2008

Kung Fu Panda (2008)

Regie: Mark Osborne und John Stevenson
Original-Titel: Kung Fu Panda
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Animation, Komödie
IMDB-Link: Kung Fu Panda


Was braucht man für einen gelungenen Kung Fu-Abend? Also erst mal Kung Fu … äh … Kung Pao Shrimps vom Lieferservice des Vertrauens. Dazu einen Kung Fu Girl Riesling von Charles Smith. Und schließlich einen ordentlichen Kung Fu-Film, also „Kung Fu Panda“. Der sollte mittlerweile ja weitgehend bekannt sein, folgten auf dessen Erfolg ja bereits zwei Kinofilm-Fortsetzungen und eine Serie. Die Grundidee ist dabei watscheneinfach: Man kombiniere den Inbegriff eines dicken, flauschigen, knuffigen Tieres, nämlich einen Panda, mit wildem Martial Arts. Mehr braucht es dann auch nicht für einen gelungenen Film. Es reicht aus, dem süßen Panda Po dabei zuzusehen, wie er dank einer Verkettung unglücklicher Umstände plötzlich zum auserwählten Drachenkrieger des Kung Fu wird, dessen Erscheinen vor 1.000 Jahren prophezeit wurde – und der allein in der Lage sein soll, den bösen Tiger Tai Lung aufzuhalten. Dabei wollte der flauschige Kung Fu-Fanboy ja nur zusehen, wie seine Helden, die Furiosen Fünf, an der Zeremonie teilnehmen, in der der Drachenkrieger bestimmt werden soll. Das Entsetzen ist auf allen Seiten groß, als Meister Oogway den dicken, fetten Panda auserwählt. Vor allem Meister Shifu, der Ausbilder der Furiosen Fünf, kann es nicht glauben, dass er sich nun mit einem solchen Flauschtier abgeben soll. Der Rest des Films sind entzückende Animationen, viel kindlicher Humor, der aber auch für Erwachsene funktioniert, und gegen Ende hin einige spannende, im großen Finale dann unglaublich witzige Kampfszenen. Denn ein Panda ist nun mal ein Panda, daran gibt es nichts zu rütteln. „Kung Fu Panda“ ist ein Animationsfilm, den ich nach wie vor jederzeit gerne sehe – einfach ein sympathischer und humorvoller Film, der kurz und knackig erzählt wird und Jung wie Alt bestens unterhält.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: (c) 2008 DreamWorks Animation, Quelle imdb.com)

Elegy oder die Kunst zu lieben (2008)

Regie: Isabel Coixet
Original-Titel: Elegy
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Drama, Liebesfilm
IMDB-Link: Elegy


Alte Collegeprofessoren, die Affären mit jungen Studentinnen haben – willkommen in der Welt von Philip Roth. Kaum ein anderer Schriftsteller hat dieses Topos so kultiviert wie der ewige Beinahe-Nobelpreisträger. Spannend ist, dass sich mit Isabel Coixet eine Regisseurin um die Umsetzung einer seiner Romane bemüht hat. Und ihr ist mit „Elegy“ ein sehr feinfühliger, melancholischer Film gelungen, der Ben Kingsley – und in einer Nebenrolle Dennis Hopper – über das Altern, die Liebe und den Tod sinnieren lässt, uralte Themen, die schon vielfach filmisch umgesetzt wurden, aber dennoch immer wieder faszinieren, da sie an unseren ursprünglichsten Ängsten und Bedürfnissen rütteln. Und wenn man dann noch Penélope Cruz und ihre perfekt geformten Brüste zu Gesicht bekommt, kann eigentlich fast nichts mehr schief gehen. Vielleicht ist „Elegy“, diese Studie über den alternden Mann, der erst zu lieben lernen muss, ein wenig zu lang geraten. Vielleicht setzt der Film ein klein bisschen zu viel auf die Melodramatik sanft gespielter Klaviertöne als Hintergrundbegleitung. Vielleicht sind die Dialoge etwas zu geschliffen, um wahr zu sein. Allerdings wirkt „Elegy“ in seinen besten Momenten wie ein Traum, oder vielmehr wie der Zustand zwischen Schlaf und dem Aufwachen. Kennt ihr das, wenn ihr in jenen Momenten, die vielleicht nicht länger als ein paar Millisekunden lang andauern, plötzlich die ganze Welt begreift? Doch bevor ihr diese Erkenntnisse festhalten könnt, verblassen sie auch schon wieder und werden von der Realität des Erwachens beiseite gedrückt. So in etwa wirkt „Elegy“. Als Film hat das Werk seine unübersehbaren Schwächen, aber dennoch blieb ich gerne zwei Stunden lang in dieser leisen, melancholischen Welt voller Liebe und Tod.


6,5
von 10 Kürbissen

35 Rum (2008)

Regie: Claire Denis
Original-Titel: 35 Rhums
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Drama
IMDB-Link: 35 Rhums


Die ersten Minuten von Claire Denis‘ „35 Rum“ bescheren Fans der „Nachtschiene“ einen kollektiven Orgasmus. Denn wie auch in der Sendung des Wiener Fernsehsenders W24 blickt man einfach mal für eine Weile aus dem Führerstand eines Zugs hinaus, der durch das abendliche Paris rollt. Von da an läuft der Film wie auf Schienen. Und wie Schienen halt so sind: Es geht unspektakulär, gemütlich und ohne große Haken und Kapriolen voran. Allein deshalb schon ist diese erste Einstellung, die gleichzeitig den Hauptprotagonisten Lionel (Ales Descas mit unerschütterlichem Stoizismus) vorstellt, klug gewählt. Denn „35 Rum“ ist ein Film, der seine Geschichte im Kleinen erzählt. Viel passiert nicht, außer dass man eine Zeit lang eben jenem alternden Lokführer und Witwer dabei zusehen kann, wie er sich bemüht, zu akzeptieren, dass seine Tochter Joséphine (Mati Diop) erwachsen ist und anfängt, ihre eigenen Wege zu gehen. Eine filmische Reflexion über das Altern und über Familie, über die Vergangenheit, die manchmal schwer loszulassen ist, wie beispielsweise ein pensionierter Ex-Kollege Lionels am eigenen Leib spürt und auch Lionel selbst, der den Tod seiner Frau nicht wirklich überwunden hat, weshalb er auch die Avancen seiner Nachbarin zurückweist, über das zarte Knüpfen neuer Bande und eben auch das Weitermachen. Abschluss und Neubeginn und der Umgang damit sind die zentralen Themen des Films. Und was ich Claire Denis hoch anrechne ist, dass sie von diesen bedeutungsschweren Themen, die man sehr melodramatisch inszenieren könnte, fast beiläufig und nuanciert erzählt. Das führt zwar zu der einen oder anderen Länge beim Sichten, wirkt aber länger nach als eine tränenreiche, von Geigenmusik begleitete Klimax. Denn es ist schon so: Viele Veränderungen im Leben passieren schleichend, ohne großes Tamtam und auch unterhalb unserer Wahrnehmungsschwelle. Und irgendwann in einem ruhigen Moment blicken wir kurz zurück und stellen verwundert und mit dem Anflug eines Lächeln fest, dass sich etwas geändert hat.


7,0
von 10 Kürbissen

Wendy and Lucy (2008)

Regie: Kelly Reichardt
Original-Titel: Wendy and Lucy
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Drama
IMDB-Link: Wendy and Lucy


Wendy möchte nach Alaska, um dort nach Arbeit zu suchen. Sie hat nicht viel dabei – ein altes Auto, knapp über 500 Dollar und ihren geliebten Hund Lucy. Sie schläft im Auto oder bei jungen Obdachlosen neben den Bahngleisen. Und von Oregon ist der Weg noch weit. Als sich ihr Auto nicht mehr starten lässt und auch noch das Hundefutter ausgeht, trifft sie eine folgenschwere Entscheidung – nämlich ein paar Dosen Hundefutter unbezahlt aus dem örtlichen Supermarkt mitgehen zu lassen, was nicht unentdeckt bleibt. Von da an nimmt eine Kette unglücklicher Ereignisse ihren Lauf, deren primäres Unglück das Verschwinden von Lucy ist. Nur ein alter Wachmann hilft der jungen Frau, die ohne Auto, ohne Telefon, ohne Hund, nahezu pleite und obdachlos in diesem kleinen Kaff gestrandet ist. Aber auch er kann nicht zaubern, und das bisschen Mitgefühl, was er mitbringt, ist eigentlich das, was man als Mindestmaß unter Mitmenschen erwarten darf. Doch so funktioniert die Welt nun einmal nicht. „Wendy und Lucy“ ist ein – ganz im Stile Kelly Reichardts – ein sehr langsam und schonungslos erzähltes Sozialdrama, das allerdings ihre Hauptfigur nicht ausweidet. Die Kamera hält einfach drauf und folgt Wendy, ohne dazu einen Kommentar abgeben zu wollen. Dieser bleibt den Zusehern vorbehalten. Warum kam Wendy in diese prekäre Lage? Was ist mir ihrer Familie? (Aus einem kurzen Telefonat geht hervor, dass es zumindest eine Schwester gibt, die auf Wendy aber nicht gut zu sprechen ist bzw. von ihr genervt zu sein scheint.) Die Hintergründe bleiben im Verborgenen. Kelly Reichardt erklärt nichts – sie zeigt nur eine junge Frau, die an den Minimalanforderungen der Zivilisation scheitert. Und das ist schon Aussage genug. Dennoch: Ein bisschen mehr über die Hintergründe zu wissen, wäre vermutlich hilfreich gewesen, noch mehr in den Film und in Wendys Situation hineinzukippen. Aber das ist eben nicht Kelly Reichardts Stil, die sich selbst – so empfinde ich es – als Beobachterin und nicht als Erzählerin sieht.


7,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Stadtkino Filmverleih)

Mamma Mia! (2008)

Regie: Phyllida Lloyd
Original-Titel: Mamma Mia!
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Musical, Komödie
IMDB-Link: Mamma Mia!


„Mamma Mia!“ ist: Ein totaler ABBA-Overload. Eine eineinhalbstündige Griechenland-Werbung. Eine hauchdünne Story. Amanda Seyfrieds Lächeln. Ein erbarmungswürdiger, aber bemüht singender Pierce Brosnan. Ein Colin Firth, der direkt vom Bridget Jones-Set nach Griechenland gekommen ist. Ein Stellan Skarsgaard gegen den Strich besetzt, was ihm zeitweise wohl auch gegen den Strich geht. Eine der wenigen Rollen, für die Meryl Streep keine Oscar-Nominierung erhalten hat. Amanda Seyfrieds strahlendes Lächeln. Die Demonstration dessen, was die Menschheit mal machen wird, wenn jemand endlich das Beamen erfunden hat – nämlich plötzlich hunderte tanzende Menschen auf einem bis dato menschenleeren Strand auftauchen lassen. Ein wirklich eindrucksvolles blaues Meer. Sex on the Beach (auch wenn darüber nur geredet wird). Singen. Tanzen. Lachen. Ein Feelgood-Movie also, in dem Probleme einfach weggesungen werden. Amanda Seyfrieds unbeschreibliches Lächeln, in das man sich sofort verliebt. Die Erfindung des Flossenmarschiertanzes (allein dafür muss der Film ins National Film Registry zur Bewahrung für Nachwelten aufgenommen werden). Dancing Queens. Malerische Kapellen auf Klippen. Verwirrte Pfarrer. Griechische Fischer. Ein Mitgrund für die Verschuldung Griechenlands, denn diese Werbeeinschaltung hat richtig Geld gekostet. Und erwähnte ich schon Amanda Seyfried, die man vom Fleck weg heiraten möchte? Singen kann sie auch noch wie keine zweite und rettet damit sogar selbst einen Pierce Brosnan aus manch aussichtsloser Lage. In Summe: Wer ABBA-Songs mag und einfach mal eineinhalb Stunden schöne Bilder und nette Songs genießen möchte, macht mit „Mamma Mia!“ nichts falsch. Manchmal habe ich auch solche Tage – und so funktioniert für mich der Film richtig gut.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 45 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,0
von 10 Kürbissen

Disaster Movie (2008)

Regie: Jason Friedberg und Aaron Seltzer
Original-Titel: Disaster Movie
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: „Komödie“, „Satire“
IMDB-Link: Disaster Movie


Ich darf an dieser Stelle auf meine Bewertungsskala verweisen. 0,5 Punkte vergebe ich für den „beschissensten, sexistischsten, rassistischsten, dümmsten Film, der jemals gedreht wurde. Jeder Einzelne, der daran beteiligt ist, sollte dafür lebenslanges Berufsverbot bekommen.“ Herzlichen Glückwunsch, Mr. Friedberg, Mr. Seltzer, Sie haben mit „Disaster Movie“ die  Benchmark gelegt. Kurz war ich in Versuchung, diesem Film sogar glatte 0 Punkte zu geben und damit gegen meine Bewertungsprinzipien zu verstoßen, aber ich konnte es mir gerade noch so verkneifen. An sich finde ich ja durchaus einen Zugang zu Filmparodien. Filme wie „Hot Shots“, „Hot Shots – der zweite Versuch“ oder „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“, die diverse Genres und Filmklassiker aufs Korn nehmen, haben mich als Kind schon extrem amüsiert und tun es heute auch noch. Umso schlimmer ist für mich das „Disaster Movie“ (welch passender Name übrigens). Wenn man wirklich jede Szene aus derben Zoten, sexuellen Anspielungen auf vorpubertärem Teenager-Niveau und Fäkalien aufbaut und das Ganze auch noch dermaßen stupide wiederholt, bis selbst der letzte Anflug eines Gags totgetreten ist, hat das für mich nichts mehr mit einer Parodie zu tun. Wie kann es sein, dass das gesamte Team, das an diesem Film beteiligt war, nicht nur dermaßen humorbefreit ist, sondern über so viel geballten schlechten und den IQ und die Empathie einer Stubenfliege beleidigenden Geschmack verfügt, dass niemand am zweiten, spätestens dritten Drehtag dazwischengegangen ist und die Leute nach Hause geschickt hat? Und was zum Geier hatten die beiden Regisseure und Drehbuchautoren Aaron Seltzer und Jason Friedberg gegen den ganzen Cast in der Hand?

Platz 5 der 100 schlechtesten Filme auf IMDB ist so etwas von verdient! Ich kann nur eindringlich warnen vor diesem Film – er tötet gnadenlos Gehirnzellen und man gibt beim Ansehen ein bisschen was von seiner Menschenwürde ab, als würde man seine Seele an den Satan des Kinos verkaufen.

Und damit steht die Benchmark. Wer dieses Niveau noch unterbieten kann, gehört an die Wand gestellt.


0,5
von 10 Kürbissen