Clint Eastwood

The Mule (2018)

Regie: Clint Eastwood
Original-Titel: The Mule
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Krimi, Drama, Thriller
IMDB-Link: The Mule


Das Leben kann so vielfältig sein: Mal züchtet man bunte Blümchen, mal schmuggelt man Drogen im Wert von mehreren Millionen Dollar in seinem Pickup quer durch Amerika. Die Vielfalt macht’s, anders wäre es ja langweilig. Der von Clint Eastwood verkörperte Pensionist Earl Stone hat leider nicht genügend Knödel angespart, um sich auf die faule (und schon ziemlich faltige) Haut legen zu können. Seine Blumenzucht musste er wegen Insolvenz zumachen, seine Tochter spricht nicht mehr mit ihm, und dass er seiner heiß geliebten Enkeltochter, die demnächst heiraten wird, finanziell bei der Hochzeit nicht unter die Arme greifen kann, wurmt ihn schon. Eine Zufallsbekanntschaft bietet ihm aber einen lukrativen Nebenjob. Er soll eben Drogen kutschieren, also ein „Mule“ werden, ein Kurier. Hintergrund: Earl ist ja schon einige Jahre lang auf den Straßen Amerikas unterwegs, und er hat noch nie einen Strafzettel kassiert. Ein gesetzestreuer Bürger also, der zuverlässig bei Rot anhält und penibel das Tempolimit beachtet. Und eilig haben es die neuen mexikanischen Freunde ja nicht – nur sicher soll sie ankommen, die Ware. Während Earl Stone fröhlich singend über die Highways der USA zuckelt, braut sich im Hintergrund allerdings Ungemach zusammen – im Form eines eifrigen Drogenfahnders (Bradley Cooper) und eines Drogenbosses mit ungeregelter Nachfolge (Andy Garcia). „The Mule“, inszeniert von Dirty Harry himself, ist so etwas wie ein gemütliches Alterswerk. Man muss der Welt nichts mehr beweisen, es muss nicht mehr ständig krachen, sondern manchmal ist es ja auch fein, einfach nur im Auto zu sitzen und die Straße zu spüren. Soll doch im Saal nebenan der nächste Bombast-Film toben. Das ist zwar wohltuend anzusehen, reißt aber nicht mit. So tröpfelt der Film unaufgeregt vor sich her, vermeidet fast alles, was den Blutdruck hochschießen lässt (ein Clint Eastwood denkt eben mit und sagt sich: Das Publikum könnte ja mit mir gealtert sein, also muss man es ein wenig rücksichtsvoller angehen) und ist dann am Ende zwar eine runde Sache, aber irgendwie auch wurscht. Die Meisterwerke in Eastwoods Filmographie bleiben andere Filme.


5,5
von 10 Kürbissen

Begegnung am Vormittag (1973)

Regie: Clint Eastwood
Original-Titel: Breezy
Erscheinungsjahr: 1973
Genre: Liebesfilm
IMDB-Link: Breezy


Nur wenig ist amerikanischer als Clint Eastwood. Der schweigsame, knurrige Action- und Westernheld, überzeugter Republikaner, wandelndes Testimonial für den 2. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, eine Filmikone, deren schauspielerisches Schaffen sich über sechs Jahrzehnte erstreckt, und möglicherweise ist er auch unsterblich. Umso überraschender und manchmal in erstaunlichem Gegensatz zu seinen politischen Überzeugungen sind viele seiner Regiearbeiten, wie zB „Gran Torino“, dieses Plädoyer für Menschlichkeit und gegen Fremdenhass, oder auch eine seiner ganz frühen Regiearbeiten „Breezy“ (deutscher Verleihtitel: „Begegnung am Vormittag“). Gedreht Anfang der 70er versprüht der Film den Duft von Flower Power und freier Liebe, lässt allerdings diese ungezwungene, jugendliche Leichtigkeit (die hinreißende Kay Lenz als junge Aussteigerin, die alle Liebe dieser Welt in sich vereint) kollidieren mit dem konservativen Establishment, verkörpert von William Holden als Anzug tragendem und stinkreichem Makler. Es entspinnt sich eine recht vorhersehbare, aber doch charmante Liebesbeziehung zwischen dem lebenslustigen und naiven Hippiemädchen und dem alten, vom Leben und der Liebe gebeutelten Zyniker. Gespielt ist das alles sehr gut und mitreißend, auch viele Dialogzeilen sind gut geschrieben und hallen lange nach. Was man dem Film allerdings schon vorwerfen kann, ist seine Überraschungsfreiheit und die Tatsache, dass im Grunde mal wieder der alte, erfahrene Mann den Takt vorgibt, und das junge Mädchen mal wieder jene Figur ist, die diesem Takt scheinbar bedingungslos folgt. Man versteht auch nicht so ganz, worauf sich diese Liebe, die da entflammt, begründet, was sie also an dem Herrn so großartig und anders findet, dass da eben Liebesgefühle aufkeimen können, aber gut, Märchen sind nicht immer nach logischen Kriterien zu beurteilen, und ein Märchen ist „Breezy“. Ein charmanter Film für einen verregneten Sonntagnachmittag, um das Gemüt zu verbessern. Allerdings kein Film, der schon eine Ahnung auf die kommenden Meisterwerke von Clint Eastwood (wie eben „Gran Torino“, „Erbarmungslos“ oder „Million Dollar Baby“) aufkeimen lässt.


6,0
von 10 Kürbissen