Animation

Asterix erobert Rom (1976)

Regie: René Goscinny, Albert Uderzo und Pierre Watrin
Original-Titel: Le 12 travaux d’Astérix
Erscheinungsjahr: 1976
Genre: Animation
IMDB-Link: Le 12 travaux d’Astérix


Manchmal ist es eine gute Idee, von Vorlagen abzuweichen. „Asterix erobert Rom“ war der erste Zeichentrickfilm rund um die widerspenstigen Gallier, der nicht auf einem Comic beruhte. Und dem Film tut das richtig gut – denn Goscinny und Uderzo konnten ein Drehbuch entwickeln, das dem Storytelling des Films näherkommt als jenem in Comics. So ist aus „Asterix erobert Rom“ wortwörtlich eine runde Geschichte geworden. Und damit der bislang beste Zeichentrickfilm rund um die Abenteuer der Gallier. Zwölf Prüfungen, die ihnen Julius Cäsar auferlegt hat, müssen Asterix und Obelix bestehen – gemäß des Beispiels von Herakles, der zwölf göttliche Aufgaben lösen musste, um in den Olymp aufgenommen zu werden. Der Olymp ist für die Gallier nicht das Ziel, aber etwas, was dem ziemlich nahe kommt: Rom! Denn Cäsar verspricht, sich vor den Galliern zu beugen und ihnen die Herrschaft über Rom zu überlassen, wenn sie die Prüfungen bestehen, denn dann – so seine Schlussfolgerung – müssen sie Götter sein, und gegen Götter kommt man nicht an. Umgekehrt aber, falls sie bei einer Prüfung versagen sollten, werden die Gallier zu Sklaven Roms. Unter den prüfenden Blicken des unbestechlichen Caius Pupus (vielleicht eine der witzigsten Nebenfiguren im Asterix-Universum überhaupt) nehmen die beiden Vorzeigegallier also die witzig adaptierten Prüfungen in Angriff. Der Höhepunkt des Films ist sicherlich, als sie im Haus, das Verrückte macht, den Passierschein A38 besorgen sollen. Diese Szene ist in die Filmgeschichte eingegangen und zu einem geflügelten Wort geworden. Zwar erreicht auch das dritte Filmabenteuer der Gallier nicht ganz die Genialität der Comic-Vorlagen, ist aber dennoch in fast allen Belangen gelungen und büßt auch nach der x-ten Sichtung nichts von ihrem Charme ein.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Asterix und Kleopatra (1968)

Regie: René Goscinny, Lee Payant und Albert Uderzo
Original-Titel: Astérix et Cléopâtre
Erscheinungsjahr: 1968
Genre: Animation
IMDB-Link: Astérix et Cléopâtre


Gleich vorweggenommen: Ich bin ein großer Fan der Asterix-Comics. René Goscinny und Albert Uderzo haben mit diesen liebevoll gezeichneten und erzählten, aber gleichzeitig hintersinnigen und intelligenten Comics etwas Zeitloses geschaffen, was ich mir auch als alter Tattergreis in 50 Jahren noch gerne und regelmäßig zur Hand nehmen werde, um in den Abenteuern der furchtlosen Gallier zu schmökern. „Asterix und Kleopatra“, ein relativ früher Band der Reihe, bietet ein Beispiel für diesen großartigen Schmäh, den die Herrschaften hatten: Als der Ägypter Numerobis aus Alexandria um Hilfe suchend ins gallische Dorf kommt und den Druiden Miraculix erleichtert mit den Worten „Ich bin, mein lieber Freund, sehr glücklich, dich zu sehen!“ begrüßt, erklärt dieser mit Blick auf Asterix und Obelix: „Das ist ein Alexandriner!“ Wenn man nun weiß, dass ein Alexandriner auch ein jambisches Versmaß mit sechs Hebungen und einer Zäsur genau in der Mitte ist, bekommt die Begrüßung von Numerobis plötzlich eine völlig andere Bedeutung. „Ich bin, mein lieber Freund / sehr glücklich, dich zu sehen!“ Dieses wunderbare Beispiel zeigt auch gleich mal ein Problem der Asterix-Verfilmungen auf: Denn auch wenn diese mit viel Liebe zu den Figuren inszeniert sind, so richten sich diese dann doch an ein junges Publikum, für das man eine andere Art von Humor braucht. Um diese abzuholen, braucht es lustige Lieder (die gerne von psychedelisch anmutenden Trickfilmsequenzen begleitet werden) und Slapstick. Und auch wenn diese kindliche Ebene inhärent auch in den Comics angelegt ist, so geht doch ein Stück von der Genialität der Vorlage verloren. Zudem muss man sagen, dass sich Goscinny, Uderzo und Payant bei „Asterix und Kleopatra“ vielleicht in der Handlung etwas zu sklavisch an der Vorlage orientiert haben, aber auch hier: Das Medium Comic funktioniert anders als das Medium Film. Und so plätschert im Film die Handlung, die im Comic-Format noch gut unterhält, etwas träge vor sich hin. Die späteren Filme haben das dann besser gemacht, indem sie sich weiter von den Vorlagen entfernt haben, um etwas Neues und Eigenes und dem Bewegtbildformat Angemessenes zu kreieren. Nichtsdestotrotz ist es auch heute noch eine Freude, in die Filme der Kindheit einzutauchen, und wenn es nur das Nostalgieempfinden ist, das hiermit bedient wird.


5,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Mulan (1998)

Regie: Tony Bancroft und Barry Cook
Original-Titel: Mulan
Erscheinungsjahr: 1998
Genre: Animation
IMDB-Link: Mulan


Der neueste Schmäh von Disney ist es ja, alte Zeichentrick-Klassiker im Realverfilmungs-Gewand zu recyclen. Das kann man durchaus kritisch betrachten, denn in punkto Kreativität ist das kein Ruhmesblatt. Man kann aber auch das Positive daran hervorheben und sich der zumeist gelungenen Tricktechnik erfreuen, wie sie zuletzt Der König der Löwen zelebriert hat. Für die Neuverfilmung von „Mulan“ geht man hingegen einen neuen Weg, wie es der Trailer vermuten lässt, und erzählt die Geschichte nicht mit dem gleichen Niedlichkeitsfaktor 1:1 nach, sondern wechselt gleich das ganze Genre – zum asiatischen Martial Arts-Film. Und das könnte ganz gut passen. Ein Urteil darüber dann später, wenn der Film bei uns in den Kinos angelaufen ist. Einstweilen ist aber noch genug Zeit, die Vorlage aus dem Jahr 1998 zu sichten. Denn die passt sehr gut in die heutige Zeit, war Mulan doch eine sehr emanzipierte Disney-Heldin. Anstelle des gebrechlichen Vaters zieht sie in den Krieg gegen die Hunnen – verkleidet als Mann und wissend, dass das ihren Tod bedeutet, wenn sie auffliegt. Nicht allzu gut beraten vom Familiendrachen Mushu, der eine Möglichkeit sieht, wieder aufgenommen zu werden in die Hall of Fame der Dynastie, wenn er Mulan beschützt, mischt sie sich unter die Soldaten und macht sich dort gleich einmal so richtig unbeliebt. Denn männliche Verhaltensweisen sind oft erratisch, infantil und schwer zu imitieren. Dass sie am Ende dann doch zur großen Heldin wird, ist angesichts der Produktionsfirma und der Bekanntheit des Films nun kein großer Spoiler. Der Weg dahin ist aber amüsant und mit Tempo erzählt. Und seltener hat man finstere Bösewichte in einem Disney-Zeichentrickfilm gesehen als die Hunnen. Da muss sich sogar Schneewittchens Schwiegermutter hinten anstellen. Braucht es nun eine Realverfilmung dieses Klassikers? Wahrscheinlich nicht, denn das Original ist auch heute noch sehenswert – auch wenn sich die Gags eher an ein jüngeres Zielpublikum richten, da bin ich persönlich schon ein bisschen herausgewachsen. Aber spannend wird es dennoch zu sehen sein, wie man die Brücke vom kindlichen Animations-Abenteuer zum spektakulären Martial Arts-Film schlagen möchte.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 1998 – Walt Disney Studios., Quelle: imdb.com)

Die Unglaublichen (2004)

Regie: Brad Bird
Original-Titel: The Incredibles
Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Animationsfilm, Action, Komödie
IMDB-Link: The Incredibles


Nach einem schiefgegangenem Einsatz muss sich der Superheld Mr. Incredible ins Privatleben zurückziehen. Sein Glück ist, dass er mit der Superheldin Elastigirl sein privates Glück schon gefunden hat und mit ihr ganz friedlich eine Familie gründen kann. Doch wie es halt so ist, wenn man die beste Zeit gefühlt hinter sich hat, kommt irgendwann das Bedauern und die Sehnsucht. Ja, so ein Familienleben ist schon ganz nett, aber der Job in der Versicherung ist langweilig, der Chef cholerisch, die Kinder, die genetisch bedingt ihre ganz eigenen Fähigkeiten haben, anstrengend, und der Bauch wird immer dicker. Einmal noch so jung und knackig und dynamisch wie früher sein! Kurz: Mr. Incredible findet sich schon bald in einer veritablen Midlife Crisis wieder. Das Angebot einer mysteriösen Schönen, geheime Superhelden-Aufgaben auf einer entlegenen Insel zu erledigen, kommt da wie gerufen. Und während die Ehefrau zuhause glaubt, dass sich der Göttergatte auf einem Business Trip befindet, prügelt sich dieser in der Wildnis mit Amok laufenden Kampfrobotern – und stellt fest, dass man die Vergangenheit aus mehreren Gründen nicht immer abschütteln kann. Und: Dass nichts stärker ist als der Zusammenhalt der Familie. „Die Unglaublichen“ ist ein ganz großer Animationsspaß für Jung und Alt. Der Film ist actiongeladen, temporeich und mit viel Witz inszeniert. An manchen Stellen erinnert er an ein völlig aus dem Ruder gelaufenes Jump’n’Run-Abenteuer, aber so explosiv das alles auch inszeniert ist, vergessen die Macher nicht auf Atempausen, in denen der Fokus ganz auf die Beziehungen innerhalb der Familie rückt, die am Ende gestärkt aus diesem Film hervorgehen.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Fantasia (1940)

Regie: James Algar und Samuel Armstrong
Original-Titel: Fantasia
Erscheinungsjahr: 1940
Genre: Animation, Musikfilm, Episodenfilm
IMDB-Link: Fantasia


Es gibt kaum einen Filmfan, der die ikonische Sequenz mit Mickey Mouse als Zauberlehrling, der die Kontrolle über seine Zauberei verliert, nicht kennt. Ein zeitloser Klassiker der Filmgeschichte. Man tut dem Musikfilm „Fantasia“, der auf unnachahmlich kreative Weise klassische Musik und Animationsbilder verknüpft, aber Unrecht, wenn man ihn auf diese Szene reduziert. Denn „Fantasia“, produziert von Walt Disney unter der Regie von James Algar und Samuel Armstrong, bietet eigentlich ausschließlich Meisterstücke der Animationskunst – ob es nun das Tier-Ballett zur Musik von Ponchiellis „Tanz der Stunden“, die Reise durch die Urgeschichte der Erde zu Strawinskis „Le Sacre du Printemps“ oder der Totentanz am Ende zu Mussorgskis „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“ ist. Musik und Animation gehen in allen Szenen eine fast schon hypnotisch anmutende Verbindung ein. Die Sequenzen sind zum Teil humorvoll, dann wieder dunkel und bedrohlich. Die Disney-Studios zeigen hier all ihr Können aus den frühen ersten Jahrzehnten und bringen dies auf ungeahnte neue Höhen. Trotz einer respektablen Laufzeit von knapp über zwei Stunden wird der episodische Film niemals langweilig – zu unterschiedlich sind die Sequenzen, zu meisterhaft inszeniert ist jede einzelne davon. Interessant ist, dass das zeitgenössische Publikum dieses Meisterwerk gar nicht zu schätzen wusste. Der finanzielle Misserfolg von „Fantasia“ trieb Disney beinahe in den Ruin. Erst später erkannten Filmliebhaber weltweit, was für eine Perle der Film tatsächlich ist. Die ersten, die den Film für sich entdeckten, waren im Übrigen Jugendliche, die den Film begleitend zu psychedelischen Drogen konsumierten. Das allein zeigt schon, wie weit Disney mit diesem Film seiner Zeit voraus war.


8,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 1940 – Walt Disney Productions, Quelle: imdb.com)

Kung Fu Panda 2 (2011)

Regie: Jennifer Yuh Nelson
Original-Titel: Kung Fu Panda 2
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Animation, Komödie
IMDB-Link: Kung Fu Panda 2


Fortsetzungen sind oft ein schwieriges Unterfangen. Einerseits läuft man Gefahr, einfach „more of the same“ zu produzieren, andererseits ist das Risiko groß, die treuen Zuseher zu vergraulen, wenn man sich zu sehr vom ersten Teil entfernt. Die Quadratur des Kreises ist also gefragt. Was also tun, wenn man in Kung Fu Panda schon den Gag des dicken, fetten Pandas, der die Künste des Kung Fu zu meistern lernt, ausgereizt hat? Nun, eine gute Idee ist es zumeist, die Hintergründe zur Hauptfigur zu vertiefen und etwas mehr über die Herkunft und die Background-Story zu erzählen. In diese Schiene bewegt sich auch „Kung Fu Panda 2“. Die Realisierung der Geschichte wurde Jennifer Yuh Nelson anvertraut, die schon am ersten Teil mitwirkte und mit dem zweiten Teil ihr Regie-Debüt geben durfte. Klar ist, dass etwas faul sein dürfte, wenn sich ein Gänserich als Vater eines Pandas bezeichnet. Diese Geschichte rund um Pos Herkunft wird im zweiten Teil nun aufgerollt. Und da sie eng verknüpft ist mit einem stolzen, gekränkten Pfau, der aufgrund einer für ihn ungünstigen Prophezeiung gleich mal Genozid betreibt, gibt es natürlich auch im zweiten Teil wieder viel flauschige Kung Fu-Action zu bewundern. Gut finde ich persönlich den Handlungsrahmen rund um den Bösewicht, der einerseits so böse ist, wie Schurken in Animationsfilmen nur sein können, andererseits auch eine tragische Note aufweist. Eine solche Differenzierung ist schwierig, gelingt aber in „Kung Fu Panda 2“ gut aufgrund einer sorgfältigen Charakterzeichnung. Der Rest ist dann tatsächlich „more of the same“, aber „Kung Fu Panda 2“ ist ein Film, der seinem ersten Teil nicht weit nachsteht – und damit befindet sich der Film definitiv im kleinen, erlauchten Kreis der gelungeneren Fortsetzungen. Mit dem dritten Teil geht es dann abwärts, aber gut, vielleicht ist die Geschichte rund um den Kung Fu kämpfenden Panda einfach irgendwann auch auserzählt.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: (c) 2011 Paramount Pictures, Quelle imdb.com)

Kung Fu Panda (2008)

Regie: Mark Osborne und John Stevenson
Original-Titel: Kung Fu Panda
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Animation, Komödie
IMDB-Link: Kung Fu Panda


Was braucht man für einen gelungenen Kung Fu-Abend? Also erst mal Kung Fu … äh … Kung Pao Shrimps vom Lieferservice des Vertrauens. Dazu einen Kung Fu Girl Riesling von Charles Smith. Und schließlich einen ordentlichen Kung Fu-Film, also „Kung Fu Panda“. Der sollte mittlerweile ja weitgehend bekannt sein, folgten auf dessen Erfolg ja bereits zwei Kinofilm-Fortsetzungen und eine Serie. Die Grundidee ist dabei watscheneinfach: Man kombiniere den Inbegriff eines dicken, flauschigen, knuffigen Tieres, nämlich einen Panda, mit wildem Martial Arts. Mehr braucht es dann auch nicht für einen gelungenen Film. Es reicht aus, dem süßen Panda Po dabei zuzusehen, wie er dank einer Verkettung unglücklicher Umstände plötzlich zum auserwählten Drachenkrieger des Kung Fu wird, dessen Erscheinen vor 1.000 Jahren prophezeit wurde – und der allein in der Lage sein soll, den bösen Tiger Tai Lung aufzuhalten. Dabei wollte der flauschige Kung Fu-Fanboy ja nur zusehen, wie seine Helden, die Furiosen Fünf, an der Zeremonie teilnehmen, in der der Drachenkrieger bestimmt werden soll. Das Entsetzen ist auf allen Seiten groß, als Meister Oogway den dicken, fetten Panda auserwählt. Vor allem Meister Shifu, der Ausbilder der Furiosen Fünf, kann es nicht glauben, dass er sich nun mit einem solchen Flauschtier abgeben soll. Der Rest des Films sind entzückende Animationen, viel kindlicher Humor, der aber auch für Erwachsene funktioniert, und gegen Ende hin einige spannende, im großen Finale dann unglaublich witzige Kampfszenen. Denn ein Panda ist nun mal ein Panda, daran gibt es nichts zu rütteln. „Kung Fu Panda“ ist ein Animationsfilm, den ich nach wie vor jederzeit gerne sehe – einfach ein sympathischer und humorvoller Film, der kurz und knackig erzählt wird und Jung wie Alt bestens unterhält.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: (c) 2008 DreamWorks Animation, Quelle imdb.com)

Papageno (1935)

Regie: Lotte Reiniger
Original-Titel: Papageno
Erscheinungsjahr: 1935
Genre: Kurzfilm, Animation
IMDB-Link: Papageno


Ich bin ein Fan von Lotte Reinigers Scherenschnitt-Animationen. Wenn unbändige Kreativität auf handwerkliche Begabung trifft, ist das Ergebnis zeitlos. Und so verzaubert ihr Kurzfilm „Papageno“ nach Motiven der Oper „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart auch heute noch. In gerade mal elf Minuten erzählt sie auf ihren Scherenschnitt-Tableaus die Geschichte des Vogelfängers Papageno und dessen Liebe zu Papagena, die er in mutigen Abenteuern für sich erobert. Was mich an Reinigers Filmen immer fasziniert ist, wie sie mit Raum, Tiefe und Perspektive umging. Sie erstellte mit zweidimensionalen Silhouetten räumliche Welten, in denen auch stets im Hintergrund viel passiert. Jedes Detail war für Lotte Reiniger wichtig, jede Randfigur bekam ihre ganze Aufmerksamkeit. Diese Liebe zum Detail und zu ihrem Werk überträgt sich auf die Zuseher. Man vergisst heutzutage in Zeiten von CGI und Effekten, die jegliche nur denkbare Welt auf die Leinwand bringen können, wie viel Arbeit und Fantasie nötig sind, um diese Welten zu erschaffen. Die Filme von Lotte Reiniger führen dem Zuseher dies wieder vor Augen. „Papageno“ aus dem Jahr 1935 ist pure Kino-Magie. Diese elf Minuten sind gut investierte Zeit, eine kurze Flucht aus der Realität in einen schönen Traum, der das Herz öffnet für die kleinen und größeren Wunder, die sonst spurlos an uns vorüberziehen.


7,5
von 10 Kürbissen

Alles steht Kopf (2015)

Regie: Pete Docter
Original-Titel: Inside Out
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Animation
IMDB-Link: Inside Out


In unseren Köpfen spielt es sich ab. Freude, Ärger, Wut, Ekel und Trauer drücken Knöpfe und bestimmen unsere Reaktionen auf unsere Umwelt. So geht es auch der 11jährigen Riley, die gerade turbulente Zeiten erlebt: Gerade noch lebte sie glücklich mit ihren Eltern in Minnesota, wo sie ihre Freundinnen, ihr geliebtes Eishockey, ihre Schule hatte – und plötzlich ist sie in einer Bruchbude in San Francisco und muss sich damit herumschlagen, dass ihr Leben eine 180°-Wendung hingelegt hat. Die fünf liebevoll animierten Emotionen in ihrem Kopf haben indes eigene Probleme: Freude und Trauer werden aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände und als Resultat auf die Tatsache, dass Trauer plötzlich alle glücklichen Erinnerungen traurig färbt, ins Langzeit-Gedächtnis und ins Unbewusste geschleudert. Im Kontrollraum bleiben Ekel, Angst und Ärger – die einzigen Empfindungen, die Riley in ihrer neuen Situation noch bleiben. Freude versucht in der Zwischenzeit, wieder zurückzukehren und muss einige lehrreiche Erfahrungen dabei sammeln. „Inside Out“, so der Originaltitel des Pixar-Animationsfilms „Alles steht Kopf“, ist der vielleicht beste Animationsfilm, der jemals gedreht wurde. Klüger wurde im Format des kindertauglichen Animationsfilms nie beleuchtet, woraus sich die Facetten unserer Persönlichkeit zusammensetzen, wie Erinnerungen arbeiten, wie die Emotionen in uns werken und diese Erinnerungen färben – und warum wir am Ende die sind, die wir eben sind. Kinder werden aufgrund der quietschbunten Darstellung des Oberstübchens und vieler kindheitsgerechter Gags ihre Freude mit dem Film haben, aber das große Vergnügen haben tatsächlich wir Erwachsene. Der Film fordert uns zum Mitdenken und Mitfühlen auf. Und spielt dabei selbst alle Emotionen groß aus: Er ist stellenweise wahnsinnig komisch und gelegentlich auch herzergreifend traurig, aber nie sucht er nach einfachen Triggern, nie wirkt er plump dabei. Besser kann man Gefühle eigentlich nicht vermitteln. Und „Inside Out“ wird wohl zurecht als einer der großen Meilensteine des Animationsfilms in die Filmgeschichte eingehen.


9,0
von 10 Kürbissen

Der König der Löwen (2019)

Regie: Jon Favreau
Original-Titel: The Lion King
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Animation, Abenteuerfilm
IMDB-Link: The Lion King


Cat Content geht immer. Das dachte sich auch der Disney-Konzern und brachte kurzerhand den Animationsfilm „König der Löwen“ neu raus als … ta da: Animationsfilm! Aber weil sich die Technik in den letzten 25 Jahren doch merklich verbessert hat, singen nun verblüffend echt aussehende Warzenschweine und Erdmännchen „Hakuna Matata“, während Löwen das tun, was Löwen eben tun: Luxus und Ruhm und rulen bis zum Schluss. So in etwa. Die Geschichte sollte weitgehend aus dem Filmklassiker des Jahres 1994 bekannt sein. Kein Grund, hier noch mal aufzubröseln, was mit dem kleinen Löwen Simba so alles passiert. Wenn es euch so geht wie meinem Arbeitskollegen, der während einer mittäglichen Unterhaltung über die Neuverfilmung des Trickfilms verblüfft und sichtlich irritiert ausgerufen hat: „Was? Die Löwen singen?“, dann ist es für euch höchste Eisenbahn, mal ein bisschen Filmgeschichte nachzuholen. Hier könnt ihr dann wieder weiterlesen, wenn ihr auswendig Nants ingonyama bagithi Baba / Sithi uhm ingonyama mitsingen könnt. Aber wenn ihr wissen wollt, wie die Neuverfilmung von Jon Favreau (der happy Disneys Klassiker neu dreht, wenn er nicht gerade mit den Avengers beschäftigt ist) bei mir ankommt, dann seid ihr hier richtig. Also, was ist zu sagen über diesen „König der Löwen“? Aufguss oder eine neue Liga? Irgendwie beides. Was die Technik betrifft, so fällt dem geneigten Zuseher gelegentlich das Kinnladerl auf den Boden (und taucht in den dort abgestellten Popcornkübel ein). Es ist unfassbar, wie realistisch die Animationen wirken. Das, was bei „The Jungle Book“ von 2016 noch nicht ganz geklappt hat – die Tiere in ihren natürlichen Proportionen und Bewegungen zu zeigen – ist hier nun auf einem völlig neuen Level angesiedelt. Genau darin liegt aber auch paradoxerweise das größte Problem des Films: Ein Löwe verfügt nun mal nicht von Natur aus über eine besonders ausdrucksstarke Mimik. Grantig können meine Katzen schon auch schauen, wenn ihnen das Futter mal wieder nicht schmeckt, aber für Subtilitäten oder auch die ganz großen Emotionen reicht es eben nicht aus. Und so erreicht mich die Neuverfilmung emotional nicht so stark wie das Original, zumal ich die Geschichte ja schon kannte. Einzig Timon und Pumbaa reißen wirklich mit, was vor allem an einer Energieleistung der beiden Synchronsprecher Seth Rogen und Billy Eichner liegt. Die beiden holen wirklich alles raus. Auch in der Gestik sind die beiden humorvollen Sidekicks expressiver angelegt als der Rest der Tiere. Davon profitiert der Film ungemein, und man erkennt plötzlich, dass der Film noch besser hätte sein können, hätte man sich nicht sklavisch dem Realismus verpflichtet gefühlt. Dennoch ist „Der König der Löwen“ ein sehenswertes Spektakel. Wer wissen will, was CGI heutzutage kann: Alles! Dieser Film beweist das.

 


7,0
von 10 Kürbissen