2016

Yourself and Yours (2016)

Regie: Hong Sang-soo
Original-Titel: Dangsinjasinwa dangsinui geot
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama
IMDB-Link: Dangsinjasinwa dangsinui geot


Der südkoreanische Film „Dansisitzgmpftz Dingsda …“ (ich glaube, ich halte mich lieber an den englischen Verleihtitel „Yourself and Yours“) behandelt ein junges Paar. Sie trinkt offenbar gerne mal einen über den Durst, er findet das nicht so toll, und als er Gerüchte aufschnappt, dass sie trotz gegenteiligem Versprechen öfter mal ohne ihn einen zwitschert, konfrontiert er sie damit, sie streiten, sie streitet alles ab, schreitet von dannen und fortan bestreitet er seine Tage allein, jammert seine Freunde mit traurigen Liebeskummersonaten voll, und einen verletzten Fuß hat er plötzlich auch noch – vielleicht ist ihm ja der Liebeskummer in den großen Zeh gefahren. Sie wiederum verhält sich seltsam, kennt ihre Bekannten nicht mehr, um dann doch mit ihnen in die Kiste zu springen, die Geschichte plätschert vor sich hin, ohne wirklich Gefahr zu laufen, interessant zu werden, es werden Nudeln geschlürft, manchmal darf man schmunzeln, und südkoreanische Tauben sehen genauso aus wie Wiener Tauben. Eh ganz okay. Warum Hong Sang-soo aber zu den renommiertesten südkoreanischen Regisseuren dieser Tage gezählt wird und regelmäßig Einladungen zu den Wettbewerben der größten Filmfestivals der Welt erhält, erschließt sich mir anhand dieses Films jedenfalls nicht so ganz.

 


5,0
von 10 Kürbissen

Graduation (2016)

Regie: Cristian Mungiu
Original-Titel: Bacalaureat
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama, Krimi
IMDB-Link: Bacalaureat


Cristian Mungiu zählt zu den renommiertesten rumänischen Regisseuren derzeit. Überhaupt passiert cineastisch in den letzten Jahren viel Spannendes in jenem Land, das man sonst in der Regel erst mal mit einem bleichen, spitzzahnigen Grafen mit einem eher ungewöhnlichen Appetit verbindet. Abseits von Gothic Horror präsentiert sich das rumänische Kino aber mit sozialrealistischen und viel diskutierten Beiträgen auf den Filmfestivals und in den Kinos dieser Welt. In Cristian Mungius „Bacalaureat“ geht es um eine Familie in Cluj (Siebenbürgen, womit wir wieder beim gut gekleideten Grafen mit dem Blutdurst wären), der Vater ein anerkannter Arzt, die Tochter kurz vor ihren Abschlussprüfungen und mit einem Stipendium für Cambridge in der Tasche, sofern sie diese Prüfungen nicht versaut, die Mutter depressiv. Am Tag vor der ersten Abschlussprüfung wird das Mädchen auf dem Schulweg von einem Unbekannten angegriffen und beinahe vergewaltigt. Als Folge dessen ist sie verständlicherweise neben der Spur und bringt nicht die für das gute Abschlusszeugnis nötige Leistung bei der Prüfung. Der Vater beschließt, einzugreifen. Wir sind ja schließlich in Rumänien, und auch wenn der Vater versucht, ein aufrechtes und ehrbares Leben zu führen (Dass er eine jüngere Geliebte hat? Na ja, man kann ja trotzdem noch anständig sein. Hüstel) und gegen die Korruption anzukämpfen, wenn es um die eigene Tochter geht, muss man sich solche Dinge wie Ehre und Anstand halt noch mal genau durchdenken. Und so entspinnt sich ein Drama rund um moralische Werte und deren, sagen wir mal, „Flexibilität“, und im großen Ganzen dann auch um die um sich greifende Korruption. Wobei: Nein, korrupt ist hier keiner, alle sind nur freundlich zueinander. Der Film wirft viele wichtige Fragen auf, ist gut gespielt und hat auch eine interessante Story. Dennoch ist er nicht frei von Schwachpunkten. Zum Einen mal wieder die Länge. Die Geschichte hätte man durchwegs kompakter erzählen können. Zum Anderen hatte ich mit dem Film das gleiche Problem wie mit allen rumänischen Filmen, die ich bisher gesehen habe: So dramatisch und einschneidend auch die Ereignisse sind, die Geschichte wird immer sehr distanziert und kühl erzählt, ich werde einfach nicht emotional mitgenommen. Es sind gute, wohl auch wichtige Filme, aber sie bleiben dennoch nicht so richtig hängen bei mir.

 


6,5
von 10 Kürbissen

Elle (2016)

Regie: Paul Verhoeven
Original-Titel: Elle
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Krimi, Thriller, Drama, Erotik
IMDB-Link: Elle


Die grandiose Isabelle Huppert spielt in Paul Verhoevens Film eine Frau, die scheinbar nichts aus der Fassung bringt. Sie ist erfolgreiche Managerin einer Entwicklungsfirma für Computerspiele, sarkastische Tochter, geduldige Mutter, souveräne Ex-Partnerin … und fast gleichgültiges Vergewaltigungsopfer. Soweit die Ausgangsbasis für einen Thriller, der zunächst mit einer unglaublich starken Frauenrolle aufwartet, dann aber mehr und mehr in konventionelle Muster verfällt und aus diesen dann nicht anders auszubrechen weiß als auf Verhoeven-Art: Provokant, möglichst verstörend und schockierend. Gähn. Immer wieder fühlt man sich an Basic Instinct erinnert, und Paul Verhoeven opfert die Glaubwürdigkeit und Authentizität seiner Figuren auf dem Altar des Schock-Moments. Das ist jammerschade, denn die erste Hälfte des Films ist wohl das Beste, was er jemals gedreht hat. Isabelle Huppert ist, wie gesagt, überragend, sie wurde für ihre grandiose Leistung auch mit einer Oscar-Nominierung gewürdigt, aber auch ihre Figur leidet am Ende unter dem Verhoeven’schen Ziel, das Publikum möglichst durchzurütteln. Ja eh. Kennen wir schon. Ein wenig mehr Altersmilde und Subtilität würde Verhoevens Werk wirklich gut tun, aber in diesem Film bringt er das (noch) nicht. Ein Film mit durchaus vielen guten Ansätzen und auch in den schwächeren Momenten durchaus sehenswert, aber zu deutlich sehe ich das Potential, das Verhoeven hier liegen gelassen hat.

 


7,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen)

Split (2016)

Regie: M. Night Shyamalan
Original-Titel: Split
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Thriller, Horror
IMDB-Link: Split


An kaum einem anderen Regisseur scheiden sich so sehr die Geister wie an M. Night Shyamalan. Während „The Sixth Sense“ zurecht als einer der besten Mystery-Thriller aller Zeiten bezeichnet wird, hat er mit „The Lady in the Water“ und anderem Unfug für größte Verwirrung unter dem Kinopublikum gesorgt. Um es mit einem beliebten Zitat aus „Forrest Gump“ zu sagen: „M. Night Shyamalans Filme sind wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man bekommt.“ Was man bei Split bekommt, sind zwar keine edel glacierten Trüffelpralinen, aber ein solides Stück Milchschokolade. Ein bisserl fad vielleicht, aber ja, zum Naschen zwischendurch reicht’s. Das liegt vor allem an James McAvoy, der als Mann (und gelegentlich Frau) mit 21 verschiedenen Persönlichkeiten, die sich einen Körper teilen, schauspielerisch so richtig aufdrehen darf. Für so eine Rolle braucht es einen Kapazunder wie den vielseitigen Schotten. Gut, ein Daniel Day-Lewis hätte vermutlich noch 30 Persönlichkeiten mehr herausgeholt, aber an James McAvoy liegt es nicht, dass auch dieses Werk von M. Night Shyamalan nur mit gemischten Kritiken aufgenommen wurde. Ein Problem ist die doch sehr vorhersehbare und überraschungsfreie Story. Gerade diesbezüglich hätte man vom Autor von „The Sixth Sense“ und „Unbreakable“ mehr erwartet. Auch die Schauspielerinnen, die die jungen Teenager-Mädels spielen, die in die Fänge des Herrn mit den vielen Facetten geraten, bieten keinen Mehrwert. Sie sehen hübsch aus. Aber sie sind austauschbar wie Figuren in einem handelsüblichen Teeny-Slasherfilm. Auch die Rückblenden in die Vergangenheit des einen Mädels, das ein bisschen mehr Hirn mitbringt, sind unnütz und tragen nicht zur Erhellung bei. Aber: „Split“ ist dennoch kein schlechter Film. Er unterhält, er hat mit der Darbietung von James McAvoy ein kleines schauspielerisches Glanzlicht und bietet ein interessantes Setting. Aber gemessen an dem, was Shyamalan schon gezeigt hat, ist er leider eine weitere Enttäuschung.


5,5
von 10 Kürbissen

Spectral (2016)

Regie: Nic Mathieu
Original-Titel: Spectral
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Action, Kriegsfilm, Science Fiction
IMDB-Link: Spectral


70 Millionen US-Dollar. Ausgeschrieben: 70.000.000 US-Dollar. Das war das Budget für die Netflix-Produktion „Spectral“. Ein bombastischer Science Fiction-Kriegsfilm sollte es sein. US-Streitkräfte, die in Moldawien Aufständische in einem Bürgerkrieg bekämpfen, sehen sich plötzlich mit einem neuen Feind konfrontiert. Spektralartige Wesen, die durch Wände gehen, denen Kugeln nichts anhaben können und die die Elite-Soldaten schon mit einer simplen Berührung umbringen. Deshalb wird nun der Militärforscher Clyne (James Badge Dale, ein Name, den man sich nicht unbedingt merken muss) ins Kriegsgebiet geflogen, wo er zusammen mit der Wissenschaftlerin Fran Madison (Emily Mortimer mit einem Tiefpunkt in ihrer Karriere) das Phänomen erforschen soll und sich gleich mal in einem Einsatz wiederfindet, in dem die Soldaten fröhlich gemeuchelt werden. Man muss sich nach draußen kämpfen, findet unterwegs Kinder, die sich versteckt gehalten haben, entdeckt durch Zufall, womit man die Geisterkiller aufhalten kann, rüstet um zu Ghostbusters und zieht in den finalen Endkampf. Dort stellt man dann fest, was diese Spektralwesen tatsächlich sind (die Begründung ist mit Sicherheit ein Fest für Physiker, die sich nach Sichtung des Films noch ganze Nächte lang über die Blödheit des Films begeistern können) und pustet sie in ganz schlechtem CGI-Gewitter weg. Begleitet wird das alles von völlig hirnrissigen Dialogen, abstrusen Handlungen und Logiklöchern, die ganze Flugzeugträger schlucken können. Ein dummer Film, der scheinbar nur dazu gedreht wurde, um mal wieder das US-amerikanische Militär zu feiern. „Spectral“ ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie man 70 Millionen US-Dollar verbrennen kann. Hätten sie das Ganze doch nur mit einer Handkamera, Laiendarstellern und selbst genähten Kostümen gedreht – dann hätte das wenigstens noch witzig und trashig werden können. Aber so ist der Schmarren nur ärgerlich. Kein Wunder, dass der Film es nicht ins Kino geschafft hat, sondern sofort auf Netflix veröffentlicht wurde, wo er nun in den Untiefen der Kategorien „Action“ und „Science Fiction“ schlummert. Möge er in Frieden ruhen.


2,0
von 10 Kürbissen

Sword Master (2016)

Regie: Derek Yee
Original-Titel: San Shao Ye De Jian
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Eastern, Action
IMDB-Link: San Shao Ye De Jian


Martial Arts-Filme laufen bei mir für gewöhnlich ja ein wenig unterhalb des Radars. Zum einen sind nicht allzu viel davon regelmäßig in unseren Kinos zu bewundern, zum anderen finde ich zwar die aufwendig choreographierten Kämpfe zwar sehenswert, aber die Stories reißen mich nur selten mit. Beim /slash-Filmfestival hatte ich nun Gelegenheit, gleich zwei Martial-Arts-Filme aus Hongkong in 3D zu sichten. Den Auftakt machte der 2016 erschienene Film „Sword Master“ von Derek Yee. Um es kurz zu machen: Innerhalb kurzer Zeit konnte ich wieder feststellen, dass ich wohl kein großer Martial Arts-Fan mehr werde, aber die Faszination, die viele Asien-Begeisterte für diese Art von Filmen haben, durchaus nachvollziehen kann. Denn die Optik von „Sword Master“ ist grandios. Was hier an farbenkräftigen, aufwendigen Kulissen aufgestellt wird und welche irren Kamerafahrten und atmosphärisch dichten Bilder auf der Leinwand zu sehen sind, ist schon eine Kunst für sich. Auch die Figuren sind interessant, und dem Film gelingt es tatsächlich, den Antagonisten trotz markanter Äußerlichkeiten, die ihn klar als den Bösewicht identifizieren, Sympathiepunkte beim Publikum sammeln zu lassen, sodass man sich schon fast vor der finalen Konfrontation zu fürchten beginnt. Allerdings ging es mir wieder so wie bei den meisten anderen Filmen, die ich in diesem Genre gesehen habe (und zugegeben, allzu viele waren es bislang nicht): Die Story rund um alte, zerstrittene Clans mit einem verschwundenen „Third Master“, der mit seiner Schwertkunst über die ganze Welt regieren kann und den Bündnissen, die geschlossen und wieder aufgelöst werden, konnte ich selbst nicht allzu viel anfangen. Zu konfus erscheint mir diese, und allzu oft bedient sich der Film des Deus ex machina, um bestimmte Konfrontationen und Erkenntnisse herbeizuführen. So bleibt die Geschichte einfach nur der Rahmen, innerhalb dessen sich möglichst spektakuläre Schwertkämpfe abspielen sollen, die jegliche Gesetze der Physik nicht nur ignorieren, sondern fröhlich in den Boden stampfen. Unterhaltsam ist das schon, aber auch bald wieder vergessen – jedenfalls von mir.


5,5
von 10 Kürbissen

(Foto: /slash Filmfestival)

Mister Universo (2016)

Regie: Tizza Covi und Rainer Frimmel
Original-Titel: Mister Universo
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama
IMDB-Link: Mister Universo


Tairo, der junge Löwendompteur im Zirkus, findet sein Glückseisen nicht mehr, das ihm einst der stärkste Mann der Welt, Arthur Robin, genannt „Mister Universo“, gebogen hat. Da er unter den Artistenkolleginnen und -kollegen im Zirkus nicht besonders beliebt ist – lediglich mit der Schlangenfrau Wendy ist er befreundet – liegt der Verdacht nahe, dass ihm jemand das Eisen versteckt oder gestohlen hat. Die Auswirkungen spürt Tairo, wie er meint, sofort: Seine alte Tigerdame wird krank und kann nicht länger auftreten, sein Löwenmännchen verhält sich plötzlich aggressiv – mit nur zwei Tieren muss Tairo seine Show bestreiten. Das kann so nicht weitergehen, also nimmt er sich ein paar Tage frei, setzt sich in sein Auto und besucht seine Familie, um von ihr den Verbleib von Mister Universo in Erfahrung zu bringen, denn dieser soll ihm ein neues Glückseisen biegen. Nur ist nicht klar, ob Mister Universo noch in Italien aufzufinden ist, vielmehr: ob er überhaupt noch lebt. Denn er war schon ein betagter Herr, als ihm Tairo vor vielen Jahren zum ersten Mal begegnet ist. Aber der junge Dompteur lässt sich nicht beirren, und Schritt für Schritt kommt er seinem einstigen Idol näher. „Mister Universo“ von Tizza Covi und Rainer Frimmel lässt die Grenzen zwischen Dokumentar- und Spielfilm verschwimmen. Denn die Darsteller spielen sich selbst. Tairo, Wendy, Mister Universo – sie sind reale Persönlichkeiten, die dem langsam aus unserer Welt verschwindenden fahrenden Volk angehören. So ist die Darstellung des Lebens im Zirkus so authentisch wie nur irgendwie möglich, denn Tairo & Co. erzählen von ihrem eigenen Leben. Das Drehbuch skizziert zwar grob die Geschichte vor, aber vieles ist improvisiert und direkt dem Leben der Zirkusartisten entnommen. Diese Wahrhaftigkeit tut dem Film, der seine kleinen Geschichten und Begegnungen wie ein ruhiger Fluss transportiert, sehr gut. Auch wenn kaum etwas passiert, entsteht keine Langeweile – jedenfalls nicht bei mir. Ein bisschen straffen hätte man zwar können, und auch die finale Begegnung zwischen Tairo und Mister Universo fällt meiner Meinung nach zu kurz aus, um tatsächlich einen denkwürdigen Nachhall zu erzeugen, aber der Weg dahin ist voller kleiner Momente, glimpses of reality, die mich als Zuseher angesichts der Fremdheit dieser Welt unserer Kindertage neugierig bleiben lassen.


7,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Stadtkino Filmverleih)