Action

Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings (2021)

Regie: Destin Daniel Cretton
Original-Titel: Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Fantasy, Action, Eastern
IMDB-Link: Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings


Man sollte gefälligst die Griffel von dubiosen Ringen lassen, das wissen wir seit „Herr der Ringe“. Xu Wenwu (Tony Leung) ist das aber schnurzpiepegal, und er schnallt sich gleich zehn Schmuckstücke über seine Arme, die ihm fortan übermenschliche Kräfte verleihen. Die nutzt er dafür, um das zu tun, was wohl jeder von uns in der Situation tun würde: Er baut ein Imperium des Bösen auf. Doch dann kommt ihm die Liebe in die Quere. Cut – wir gehen in die Gegenwart, nach San Francisco, wo Xu Wenwus Spross Shang-Chi (ein hochgradig sympathischer Simu Liu) seine Brötchen als Parkwächter verdient, was man halt so macht, wenn man der Sohn eines mächtigen Unterwelt-Bosses ist. Seine Kollegin und platonische Freundin Katy (Awkwafina) weiß davon nichts, denn Shang-Chi lässt die Vergangenheit lieber ruhen. Doch die ist quicklebendig und klopft schon bald in Form einer Postkarte an seine Tür. So nimmt das Abenteuer seinen vorhersehbaren und erwarteten Verlauf. So weit, so Standard. Und doch ist „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ nicht nur aufgrund seines asiatischen Settings ein kurzweiliger und origineller Beitrag zum Marvel-Universum. Denn endlich gibt es einmal einen Bösewicht, dessen Motivation man gut nachempfinden kann. Zudem wird geschickt fernöstliche Mythologie in die Marvel-Welt integriert. Zwar unterscheidet sich „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ damit nicht mehr groß von anderen fernöstlichen Martial Arts-Filmen, die ihre Wurzeln im Mystischen haben, aber das ist nicht unbedingt ein Qualitätskriterium per se. Denn der Film unterhält gut und verbindet Ost und West auf eine sehr unprätentiöse Weise. Viel mehr als gute Unterhaltung möchte der Film auch gar nicht sein – es fehlt ihm vielleicht ein bisschen das Epische der besten Marvel-Filme, aber als kurzweiliges Abenteuer für zwischendurch macht er sich wirklich gut.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Jasin Boland/Jasin Boland – © Marvel Studios 2021. Quelle http://www.imdb.com)

Eternals (2021)

Regie: Chloé Zhao
Original-Titel: Eternals
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Fantasy, Science Fiction, Abenteuerfilm, Action
IMDB-Link: Eternals


Was für ein großartiger Anfang: Mit Pink Floyds Meisterwerk „Time“ und dessen grandiosem Intro beginnt Chloé Zhaos Reise durch die Zeit und das Marvel-Universum. Ganz ehrlich: Besser kann man einen Film nicht eröffnen. Die Oscarpreisträgerin zeigt hier gleich einmal, dass sie mit ihrem ersten Blockbuster „Eternals“ die ausgetretenen Marvel-Pfade verlassen und ein bisschen mehr Anspruch reinbringen möchte. Und ja, „Eternals“ fühlt sich definitiv anders an als alle anderen Filme des Marvel-Universums, die auf Konstanten setzen wie epische Superhelden mit einem ganz persönlichen Klescher, humorvolle Action und actionreichem Humor sowie einem gut dosierten Wohlgefühl beim Publikum (man kann sich darauf verlassen, dass das Böse unter Einsatz von ausreichend Hieben und lockeren Sprüchen in die Schranken gewiesen wird). „Eternals“ hingegen legt die Geschichte noch weitaus größer und bedrohlicher an. Hier geht’s gleich ins Göttliche. Allerdings wirkt die Geschichte nicht ganz rund, und selbst die Laufzeit von über 2,5 Stunden reicht nicht ganz aus, um die Figuren, die Geschichte und das Setting vertraut zu machen. Man fremdelt ein wenig mit allem. Sei es mit den zehn mit recht banalen Superkräften ausgestatteten Eternals, mit den gefräßigen Widersachern, den Deviants, oder mit der ganzen göttlichen Schöpfungsgeschichte. Alles scheint groß aufgeblasen und episch zu sein, entpuppt sich aber im Kern dann als doch recht einfach, fast schon banal. Großartig ist immerhin die unaufgeregte Diversität, die schon in vielen Kritiken wohlwollend angesprochen wurde. Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Es ist schön, dass es Filme gibt, die Diversität aufgreifen und umsetzen, ohne dass das groß zum Thema gemacht wird. So können auch mal talentierte Schauspieler:innen aus der zweiten Reihe glänzen, und die nominellen Superstars wie Angelina Jolie oder Salma Hayek haben kein Problem damit, sich als Nebenfiguren einzugliedern. Der Cast macht seine Sache gut, auch wenn es dann vielleicht doch etwas an Tiefgang fehlt. Das Thema der unsterblichen Held:innen hätte man durchaus noch differenzierter betrachten können. Sehr schön hingegen sind die Sprünge durch die Zeit, der Aufbau der Zivilisation, die Reise durch die Menschheitsgeschichte. Irgendwie beschleicht mich da das Gefühl, dass sich der Stoff als Serie besser gemacht hätte, denn gerade diesen Aspekt, das vorsichtige Leiten der Menschheitsgeschichte durch die Eternals, hat mich persönlich fast am meisten interessiert. Insgesamt ist „Eternals“ ein sehenswerter Film, der sich deutlich vom üblichen Marvel-Universum abhebt (was man nun je nach persönlichen Präferenzen gut oder eher nicht so gut finden kann), der aber leider dann in vielen Belangen doch eher Stückwerk bleibt.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Venom: Let There Be Carnage (2021)

Regie: Andy Serkis
Original-Titel: Venom: Let There Be Carnage
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Action, Fantasy
IMDB-Link: Venom: Let There Be Carnage


„Venom: Let There Be Carnage“ heißt das zweite Marvel-Abenteuer mit Tom Hardy in der Doppelrolle Reporter / gefräßiges Alien, und das Publikum des mathäser Filmpalasts in München dachte sich wohl: ‚Hey, da nehmen wir den Titel doch einfach wörtlich‘, und verwüstete den Kinosaal so sehr, dass die Schützengräben von Verdun dagegen vermutlich als klinisch sauber galten. So etwas habe ich bislang echt nicht erlebt – ganz zu schweigen von den vielen Familien mit ihren 6- bis 8-jährigen Kindern in einem Film, der in Deutschland ab 12, bei uns ab 14 freigegeben ist und aufgrund seiner Thematik und Gewaltdarstellung durchaus auch eine FSK 16-Freigabe verdient hätte. Denn auch im zweiten Venom-Film geht es heftig zur Sache. Da wird gekämpft und gebissen und geprügelt, was das Zeug hält. Tom Hardy gegen Woody Harrelson – das nenne ich Brutalität! Eine ruhige Minute gibt es selten. Wo sich die Freigabe für jüngeres Publikum aber (leider) zeigt, ist die Komplexität der Story, der auch die 6-jährigen im Saal problemlos folgen konnten, und der infantile Humor. Nein, „Venom: Let There Be Carnage“ ist kein guter Film, ist sogar noch ein schlechterer Film als der erste Teil, der schon nicht berauschend war. Es ist Kino, das nicht einmal den zaghaften Versuch wagt, das Hirn anzusprechen. Hauptsache laut. Und coole Sprüche. Und noch lauter. Ja, eh ganz unterhaltsam, aber für den Titel ist der Film insgesamt zu zahm, und als reine Action-Klopperei eben zu austauschbar und zu banal. Ein Film für jugendliche Halbstarke, die sonst nicht oft ins Kino gehen. Denen reichen ein paar Dauergags über das Fressen von bösen Jungs und Prügeleien zwischen Aliens wohl aus.


3,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

James Bond 007: Keine Zeit zu sterben (2021)

Regie: Cary Joji Fukunaga
Original-Titel: No Time to Die
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Action, Thriller
IMDB-Link: No Time to Die


Man versetze sich doch bitte mal in die Lage von Daniel Craig. Da sitzt du in einem Hotelzimmer beim Promo-Interview für deinen neuen Film, doch dessen Kinostart ist drölfzig Mal verschoben worden und du hast keinen Schimmer mehr, worum es eigentlich geht, weil du in der Zwischenzeit schon so viele andere Sachen gemacht hast. Aber gut, das gehört vermutlich zum Berufsrisiko. Jedenfalls ist es nun tatsächlich so weit und das letzte Bond-Abenteuer mit Daniel Craig in der Hauptrolle flimmert über unsere Leinwände. Und weil es ja wirklich der letzte Craig-Bond ist, genießt der erst mal seine wohlverdiente Pension mit seiner neuen Flamme unter tropischen Palmen. Der Film wäre allerdings ein bisserl arg fad geworden, wenn Fukunaga daraus nur eine 2,5 Stunden lange Traumschiff-Folge gemacht hätte, und so muss Bond auch bald wieder zurück nach Good Old England, um Schurken zu jagen und Gebäude in die Luft zu sprengen – eben das, was er eigentlich immer macht. Und weil den Drehbuchautoren nichts Besseres eingefallen ist, wiederholen sie das bewährte Schema: Die Vergangenheit holt die Helden des Films ein. War es in Skyfall noch M’s Vergangenheit und ging die Reise in Spectre in Bonds höchstpersönliche Geschichte, so wird nun ein dunkles Geheimnis der Liebsten ausgebuddelt. Never change a running system. Was aber in „Keine Zeit zu sterben“ wirklich neu ist: Der Mann mit der Lizenz zu töten entdeckt ganz tiefe Gefühle. Das ist vielleicht nicht ganz ideal für einen eiskalten Killer und Geheimagenten, aber es beschert den Zusehern einige nette Was-wäre-wenn-Momente – was wäre, wenn Bond einfach mit seiner Holden auf der tropischen Insel geblieben und dort eine Familie gegründet hätte mit drei Söhnen, die allesamt in Anzug und mit Sonnenbrille auf der Nase herumtollen und statt Sandburgen schussfeste Bunker bauen. Aber nein, so idyllisch wird es zu keinem Zeitpunkt. Stattdessen gibt’s wieder jede Menge Krachbumm. Die von mir hochgeschätzte Ana de Armas darf als Bond-Girl immerhin mal neue Wege bestreiten und in einem kurzen, aber denkwürdigen Auftritt dem steifen Engländer zeigen, wo der Bartl den Most herholt. Der Rest des Films hält dieses Niveau aber leider nicht, und vor allem in der zweiten Hälfte zerfällt er in seine Bestandteile. Und die Schurken? Christoph Waltz: verschenkt. Rami Malek: verschenkt. Daraus hätte man so viel mehr machen können. Vielleicht war es ja tatsächlich an der Zeit, Daniel Craig als Bond Lebwohl zu sagen. Er hat seine Sache gut gemacht, aber die Stories rund um seinen Bond sind immer größer und größer geworden und am Ende als Blase geplatzt. Immerhin war’s eine irre Reise bis dahin.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Nicole Dove – © 2019 DANJAQ, LLC AND MGM, Quelle http://www.imdb.com)

James Bond 007: Spectre (2015)

Regie: Sam Mendes
Original-Titel: Spectre
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Action, Thriller
IMDB-Link: Spectre


Alle Vorzeichen des vierten James Bond-Abenteuers mit Daniel Craig in der Titelrolle standen auf Grün: Mit Sam Mendes war der Regisseur des grandiosen Vorgängerfilms Skyfall wieder mit an Bord, Christoph Waltz war als Bösewicht gecastet, Monica Bellucci durfte mal den Altersschnitt der Bond-Girls etwas anheben und die reiferen Schönheiten repräsentieren, die Story sollte alle Fäden der vorigen Filme zusammenführen, kurz: „Spectre“ sollte ein Volksfest für Bond-Aficionados werden. Doch wie so oft im Leben halten die tatsächlichen Ereignisse der Erwartungshaltung nicht stand. Es verhält sich ungefähr wie beim Besuch des Louvre, um endlich mal die Mona Lisa zu sehen: Im Vorfeld denkt man schon voller Vorfreude daran, wie einen die mysteriöse Dame anlächeln wird, während man über man DaVincis Genie kontempliert, doch dann latscht du erst mal stundenlang durch Gemäldegalerien, bis die Füße schmerzen, stehst am Ende vor einer riesigen Menschentraube, und außer Selfie-Sticks siehst du nichts. Man wollte halt einfach zu viel. Und ganz ehrlich: Die anderen Gemälde, die man im Vorbeihasten nur flüchtig mit Blicken gestreift hat, wären eh interessanter gewesen. So ist das eben auch bei „Spectre“. Der Film möchte alles Dagewesene in Sachen James Bond toppen und wird von Sam Mendes als pompöses Eventkino aufgezogen, doch es ist von allem ein bisschen zu viel. Zu viel Action, zu viel Drama, zu viele Verwicklungen und Verstrickungen, die einem per deus ex machina anspringen – das alles ist nicht rund. Und Christoph Waltz? Der ist tatsächlich verschenkt. So ist „Spectre“ unter den ersten vier Daniel Craig-Bonds trotz Vorschusslorbeeren der schwächste Film. Natürlich ist er immer noch unterhaltsam, aber es fehlt ihm an eigenständigen Charakter, was die Vorgängerfilme allesamt noch aufwiesen – selbst der nicht gänzlich geglückte Ein Quantum Trost.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by jonathan olley – © SPECTRE2015 Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc., Danjaq, LLC and Columbia Pictures Industries, Inc., Quelle http://www.imdb.com)

James Bond 007: Skyfall (2012)

Regie: Sam Mendes
Original-Titel: Skyfall
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Action, Thriller
IMDB-Link: Skyfall


Da haben wir ihn nun: Den besten James Bond-Film, der jemals gedreht wurde. Meine völlig subjektive Meinung, und das voller Ehrfurcht vor Sir Sean Connery und den Klassikern wie „Liebesgrüße aus Moskau“ oder „Goldfinger“. Aber ganz ehrlich: „Skyfall“ ist ein perfekter Actionfilm mit einem Daniel Craig, der nun endgültig in seine epische Rolle als Geheimagent mit der Lizenz zu töten hineingefunden hat, und der sich einem großartigen Schurken entgegenstellen muss. Javier Bardem, der mit schlechtem Haarschnitt einfach unfassbar creepy wirkt (siehe „No Country for Old Men“ und nun auch wieder hier in „Skyfall“), spielt sich die Seele aus dem Leib und lässt einen damit sogar Mads Mikkelsen vergessen. Und Spoiler vorab: Selbst Christoph Waltz, der ja schon mehrfach bewiesen hat, wie gut ihm Oberschurken gelingen, sieht im nachfolgenden „Spectre“ blass gegen Bardem aus. Der Rest des Films ist exzellent inszenierte Action und eine Story, der man tatsächlich mal gebannt folgen kann (eine Ausnahme in der James Bond-Filmreihe). Denn hier wird’s ausnahmsweise persönlich – der Schurke möchte nicht bloß einfach die Welt ins Nirwana bomben, sondern hat eine nachvollziehbare Agenda und genug Charisma, um auch Verständnis beim Zuseher zu erzeugen. In mehreren Aspekten weicht „Skyfall“ von der üblichen Bond-Formel ab, und das tut dem Film sichtlich gut. Zum Beispiel wird das übliche Bond-Girl (Bérénice Marlohe) hier schon fast schmerzhaft beiläufig abgehandelt. James Bond hat in diesem Film nun mal andere Prioritäten, auch wenn sich ein Quickie unter der Dusche schon noch ausgeht. Stattdessen schlüpft Dame Judi Dench als M in die zentrale weibliche Rolle des Films und liefert einige wirklich denkwürdige Momente. „Skyfall“ ist ein harter Film mit Untiefen, der den eleganten Kuschel-Bond Pierce Brosnan endgültig in die Versenkung verschwinden lässt. Wie gesagt, für mich der beste Film der Reihe.


8,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Francois Duhamel – © 2012 – Danjaq, LLC, United Artists Corporation, Columbia Pictures Industries, Inc., Quelle http://www.imdb.com)

James Bond 007: Ein Quantum Trost (2008)

Regie: Marc Forster
Original-Titel: Quantum of Solace
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Action, Thriller
IMDB-Link: Quantum of Solace


Die Erinnerung ist ein Hund. Da habe ich gedanklich „Ein Quantum Trost“, das zweite Abenteuer von Daniel Craig als James Bond, als total verhunzte Gurke abgespeichert und stelle nach neuerlicher Sichtung fest: Der ist eigentlich ganz gut. James Bond als Amok laufender Racheengel an der Seite von Olga Kurylenko, die eine ähnliche Agenda verfolgt, ist flott geschnitten und mit einer ökonomischen Laufzeit von ca. 1,5 Stunden auch recht kurzweilig. Mathieu Amalric als Nachfolger des Superschurken Mads Mikkelsen kann man auch keinen Vorwurf machen – der macht seine Sache schon ordentlich in dem Bewusstsein, dass du als Schauspieler immer abstinkst, wenn du an Mikkelsen gemessen wirst. Allein Gemma Arterton als Gspusi für zwischendurch ist komplett verschenkt. Aber gut, die stand auch noch ziemlich am Anfang ihrer Karriere, die dann trotz der Minirolle gehörig Fahrt aufnahm. Für die ging ihr kurzer Auftritt runter wie Öl (pun intended). Alles in allem ist dieses Abenteuer, das direkt an die Ereignisse von „Casino Royale“ anschließt und damit direkt in die etwas unorthodoxe Trauerbewältigung eines hochgezüchteten Geheimagenten mit der Lizenz zu töten einsteigt, gut gelungen, ohne jedoch auch nur annähernd das Niveau des Vorgängers zu erreichen. Dazu ist der Film zu actionlastig – das typische Bond-Feeling von früher stellt sich hier nicht mehr ein. Auch ist die Action zu hektisch geschnitten, da verliert man gerne auch mal den Überblick – ein handwerkliches Manko, das in dieser Oberliga der Hollywood-Unterhaltung eher ungut auffällt. Aber als Zwischengang zwischen „Casino Royale“ und dem ebenfalls exzellenten „Skyfall“ ist der Film schon in Ordnung.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

James Bond 007: Casino Royale (2006)

Regie: Martin Campbell
Original-Titel: Casino Royale
Erscheinungsjahr: 2006
Genre: Action, Thriller
IMDB-Link: Casino Royale


Ehe es in den neuen Bond-Film geht, den letzten mit Daniel Craig, ist es an der Zeit, die bisherigen Filme noch mal Revue passieren zu lassen. An Daniel Craig als Bond-Darsteller scheiden sich ja ein bisschen die Geister. Die Einen meinen, er wäre aufgrund der Härte und darunter durchschimmernden Verletzlichkeit der perfekte Bond, Andere meinen, er wäre aufgrund der Härte und der darunter durchschimmernden Verletzlichkeit der mieseste Bond. Gut, der selige Sir Sean Connery ist sakrosankt, aber wenn ich mir Craigs Leistung im Vergleich mit seinen Vorgängern mal genauer ansehe, tendiere ich jedenfalls mit gutem Gewissen zur ersten Fraktion. Dazu hatte er mit „Casino Royale“ einen sehr starken Auftakt, der mit Mads Mikkelsen wohl einen der besten Gegenspieler des Bond-Universums aufbietet und dank des damaligen Poker-Hypes auch noch einen Nerv traf. Dazu kam Eva Green in einer Paraderolle – jene der unterkühlten und mysteriösen Schönen. Ganz ehrlich: Für solche Rollen schuf der liebe Gott sie. Ansonsten ist „Casino Royale“ unter der Regie von Martin Campbell ein klassischer Bond-Film: Die Handlung ist verwirrend, aber wurscht, die Ladies ziehen sich für Bond immer noch schneller aus als ich nach der Arbeit von den Jeans in die Jogginghose schlüpfe, alle paar Minuten explodiert irgendwas, Verfolgungsjagden ziehen sich über Minuten, aber der Anzug sitzt immer perfekt. Im Unterschied zu seinen Vorgängern darf Daniel Craig als Bond diesmal aber nicht nur schwitzen, sondern auch bluten, und das tut der Reihe generell sehr gut. Und ob er seinen Martini geschüttelt oder gerührt trinkt, interessiert ihn einen Scheißdreck. Wie gesagt, ich mag diesen kernigen Bond. Von allen Bond-Filmen gehört „Casino Royale“ definitiv zu den gelungensten. Er erklärt die Figur James Bond endlich einmal und überführt sie in unsere Zeit. Dieses Niveau konnte die Reihe in den folgenden Filmen leider nicht halten, auch wenn es mit „Skyfall“ noch einen zweiten Höhepunkt gab.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2006 Danjaq, LLC, United Artists Corporation and Columbia Pictures Industries, Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Prisoners of the Ghostland (2021)

Regie: Sion Sono
Original-Titel: Prisoners of the Ghostland
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Action, Komödie, Eastern, Western, Fantasy
IMDB-Link: Prisoners of the Ghostland


Da haben sich die richtigen beiden gefunden: Der komplett wahnsinnige Filmmacher Sion Sono und Nicolas Cage, unumstrittener König des Slash-Filmfestivals. Viele meinen ja, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis die beiden zueinander finden würden. In „Prisoners of the Ghostland“ ist es nun endlich soweit, und komplett irre Film- und Szenenideen treffen auf gnadenlos durchexerziertes Overacting. A match made in heaven. Die Story ist dabei schon komplett nebensächlich. Ex-Bankräuber (Cage) wird von einem selbsternannten Gangster-Boss in Samurai City, wo Eastern und Western aufeinanderprallen, auf die Suche nach seinem Mädel (Sofia Boutella) ins mystische, fantastische Ghostland geschickt. Zur Motivation trägt der Held einen Lederanzug, an dem kleine Bomben an Hals, Armen und … nun ja … den Eiern befestigt sind. Scheitert er, gehen die Bomben an seinem Hals los. Betatscht er die Gerettete, müssen die Arme dran glauben. Und wann die Bomben an seinen Genitalien losgehen, muss ich wohl nicht extra erklären. Und so absurd diese Idee schon ist – Sion Sono zögert keinen Moment, diese so richtig auszukosten. Der Rest des Films sind wilde Settings, die zum Teil an Mad Max erinnern, komplett irre choreographierte Schießereien und Komparsen, die komplett gaga irgendwelche Chants singen dürfen. Ach ja, und atomare Explosionen natürlich. Das alles ist so over the top, dass man nur den Hut ziehen kann. Gleichzeitig ist der Film aber auch fürchterlich anstrengend – und aufgrund der fehlenden Story dann zwischenzeitlich sogar ein bisschen fad, wenn man sich an den ganzen visuellen Wahnsinn mal gewöhnt hat. Da stellt man dann nämlich fest, dass „Prisoners of the Ghostland“ zwar ein Gore-Fest der Sonderklasse ist, aber leider wenig Substanz hat. Im Übrigen: Arme Filmhistoriker, die irgendwann mal Nicolas Cages Karriere studieren müssen. Ab einem gewissen Punkt ist die einfach nicht mehr erklärbar.


5,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Wanted (2008)

Regie: Timur Bekmambetow
Original-Titel: Wanted
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Action, Thriller
IMDB-Link: Wanted


Timur Bekmambetow. Wir erinnern uns. Das ist der Typ, der die atemberaubende Karriere von Abraham Lincoln als Vampirjäger verfilmt hat. In „Wanted“ zeigt er uns ebenfalls etwas Neues, was wir bislang noch nicht wussten: Nämlich, dass Kugeln um die Ecke fliegen können. Physik ist, was man daraus macht. Und ganz eigene Physik ist für einen Actionfilm ja nicht unbedingt ein Knockout-Kriterium in Sachen Qualität – wenn der Film fetzt, dann verzeiht man ihm auch einen eher unwissenschaftlichen Zugang. Das ist ja okay. Aber, wie gesagt, dann muss der Film eben auch liefern – mit einer spannenden Story, guten Actionsequenzen und interessanten Figuren. Zumindest den Part mit den interessanten Figuren macht „Wanted“ zu Beginn auch erst mal richtig. Der ängstliche Buchhalter Wesley Gibson ist schon mal ein ambivalenter Charakter, den man gut nachvollziehen kann. So gehört die erste halbe Stunde von „Wanted“ auch einem groß aufspielenden, sympathischen James McAvoy, und auch wenn hier schon alles überzeichnet ist (der Film basiert schließlich auch auf einem Comic), so macht es Spaß, dabei zuzusehen, wie sich der junge Mann nach einer bleihaltigen Begegnung mit einer seltsamen Amazone (Angelina Jolie, die wieder mal sehr erfolgreich Angelina Jolie spielt) allmählich emanzipiert und die Zügel seines Lebens selbst in die Hand nimmt. Aber ab da geht’s rasant bergab. Denn die Story wird immer dünner und dümmer, und auch die Action ist einfach so dermaßen over the top, dass es auch nichts mehr nützt, bei der Physik alle Augen inklusive Hühneraugen zuzudrücken. Das wird mit der Zeit alles so fad und repetitiv, dass auch Morgan Freeman schließlich jegliche Ambition ablegt und mit einem dermaßen faden Auge durch den Film schleicht, dass man fast schon Mitleid mit ihm hat. Allein James McAvoy bleibt konzentriert bei der Sache und rettet, was zu retten ist. Wunder bewirken kann er aber trotzdem nicht, selbst wenn Kugeln um die Ecke fliegen.


4,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 2008 – Universal Studios, Quelle http://www.imdb.com)