2012

Ralph reichts (2012)

Regie: Rich Moore
Original-Titel: Wreck-It Ralph
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Animation
IMDB-Link: Wreck-It Ralph


Die EAV sangen: „Einmal möchte ich ein Böser sein, eine miese Sau.“ Bei Ralph aus dem Arcadespiel Fix-It Felix Jr. ist das Gegenteil der Fall. Jeden Tag muss er als Wreck-It Ralph im Spiel ein Gebäude zerstören, das der Streber Fix-It Felix wieder aufbaut. Natürlich ist Felix der Held, der am Ende des Tages, wenn die Lichter in der Spielhalle erloschen sind und alle Figuren Feierabend machen, gefeiert wird. Dabei ist Ralph kein so übler Zeitgenosse. Nur sieht das keiner. Also beschließt er, auszubüxen und sich seine eigene Heldenmedaille zu holen, sodass alle das Gute in ihm sehen. Doch wie spielt sich ein Computerspiel, in dem der Bösewicht plötzlich abhanden gekommen ist? Und was passiert mit den Figuren, wenn man ein nicht mehr funktionierendes Arcade-Game vom Strom nimmt? „Ralph reichts“ hat eine wirklich großartige Ausgangsidee und nutzt diese zum größten Teil für einen warmherzigen, pfiffigen und sehr unterhaltsamen Film aus. Zwar erreicht die Disney-Produktion „Ralph reichts“ nicht die emotionale Tiefe der besten Pixar-Filme, und im Mittelteil gibt es ein paar kleinere Leerläufe (die aber schnell überwunden werden), doch macht er vieles richtig. Gamer kommen angesichts vieler Anspielungen und Cameo-Auftritte ohnehin voll auf ihre Kosten, doch auch der Rest der Welt, ob groß oder klein, wird sich angesichts des turbulenten und kunterbunten Spektakels wohl gut unterhalten fühlen.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Disney – © 2012 – Disney, Quelle http://www.imdb.com)

Der Hobbit: Eine unerwartete Reise (2012)

Regie: Peter Jackson
Original-Titel: The Hobbit: An Unexpected Journey
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Abenteuerfilm, Fantasy
IMDB-Link: The Hobbit: An Unexpected Journey


Ich weiß, die Fans der Hobbit-Trilogie halten sich im Gegensatz zu jenen der Herr der Ringe-Trilogie in Grenzen. Und natürlich war es ein problematisches Unterfangen, das im Umfang doch recht überschaubare Kinder- bzw. Jugendbuch von J.R.R. Tolkien auf die gleiche epische Filmlänge aufzublasen wie den Herrn der Ringe. Keine Frage, während die Ursprungstrilogie wie aus einem Guss wirkte, ist die auf drei Filme aufgeblasene Vorgeschichte doch deutlich inhomogener. Der erste Teil hingegen reicht fast an die Qualität der Herr der Ringe-Filme heran. Das liegt vor allem daran, dass sich Peter Jackson erneut genug Zeit nimmt, um die Charaktere einzuführen. Martin Freeman als Bilbo Beutlin ist eine geniale Casting-Entscheidung. Nicht nur, dass er Ian Holm, der erneut den alten Bilbo verkörpert, sehr ähnlich sieht, er bringt eine wunderbar verpeilte Hobbit-Schrulligkeit mit, die ihn sofort zum Sympathieträger macht. Ganz ehrlich, das ist eine der am besten gecasteten Rollen der letzten zehn Jahre. Auch Ian McKellen ist erneut als Gandalf mit dabei, dazu kommen die von Richard Armitage als Thorin angeführten Zwerge, die sich gemeinsam mit dem Hobbit ins Abenteuer stürzen, ihr einst von einem Drachen eingenommenes Heimatland wieder in Besitz zu nehmen. Dabei werden immer wieder Hinweise auf die späteren Ereignisse der Herr der Ringe-Trilogie eingestreut, wodurch der Hobbit nicht nur als eigenständige Geschichte funktioniert, sondern auf das große Ganze verweist und somit – wie auch von Tolkien beabsichtigt, den Prolog zum Herrn der Ringe darstellt. Höhepunkt ist der Teil, in dem Bilbo den Ring findet, der später für so viel Leid sorgen soll – der Rätselkampf zwischen ihm und Gollum ist ein Höhepunkt des gesamten Herr der Ringe-Universums. Allerdings finden sich auch (einige wenige) Leerläufe in diesem fast dreistündigen ersten Teil der Hobbit-Trilogie, sodass meine Bewertung nicht ganz an jene der Herr der Ringe-Filme heranreicht. Dennoch ein sehr gelungener Auftakt der Hobbit-Trilogie, dessen Niveau von den beiden folgenden Filmen leider nicht ganz gehalten werden kann.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by James Fisher – © 2012 Warner Bros. Entertainment Inc. and Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc., Quelle http://www.imdb.com)

James Bond 007: Skyfall (2012)

Regie: Sam Mendes
Original-Titel: Skyfall
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Action, Thriller
IMDB-Link: Skyfall


Da haben wir ihn nun: Den besten James Bond-Film, der jemals gedreht wurde. Meine völlig subjektive Meinung, und das voller Ehrfurcht vor Sir Sean Connery und den Klassikern wie „Liebesgrüße aus Moskau“ oder „Goldfinger“. Aber ganz ehrlich: „Skyfall“ ist ein perfekter Actionfilm mit einem Daniel Craig, der nun endgültig in seine epische Rolle als Geheimagent mit der Lizenz zu töten hineingefunden hat, und der sich einem großartigen Schurken entgegenstellen muss. Javier Bardem, der mit schlechtem Haarschnitt einfach unfassbar creepy wirkt (siehe „No Country for Old Men“ und nun auch wieder hier in „Skyfall“), spielt sich die Seele aus dem Leib und lässt einen damit sogar Mads Mikkelsen vergessen. Und Spoiler vorab: Selbst Christoph Waltz, der ja schon mehrfach bewiesen hat, wie gut ihm Oberschurken gelingen, sieht im nachfolgenden „Spectre“ blass gegen Bardem aus. Der Rest des Films ist exzellent inszenierte Action und eine Story, der man tatsächlich mal gebannt folgen kann (eine Ausnahme in der James Bond-Filmreihe). Denn hier wird’s ausnahmsweise persönlich – der Schurke möchte nicht bloß einfach die Welt ins Nirwana bomben, sondern hat eine nachvollziehbare Agenda und genug Charisma, um auch Verständnis beim Zuseher zu erzeugen. In mehreren Aspekten weicht „Skyfall“ von der üblichen Bond-Formel ab, und das tut dem Film sichtlich gut. Zum Beispiel wird das übliche Bond-Girl (Bérénice Marlohe) hier schon fast schmerzhaft beiläufig abgehandelt. James Bond hat in diesem Film nun mal andere Prioritäten, auch wenn sich ein Quickie unter der Dusche schon noch ausgeht. Stattdessen schlüpft Dame Judi Dench als M in die zentrale weibliche Rolle des Films und liefert einige wirklich denkwürdige Momente. „Skyfall“ ist ein harter Film mit Untiefen, der den eleganten Kuschel-Bond Pierce Brosnan endgültig in die Versenkung verschwinden lässt. Wie gesagt, für mich der beste Film der Reihe.


8,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Francois Duhamel – © 2012 – Danjaq, LLC, United Artists Corporation, Columbia Pictures Industries, Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Hannah Arendt (2012)

Regie: Margarethe von Trotta
Original-Titel: Hannah Arendt
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Drama, Biopic, Historienfilm
IMDB-Link: Hannah Arendt


Hannah Arendt gilt als eine der bedeutendsten Politologinnen und Philosophinnen des 20. Jahrhunderts. Für eine massive Kontroverse sorgte ihr Bericht für den New Yorker über den Prozess gegen Adolf Eichmann. Dieser war in Argentinien gefasst und für seine NS-Verbrechen in Jerusalem vor Gericht gestellt worden. Während die ganze Welt gebannt auf den Prozess gegen diese Bestie schaute, kam Arendt zu dem Urteil, dass diese Bestie bloß ein Papiertiger war, der gehorsam Befehlen gehorchte, ganz gleich, welch unmenschliche Konsequenzen diese auch hatten. Sie kam damit zum Schluss der „Banalität des Bösen“ und hielt fest, dass die ganze Grausamkeit der Verbrechen des NS-Regimes darin lag, Menschen zu entmenschlichen und damit auch von persönlicher Verantwortung und Moral zu lösen. Harter Tobak? Aber sicher. Das muss auch die von Barbara Sukowa brillant gespielte Hannah Arendt am eigenen Leib erfahren, denn naturgemäß stoßen ihre Überlegungen vor allem in ihrem jüdischen Freundeskreis nicht auf Gegenliebe. Doch sie bleibt sich und ihren Prinzipien treu, auch wenn das zu Lasten langjähriger Freundschaften geht. Auf dieser Beharrlichkeit, auf dieses „Intellekt vs. Gefühl“-Dilemma, liegt Margarethe von Trottas Fokus in diesem sperrigen Biopic. Das ist schon ein Film zum Mitdenken, zum selbst Erarbeiten. Die Einspielungen der tatsächlichen historischen Aufnahmen aus dem Eichmann-Prozess machen die ganze Angelegenheit zu einer semidokumentarischen Abhandlung, was den Zugang einerseits noch mal etwas erschwert, andererseits dem Film eine enorme Glaubwürdigkeit verleiht. Unterm Strich ist „Hannah Arendt“ Kino für den Kopf, bei dem der Bauch außen vor bleibt.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2013 – Zeitgeist Films, Quelle http://www.imdb.com)

Django Unchained (2012)

Regie: Quentin Tarantino
Original-Titel: Django Unchained
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Western
IMDB-Link: Django Unchained


Es gibt viele Regisseure, auf die ich große Stücke halte. Aber neben Wes Anderson und vielleicht noch Christopher Nolan und Paul Thomas Anderson fällt mir keiner ein, der ausschließlich großartige Filme gedreht hat. Außer Quentin Tarantino. Und ja, ich weiß, dass da vor allem bei seinen jüngeren Filmen die Meinungen manchmal etwas auseinandergehen, aber für mich gehören die alle zum cineastischen Kanon des 20./21. Jahrhunderts. „Django Unchained“ aus dem Jahr 2012 reiht sich da selbstverständlich ein. Es ist dieser unfassbare Zitate-Schatz bei einer gleichzeitig komplett eigenen Erzählweise und filmischen Herangehensweise, der Tarantino-Filme so auszeichnet. Man hat das Gefühl, dass Tarantino jeden Film gesehen hat, der jemals gedreht wurde, und bei den meisten davon auch noch auswendig mitreden kann. In „Django Unchained“ feiert Tarantino das Western-Genre mit all seinen Elementen, Topoi und auch Klischees. Dennoch ist der Film weit mehr als eine Hommage. Dafür sorgen allein schon mal die schauspielerischen Kapazunder, die wie immer in Tarantino-Filmen perfekt besetzt sind: Jamie Foxx als Django Freeman, Christoph Waltz in einer Variation seiner Rolle aus „Inglorious Basterds“, die aber dennoch eigenständig genug ist, um den zweiten Oscar-Gewinn jedenfalls zu legitimieren, Leonardo DiCaprio als finsteren Sklavenhalter mit Temperament, und mein persönliches Highlight: Samuel L. Jackson mit einer der besten Darstellungen seiner gesamten Karriere. Wenn also der ehemalige Sklave Django und der deutsche Kopfgeldjäger Dr. King Schultz (nicht zu vergessen: sein Pferd Fritz) ausziehen, um die Angetraute von Django zu befreien, dann hat das in allen Belangen die höchste Qualität, die man filmisch erreichen kann. Zwar fällt dann der Teil vor dem großen Finale ein wenig ab, aber die vielen wundervollen und denkwürdigen Momente auf dem Weg dahin sprechen für sich. Das ist ganz großes Kino, wie es nur von Quentin Tarantino kommen kann.


8,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Andrew Cooper, SMPSP – © 2012 – The Weinstein Company, Quelle http://www.imdb.com)

Fast verheiratet (2012)

Regie: Nicholas Stoller
Original-Titel: The Five-Year Engagement
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Komödie, Liebesfilm, Rom-Com, Drama
IMDB-Link: The Five-Year Engagement


John Lennon in all seiner Weisheit hat die Quintessenz unserer Existenz so zusammengefasst, dass man dazu nichts mehr ergänzen kann: „Life is what happens to you while you’re busy making other plans“. Und genau das passiert auch Tom und Violet (Jason Segel und Emily Blunt). Eigentlich wäre man ja frisch verlobt und schon dabei, Hochzeitspläne zu schmieden, doch dann bekommt Violet ein berufliches Angebot aus Michigan, das so attraktiv ist, dass die Hochzeit erst mal warten muss. Kein Problem für Tom, den modernen Mann, der für seine Beziehung die Aussicht auf eine Chefkoch-Stelle ausschlägt, um seine Liebste zu unterstützen. Doch irgendwie läuft dann doch alles anders, als sich das junge Paar das im Vorfeld vorgestellt hat. „Fast verheiratet“ (im Original: „The Five-Year Engagement“) von Nicholas Stoller ist vordergründig klassisches Rom-Com-Kino, nur dass die übliche Prämisse, nämlich „Paar findet zueinander“ hier übersprungen wird und der Fokus auf den alltäglichen Schwierigkeiten liegt. Die Herausforderung hier ist nicht, in Liebe zueinander zu finden, sondern die Liebe durch alle Schwierigkeiten hindurch aufrecht zu halten. Und das macht der Film, der nicht auf die komödiantische Komponente seines Genres vergisst, auf eine wirklich herzerfrischende, ehrliche und unprätentiöse Weise. Jason Segel und Emily Blunt sind ein absolut glaubwürdiges Paar und harmonieren perfekt. Doch auch die prominent besetzten Nebenrollen (Chris Pratt, Rhys Ifans, Jacki Weaver, Alison Brie, Dakota Johnson) machen ihre Sache außerordentlich gut. Das Besondere an diesem Film ist, dass er seine Figuren ernst nimmt und nie der Lächerlichkeit preis gibt, so lustig und absurd manche Szenen auch sind. Das ist ein Qualitätsmerkmal herausragender Komödien: Diese beziehen ihren Humor aus der Geschichte und nicht aus billig eingestreuten Gags. Und so ist „Fast verheiratet“ für mich ein überraschender Beitrag zu seinem Genre, der damit gleich mal einen ernsthaften Angriff auf die Spitze fährt. Ein echter Geheimtipp.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2012 – Universal Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Hotel Transsilvanien (2012)

Regie: Genndy Tartakovsky
Original-Titel: Hotel Transylvania
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Animation
IMDB-Link: Hotel Transylvania


Die Geburt des eigenen Kindes verändert viel. So auch für Dracula, dessen blutrünstige Zeiten vorbei sind. Statt leicht bekleideten Damen nächtens das Blut auszusaugen, kümmert er sich als Witwer und Alleinerzieher lieber um die Erziehung seiner Tochter Mavis. Seine größte Sorge: Dass sie hinausziehen in die weite Welt und dort auf Menschen stoßen könnte – die Erzfeinde der Monster, die unaussprechlichen Geschöpfe, vor der Frankensteins Monster, Poltergeister und Werwölfe angstvoll erzittern. Wem das bekannt vorkommt: Eine ähnliche Idee hat Pixar bereits mit Die Monster AG verarbeitet und das – so viel gleich vorweggenommen – deutlich pfiffiger. Aber zurück zu Dracula und seinen häuslichen Problemen. Er plant zur Feier des 118. Geburtstages seiner Tochter, die damit volljährig wird, eine große Feier in dem von ihm geführten Hotel Transsilvanien, in dem Monster aller Art Zuflucht finden und Urlaub nehmen können von den Menschen, die es sonst auf sie abgesehen haben. Doch Dracula hat bald zwei Probleme am Hals. Erstens: Seine neugierige Tochter interessiert sich allzu sehr für die Welt der Menschen, und Dracula hat ihr einst versprochen, dass sie mit ihrer Volljährigkeit auch hinausziehen kann, um eigene Erfahrungen zu sammeln – ein Versprechen, das er nun bereut. Zweitens: Mit dem jugendlichen Backpacker Johnny verirrt sich plötzlich ein Mensch ins Hotel. Und Dracula hat alle Hände voll zu tun, dafür zu sorgen, dass sich die Welt von Menschen und Monstern auch weiterhin nicht durchmischen und sein Hotel ein Refugium für erholungsbedürftige Monster bleiben kann. „Hotel Transsilvanien“ ist, wie schon erwähnt, nicht auf dem Niveau der großen Pixar-Filme. Dazu sind der Humor dann doch oft zu kindlich und das Spektakel zu bunt und fahrig. Dennoch kann man mit dem Film seinen Spaß haben. Die Monster sind liebevoll animiert, viele Gags zünden, und die Sorgen und Nöte von Dracula sind nur zu gut nachvollziehbar. Die Story ist hingegen fast nebensächlich, und eine zweite, tiefere Ebene sucht man im Drehbuch vergeblich. Ob es dann auch noch zwei Fortsetzungen gebraucht hätte, vermag ich nicht zu sagen – mir scheint das fast zu viel des Guten zu sein.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Die Tribute von Panem – The Hunger Games (2012)

Regie: Gary Ross
Original-Titel: The Hunger Games
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Science Fiction, Abenteuerfilm
IMDB-Link: The Hunger Games


Brot und Spiele. Dass diese beiden Komponenten ausreichen, um ein Volk ruhigzustellen, wussten schon die alten Römer. Im Sci-Fi-Setting von „The Hunger Games“ ist dieses Prinzip auf die Spitze getrieben. In einer dystopischen Welt werden die zwölf Distrikte, die einmal die Vereinigten Staaten von Amerika waren, von einem faschistisch anmutenden Regime unter Kontrolle gehalten. Damit die armen Bürger, die nicht wissen, wie sie ihre Bäuche füllen sollen, nicht aufmucken, lässt Präsident Snow (Donald Sutherland) alljährliche „Hunger Games“ durchführen. Aus jedem Bezirk werden ein Mädchen und ein Junge ausgewählt, die sogenannten „Tribute“, die gegeneinander in einer weitläufigen Arena gegeneinander kämpfen müssen, bis nur noch eine Person übrig bleibt. Das Kolosseum des alten Rom lässt grüßen. Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) tut sich das sogar freiwillig an und springt für ihre jüngere Schwester, die auserwählt wurde, ein. Eine gute Entscheidung, denn Katniss kann verflucht gut mit dem Bogen umgehen, während ihre jüngere Schwester schon vom Flügelschlag eines Schmetterlings aus den Latschen gehoben werden kann. Und so beginnt das Hauen und Stechen und Rennen und Flüchten, sehr zur Belustigung des Showmasters (Stanley Tucci) und des Publikums und gleichermaßen ängstlich beobachtet von Hunger Games-Überlebenden Haymitch (Woody Harrelson), der für die beiden Tribute aus dem zwölften Distrikt den Mentor gibt. Die Story nach den Erfolgsromanen von Suzanne Collins ist simpel, aber effektiv. Das alte „Jeder gegen jeden“ wird hier gekonnt pervertiert, indem die Gladiatoren aus Minderjährigen gewählt werden, denen man die Konfusion an den Augen ablesen kann. Man wird als Zuseher unweigerlich auf die Frage zurückgeworfen, wie weit man selbst gehen würde, um sein eigenes Leben zu retten. Leider können die folgenden Filme zur Roman-Trilogie, die in insgesamt vier Teilen verfilmt wurde, mit der Qualität des ersten Teils nicht mehr ganz mithalten, und der Fokus verschiebt sich von dieser zutiefst archaischen Überlebensgeschichte zu einem Revolutions-Sci-Fi-Drama, dem es am Ende an Kreativität mangelt, aber Teil 1 für sich ist in seiner grimmigen Konsequenz schon sehr sehenswert.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2011 – Lionsgate. Quelle http://www.imdb.com)

Moonrise Kingdom (2012)

Regie: Wes Anderson
Original-Titel: Moonrise Kingdom
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Komödie, Liebesfilm, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Moonrise Kingdom


An Wes Anderson und seinen Filmen scheiden sich die Geister. Entweder man liebt den Stil und die lakonische, oft indirekte Erzählweise, die gerne mal Umwege nimmt, um die Geschichte von überraschenden Seiten aus zu beleuchten, oder man stört sich an den Manierismen und der scheinbaren Emotionslosigkeit der Erzählung. Ich gehöre mit Herz und Seele zu den Anderson-Fans. Ich liebe seine Filme und halte sie durchwegs für Meisterwerke. Und ja, auch andere Filmemacher/innen haben eine deutlich erkennbare Handschrift, aber um einen Wes Anderson-Film zu erkennen, braucht es nicht viel mehr als eine einzige Einstellung. Was mich aber vollends zum absoluten Groupie macht, ist die Tatsache, dass bei aller stringenten Komposition immer eine wunderschöne Geschichte mit liebevollen Charakteren im Zentrum steht. „Moonrise Kingdom“ ist dafür ein Paradebeispiel. Im Grunde geht es um nicht viel: Zwei Kinder reißen von zuhause aus, um gemeinsam durchzubrennen, kommen aber nicht sonderlich weit, da ihnen die gesamte Insel (darunter Edward Norton, Bruce Willis, Frances McDormand und Bill Murray) auf den Fersen ist. Eine kleine, süße Abenteuergeschichte, bei der man leicht die ernsteren Hintergründe übersehen kann. Denn viele Risse ziehen sich durch die familiären Beziehungen – die im Angesicht der Krise sichtbar werden. Dennoch legt Wes Anderson seinen Fokus nicht darauf, sondern vielmehr auf die Beziehung des jungen Liebespaares (Jared Gilman und Kara Hayward). Ihm gelingt es, diese erste Liebe völlig ernst zu nehmen und glaubhaft zu machen, so künstlich auch das Setting wirkt. „Moonrise Kingdom“ wird im Œuvre Andersons insgesamt ein kleinerer Film bleiben (mit dem neunfach Oscar-nominierten und vierfach ausgezeichneten „Grand Budapest Hotel“ und seinem Durchbruchs-Film „The Royal Tenenbaums“ als Flaggschiffe vorneweg), aber das heißt nicht, dass man auf eine Sichtung verzichten sollte. Wer sich auf Wes Andersons Stil einlassen möchte, wird mit diesem Film reich belohnt.


8,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Focus Features – © 2011 Focus Features, Quelle imdb.com)

Searching for Sugar Man (2012)

Regie: Malik Bendjelloul
Original-Titel: Searching for Sugar Man
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Searching for Sugar Man


Alle Welt redet gerade von der Netflix-Dokuserie „Tiger King“, aber so abgefahren die Dokumentation über amerikanische Rednex, die in Privatzoos Tiger halten und sich gegenseitig an die Gurgel wollen, auch ist – der Titel für die bislang beste Doku, die ich je gesehen habe, bleibt bei „Searching for Sugar Man“ von Malik Bendjelloul – der leider nicht mehr unter uns weilt. 2012 war das Ding jedenfalls eine Riesensensation, die mit Oscar-Meriten geadelt wurde. Bendjelloul zeichnet die Suche nach dem US-amerikanischen Folksänger Rodriguez nach, der in den 70ern zwei in der Heimat völlig gefloppte Platten herausbrachte, aber über irrwitzige Umwege in Südafrika zur Ikone wurde. Eines der größten Missverständnisse der jüngeren Musikgeschichte ist dabei die Tatsache, dass ein Mann mit seinen Songwriter-Qualitäten nicht ohnehin in den Olymp zu Bob Dylan, Leonard Cohen & Co. aufgestiegen ist. Was aber den Zuseher dann völlig fassungslos macht, ist die Tatsache, dass er jahrzehntelang nichts von seinem Ruhm in Südafrika wusste. Und dass die Südafrikaner nichts von ihm wussten, da er nach dem Misserfolg seiner Alben in den USA von der Erdoberfläche verschwand. Die Suche zweier Musikjournalisten nach Rodriguez nimmt im ersten Teil des Films den größten Raum ein. Aber gerade, als man denkt, dass sich der Film seinem Ende nähert, baut sich im Anschluss an diese Story-Line eine zweite Geschichte auf, die emotional noch mal eine Schippe drauflegt. Was man Bendjelloul vielleicht vorwerfen kann, ist, dass er eine wichtige Info (Stichwort: Australien, Ende 70er) komplett ausspart, um seine eigene Geschichte die größte Wirkung entfalten lassen zu können. Das sieht man im Dokumentarfilm nicht so gerne. Aber unbestritten ist „Searching for Sugar Man“ eine spannend inszenierte Feelgood-Geschichte mit ganz viel Herz und guter Musik – sollte man auf jeden Fall gesehen haben.


8,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)