Alice Guy

Falling Leaves (1912)

Regie: Alice Guy
Original-Titel: Falling Leaves
Erscheinungsjahr: 1912
Genre: Kurzfilm, Drama
IMDB-Link: Falling Leaves


Basierend auf einer Kurzgeschichte von O Henry, der selbst auch das Drehbuch zu diesem Kurzfilm geschrieben hat, erzählt Filmpionierin Alice Guy-Blaché von dem jungen Mädchen Trixie, das die Hiobsbotschaft, ihre Schwester würde an Tuberkulose versterben, wenn das letzte Blatt vom Baum gefallen ist, nicht hinnehmen möchte. Also macht sie sich auf den Weg, um ihre Schwester zu retten. „Falling Leaves“ ist sicherlich ein Rührstück und im Vergleich zu O Henrys Geschichte auch arg verkürzt, aber darüber sieht man gerne hinweg, finden sich doch in diesen etwa 12 Minuten genug schöne Momente, die zeigen, warum Alice Guy-Blaché ein solch hohes Ansehen unter Filmfans genießt. Es sind diese fast beiläufigen Dinge, wie zum Beispiel, als sich die Mutter, vor Schmerz gekrümmt, kurz wegdreht, als die kranke Winifred am Piano zu spielen beginnt, die den Film interessant machen. Auch der Versuch der kleinen Trixie, die herabgefallenen Blätter wieder am Baum zu befestigen, um ihrer Schwester Zeit zu verschaffen, ist einfühlsam in Szene gesetzt. Und auch die Darsteller:innen machen durch die Bank einen guten Job. Diese 12 Minuten Zeit kann man durchaus einmal investieren, wie ich finde.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

The Cabbage Fairy (1896)

Regie: Alice Guy
Original-Titel: La fée aux choux
Erscheinungsjahr: 1896
Genre: Fantasy, Kurzfilm
IMDB-Link: La fée aux choux


Die Brüder Lumière, D. W. Griffith, Ferdinand Zecca, Edwin S. Porter, der von mir so hochgeschätzte Georges Méliès – man möchte meinen, die Anfänge des Films wären eine reine Herrendomäne gewesen. Dabei kommt der vielleicht weltweit erste Fantasy-Film von einer Frau, nämlich der Filmpionierin Alice Guy (später Alice Guy-Blaché). Und auch viele Kolleginnen schufen frühe Meisterwerke des Kinos, die in Sachen Kreativität, Witz und teils auch handwerklichem Geschick jenen ihrer männlichen Kollegen um nichts nachstanden, sie sogar übertrumpften. Es ist halt leider immer noch unfairer Bestandteil unserer Rezeption, dass die talentierten Damen gerne vergessen werden, während die Werke der Herren im Gedächtnis bleiben. „The Cabbage Fairy“, jener frühe Fantasy-Film von Alice Guy, mag vielleicht auf den ersten Blick nicht sonderlich erinnerungswürdig wirken, aber wenn wir auf das Jahr der Entstehung schauen, nämlich 1896, als die Technik des Films gerade einmal ein gutes Jahr alt war, ist das schon ein erstaunlicher Wurf. In diesem kurzen, einminütigen Film tanzt eine gutgelaunte Fee adrett durch ein Gemüsefeld und erntet dort unerwartete Früchte. Viel mehr passiert zwar nicht, aber es ist fast unmöglich, sich der Faszination dieses frühen Films zu entziehen, wenn man sich bewusst vor Augen hält, mit wie viel spielerischer Leichtigkeit und Witz das Thema schon in diesem frühen Anfangsstadium des Mediums umgesetzt wurde. Dafür gibt’s meine Bewunderung, die sich diesmal nicht in Kürbissen widerspiegelt, aber man muss natürlich festhalten, dass das Werk heute nur noch im Kontext seiner historischen Einordnung funktioniert und nicht mehr gut allein für sich stehen kann.


5,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)