Darren Aronofsky

The Whale (2022)

Regie: Darren Aronofsky
Original-Titel: The Whale
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Drama
IMDB-Link: The Whale


Standing Ovations in Toronto für Brendan Fraser, der für Aronofskys „The Whale“ den ersten Schauspielpreis seiner Karriere erhalten hat. Hollywood liebt solche Comebacks, und wen würde es wundern, würde Anfang nächsten Jahres die erste Oscar-Nominierung für den sympathischen Kanadier folgen? Die wäre aber auch so etwas von verdient – wie auch für Hong Chau als beste Nebendarstellerin sowie die Maske bzw. das Make-Up-Department. „The Whale“ erzählt die Geschichte des krankhaft übergewichtigen Schreibcoaches Charlie, der nach einem tragischen Verlust den Boden unter den Füßen verloren hat. Seine medizinische Situation ist mehr als angespannt, und Charlie weiß, dass ihm nur noch wenig Zeit bleibt, um den größten Fehler, den er in seinem Leben gemacht hat, geradezurücken. „The Whale“ basiert auf einem Theaterstück von Samuel D. Hunter und spielt demnach ausschließlich (mit Ausnahme einiger kurzer Rückblenden) im Apartment von Charlie, für ihn eine Schutz bietende Höhle. Regelmäßig Besuch bekommt er von seiner besten Freundin Liz (Hong Chau), seiner Tochter Ellie (Sadie Sink) und einem zufällig an seine Tür klopfenden Missionar (Ty Simpkins). Wir erleben eine Woche, die wohl entscheidende Woche, im Leben von Charlie. Was reichlich unspektakulär klingt, ist dank Aronofskys präziser Regie und dem herausragenden Spiel von Fraser und auch Chau ein einziger Schlag in die Magengrube, wenn man sieht, wie der gutherzige Charlie gegen die Dämonen der Vergangenheit ankämpft und zusätzlich zweihundert Kilo weiterer Dämonen durch die Wohnung schleppt. Es geht um Fehler und Läuterung, um Familienbande und Liebe, es geht auch darum, den Glauben an die Menschen nicht zu verlieren. Vielleicht mag der Film an der einen oder anderen Stelle inszenatorisch stark überhöht sein, aber diese Überhöhung ist ein Stilmittel, das das Ende des Films konsequent vorbereitet. Ein drastischer Film, wie so oft bei Aronofsky einer aus der Kategorie „großartig, kann ich aber kaum ein zweites Mal sehen“. Spannend ist, dass es aktuell noch keine offiziellen Trailer zu finden gibt.


8,0 Kürbisse

(Foto: (c) Viennale)

Mother! (2017)

Regie: Darren Aronofsky
Original-Titel: Mother!
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Horror, Thriller
IMDB-Link: Mother!


Subtilität ist Darren Aronofskys Sache nicht. Auch sein neuestes Werk, der Horrorthriller „Mother!“, hämmert ordentlich auf sein Publikum ein. Das ist gespalten. In Venedig gab’s Buhrufe, aber auch Begeisterung. „Mother!“ ist ein Film, der seinem Zuseher ins Gesicht schlägt und auf die Reaktion wartet. Über den Inhalt kann man nicht allzu viel verraten, ohne die persönliche Sichtweise des Films einzubringen und gleichzeitig massiv zu spoilern. Die Eckdaten: Ein erfolgreicher Schriftsteller (Javier Bardem) und seine junge Frau (Jennifer Lawrence) leben in einem viel zu großen, sehr einsamen und leicht gespenstisch anmutenden Haus im Nirgendwo. Der Schriftsteller sucht nach Inspiration, seine Frau renoviert einstweilen das Haus. Dabei hat sie immer wieder seltsame Visionen. Eines Tages steht ein Arzt (Ed Harris, wunderbar undurchschaubar), der das Haus offensichtlich mit einem Bed & Breakfast verwechselt hat, vor der Tür, und kurze Zeit später auch seine Frau (Michelle Pfeiffer – zum Fürchten). Der Schriftsteller bietet den beiden über den Kopf seiner Frau hinweg die Gastfreundschaft an, doch die Frau fühlt sich nicht wohl, und alsbald sollten sich ihre Befürchtungen bestätigen – und mehr. Schon bald läuft alles ziemlich aus dem Ruder. „Mother!“ legt viele Fährten und bedient sich dabei bekannter Horrorsujets. Allerdings ist „Mother!“ kein konventioneller Horrorfilm, da er mit den gängigen Klischees spielt, sie teilweise bricht und teilweise überzeichnet und dadurch ad absurdum führt. Und das ist wohl auch ein Grund, warum der Film so stark polarisiert. Denn wie man ihn wahrnimmt, hängt von der eigenen Erwartungshaltung des Zusehers ab. Als Horrorfilm taugt „Mother!“ wohl tatsächlich nur bedingt, als Psychothriller auch, als philosophischer Diskurs schon gar nicht, aber wenn man den Film nicht allzu ernst nimmt und sich auf den grimmigen, schwarzen Humor seiner Überzeichnungen einlässt, wird man richtig gut unterhalten. Dann heißt es: Fasten your seatbelts – it’s gonna be a bumpy ride!


7,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Constantin Film)