lieblose Routine-Arbeit, die man zwischen zwei Projekten mal im Auftrag eines potenten Geldgebers, der im Fernsehen Werbeplätze verkaufen will, runterspult. Und ich fürchte, genau das ist der Film wohl auch.


3,0
von 10 Kürbissen

Saint Jacques … Pilgern auf Französisch (2005)

Regie: Coline Serreau
Original-Titel: Saint Jacques … La Mecque
Erscheinungsjahr: 2005
Genre: Komödie
IMDB-Link: Saint Jacques … La Mecque


Es gibt sie – die wirklich witzigen und herzerwärmenden französischen Komödien. Wie zum Beispiel „Saint Jacques … Pilgern auf Französisch“ definitiv nicht eine davon ist. Die Durchschnittsbewertung auf IMDB ist mit 6,4 gar nicht mal so übel. Ich aber unterstelle einfach mal ganz böse, dass 90% der Stimmen von Franzosen kommen, die den Schnitt so hochtreiben. Franzosen haben offensichtlich einen ganz anderen Humor als ich. Falls ich in diesem Leben echt mieses Karma angesammelt haben sollte, werde ich im nächsten Leben als französischer Komiker wiedergeboren – mit dem Humor aus dem Vorleben. Hungertod mit 22. Fix. Jedenfalls geht es in „Saint Jacques … Pilgern auf Französisch“ um drei sehr unterschiedliche und völlig zerstrittene Geschwister (der egomanische Firmenboss, die frustrierte Gymnasiallehrerin, der verpeilte Alkoholiker und Langzeitarbeitslose), die, damit das Erbe der Mutter nicht an karitative Zwecke geht, sondern an diese drei Arschlöcher, gemeinsam den Jakobsweg gehen müssen – selbstverständlich, ohne sich dabei umzubringen oder sonst irgendwelche Weltkriege auszulösen. Dann gehört die Million ihnen. Also schließen sie sich einer Pilgergruppe an, die quasi ein Best Of sämtlicher Klischees, die man in einem solchen Film erwarten kann, zusammenbringt: Die ehemalige Krebskranke mit dem Kopftuch, die zwei arabischen, fürchterlich dämlich dargestellten Jugendlichen, die glauben, nach Mekka zu pilgern (ha ha, wie lustig), die zwei reichen Schnepfen-Mädels und der Reiseführer mit Migrationshintergrund und goldenem Herzen. Und nun wird gewandert und gestritten, und das soll alles ganz lustig sein, aber irgendwie habe ich vergessen, zu lachen. Vielleicht lag es daran, dass schon die Einführung der drei Geschwister sie so unsympathisch macht, dass sie bei mir von Anfang an einfach unten durch waren. Oder vielleicht lag es daran, dass ich kein Fan davon bin, wenn wandelnde Klischees für Gags herhalten müssen. Vielleicht war es die völlig unglaubwürdige Entwicklung der Geschichte, die von völligem Desinteresse an den Motivationen der Figuren zeugt, die mir das Vergnügen verhagelt hat. Wahrscheinlich war es all das zusammen. Und so verbuche ich „Saint Jacques … Pilgern auf Französisch“ als weiteren missglückten Versuch, französische Komödien lustig zu finden. Filme wie „Ziemlich beste Freunde“ sind tatsächlich seltene Perlen.

Übrigens gehört der Film zu den wenigen, von denen es tatsächlich weder einen deutschsprachigen noch einen englischsprachigen Trailer auf Youtube gibt. Spanisch kann ich anbieten. Hasta la vista!

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 39 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


3,0
von 10 Kürbissen

Pusher 3 (2005)

Regie: Nicolas Winding Refn
Original-Titel: Pusher 3
Erscheinungsjahr: 2005
Genre: Drama, Thriller, Krimi
IMDB-Link: Pusher 3


Mit „Pusher 3“, das passenderweise den Untertitel „I’m the Angel of Death“ trägt, beschließt Nicolas Winding Refn seine Pusher-Trilogie rund um das Drogenmilieu Kopenhagens, diesmal ohne Mads Mikkelsen. Der dritte und letzte Teil konzentriert sich auf die Figur des Milo, jener Drogenboss, dem in Teil 1 der Dealer Frank verpflichtet war. Milo, ein albanischer Serbe, der ein wenig aus Zeit und Raum gefallen scheint, wirkt zu Beginn des Films ein wenig geläutert, müde vielleicht. Er nimmt an den Sitzungen anonymer Drogenabhängiger teil und bereitet das Fest zum 25. Geburtstag seiner geliebten Tochter Milena vor. Doch weil Milo immer noch Milo ist, hat er nebenbei ein paar Geschäfte am Laufen, dummerweise mit Ecstasy anstatt mit Heroin, denn mit Letzterem kennt er sich aus, mit Ersterem jedoch nicht. Kein Problem, sein Kumpel Muhammad, ein Türke, verkauft das Zeug für ihn. Angeblich. Denn plötzlich ist Muhammad verschwunden, das Ecstacy auch, und die eigentlichen Besitzer der Drogen rücken Milo auf den Leib. Als Gegenleistung muss er einen Polen aufnehmen, der ein 17jähriges Mädchen als Prostituierte verkaufen will (eine Szene, in der es einen Schlag in die Magengrube nach dem anderen setzt). Milo, treuer Familienvater, der zwischen Fest und kriminellen Geschäften hin und her hetzt, hat aber irgendwann genug davon und greift ein – was die Sache nicht unbedingt angenehmer macht. Also muss Radovan, sein alter Mann fürs Grobe, noch ein letztes Mal ausrücken, obwohl er sich eigentlich als Pizzabäcker zur Ruhe gesetzt hat. Blöderweise hat nämlich Milo, ein leidenschaftlicher, aber mieser Hobby-Koch, versehentlich seine ganze Mannschaft mit seinem Essen vergiftet. Konfrontiert mit den dreckigen Problemen, für die er eigentlich schon zu alt ist, gänzlich auf sich gestellt und immer mit einem Auge auf seine Tochter, setzt sich bei Milo allmählich ein Prozess in Bewegung. Am Ende geht sein Blick ins Leere, und man weiß: Da steht ein Mann, der bereut. „Pusher 3“ fängt harmlos und fast belanglos an, steigert sich aber von Minute zu Minute und zieht schließlich die Daumenschrauben fest an. Wenn dann Radovan seine Arbeit erledigt, weiß man, warum auf dem Cover leuchtend rot ein FSK18-Hinweis prangt. Aber die Gewalt ist hier nicht unterhaltsam -im Gegenteil. Sie deprimiert. Hier sind Menschen am Werke, die eigentlich niemandem weh tun möchten, auch wenn sie auf der falschen Seite des Gesetzes stehen. Aber irgendwann entgleiten einem die Dinge halt. Ein harter Film und eine großartige Charakterstudie – und damit ein würdiger Abschluss der Trilogie.


7,5
von 10 Kürbissen