Barry Levinson

Wag the Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt (1997)

Regie: Barry Levinson
Original-Titel: Wag the Dog
Erscheinungsjahr: 1997
Genre: Satire, Politfilm
IMDB-Link: Wag the Dog


Der Anlass für diesen Re-Watch ist ein trauriger, denn vor wenigen Tagen schied die talentierte Schauspielerin Anne Heche nach einem von ihr verursachten Unfall aus dem Leben. „Wag the Dog“ von Barry Levinson ist in meinen Augen der beste Film, in dem sie je mitgewirkt hat. Und auch unabhängig von ihrem tragischen Tod sollte man dieser Tage mal wieder einen genaueren Blick auf diesen machen. Was Barry Levinson und die Autoren Mitte der 90er-Jahre vorweggenommen haben, ist nicht weniger als die politische Realität unserer Zeit, in der bei Bekanntwerden schlechter Nachrichten prominente Kettenhunde der Parteien ausziehen, um möglichst effektive Nebelgranate zu zünden, die von dem eigentlichen Problem ablenken. Das ist gelebte Praxis, und wir in Österreich sitzen diesbezüglich leider erste Reihe fußfrei, um diesen ganzen Scheiß mitanzusehen. Diese Praxis noch gewürzt mit Fake News, und wir haben die politische Unkultur unserer Zeit auf den Punkt gebracht. „Wag the Dog“ war bei seinem Erscheinen vor 25 Jahren noch eine bitterböse Satire. Heute könnte der Film fast schon als Lehrstück über die politische Realität durchgehen. Der Inhalt: Da der Präsident der Vereinigten Staaten nicht einmal zwei Wochen vor der möglichen Wiederwahl über ein Schulmädchen stolpert, muss besagte Nebelgranate her. Auftritt Conny Brean (Robert De Niro), der als Troubleshooter für Ablenkung sorgen soll. Zusammen mit der Beraterin des Präsidenten, Winifred Ames (Anne Heche), und dem preisgekrönten Hollywood-Produzenten Stanley Motss (Dustin Hoffman) inszeniert er nicht weniger als einen fiktiven Krieg gegen Albanien. Der Zynismus trieft hier aus allen Poren. Jedes Mittel ist recht in der Politik und in Hollywood, um ans Ziel zu gelangen. Ob das Ziel erstrebenswert oder zumindest moralisch in Ordnung ist, fragt hier niemand. Bezeichnend, dass Motss gegen Abschluss der Fake News-Kampagne von der besten Arbeit seines Lebens spricht. Damals, als ich den Film zum ersten Mal vor etwa zwanzig Jahren sah, fand ich ihn grandios. Heute halte ich ihn – mit Schaudern – für prophetisch.


8,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 1997 New Line Cinema, Quelle http://www.imdb.com)

Sleepers (1996)

Regie: Barry Levinson
Original-Titel: Sleepers
Erscheinungsjahr: 1996
Genre: Drama
IMDB-Link: Sleepers


„Sleepers“ von Barry Levinson, der zurecht als moderner Klassiker gilt, besteht eigentlich aus drei Filmen: Während der erste Teil, der im besten Sinne an „Stand By Me“ erinnert, die Geschichte einer Jugendfreundschaft erzählt, verweist der zweite Teil auf so großartige Gefängnisdramen wie „The Shawshank Redemption“ und berichtet davon, wie sehr eine unmenschliche und unfaire Welt wie jene eines Jugendgefängnisses ein ganzes Leben zerstören kann. Im dritten Teil schließlich wird ein spannendes Gerichtsdrama inszeniert. Interessant ist, dass sich alle drei Teile um je eine charismatische Nebenfigur zentrieren, die im jeweiligen Teil des Films den Ton angeben: Robert DeNiro als Priester im heruntergekommenen, kleinkriminellen New Yorker Viertel Hell’s Kitchen, der die moralische Instanz der übermütigen Burschen ist und so etwas wie das positive Herzstück des ganzen Films ausmacht, da er auch für die weiteren Teile von Bedeutung bleibt. Im zweiten Teil haben wir einen furchteinflößenden Kevin Bacon als sadistischen und unmoralischen Gefängnisaufseher. Seine Welt ist grausam und ungerecht. Im dritten Teil schließlich, dem Gerichtsdrama, zeigt Dustin Hoffman als heruntergekommener, alkoholkranker Anwalt, dass Moral und Gerechtigkeit oft zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Der Inhalt des Films ist rasch erzählt: Vier mit einem Fuß immer am Rande der Kriminalität stehenden Jungs versuchen, in einer ungerechten, harten Welt erwachsen zu werden. Aber als sie es übertreiben und durch ihr Zutun ein fataler Unfall passiert, werden sie für über ein Jahr in eine „Besserungsanstalt“ gesteckt. Dort allerdings macht ihnen der Aufseher das Leben zur Hölle. Physische wie psychische Gewalt, am meisten spürbar durch die Vergewaltigungen der Jungen durch die Aufseher, führen dazu, dass die Jungen ihre Unschuld endgültig verlieren. Zwei von den vier werden später Gangster und Mörder, und sie sind es auch, die ihren ehemaligen Peiniger bei einer zufälligen Begegnung im einem Restaurant kaltblütig erschießen. Die beiden anderen Freunde, der eine mittlerweile Staatsanwalt, der den Fall übernimmt unter dem Vorwand, die beiden ins Gefängnis zu bringen, der andere Journalist und Autor, der sich nur widerwillig auf das Spiel einlässt, versuchen, die beiden durch eine juristische Charade frei zu bekommen. Gleichzeitig versuchen sie auch, auf unterschiedliche Weise Vergeltung an den weiteren Aufsehern zu üben, die sie damals vergewaltigt haben. Wie gesagt, Moral ist in diesem Film ein Luxusgut, was am Ende auch der aufrechte Priester einsehen muss. Das Leben kann grausam sein. Und die Unschuld, die man einst verloren hat, bekommt man nicht wieder zurück. Ein großartiger Film, der sich Zeit nimmt für seine Geschichte und seine Protagonisten und dennoch keine Sekunde lang uninteressant oder gar langweilig ist.


8,0
von 10 Kürbissen