2007

Harry Potter und der Orden des Phönix (2007)

Regie: David Yates
Original-Titel: Harry Potter and the Order of the Phoenix
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Fantasy, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Harry Potter and the Order of the Phoenix


Man kann es fast schon als Tradition bezeichnen, dass der Regie-Staffelstab für die Verfilmungen der Harry Potter-Romane von einem Regisseur zum nächsten weitergegeben wurde – bis zu David Yates, der das Stöckerl mit Film 5 begeistert aufnahm und für den Rest der Reihe nicht mehr aus der Hand gab – inklusive der neuen Fantastic Beasts-Filme. Man kann also gut und gerne sagen: David Yates ist der Harry Potter-Regisseur. Sein erster Regiebeitrag, nämlich „Harry Potter und der Orden des Phönix“, ist gleich mal eine grundsolide Arbeit, an der es wenig auszusetzen gibt. Auch hier haben wir wieder das alte Problem, dass die Buchvorlage viel zu umfangreich ist, als dass sie in einem Film adäquat in allen Details erzählt werden könnte, doch im Gegensatz zum gehetzten vierten Teil, „Harry Potter und der Feuerkelch“, wirkt der fünfte Teil konzentrierter und organischer. Dass hier eine der legendärsten Schurkinnen der Literatur- und Filmgeschichte eingeführt wird, die von Imelda Staunton herausragend gespielte Dolores Umbridge, schadet dem Film natürlich auch nicht. Es braucht schon eine Darstellerin von ihrem Format, um die regelversessene, sadistische Opportunistin nicht zu einer Karikatur verkommen zu lassen. Und auch die komplexe Geschichte selbst wird zügig, aber eben ohne solch brachialen Sprüngen wie im Vorgängerfilm, erzählt. Natürlich, es fehlt so vieles aus den Büchern, das von Fans auf der ganzen Welt schmerzlich vermisst wird, das ist eben das Kreuz, das wie sein Vorgänger Mike Newell auch David Yates zu tragen hat, aber er macht gefühlt noch das Beste daraus. Es ist keine große Überraschung, dass er den Regiesessel nach diesem Film nicht räumen musste, sondern die Geschichte bis zum Ende erzählen durfte.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2007 Warner Bros. Entertainment Inc. – Harry Potter Publishing RightsJ.K.R., Quelle http://www.imdb.com)

Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis (2007)

Regie: Edgar Wright
Original-Titel: Hot Fuzz
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Action, Komödie
IMDB-Link: Hot Fuzz


Weil der Londoner Supercop Nicholas Angel, gespielt von Simon Pegg, zu erfolgreich ist und zu viele böse Burschen hinter Gitter bringt, was seine weniger erfolgreichen Kollegen schlecht aussehen lässt, wird er zur Strafe aufs Land befördert. An der Seite des enthusiastischen, aber nicht allzu hellen Danny Butterman (Nick Frost) geht es fortan auf Gänsejagd statt auf Verbrecherjagd. Immerhin rühmt sich das Örtchen Sandfort in Gloucestershire, das schönste Dorf Großbritanniens zu sein. Die Nachbarn sind herzlich, aber sehr auf das Ansehen des Dorfes bedacht. Bei Jugendlichen, die Stress machen, wird schnell mal die Nase gerümpft. Also der perfekte Ort, um in Ruhe den Lebensabend zu verbringen. Blöd nur, dass Nicholas Angel noch sehr viel Zeit bis zu diesem Lebensabend vor sich hat und auch keinen Bock hat, komplett untätig zu bleiben. Also wittert er überall Verbrechen, sehr zum Missfallen der Dorfbewohner, die so einen eifrigen Polizisten gar nicht nötig hätten. Aber es kommt, wie es kommen muss: Das Verbrechen hält Einzug in das verschlafene Sandfort, und schon bald haben Angel und Butterman mehr zu tun, als ihnen lieb ist. „Hot Fuzz“ ist der zweite Teil der Blood-and-Ice-Cream-Trilogie von Simon Pegg und Edgar Wright, drei nicht zusammenhängende Filme aus verschiedenen Genres (Zombiehorror, Cop Movie, Invasion aus dem Weltall), die alle ein absurder, makabrer fast wahnwitziger Humor auszeichnet. Dieser Humor ist in „Hot Fuzz“ auf die Spitze getrieben. Nicht nur deshalb ist er der beste Film der Trilogie. Der Film ist eine Verbeugung vor allen Cop-Buddy-Movies und funktioniert als solcher hervorragend. Simon Pegg und Nick Frost haben eine tolle Chemie zusammen, und sowohl die Gags als auch die Action sitzen. Das große Finale ist dann an Absurdität nicht mehr zu überbieten – ich weiß noch, dass ich bei der ersten Sichtung schallend durchgelacht habe. Ein Film, den man sich immer wieder ansehen kann, und der dabei nie fad wird.


8,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Die Simpsons – Der Film (2007)

Regie: David Silverman
Original-Titel: The Simpsons Movie
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Animation, Satire
IMDB-Link: The Simpsons Movie


Was für ein weltweites popkulturelles Phänomen die gelben Springfielder mit den 4 Fingern sind, muss man wohl niemandem mehr erklären, der nicht die vergangenen drei Jahrzehnte Jahre im Koma gelegen ist. Die Simpsons sind Kult – so einfach ist das. Und auch wenn ich selbst bei weitem nicht alle Folgen gesehen habe, schon gar nicht in der Reihenfolge ihrer mittlerweile 33 Staffeln, so bleibe ich dennoch immer wieder gerne hängen, wenn ich im Fernsehen mal auf eine Episode stoße. Keine andere Serie davor hat den American Way of Life so pointiert auseinandergenommen. In ihrem ersten (und bislang einzigen) großen Kinoabenteuer bleiben die Macher der Simpsons ihrem Stil treu – der Film könnte auch eine einzige lange Episode sein, und das ist keinesfalls schlecht. Interessant ist, dass die Story (die Folgen einer großen Umweltverschmutzung in Springfield) auch heute, 14 Jahre später, noch relevant wirkt. Leider. In diesem Sinne machen die Simpsons ihrer prophetischen Begabung, die man ihnen gerne zuschreibt, wieder alle Ehre. Rund um diese an sich finstere, fast schon apokalyptische Geschichte haben die Schreiber aber ein paar der besten Gags in der Geschichte der Simpsons eingebaut. Ein Beispiel: Im Angesichts der drohenden Katastrophe sieht man die Menschen aus der Kirche und Moe’s Bar strömen, die nebeneinander gelegen sind – und panisch rennen sie in die jeweils andere Seelsorginstitution. Dieser schön eingesetzte subtile Humor entschädigt für manche kleinere Längen oder Nebenstränge, die vielleicht ein klein wenig infantil ausfallen. Durch die Zeitlosigkeit des Films und die vielen bösen Gags, die uns allen einen Spiegel vorhalten, bleiben die Simpsons aber weiterhin relevant und extrem unterhaltsam.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: © The Simpsons TM and 2007 Twentieth Century Fox Film Corporation, Quelle http://www.imdb.com)

I Am Legend (2007)

Regie: Francis Lawrence
Original-Titel: I Am Legend
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Drama, Thriller, Horror, Science Fiction
IMDB-Link: I Am Legend


Es ist irgendwie deppert, wenn man der einzige Überlebende in New York ist, das ansonsten nur von ungustiösen Zombies bevölkert wird. Und es noch depperter, wenn man es als Wissenschaftler in der Hand gehabt hätte, das Schlamassel zu verhindern, aber daran gescheitert ist. Und noch dazu die ganze Familie verloren hat. Nur noch die treue Schäferhündin Samantha hält die Stellung in Robert Nevilles Kampf gegen die Dämonen – die eigenen und die da draußen. Will Smith spielt diesen zerrissenen Survival-Experten gewohnt charismatisch, auch wenn ihm der Schäferhund immer wieder die Show stiehlt. Aber so ist das eben mit Hunden am Set, dagegen hast du selbst als Superstar keine Chance. „I Am Legend“ ist dennoch lange Zeit eine Will Smith-Soloshow, ehe der Film gegen Ende hin ein paar nötige Kapriolen schlägt, um die Geschichte vorwärts und zu einem Ende zu bringen. Über dieses lässt sich dann trefflich streiten, aber der Weg dahin ist spannend inszeniert. Insgesamt zementiert „I Am Legend“ den Legendenstatus von Will Smith wohl weniger, als er das im Sinn gehabt hätte, aber als spannender Unterhaltungsfilm ist er schon in Ordnung. Und das verwahrloste New York, das von Hirschen und anderen Wildtieren zurückerobert wird, ist ein Hingucker und atmosphärisch dicht umgesetzt. Allein dafür lohnt sich die Sichtung schon mal.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Sunshine (2007)

Regie: Danny Boyle
Original-Titel: Sunshine
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Science Fiction, Thriller
IMDB-Link: Sunshine


Was macht man, wenn die Sonne zu erlöschen und alles Leben auf der Erde zu vernichten droht? Ganz klar: Man wirft eine Atombombe auf das Scheißding. Die menschliche Lösung für fast alle Probleme. Immerhin hat Bruce Willis auf diese Weise schon Armageddon verhindert. In Danny Boyles Science Fiction-Thriller „Sunshine“ geht man das Ganze aber etwas profunder an. Hier ist die Bombe sozusagen das Starterkabel, das den stotternden Motor der Sonne wieder anspringen lassen soll. Zu diesem Zweck reist eine Crew von Spezialisten (darunter Cillian Murphy, Rose Byrne, Chris Evans, Michelle Yeoh und Benedict Wong) mit dem Raumschiff Icarus II Richtung Sonne. Unterwegs nehmen sie aber ein seltsames Notsignal auf – von der verschwunden geglaubten Icarus I, die auf der gleichen Mission unterwegs war, von der man aber nie wieder etwas gehört hat. „Sunshine“ ist ein echter Nägelbeißer und dabei stilistisch so atemberaubend schön umgesetzt, wie es nur Danny Boyle kann. Der finale Showdown ist ein flirrender Fiebertraum aus Farben und Formen und wird vom Zuseher mehr erfühlt als gesehen. Das ist mutiges und originelles Kino, wie man es viel öfter sehen möchte. Die Logik der Handlung ist hier weniger wichtig als das visuelle Erleben, als der Bilderrausch. Überwältigungskino im besten Sinne.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street (2007)

Regie: Tim Burton
Original-Titel: Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Musical, Horror
IMDB-Link: Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street


Gleich mal die Warnung vorweg: Ja, sie singen! Sowohl Johnny Depp als auch Helena Bonham Carter. Und das klingt gar nicht mal so übel, auch wenn sie natürlich auf dem zweiten Bildungsweg keine Opernhäuser füllen werden. Aber dafür können beide ganz ausgezeichnet schauspielern, und das ist ein Asset, das Tim Burton sehr zu schätzen weiß – ist doch ein Tim Burton-Film ohne Johnny Depp und/oder Helena Bonham Carter kaum vorstellbar. „Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street“ ist so sehr Tim Burton, wie Tim Burton Tim Burton sein kann, und weist gleichzeitig eine pure Dosis Johnny Depp auf, wie nur Johnny Depp Johnny Depp sein kann, ergänzt durch eine Helena Bonham Carter, die so sehr Helena Bonham Carter ist, dass sie selbst beim Anblick dieses Films vor Neid erblassen würde. Apropos Blässe: Diese haben alsbald die Kundschaft des rachsüchtigen Barbiers, allerdings handelt es sich dabei weniger um die noble Blässe der Aristokratie, sondern schlicht und ergreifend um Blutarmut. Im Kern ist „Sweeney Todd“ eine Liebes-Rache-Geschichte im viktorianischen Setting. Aber Tim Burton wäre nicht Tim Burton, zelebrierte er nicht die Grauslichkeiten mit einer Hingabe, die jede gute Halloween-Party in ein Tollhaus verwandeln würde. Dass in dem Film viel gesungen wird, daran muss man sich halt gewöhnen. Aber auch darin unterscheidet sich „Sweeney Todd“ kaum von den besagten Halloween-Feiern. Wer’s mag, wird hier exzellent bedient.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Ratatouille (2007)

Regie: Brad Bird und Jan Pinkava
Original-Titel: Ratatouille
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Animation
IMDB-Link: Ratatouille


Was wäre die Welt ohne Pixar-Filme? Ganz ehrlich – die meisten Produktionen des kreativsten Animationsfilmstudios sind Meisterwerke, die auch außerhalb ihres Genres Maßstäbe gesetzt haben. Doch gilt das auch für „Ratatouille“, ein Film über eine Ratte in Paris, deren sehnlichster Wunsch es ist, auf Haubenniveau zu kochen? Um es kurz zu machen: Ja! „Ratatouille“ ist für mich einer der besten Pixar-Filme überhaupt, und wenn man sich den Output des Studios ansieht, mit vielgeliebten Meisterwerken wie „Toy Story“, „Findet Nemo“, „WALL-E – Der Letzte räumt die Erde auf“, „Oben“, Coco, Alles steht Kopf und Die Unglaublichen, dann ist das schon eine Ansage. Unter all diesen Filmen kann sich „Ratatouille“ behaupten, und letztlich entscheiden Nuancen über die persönliche Reihung dieser Filme. Was ich an „Ratatouille“ neben der fantasievollen und detailreichen Animation selbst besonders faszinierend finde, ist der wundervolle Kontrast zwischen einem von vielen Menschen eher als unappetitlich wahrgenommenen Tier und dem Setting der Hochglanzküche – und beides passt hier auf einmal zusammen wie Wiener Schnitzel und Grüner Veltliner, wie Goldbrasse und Pinot Grigio, wie Steak vom Angus-Rind und ein kräftiger Malbec. „What grows together, goes together“ heißt es beim Foodpairing von Wein, und das gilt auch für diesen Film. Wo menschliche Nahrung ist, sind auch Ratten nicht weit. Warum also nicht mal diese Idee bis ins Letzte überhöhen? „Ratatouille“ macht das auf eine so unglaublich charmante Weise, dass selbst jene Zuseher, die im echten Leben Ekel vor den kleinen Nagetieren empfinden, zu überlegen anfangen könnten, sich eine Ratte als Haustier anzuschaffen. Und die abschließende Rezension des Gourmetkritikers Anton Ego fasst den ganzen Film und seine Prämisse noch einmal so wundervoll zusammen, dass dabei selbst nach der wiederholten Sichtung die Augen auch eines hart gesottenen Filmkritikers (ohne jetzt Namen nennen zu wollen, *hüstel*) feucht werden.


9,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by tzohr – © Disney Enterprises, Inc. and Pixar Animation Studios. Quelle http://www.imdb.com)

Planet Terror (2007)

Regie: Robert Rodriguez
Original-Titel: Grindhouse: Planet Terror
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Horror, Satire, Action
IMDB-Link: Grindhouse: Planet Terror


Wenn sich zwei hochbegabte Freunde zusammentun, um gemeinsam ein Werk zu erschaffen, kann das Resultat richtig episch werden. Im Fall von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez kamen dabei zwei Filme im Stil der alten Grindhouse-Double Features heraus, also zwei Filme im Stile von 70er-Jahre-Trashfilmen, die in billigen Absteige-Kinos im Doppelpack gezeigt wurden. Robert Rodriguez hat das Konzept für sein „Planet Terror“ mal gleich bis ins kleinste Detail übernommen – sein Film wirkt tatsächlich so, als hätte man in irgendeiner staubigen Garage noch ein paar alte Filmrollen gefunden und die mehr schlecht als recht zusammengestückelt. Allein dieses Konzept macht den Film schon sehenswert. Dazu kommt ein gut aufgelegter Cast (u.a. Josh Brolin, Rose McGowan, Michael Biehn, Marley Shelton, Bruce Willis, Michael Parks, Freddy Rodriguez und Quentin Tarantino himself), die mit sichtlich Freude Blut, Eiter und sonstige Körperflüssigkeiten verlieren oder dafür sorgen, dass ihre Gegenüber diese Flüssigkeiten verlieren. „Planet Terror“ ist ein grindiger Film auf allen Ebenen, aber gerade dadurch, dass er so komplett over the top ist, eine sehr spaßige Angelegenheit und gerade das Richtige für eine Filmparty mit Freunden, die allerdings allesamt über einen Saumagen verfügen sollten. Die Geschichte selbst? Zombies halt. Was wurscht ist, es hätten auch Marsianer sein können oder Werwölfe – Hauptsache, die Gedärme spritzen. Und damit ist meine Rezension gleichermaßen Empfehlung wie Warnung. Viel Spaß mit dem Ding!


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

REC (2007)

Regie: Jaume Balagueró und Paco Plaza
Original-Titel: REC
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Horror
IMDB-Link: REC


Was Spanier alles gut können: Rotwein machen. Siesta halten. Fußball spielen. Und Basketball. Kirchen bauen (auch wenn sie manchmal die geplante Bauzeit arg überschreiten.) Die Kunstwelt mit dadaistischen und kubistischen Werken verblüffen. Und meinen Puls auf die Flügelschlaggeschwindigkeit von Kolibris hochjagen. Das Konzept von „REC“ ist so watscheneinfach wie wirkungsvoll: Wir folgen einer karrieregeilen Moderatorenschnepfe und ihrem debilen Kameramann, wie sie für das Nachtfernsehen eine Reportage über eine Feuerwehreinheit in Barcelona drehen. Welch Glück für die beiden: Schon bald kommt ein Notruf rein, und die Einheit rückt aus, Schnepfe und Dumpfbacke im Gepäck. In einem Wohnhaus sollen laute Schreie aus der Wohnung einer alten Dame gekommen sein. Die Mitbewohner sind angesichts der nächtlichen Ruhestörung erst mal angepisst und versammeln sich im Stiegenhaus. In dieser Hinsicht ist der Film herrlich Wienerisch – ein halbes Dutzend genervter Leute steht zusammen und regt sich fürchterlich auf, aber niemand weiß was und niemand unternimmt was. Also müssen Feuerwehr und die ebenfalls eingetroffene Polizeieinheit die Wohnung aufbrechen und nachsehen, was da los ist. Und alle Beteiligten – inklusive mir als bekanntem Hosenschisser – wünschen sich bald, sie hätten das nicht getan. „REC“ reiht sich in die Tradition kostengünstig gedrehter „Homemade“-Horrorfilme a la Blair Witch Project oder „Paranormal Activity“ ein. Man braucht dabei nicht viel – eine wackelige Handkamera und eine gute Idee genügen. Diesem Prinzip folgt der Film von Jaume Balagueró und Paco Plaza bis in die letzte Konsequenz, was den Horror vor allem gegen Ende hin umso tiefer unter die Haut gehen lässt. Das Setting ist natürlich fies: Alles spielt sich in einem unscheinbaren Wohnhaus in unscheinbaren Wohnungen ab. Der Grusel ist also nur eine Tür weiter, da muss man gar nicht groß die Fantasie bemühen. Dennoch: Wenn man das Spiel erst mal durchschaut hat, kann man sich auch einigermaßen entspannt darauf einlassen, denn die Story an sich, die sich entfaltet, ist dann wieder recht klassischer Horror und damit recht vorhersehbar.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2007 Castelao Productions, Quelle http://www.imdb.com)

Abbitte (2007)

Regie: Joe Wright
Original-Titel: Atonement
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Historienfilm, Drama, Liebesfilm
IMDB-Link: Atonement


Ein falscher Satz, und ein ganzes Leben kann auf den Kopf gestellt werden. Diese Erfahrung machen Cecilia (Keira Knightley) und Robbie (James McAvoy). Cecilias Schwester Briony (eine blutjunge Saoirse Ronan, die gleich ihre erste von mittlerweile vier Oscar-Nominierungen einfahren konnte) vermeint Robbie in einer verfänglichen Situation erwischt zu haben und setzt damit Verkettung unglücklicher Umstände in Gang, die mit bedeutungsvoller Musik und langen Shots auf traurige Gesichter untermalt werden können. Grundsätzlich balanciert „Abbitte“ verfänglich nah am Kitsch entlang. Dass diese Grenze allerdings nie überschritten wird, liegt an den herausragenden inszenatorischen Fähigkeiten von Joe Wright sowie den glanzvollen Darstellerleistungen. Das Drehbuch nach dem Roman von Ian McEwan steuert konsequent auf das Titel gebende Thema zu und scheut sich auch nicht davor, den Zuseher vor unangenehme Situationen zu stellen. Gleichzeitig schwingt allerdings vor allem im ersten Teil des Films eine humorvolle Leichtigkeit mit, die den anschließenden Fall nur umso tiefer macht. Zwar nimmt Joe Wright dadurch einige Längen in Kauf, um eben diese Fallhöhe zu konstruieren, und man hätte die Geschichte durchaus ökonomischer erzählen können, aber das stört in diesem Fall kaum. Man muss sich einfach bewusst sein, dass „Abbitte“ kein Film ist, den man nach einem langen Arbeitstag mal nebenher konsumieren kann. Für „Abbitte“ braucht es am besten einen verregneten Sonntagnachmittag, an dem kein Ungemach durch spontan störenden Besuch droht – und der Film schreit gerade danach,  gemeinsam mit Schokolade und heißem Schwarztee genossen zu werden. Der Tee passt zum Setting, die Schokolade braucht man, um die Melancholie, in die einen der Film hüllt, wieder abschütteln zu können.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)