Alonso Ruizpalacios

Ein Polizei-Film (2021)

Regie: Alonso Ruizpalacios
Original-Titel: Una película de policías
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Una película de policías


Mehr Meta-Ebene geht nicht als eine Dokumentation über ein Polizisten-Paar in Mexiko Stadt, in der sich nach etwa knapp der Hälfte der Spielzeit herausstellt, dass dieses Paar von Schauspielern gespielt wird, die als Vorbereitung für die Rollen selbst eine Polizeiausbildung gemacht haben und darüber in Videotagebüchern berichten. Zentrale Frage ist hierbei: Was bedeutet es, Polizist zu sein – vor allem in einer gefährlichen Stadt wie eben Mexiko Stadt, in der Anfang 20jährige Rekruten nach einer 6-monatigen Basisausbildung schon auf die Straße geschickt werden, weil so viele Polizist:innen erschossen werden? Alfonso Ruizpalacios geht in „Una película de policías“ sehr eigene und verschlungene Pfade, um zu zeigen, woran es in Mexiko krankt. Korruption ist allgegenwärtig, und wie ein (echter) Polizist mal erzählt, als er mit dem Schauspieler auf Streife fährt: „Es gibt gute und schlechte Cops. Ganz wie in der Zivilbevölkerung. Auch dort gibt es gute und schlechte Menschen.“ Die Aussage klingt resignierend, denn ohne eine kleine Bestechung hier, eine verdeckte Erpressung da, scheint das System nicht zu funktionieren. So interessant das alles auch anzusehen ist, so anstrengend ist der Film aufgrund seiner verschachtelten Struktur aber auch. Gelegentlich driftet die Aufmerksamkeit auch mal kurz weg, vor allem in der ersten Hälfte des Films, die sich in scheinbaren Banalitäten verliert, und erst, als klar wird, wohin die Reise geht, bleibt man gebannt dabei – aber bis dahin muss man aber auch einigen Leerlauf erdulden. Insgesamt also ein ambivalentes Ereignis.


6,0 Kürbisse

(Foto: (c) Viennale)

Museum (2018)

Regie: Alonso Ruizpalacios
Original-Titel: Museo
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama, Krimi
IMDB-Link: Museo


Mitte der 80er Jahre rauben zwei Verlierertypen in einem unfassbaren Coup das anthropologische Museum in Mexico City aus und stehlen einige der wertvollsten Artefakte der prähistorischen mexikanischen Geschichte. Dass es aber mit einem Raub nicht damit endet, dass man wohlbehalten mit der Beute flüchten kann, zeigt Alonso Ruizpalacios‘ Gaunerstück „Museum“. Denn während die Exposition sehr kurz und knackig ausfällt und auch der Raub selbst in ökonomischer Laufzeit abgehandelt wird, fokussiert sich der Film dann mehr auf die Frage, was man den nun mit dem erbeuteten Diebesgut anstellen könnte. Da sitzt man nun auf einem unendlich wertvollen Schatz, der Millionen und Abermillionen wert ist. Doch kann man so eine alte Aztekenmaske ja schlecht in der Bank eintauschen. Und die Sendung „Bares für Rares“ gab es in den 80ern noch nicht. Hier zeigt sich nun die Limitierung der beiden Helden Juan und Benjamin (gespielt vom mexikanischen Ausnahmedarsteller Gael García Bernal und von Leonardo Otizgris). Denn auch wenn sie ihren Diebeszug mit unglaublichem Verve ausgeführt haben, so sind sie dennoch keine Verbrecher, die mit allen Wassern gewaschen sind. Familiäre Probleme, maßlose Selbstüberschätzung und eine Dosis Verzweiflung bringen die beiden in immer größere Probleme, und die Beute im Rucksack wandelt sich allmählich vom Heilsbringer zur allzu großen Bürde. Das führt zu einigen wirklich denkwürdigen und saukomischen Szenen, wenn die antiken Gegenstände allmählich immer mehr zweckentfremdet werden. Das ist alles sehr kurzweilig und gut anzusehen. Auch optisch macht der Film was her. Interessante Kameraperspektive und ein temporeicher Schnitt tragen ebenfalls zum Unterhaltungsfaktor bei. Allerdings ist der Film auch nicht frei von Schwächen. Denn die Motivation der beiden Möchtegern-Gangster wird nur unzureichend beleuchtet, und einen tieferen Sinn sucht man ebenfalls vergeblich, so sehr sich die erzählende Stimme aus dem Off auch bemüht, dem Geschehen einen intellektuellen Anstrich zu verpassen. Empfehlen kann man den Film trotzdem, denn zwei Stunden lang sorgt er für gut gemachte und durchaus spannende Unterhaltung.


6,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Viennale)