2010

Morning Glory (2010)

Regie: Roger Michell
Original-Titel: Morning Glory
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Komödie, Rom-Com
IMDB-Link: Morning Glory


Zugegeben, manchmal braucht es nicht viel für einen unterhaltsamen Filmabend. Da reichen bereits ein mürrischer Harrison Ford als unterforderter News-Journalist, der aufgrund einer Lücke in seinem Vertrag plötzlich Co-Moderator einer Morning Show werden muss, eine gut aufgelegte Diane Keaton und eine mit Verve spielende Rachel McAdams, die sichtlich Spaß daran hat, die beiden Kapazunder der cineastischen Unterhaltung herumzukommandieren. Denn McAdams spielt die junge, talentierte Producerin Becky Fuller, die die schwierige Aufgabe übernimmt, die vor sich her dümpelnde Morning Show „Daybreak“ vor dem Ende zu bewahren. Auftritt Harrison Ford als grantelnder Journalist Mike Pomeroy, der auch schon bessere Zeiten erlebt hat. Und natürlich kommt es, wie es kommen muss – man kennt ja diese Art von Komödie: Nach anfänglichen Schwierigkeiten findet das unwahrscheinliche Gespann dann doch irgendwann mal auf den richtigen Pfad. Originell ist das nicht. Aber mit so viel Tempo, Witz und guter Laune erzählt, dass die Zeit definitiv nie vergeudet scheint. Und wenn dann der biedere Wetterfrosch im Neukonzept der Jung-Producerin plötzlich dazu missbraucht wird, wilde Achterbahnfahrten und Kunstflüge mitzumachen, gelingen Roger Michell mitunter die lustigsten Szenen, die ich seit langem gesehen habe. Zwischendurch schlapft auch noch Jeff Goldblum als Chef des Fernsehsenders sehr jeffgoldblumig durch die Szenerie, und Patrick Wilson darf den (vergessenswerten) Love Interest mimen, aber das gerät dann fast schon zur Nebensächlichkeit. Der Film lebt davon, wie Rachel McAdams auf sehr entzückende Weise ihren Co-Cast aufmischt und Leben in die angestaubte Bude bringt. Und das ist wirklich sehr unterhaltsam.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

I’m Still Here (2010)

Regie: Casey Affleck
Original-Titel: I’m Still Here
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Komödie, Musikfilm, Drama
IMDB-Link: I’m Still Here


Künstler sind sensible Seelen, und sie haben es schwer. Oft missverstanden und reduziert auf ihr Werk, das sie möglichst wiederholen sollen, aber bitte sich selbst dabei schon treu bleiben, sonst droht das Etikett „Ausverkauf!“. Joaquin Phoenix, in diesem Jahr Oscar-geadelt für seine unglaubliche Leistung in Joker, scheint ein solches Pflänzchen zu sein. Die Schauspielerei füllt ihn nicht mehr aus, außerdem sehen die Menschen ja immer nur die Rolle, nie denjenigen, der dahintersteckt. Was gäbe es also naheliegenderes, als den Brotberuf an den Nagel zu hängen und sich stattdessen als Musiker auszudrücken? Die Musik ist schließlich das Tor zur Seele. Dass sich Phoenix nun ausgerechnet das Genre des Hip-Hop ausgesucht hat, in dem er nicht übermäßig viel Talent zeigt, nun, das ist schließlich seine eigene Sache. Also bastelt er mit seinen engsten Vertrauten an seiner Karriere als Rapper, während die Welt darüber am Rätseln ist, ob nicht die eine oder andere illegale Substanz, die er sich auf dem Weg dahin hineinpfeift, nicht zu viel des Guten war. Aber halt! Vielleicht ist das alles nur ein Hoax? Vielleicht machen sich Phoenix und sein Schwager und Partner in Crime Casey Affleck nur einen Riesenspaß aus der Sache? „I’m Still Here“, die Mockumentary zu diesem schrägen Karriereknick, lässt sich nicht in die Karten schauen. Mit größter Ernsthaftigkeit verfolgt Affleck Phoenix‘ Weg durch die Abgründe von Midlife-Crisis, Drogenexzessen mit Prostituierten und Begegnungen mit schier fassungslosen Größen des Genres wie P. Diddy. Angeblich wollten Joaquin Phoenix und Casey Affleck damit ein Statement setzen zur Leichtgläubigkeit der Menschen. Vielleicht hatte Phoenix aber auch wirklich nur Lust, sich ein Jahr verbotenes Zeug reinzuziehen und auf Körperhygiene zu pfeifen. Das kann ja auch befreiend wirken. Der Zuseher erfährt es nicht und wird es wohl auch nie zur Gänze erfahren, auch wenn das Ergebnis dieses seltsamen Jahres, eben der Film, in eine bestimmte Richtung deutet. Aber was weiß man schon? Viel Substanz bietet das filmische Ergebnis dieser Reise jedenfalls nicht, bestenfalls einige genuine WTF-Momente und sehr viel Fremdschämen – sowie das ständige Rätseln darüber, wie das alles nun gemeint ist. Das kann durchaus abendfüllend sein, aber man muss sich diesem Rätsel nicht wiederholt hingeben – so viel steckt dann eben auch nicht dahinter.


5,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt (2010)

Regie: Edgar Wright
Original-Titel: Scott Pilgrim vs. the World
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Komödie, Musikfilm, Liebesfilm, Fantasy
IMDB-Link: Scott Pilgrim vs. the World


Scott Pilgrim (Michael Cera) ist ein verhuschter, 22jähriger Nerd, arbeitslos, Bassist in einer Band, er datet ein High School-Girl und trauert seiner Ex nach. Dann trifft er auf die geheimnisvolle Ramona (Mary Elizabeth Winstead). Alles könnte gut sein, wäre da nicht die Liga der bösen Ex-Freunde, die Scott nach und nach besiegen muss. Anders als bei vielen Comic-Verfilmungen wirkt der Film selbst wie ein Comic. Da gibt es keine Übersetzung von einem Medium zum Anderen, keine Reduktion des übertriebenen Comic-Stils, da dieser in 90 Minuten Bewegtbildern vielleicht auf die Nerven gehen könnte – nein, Edgar Wright entscheidet sich für einen ganz anderen Ansatz: Der Film IST ein Comic. Wenn das Telefon läutet, steht fett „Rrrrring!“ auf dem Bildschirm, wenn Scott Wasser lässt, leert sich der Pinkel-Balken rechts oben, Schlägereien werden sowohl akustisch als auch schriftlich entsprechend begleitet, und alles ist bunt und knallig. Auf einen solchen Film sind, denke ich, exakt zwei Reaktionen möglich: Entweder man ist davon genervt. Oder man feiert jede einzelne Szene. Ich gehöre glücklicherweise zu der zweiten Gruppe. Für mich gehört „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ zu den aberwitzigsten, liebevoll kreativsten und eigenständigsten Filmen, die jemals gemacht wurden. Ganz gleich, wie mies meine Laune ist – ich muss nur den Film einlegen und eineinhalb Stunden später bin ich der fröhlichste Mensch der Welt. Insgesamt wurde der Film sicherlich unter Wert geschlagen, als er 2010 erschien. Und vielleicht mag er heute, zehn Jahre später, auch in dieser Hinsicht schon wieder überholt sein, da die Geeks von heute andere Dinge feiern als die Geeks, für die der Film vor zehn Jahren gedreht wurde. Aber für mich bleibt „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ein zeitloser Klassiker, der verliebten Nerds auf der ganzen Welt ein Denkmal setzt.


9,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Somewhere (2010)

Regie: Sofia Coppola
Original-Titel: Somewhere
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Drama
IMDB-Link: Somewhere


Filmstars haben es schwer. Sie ersticken in Geld, müssen protzige Autos fahren, über mehrere Wochen in Luxushotels wohnen, sich mit willigen One-Night-Stands abgeben, Poledancern bei ihrer Arbeit zusehen und die Zeit mit Videospielen und Drogen totschlagen. Filmstars haben es schwer. Denn wenn man alles hat und jeder einem zu Füßen liegt und es keine Herausforderungen und kaum echte zwischenmenschliche Beziehungen gibt, geht die Seele kaputt. Stephen Dorff spielt in Sofia Coppolas „Somewhere“ den Hollywood-Star Johnny Marco, der nichts mit sich selbst und seiner Zeit anzufassen weiß. Bedeutung erhält sein Dasein erst, als er sich um seine zwölfjährige Tochter Cleo (Elle Fanning) kümmern muss. Und davon erzählt Coppola unsentimental, aber mit einem genauen Blick, der auch Subtilitäten einfängt und einfließen lässt. Es passiert nicht viel in „Somewhere“, und der hedonistische Schauspieler hat auch keine groß angelegte Epiphanie. Aber etwas ändert sich. Langsam. Beständig. Ein Mensch findet ins Leben zurück. Einfach, weil es da einen Menschen gibt, der ihn mag und der Zeit mit ihm verbringen möchte. Viel mehr braucht es oft nicht. Und viel mehr braucht es auch nicht für einen gelungenen Film. „Somewhere“ hat vielleicht nicht die Dringlichkeit und Prägnanz von Coppolas Meisterwerk „Lost in Translation“, ist aber thematisch nicht weit weg davon. Beide Filme loten die Annäherung zweier Menschen aus. Hier sind es Vater und Tochter. Und das ist überzeugend geschrieben und gespielt.


6,5
von 10 Kürbissen

Kick-Ass (2010)

Regie: Matthew Vaughn
Original-Titel: Kick-Ass
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Action, Komödie
IMDB-Link: Kick-Ass


Es gibt Filme, die einfach immer Spaß machen – ganz gleich, wie oft man sie bereits gesehen hat. „Kick-Ass“ gehört definitiv in diese Kategorie. Rotzfrech, saukomisch und dabei von einer grafischen Brutalität, die man in manchen „ausgewachsenen“ Actionfilmen nicht sieht, unterhält mich der Film über seine ganze Spieldauer von fast zwei Stunden jedes Mal großartig. Erzählt wird die Geschichte des Teenagers Dave, gespielt von Aaron Taylor-Johnson, dessen sympathisch verpeilte Figur des Möchtegern-Superhelden nicht weiter entfernt sein könnte vom Bösewicht in Nocturnal Animals einige Jahre später. Dave kann eigentlich nichts, ist sogar für einen Loser zu durchschnittlich. Dennoch zieht er sich ein Kostüm an, um fortan als Kick-Ass die Nachbarschaft zu beschützen. Und stolpert in eine Geschichte hinein, die viel zu groß für ihn ist. So hat er bald Mafiaboss Frank D’Amico (Mark Strong) auf seinen Fersen. Aber gut, dass Big Daddy (Nicolas Cage) und Hit-Girl (Chloë Grace Moretz) zur Stelle sind, denn im Gegensatz zu Dave wissen die beiden, wie man Ärsche versohlt. Die komische Brillanz des Films liegt im Nebeneinander der unschuldigen Teenager-Coming of Age-Geschichte und der Brutalität eines Killer-Actionfilms. Da wird schon mal im Hintergrund ein vermeintlicher Verräter gefoltert und anschließend erschossen, während der fürsorgliche Mafia-Vater, der diesen Befehl gegeben hat, sich nach getaner Arbeit mit seinem Sohn im Auto darüber unterhält, ob er Popcorn zum gleich beginnenden Kinofilm haben möchte oder nicht. Zugegeben, das muss man mögen. Für empfindliche Mägen sind manche Szenen in „Kick-Ass“ vielleicht tatsächlich zu starker Tobak. Da wird geschnetzelt und geschossen, was die Blutkonserven hergeben. Gleichzeitig macht das allerdings unglaublich viel Spaß. Es ist amoralisch, inkorrekt und böse. Aber es fetzt.


8,0
von 10 Kürbissen

Orly (2010)

Regie: Angela Schanelec
Original-Titel: Orly
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Episodenfilm
IMDB-Link: Orly


Was für ein Glück, dass Angela Schanelec ihren Episodenfilm nicht am Flughafen Charles de Gaulles gedreht hat, sondern am Flughafen Orly. Andernfalls wäre ich nämlich sehr voreingenommen in die Sichtung gegangen. Charles de Gaulles ist nämlich mein erklärter Erzfeind unter den Flughäfen. Ich mag ihn nicht, und er mag mich nicht. Weshalb er immer wieder meine Koffer verschludert oder mich auf der Suche nach dem richtigen Gate zu obskuren Sprints nötigt durch Gänge, die noch ein Passagier zuvor gesehen hat. Zu Orly hingegen habe ich keine Meinung, Orly ist neutrale Zone. Und damit wären wir dann auch gewissermaßen schon beim Thema von Schanelecs Film. Denn der besteht fast ausschließlich darin, dass die Kamera (oft via Teleobjektiv) auf einzelne Passagiere drauf hält, die auf ihren Flug warten. Und dabei entwickeln sich langsam unaufgeregte Geschichten – von einem Musikproduzenten, der zurück nach Paris ziehen möchte, um seinem Sohn näher zu sein, von einer Französin, die zu ihrem Mann nach Montréal gezogen ist und dort nicht wirklich glücklich ist, von einem Jungen mit seiner Mutter und ihren überraschenden gegenseitigen Bekenntnissen, von einem deutschen Paar, bei dem er auf den flüchtigen Blick, den die Kamera zulässt, gelangweilt wirkt von der Beziehung. Nichts davon ist spektakulär oder auch per se besonders interessant. Aber in Summe schält sich da ein Muster heraus, ein verbindendes Element: Ein Flughafen ist verbunden mit Aufbrüchen und Ankünften, mit den kleinen und größeren Wendepunkten im Leben. Angela Schanelec macht diese hier sichtbar. Man muss wohl in der richtigen Stimmung sein für diesen langsamen Film mit seinen alltäglichen Geschichten, und man sollte auch nicht müde sein, denn ein Reißer ist der Film definitiv nicht, aber wenn man es schafft, sich darauf einzulassen, wirkt er doch überraschend nach.


6,0
von 10 Kürbissen

Die Fremde (2010)

Regie: Feo Aladag
Original-Titel: Die Fremde
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Drama
IMDB-Link: Die Fremde


Die liebe Familie. Während in unserer Gesellschaft Familie zwar wichtig, aber in der Regel nicht das eigene Leben völlig bestimmend ist, richtet sich in anderen Kulturkreisen noch immer alles am Wunsch und den Zielen der Familie aus. So auch in der türkischen Kultur, wie Feo Aladag in ihrem bedrückenden Drama „Die Fremde“ zeigt. Sibel Kekilli spielt darin die junge Deutsch-Türkin Umay, die mit ihrem Sohn ihren gewalttätigen Mann in der Türkei verlässt und wieder zu ihren Eltern nach Deutschland zieht. Damit beschwört sie eine Familienkrise herauf, die sich gewaschen hat. Denn innerhalb der türkischen Community hat durch Umays Handeln die Familie nun ihr Gesicht verloren und Schande auf sich gebracht. Darunter leidet Umays jüngere Schwester, deren Verlobung zu platzen droht, darunter leiden Umays Brüder, die sich nun in Lokalen blöd anpöbeln lassen müssen, darunter leidet der Vater, der so sehr auf die Familienehre bedacht ist. Und natürlich leidet vor allem Umay darunter, die zerrissen ist zwischen dem Wunsch, es ihrer Familie recht zu machen, und ihrer Angst davor, ihren Sohn an den ungeliebten Ehemann zu verlieren. Also wird sie mehr und mehr zur Außenseiterin, bis die Situation auf drastische Weise eskaliert. Nein, „Die Fremde“ ist definitiv kein Wohlfühlkino, sondern schwere Kost und auch sehr bedrückend. Sibel Kekilli macht einen ausgezeichneten Job, und als Zuseher leidet man mit ihrer Umay, die eine ganze Bandbreite von Emotionen durchläuft. Völlig zurecht wurde Kekilli für ihre Darstellung mit einigen renommierten Preisen überhäuft wie beim Deutschen Filmpreis oder dem Tribeca Film Festival. Allerdings hat der Film auch seine Schwächen – nämlich eine teils sehr zähe Dramaturgie und einige Längen. Auch wünschte man sich, dass einige der interessanten Nebenfiguren wie beispielsweise der potentielle Love Interest eine stärkere Profilierung bekommen hätten. Diese Figuren bleiben blass und nichtssagend – im Gegensatz zu Umay, der Hauptfigur, und ihrem Vater (überzeugend gespielt von Settar Tanrıöğen). Die beiden tragen mit ihrem Konflikt den Film, der dann doch wiederum über die ganze Laufzeit interessant bleibt. Und das Ende hallt ohnehin lange nach.

 


6,5
von 10 Kürbissen

Third Star (2010)

Regie: Hattie Dalton
Original-Titel: Third Star
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Drama
IMDB-Link: Third Star


Sherlock stirbt. Also nimmt er Dr. Watson und zwei weitere Freunde mit auf einen Spaziergang durch die Wildnis Englands, um in seiner Lieblingsbucht noch einmal schwimmen zu gehen. Kombiniere, kombiniere: Auf dem langen Hatscher durchs Grün bleibt genug Zeit, um herumzualbern und markige Sprüche loszulassen, um im nächsten Augenblick boshafte Wahrheiten auszuteilen, gemäß dem Motto „wann, wenn nicht jetzt“.  So gesehen ist „Third Star“ der britischen Regisseurin Hattie Dalton ein recht routiniertes Befindlichkeitskino über Freundschaften und unbequeme Wahrheiten, die im Angesicht des Todes ausgesprochen werden. Dass die überraschungsfreie Geschichte dennoch nett anzusehen ist, liegt am gut aufgelegten Darsteller-Quartett (allen voran Benedict Cumberbatch als krebskranker James) und der dabei entstehenden guten Chemie zwischen den Burschen. Auch wird die tragische Geschichte immer wieder mit Prisen von Humor gewürzt, der allerdings nie platt wirkt. Einzig die Machosprüche der Protagonisten, die dahinter ihre eigenen Unsicherheiten verbergen, sind vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas zu plakativ eingesetzt. Allerdings ist „Third Star“ auch nicht die ganz große Indie-Perle, als die er sich gerne positionieren möchte, denn, wie gesagt, die Story selbst gibt im Grunde nicht viel her außer einem langen Spaziergang von Freunden durch die Pampa und einem vorhersehbaren Ende. Eine große philosophische Abhandlung über das Leben kann man da nicht unbedingt herausziehen. Aber die Geschichte ist sensibel und gefühlvoll erzählt und bemüht sich zumindest, nicht allzu sehr auf die Tränendrüse zu drücken. Das hätte angesichts des Themas auch ganz anders sein können.

PS: Ich will einen Film sehen, in dem JJ Feild und Tom Hiddleston Brüder spielen.


6,0
von 10 Kürbissen

Tag und Nacht (2010)

Regie: Sabine Derflinger
Original-Titel: Tag und Nacht
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Drama, Erotik
IMDB-Link: Tag und Nacht


Zwei jungen, privilegierten Kunststudentinnen (Anna Rot und Magdalena Kronschläger) ist fad im Schädel. Für den Extrakick und die nette Kohle, die damit einhergeht, beschließen sie, gemeinsam im ältesten Gewerbe der Welt tätig zu werden und für eine Escort-Agentur zu arbeiten. Dort haben sie viele seltsame Begegnungen, und allmählich verschieben sich die Prioritäten, denn natürlich macht das etwas, wenn man mit Geld zugeschüttet wird für Sex. So leiden beispielsweise zwischenmenschliche Beziehungen wie jene zu Claus (Manuel Rubey, der dank eines Paktes mit dem Teufel in 80% aller österreichischen Filmproduktionen mitspielt), und der Fokus auf das Studium leidet durchaus. Und natürlich gehen auch die Dates nicht spurlos an den beiden Königinnen der Nacht vorbei. Da Sabine Derflinger, für Buch und Regie verantwortlich, sämtliche Freier als perverse Vollidioten darstellt, gibt es auch dort reichlich Konfliktpotential – mal mit besserem, mal mit schlechterem Ausgang für die Escortgirls. Am Ende kommt es natürlich zum großen Knall. Bis dahin ist „Tag und Nacht“ ein unentschlossenes Werk. Wie gesagt, die Freier haben allesamt einen gewaltigen Klopfer, aber davon abgesehen ist der Film durchaus auf Hochglanz poliert und weiß nicht so recht, wie er sich positionieren will. Die Mädchen machen alles freiwillig, sogar ihr Chef (der gerade bei den Salzburger Festspielen gefeierte Philipp Hochmair) ist verhältnismäßig nett, Schattenseiten werden kaum thematisiert – aber andererseits ist durch das Bild, das von den Kunden gezeichnet wird, und das durchaus mitreißende und verstörende Ende auch wiederum der erhobene Zeigefinger zu sehen. Damit reiht sich der Film ein in die Riege jener moralischen Werke, die ein bisschen auf verrucht tun möchten und sich dem Thema der Prostitution annehmen, ohne aber wirklich Überraschendes dazu sagen zu können. Aber das – abgesehen vom Männerbild, das hier gezeigt wird – immerhin subtiler als so manch anderer Film.


5,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Stadtkino Filmverleih)

In einer besseren Welt (2010)

Regie: Susanne Bier
Original-Titel: Hævnen
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Drama
IMDB-Link: Hævnen


Bei der Oscarverleihung 2011 konnte sich der dänische Film „In einer besseren Welt“ von Susanne Bier gegen namhafte Konkurrenz durchsetzen wie zB Alejandro González Iñárritus „Biutiful“ oder Giorgios Lanthimos‘ Meisterwerk „Dogtooth“ und gewann den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Dementsprechend hoch war die Erwartungshaltung, als ich die DVD in den Player schob. Und dementsprechend tief war dann auch der Fall derselben. Denn Susanne Biers Film erzählt zwar eine durchaus interessante und packende Geschichte, der Subtext ist klar (eine Abhandlung über Gewalt und Verantwortung), aber die Dialoge sind zu einem unerquicklichen Maße platt und voller Stehsätze und die Figuren klischeehaft – und das liegt mit Sicherheit nicht allein an der deutschen Synchronisation. Von der Kritik wurde der Film fast einhellig gelobt, und ja, ich hätte ihn wirklich auch gern gemocht. Die Geschichte zweier Außenseiter-Jungs, die sich miteinander anfreunden, und ihre eigenen, persönlichen inneren Konflikte mit fatalen Folgen nach außen tragen, sowie des Vaters von einem der Burschen, der hin- und hergerissen ist zwischen seinem Leben als Arzt in der afrikanischen Steppe und dem bröckelnden Familienleben in Dänemark, würde durchaus viel hergeben. Aber gerade die hochgelobte Inszenierung stellte mich wirklich vor Probleme. Zu aufgesetzt, zu platt, zu durchsichtig erschien mir das alles. Das mag nun Jammern auf hohem Niveau sein, und Viele von euch, die sich selbst ein Bild von dem Film machen, werden das mit Sicherheit anders sehen, aber mir hat’s das Vergnügen der Sichtung leider etwas verhagelt durch eindimensionale Figuren wie den Automechaniker Lars, der nur zuschlagen kann, und eben sehr klischeehaft vorgetragenen Dialogzeilen. Einzig die Figur des Anton (Mikael Persbrandt) bringt etwas mehr Vielschichtigkeit in das Drama. Das allein reicht mir allerdings nicht aus für eine bessere Bewertung.


5,5
von 10 Kürbissen