Anja Salomonowitz

Die 727 Tage ohne Karamo (2013)

Regie: Anja Salomonowitz
Original-Titel: Die 727 Tage ohne Karamo
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Die 727 Tage ohne Karamo


Liebe kennt keine Nationalitäten. Und wenn sich ein Afghane in eine Österreicherin, eine Ägypterin in einen US-Amerikaner, ein Ghanaer in einen Australier, eine Türkin in eine Brasilianerin verliebt – wer soll da etwas dagegen sagen? Okay. Der österreichische Staat mit seinem Fremdenrecht. Der sagt etwas dagegen. Wenn nämlich der Aufenthalt eines Partner gekoppelt ist an Auflagen, Formulare, Deutschkurse und Mindestverdienste. Und das kann nicht nur furchtbar nerven, sondern auch das Familienglück vollends zerstören. Dem geht Anja Salomonowitz in ihrer Dokumentation „Die 727 Tage ohne Karamo“ nach, wenn sie Betroffene erzählen lässt von ihrem Irrlauf durch die österreichischen Behörden. Man fühlt sich teils ein wenig an die berühmte Szene in „Asterix erobert Rom“ erinnert, als Asterix und Obelix im Irrenhaus versuchen, den Passierschein A-38 zu bekommen. Und das lässt den Zuseher durchaus nachdenklich zurück, denn, wie gesagt, hier steht das Glück von Menschen auf dem Spiel, die sich nach bestem Wissen und Gewissen bemühen, den Vorschriften zu entsprechen – und dennoch daran scheitern. Natürlich, Rechtsnormen sind wichtig, und solche Regelungen braucht jeder Staat. Doch sind es dann die Härtefälle, die betroffen machen. Ohne jetzt eine Diskussion anzetteln zu wollen über das Spannungsfeld zwischen notwendiger Rechtssicherheit und Mitmenschlichkeit, die leider immer wieder im Widerspruch zueinander stehen, aber man wird dann doch traurig darüber, dass Nationalitäten und Grenzen unser Leben dermaßen diktieren können. Allerdings ist, das muss man auch sagen, „Die 737 Tage ohne Karamo“ zwar ein interessanter, aber nicht unbedingt besonders gelungener Film. Denn Salomonowitz hat es wohl ein bisschen zu gut gemeint, indem sie möglichst viele Stimmen einfangen wollte. So wird aus der Dokumentation eine Art Collage, in der die Hintergründe zu den einzelnen Geschichten größtenteils im Dunkeln bleiben. Doch gerade die hätten mich besonders interessiert. So werden die tragischen Geschichten aber austauschbar – vielleicht gerade ein Effekt, den Salomonowitz beabsichtigt hat, der mich jedoch nicht überzeugen kann.


5,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen)