2013

Der Hobbit: Smaugs Einöde (2013)

Regie: Peter Jackson
Original-Titel: The Hobbit: The Desolation of Smaug
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Abenteuerfilm, Fantasy
IMDB-Link: The Hobbit: The Desolation of Smaug


Fangen wir mal mit den gelungenen Elementen des zweiten Teils der Hobbit-Trilogie an: Die Animationen sind wieder sehr hübsch, vor allem der Drache Smaug ist eindrucksvoll (dazu kommt im Original noch die unverwechselbare Stimme von Benedict Cumberbatch, die den Drachen so richtig furchteinflößend macht), der Film bietet in etwas mehr als zweieinhalb Stunden kurzweilige Unterhaltung, sodass sich trotz der langen Spieldauer keine Langeweile einstellt, und die Schauspieler machen ihre Sache wieder durchwegs gut. Apropos Schauspieler: Da ist es durchaus angebracht, die männliche Form zu verwenden, denn Schauspielerinnen spielen im Hobbit-Universum nur eine geringe Rolle. Auch wohl deshalb entschied sich Peter Jackson, mit der Figur der Elfe Tauriel, gespielt von Evangeline Lilly, eine zusätzliche starke Frauenfigur in den Film zu schreiben und der auch gleich eine Liebesgeschichte mit einem Zwerg anzudichten. Tolkien hätte da wohl die Stirn gerunzelt, und viele Fans weltweit tun das ebenfalls. Hätte es das gebraucht? Wohl eher nicht, auch wenn Lilly ihre Sache gut macht und ihr Charakter Feuer unterm Hintern hat. Aber da sind wir dann auch schon bei den negativen Aspekten des Films: Die Werkstreue wird gnadenlos über Bord geworfen. An sich ist das nicht unbedingt per se etwas Schlechtes – es kann ja auch zum Vorteil des Films gereichen, wenn man sich nicht allzu starr an die Vorlage hält, um das Medium Film besser zu nutzen (siehe beispielsweise Der Name der Rose). In diesem Fall führen allerdings viele der Abweichungen zu eher kitschigem oder dramaturgisch aufgeblasenem Ballast. Klar, irgendwie muss man die insgesamt ca. 8 Stunden der Trilogie füllen, aber etwas weniger wäre hier wohl mehr gewesen. Nichtsdestotrotz bietet auch der zweite Teil der Hobbit-Trilogie handwerklich sehr gut gemachte, kurzweilige Unterhaltung.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2013 Warner Bros. Entertainment Inc. and Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc., Quelle http://www.imdb.com)

The Wolf of Wall Street (2013)

Regie: Martin Scorsese
Original-Titel: The Wolf of Wall Street
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Biopic, Satire, Drama
IMDB-Link: The Wolf of Wall Street


Manche Geschichten sind so irre, dass sie nur vom Leben selbst geschrieben werden können. Die Geschichte von Jordan Belfort, der mit viel Chuzpe, noch mehr Drogen und einer völligen Ignoranz gesellschaftlicher Spielregeln, auch „Gesetze“ genannt, zu unverschämt viel Reichtum gekommen ist. In gewisser Weise ist Jordan Belfort in Leonardo DiCaprios Filmografie die logische Weiterentwicklung des Hochstaplers Frank Abagnale aus Catch Me If You Can. Doch während Abagnale noch ein gewitzter Lausbub mit Gewissen war, ist Jordan Belfort quasi ein Virus unserer Zeit. Geld regiert die Welt, und Geld hat man nie genug. Der FBI-Agent Patrick Denham (Kyle Chandler) als moralischer Gegenentwurf steht da von Anfang an auf verlorenem Posten. Es sind die Schurken, die im Gedächtnis bleiben: Belfort selbst natürlich, aber auch seine Entourage, die von einem entfesselt aufspielenden Jonah Hill als Donnie Azoff angeführt wird. Und ganz ehrlich: Auch wenn DiCaprio eine der besten Leistungen seiner Karriere abliefert, so stiehlt im Matthew McConaughey als Mentor Mark Hanna in nur fünf Minuten die ganze Show. Der ganze Film und all seine Darstellerinnen und Darsteller wirken so, als hätte Scorsese sich selbst und seiner Crew an jedem Drehtag morgens eine ordentliche Dosis Marschierpulver eingeworfen und dann einfach die Kamera eingeschaltet und auf das ganze Chaos draufgehalten, bis die Filmrolle leer ist. Ein Energieanfall des Altmeisters, der berechtigterweise zu den denkwürdigsten Filmen der letzten zehn Jahre zählt. Über Moral und Anstand braucht man da nicht mehr diskutieren. Und genau deshalb ist der Film auch ein so guter Kommentar auf unsere Zeit.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Mary Cybulski – © 2013 Paramount Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Alles eine Frage der Zeit (2013)

Regie: Richard Curtis
Original-Titel: About Time
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Fantasy, Komödie, Drama, Rom-Com
IMDB-Link: About Time


Zeitreisegeschichten. Immer ein gutes Thema. Und von Hollywood schon auf solch vielfältige Weise verarbeitet – als Sci-Fi-Epen, als finsteren Dystopien, als Horrorgeschichten, als absurde Komödien – aber es brauchte jemanden mit Eiern wie Richard Curtis, um eine Zeitreise in einen romantischen Liebesfilm zu packen und daraus eine alltägliche Geschichte über die Liebe, das Familienleben, das Älterwerden und die kleinen Entscheidungen im Leben zu machen. Die Prämisse ist wunderbar einfach und wird auch herrlich unprätentiös ohne großes Brimborium vorgestellt: In Tims Familie können alle Männer in die Vergangenheit reisen. Sie müssen sich dafür nur an einen dunklen Ort begeben, die Hände zu Fäusten ballen und an den Moment denken, zu dem sie zurückkehren möchten. Tim, eher der Typ „einsamer Nerd“, nutzt diese Fähigkeit, um nach der Liebe zu suchen. Und nach anfänglichen Schwierigkeiten findet er sie in der Gestalt von Mary. Es braucht etliche Versuche, um ihr Herz zu gewinnen, aber wenn man theoretisch unendlich viele Möglichkeiten dafür hat, gelingt das auch schüchternen und unsicheren Kerlen wie eben Tim. Der Weg zu seinem Glück ist schon mal entzückend anzusehen – und Domhnall Gleeson und Rachel McAdams haben eine gute Chemie miteinander. Aber damit gibt sich Richard Curtis nicht zufrieden, was den Film in weiterer Folge weit über durchschnittliche Rom-Com-Kost hinaushebt. Denn der Film endet nicht damit, wie die beiden zueinanderfinden. Vielmehr ist das nur eine Zwischenstation auf Tims Weg. In seinem klugen, tiefgründigen Skript, das vielleicht die eine oder andere Länge hat, aber dann doch auch wieder in sich stimmig ist, arbeitet sich Curtis weiter ab an den vielen kleinen Lebensentscheidungen, um der Frage nachzugehen, was am Ende wirklich zählt und was unser Leben kostbar und lebenswert macht. Das Ende ist eines der schönsten, bittersten und wahrhaftigsten Filmenden, die ich seit langem gesehen habe, und – bei allem Respekt vor den vielen weiteren großartigen Momenten, die Richard Curtis in seiner Filmographie geschaffen hat – in meinen Augen sein persönlicher Höhepunkt. Um noch einmal die Zeit ins Spiel zu bringen: Ein Film für die Ewigkeit.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Murray Close – © 2013 – Universal Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Pacific Rim (2013)

Regie: Guillermo del Toro
Original-Titel: Pacific Rim
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Science Fiction, Action
IMDB-Link: Pacific Rim


Ja, manchmal möchte man als Filmemacher eben einfach nur Aliens vermöbeln. Am besten gigantische Aliens aus einer anderen Dimension, die über den Pazifik in unsere Welt kommen. Und am besten mit überdimensionierten, vom Militär entwickelten Robotern. Man kann sich gut vorstellen, wie der kleine Guillermo del Toro so lange auf sein Transformers-Spielzeug gestarrt hat, während im Hintergrund ein Godzilla-Film gelaufen ist, bis sich allmählich die Idee zu „Pacific Rim“ (nicht zu verwechseln mit „Pacific Rimming“ – das ist ein anderes Genre) aus seinen sehnsüchtigen Blicken geformt hat. 2013 brachte er dann die Geschichte seines inneren Kindes auf die große Leinwand. Gigantische Wasseraliens. Ebenso gigantische Roboter. Und dann immer fest drauf! Mittendrin ein Charlie Hunnam, der der ganzen Film über so läuft, als müsste er dringend aufs Klo, dazu das Charisma von Idris Elba und Rinko Kikuchi, die 2006 für ihre Rolle in „Babel“, dem Film von del Toros Buddy Alejandro González Iñárritu, immerhin für einen Oscar nominiert wurde – was für ihren Auftritt in „Pacific Rim“ allerdings eine vermessene Erwartungshaltung gewesen wäre. Dazu gibt es zwei amüsante bis nervige, weil komplett überzeichnete Wissenschaftler (Charlie Day und Burn Gorman), und für die Edeloptik sorgt das Gesicht von Ron Perlman, der immer dort zu finden ist, wo es finstere Blicke zu erben gibt. Das alles hat man schon auch schlechter gesehen. Und wenn man „Pacific Rim“ als das nimmt, was es ist, nämlich einfach völlig hirnrissige Monster-Roboter-Action ohne große Story, dann ist der Film sehr unterhaltsam und sorgt für zwei kurzweilige Stunden. Dass es Guillermo del Toro besser und vor allem subtiler kann, hat er in anderen Filmen längst bewiesen. Hier wollte er halt einfach mal klotzen, und es sei ihm vergönnt.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Courtesy of Warner Bros. Picture – © 2013 Warner Bros. Entertainment Inc. and Legendary Pictures Funding, LLC, Quelle http://www.imdb.com)

Fack ju Göhte (2013)

Regie: Bora Dagtekin
Original-Titel: Fack ju Göhte
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Komödie, Rom-Com
IMDB-Link: Fack ju Göhte


Heute handele ich mir mal wieder Schelte ein. Ich bin auf Krawall gebürstet und im Begriff, einen viel geliebten Film in der Luft zu zerreißen. Ich bin ja froh, dass meine Zukünftige schon Ja gesagt hat, denn sie mag den Film wirklich sehr, aber als Kürbis muss man unbestechlich sein, auch wenn dann der Haussegen ein wenig schief hängt. (An dieser Stelle: Schatz, hüstel, ich liebe dich, ich mach’s wieder gut – was hältst du von einer Bestellung von asiatischem Essen heute Abend?) „Fack ju Göhte“ vereint jedenfalls alles, was ich an modernen deutschen Komödien nicht mag: Anzügliche und schlüpfrige Witzchen, die dann doch wiederum nur unterstreichen, wie erzkonservativ man in der Bundesrepublik zuweilen ist, wenn man es als lustig und erfrischend empfindet, wenn die brave Lehrerin in ihrem Cocktail eine Banane in Penisform vorfindet, dazu kommen noch schlechtes Schauspiel durch die Bank, unglaubwürdig und übertrieben agierende Charaktere, ein Frauenbild, das ich lieber komplett unkommentiert lasse (Wer hat das Drehbuch geschrieben? Friedrich Merz?) und Gags, die man in den 60er Jahren in den Filmen von Peter Alexander schon lustiger gesehen hat, und der konnte auch noch singen. Die Story: Ein Ex-Knacki (Elyas M’Barek) versucht, an eine unter der neuen Turnhalle seiner alten Schule vergrabene Beute heranzukommen und gibt sich zu diesem Zweck als Lehrer aus, woraufhin er prompt die am schlimmsten verrufene Klasse der ganzen Schule zugeteilt bekommt. Damit erregt er das Interesse einer verklemmten Lehrerin (Karoline Herfurth), die jedoch von seinen pädagogischen Methoden wenig überzeugt ist und ihn zu einem besseren Lehrer machen möchte. Das Ganze wird dann überraschungsfrei und mit den schon erwähnten anzüglichen Gags abgespult. M’Barek und Herfurth wirken immerhin noch sympathisch, aber definitiv fehlbesetzt in ihren Rollen. Aber fangen wir lieber erst gar nicht an von Fehlbesetzungen, denn sonst müsste ich jetzt die ganze Besetzungsliste runterrattern. Ich bleibe bei meinem Fazit: Ich und die moderne deutsche Komödie? Das geht einfach nicht zusammen. „Fack ju Göhte“ ändert daran leider nichts. Dann lieber die xte Wiederholung von „Hurra, die Schule brennt“.

Bleibt nur noch: Was darf ich dir denn bestellen, mein Schatz? Wieder die guten Shrimps? Und ja, die Couch ist wirklich sehr gemütlich, ich habe kein Problem damit, heute darauf zu schlafen …


3,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2013 – Constantin Film, Quelle http://www.imdb.com)

Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen (2013)

Regie: Steven Soderbergh
Original-Titel: Side Effects
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Thriller, Krimi
IMDB-Link: Side Effects


Was wären wir alle ohne den Wundern, die die Pharmaindustrie bewirkt? Doch manchmal scheint man sich auch dort in den milliardenschweren Konzernen, die eigentlich eh unter permanenter Beobachtung stehen und sich keine Fehler erlauben dürfen, kräftig zu verhauen. Traue niemals etwas, das als „Wundermittel“ angepriesen wird. Diesen Rat hätte sich Psychiater Jonathan (Jude Law, sehr judelawig, was aber nicht negativ gemeint ist) besser zu Herzen nehmen sollen. Aber stattdessen verschreibt er seiner Patientin Emily (Rooney Mara, mit einer nuancierten Darstellung wie von ihr gewohnt) das neue Antidepressivum Ablixa, und das zeigt schon bald ungewollte Nebenwirkungen in Form eines toten Ehemannes (Channing Tatum, der tatsächlich nicht viel zu tun hat in diesem Film). Emily landet vor Gericht, und Jonathan ist schwer damit beschäftigt, sie aus dem Schlamassel, an dem er nicht unbeteiligt ist, wieder herauszuhauen. Doch wie von Soderbergh gewohnt, bleibt es nicht bei dieser straighten Geschichte, sondern das Drama verzweigt sich immer mehr und bald schon scheint sich Jonathan in diesem Winkelspiel zu verlieren. Der Auftritt von Emilys ehemaliger Psychiaterin Victoria (Catherine Zeta-Jones) macht die Sache auch nicht durchsichtiger. (An dieser Stelle ein kleiner Schritt zur Seite, denn was raus muss, muss raus: Ich kann’s immer noch nicht ganz fassen, dass Catherine Zeta-Jones Oscarpreisträgerin ist. Denn eigentlich spielt Catherine Zeta-Jones immer Catherine Zeta-Jones, und ja, ich schaue ihr dabei gerne zu, sie macht das auf ihre Weise sehr gut, aber ihr wenig subtiles Schauspiel in „Side Effects“ ist im Grunde ein einziger Spoiler, was vor allem neben den sehr guten Darstellungen von Law und Mara ins Auge fällt.) Aber gut, Zeta-Jones hin oder her, Steven Soderbergh hat die Zügel routiniert in der Hand und führt uns so durch einen guten, wenngleich nicht herausragenden Thriller, der vielleicht ein oder zwei Kapriolen zu viel schlägt und so gegen Ende hin ein bisschen den Fokus verliert. Der Weg dahin ist aber sehr sehenswert und lädt zum Miträtseln ein.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Eric Liebowitz – © 2013 – Open Road Films Quelle http://www.imdb.com)

Die Tribute von Panem – Catching Fire (2013)

Regie: Francis Lawrence
Original-Titel: The Hunger Games: Catching Fire
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Science Fiction, Abenteuerfilm
IMDB-Link: The Hunger Games: Catching Fire


Im Grunde ist „Catching Fire“, der zweite Teil der Tribute von Panem-Reihe, ein Remake des ersten Teils. Wieder muss Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) in den Ring steigen und um ihr Überleben kämpfen, nur diesmal gegen hart gesottene Hunger Games-Überlebende aus dem Vorjahr. Währenddessen brodelt es in den ärmeren der zwölf Distrikte, und eine Revolution gegen das übermächtige Kapitol und dessen Präsidenten Snow (Donald Sutherland) scheint in der Luft zu liegen. Natürlich hat das Kapitol höchstes Interesse daran, Katniss über den Jordan gehen zu lassen, denn durch ihren Erfolg in den Hunger Games der Vorjahre ist sie zu einem Symbol des Widerstands geworden. Man kann nicht behaupten, dass der zweite Teil plötzlich sein eigenes Ding macht und die Geschichte nun unvorhergesehene Wendungen erfährt. Im Gegenteil. Man ruht sich ein bisschen auf dem Erfolgsmodell des ersten Teils aus, macht nur die Gegner älter und gefährlicher und lässt es im Hintergrund dramatisch köcheln, um anzudeuten, dass die Hunger Games nicht auf einer persönlichen Ebene lebensverändernd wirken, sondern auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Eine gut abgeschmeckte Zutat in dieser Melange aus Revolutions-Vorgekoche und Gladiatoren-Survival-Thriller bringt der selige Philip Seymour Hoffman ein, der als neuer Spieleleiter eine sehr undurchsichtige, windige Figur abgibt. Unterm Strich ist „Catching Fire“ so etwas wie ein unterhaltsames Zwischenspiel, währenddessen man sich noch mal gemütlich seine Popcorn machen kann, bevor zum großen Finale geblasen wird. Hat man es nicht gesehen, hat man nicht viel verpasst, aber dank der spannenden Inszenierung und der soliden Action lohnt sich der Film.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Murray Close – © 2013 – Lionsgate. Quelle http://www.imdb.com)

Conjuring – Die Heimsuchung (2013)

Regie: James Wan
Original-Titel: The Conjuring
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Horror
IMDB-Link: The Conjuring


Um mich zur Sichtung eines Horrorfilms zu überreden, braucht man gute Argumente. Oder Halloween. Meine Freundin hatte das Datum auf ihrer Seite, und so kam ich zu „The Conjuring“ wie die Jungfrau zum Dämonenbaby. Einen Monat später habe ich das Gesehene so weit verdaut, dass ich darüber schreiben kann. Auch die Rechnungen für die Psychotherapie sind mittlerweile bezahlt. Nur meine Freundin regt sich über unseren Stromverbrauch auf, seit ich in der Nacht alle Lichter brennen lasse und jeden Abend Bubblegumfish von den Harvest Moon Brothers zum Einschlafen brauche. Aber was soll man machen? Alles besser als ein Herzinfarkt. Den erleiden Vera Farmiga und Patrick Wilson als Experten für übernatürliche Phänomene fast im Haus der Familie Perron (Lily Taylor und Ron Livingston plus die obligatorischen Kids). Denn irgendwas Böses passiert hier. Die Familie Perron scheint nicht erwünscht zu sein, doch anstatt einfach freundlich zu bitten und an die menschliche Vernunft zu appellieren, zieht die Präsenz des Hauses gleich mal harte Bandagen auf. Gemein ist ja, dass das Böse immer mit fiesen Tricks spielt, während sich die menschlichen Gegner in der Regel auf Fairplay beschränken. Klar, dass das nicht sonderlich gut ausgeht. Aber irgendwie packt die Figuren in diesen Filmen ja auch immer dieser unnötige Ehrgeiz, den angefangenen Kampf auch zu Ende zu bringen anstatt sich einfach ins nächste Flugzeug zu setzen und so weit wie möglich wegzufliegen. Das hätte jedenfalls ich gemacht. Und wenn die Familie Perron das auch so gehalten hätte, wäre ich jetzt nicht Kunde des Jahres des örtlichen Energieversorgers. Fazit: Auch wenn „The Conjuring“ objektiv der deutlich bessere Film ist – was James Wan betrifft, bleibe ich doch lieber bei Aquaman.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Michael Tackett – © 2012 Warner Bros. Entertainment Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Enemy (2013)

Regie: Denis Villeneuve
Original-Titel: Enemy
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Drama
IMDB-Link: Enemy


Denis Villeneuve ist einer der gefragtesten Regisseure derzeit. Kein Wunder, hat er zuletzt mit Arrival und Blade Runner 2049 zwei moderne Science Fiction-Klassiker geschaffen. Kein anderer Film wird derzeit so heiß erwartet wie sein Remake von David Lynchs Sci-Fi-Klassiker Dune. 2013 hat Villeneuve, obwohl schon gefeierter Thriller-Regisseur, freilich noch etwas kleinere Brötchen gebacken. Seinen Film „Enemy“ veredelt immerhin Jake Gyllenhaal in einer gekonnt angelegten Doppelrolle. Denn der ist hier sein eigenes größtes Problem. Als der Geschichtsprofessor Adam Bell feststellt, dass er mit dem Schauspieler Anthony St. Clair einen Doppelgänger hat und er diesen zu kontaktieren versucht, setzt er einen Strom von Ereignissen in Gang, die ein Zurück zum bisherigen Status Quo bald unmöglich machen. „Enemy“ ist eine lose Adaption des Buchs „Der Doppelgänger“ von Literaturnobelpreisträger José Saramago. Und genau das ist auch das Hauptproblem des Films. Denn bei der Vermarktung hat man einen entscheidenden Fehler gemacht und den Plot wie einen Thriller klingen lassen. Davon ist „Enemy“ aber weit entfernt. Vielmehr greift der Film dieses hintergründige Vexierspiel auf, für das die Romane von Saramago bekannt sind, und ist vielmehr an der conditio humana interessiert als am Spannungsbogen. Das Ende, über das man wohl ganze Nächte lang diskutieren könnte, bringt genau das auch zum Ausdruck. Das Problem ist nur, dass ich als Zuseher auf dem Weg dahin meiner falschen Erwartungshaltung aufgesessen bin. Und so liegt es wohl entscheidend an der eigenen Herangehensweise, ob man den Film nun gut und interessant oder dann doch über lange Strecken langweilig und seltsam empfindet. Was wiederum allerdings dem Film zum Vorwurf gemacht werden kann, denn wenn es ihm nur gelingt, ein intellektuell vorbereitetes Publikum mitzureißen, fällt das Fehlen dieser oftmals so wichtigen Zutat Spannung dann doch ins Gewicht.


5,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Caitlin Cronenberg – © 2014 – A24, Quelle: imdb.com)

Snowpiercer (2013)

Regie: Bong Joon-ho
Original-Titel: Snowpiercer
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Science Fiction, Action
IMDB-Link: Snowpiercer


Mit Parasite gelang dem Südkoreaner Bong Joon-ho bei der Oscarverleihung 2020 der ganz große Durchmarsch. Der erste fremdsprachige Film, der je den Oscar als bester Film gewinnen konnte. Oscars für Bong Joon-ho selbst für die beste Regie, das beste Drehbuch und als Draufgabe noch für den besten internationalen Film. Auch seine früheren Filme wurden von Kritik und Publikum gefeiert, so auch „Snowpiercer“ aus dem Jahr 2013. Darin versammelte er einen beachtlichen Cast von Hollywoodgrößen (u.a. Chris Evans, William Hurt, Octavia Spencer, Ed Harris, Jamie Bell, Tilda Swinton), ergänzte diesen durch seinen Lieblingsdarsteller Song Kang-ho und jagte die Truppe durch eine knallharte, actionlastige Dystopie, die die für Bong Joon-ho so typische Verschränkung von Genrekino und Gesellschaftskritik aufweist. Die Ausgangslage ist simpel, birgt aber jede Menge Zündstoff: Die Welt liegt unter einer Eisschicht begraben, die letzten überlebenden Menschen sausen in einem riesigen Zug um die Erdscheibe. Der Zug ist nach Klassen aufgeteilt: Ganz hinten sind die Armen, die zusammengepfercht unter widrigsten Umständen hausen und grausige Proteinriegel zu essen bekommen, während in den vorderen Abteilen Milch und Honig fließen. Klar, dass sich da irgendwann eine Wut im Bauch anstaut, die durch eine von Curtis Everett (Chris Evans) angeführte Rebellion entladen wird. Je weiter die von ihm angeführten Rebellen in die vorderen Abteile vordringen, desto absurder wird das Geschehen. Der Twist am Ende ist böse und jener Faktor, der den Film über den Status eines gelungenen Actionkrachers hinaushebt. Man kann gar nicht anders, als nach dem Abspann des Films in herzhafte Diskussionen über Moral und Ordnung in unserem Gesellschaftssystem einzusteigen. In dieser Hinsicht ähnelt der Film sehr der kürzlich auf Netflix veröffentlichten Dystopie „Der Schacht“, der seine Gesellschaftskritik noch deutlicher zum Ausdruck bringt, während „Snowpiercer“ insgesamt subtiler vorgeht, dabei aber auch noch die besseren Schauwerte bietet. Sehenswert sind beide Filme gleichermaßen – mit leichten Vorteilen für „Snowpiercer“.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)