Dee Rees

Das Letzte, was er wollte (2020)

Regie: Dee Rees
Original-Titel: The Last Thing He Wanted
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Thriller, Drama, Politfilm
IMDB-Link: The Last Thing He Wanted


Dee Rees kann es. Das hat die Regisseurin 2017 mit Mudbound bewiesen. Nur leider hat sie auf ihr Können beim Dreh von „The Last Thing He Wanted“ wohl völlig vergessen. Denn dieser Film ist ihr trotz einer charismatischen Besetzung (Anne Hathaway in der Hauptrolle, dazu u.a. Ben Affleck und Willem Dafoe) zu einem chaotischen, unverständlichen Wirrwarr geraten. Der Stoff hätte eigentlich viel hergegeben. Mitte der 80er pfeift eine integere Polit-Journalistin, die von den gefährlichsten Orten der Welt berichtet, auf all ihre Integrität, um für ihren kranken Vater einen letzten Deal abzuschließen. Und schon sieht sie sich in ein lumpiges Waffengeschäft mit finsteren Typen verwickelt und auf der falschen Seite des Gesetzes stehen. Das bringt natürlich jede Menge Stress mit sich, und da kann auch eine hübsche Villa in Costa Rica, in der sie Unterschlupf findet, den Puls drastisch senken. „The Last Thing He Wanted“ marschiert mit fieberhafter Nervosität durch einen Plot, der für den Zuseher kaum Sinn ergibt. Das Hauptproblem ist, dass Dee Rees, die auch am Drehbuch mitgeschrieben hat, zu viel voraussetzt – so als hätte jeder Zuseher diesen Prozess der Figuren- und Handlungsentwicklung gemeinsam mit ihr selbst schon längst durchgemacht. Man fühlt sich ein bisschen wie in einer Runde cooler Hipster gefangen, die einen Insider-Witz nach dem anderen loslassen. Man will mitlachen, aber man hat keinen Plan, worum es geht. Also nippt man verstimmt an seinem Gin Tonic und hofft, dass der Abend bald vorbei ist. Allein Anne Hathaway kann man keinen Vorwurf machen, sie trägt den Film gut und scheint als eine der wenigen auch das Drehbuch verstanden zu haben. Ben Affleck und Willem Dafoe hingegen sind völlig verschenkt. Bei Affleck passiert es sogar so, dass man sich jedes Mal aufs Neue wundert, wenn er auf dem Bildschirm erscheint, da man seit seinem letzten Auftritt bereits vergessen hat, dass er mitspielt. Und Dafoe ist einfach zu wenig zu sehen, um da noch was zu retten. Am Ende dieser gefühlt ewigen zwei Stunden bleibt das vage Gefühl zurück, dass unter der ganzen nervösen Schwurbelei irgendwo auch eine gute Geschichte versteckt lag, nur hat Dee Rees es leider nicht verstanden, diese ans Tageslicht zu bringen.


3,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Mudbound (2017)

Regie: Dee Rees
Original-Titel: Mudbound
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama
IMDB-Link: Mudbound


Mit diesem Film wurde Geschichte geschrieben: Zum ersten Mal überhaupt wurde mit Rachel Morrison eine Frau für den Oscar für die beste Kamera nominiert. Und das ist mehr als gerechtfertigt, wenn man sich die einprägsamen Bilder von „Mudbound“ ansieht. In diesem Südstaatendrama geht es um Rassismus, eine Dreiecksbeziehung und das harte Leben auf der Farm. Es geht um Ungerechtigkeit, um Verachtung, aber auch um prägende Momente im Leben, die einen als Mensch verändern. Wie die beiden nach Hause zurückgekehrten Kriegsveteranen Jamie (Garrett Hedlund) und Ronsel (Jason Mitchell). Beide haben gekämpft, Jamie in der Luft, Ronsel am Boden im Panzer, beide sind Kriegshelden, die das Meiste von dem, was sie gesehen und erlebt haben, am liebsten vergessen würden. Die beiden Männer finden in ihren Traumata zueinander. Das Problem: Jamie ist weiß, Ronsel schwarz, und es sind die Vierzigerjahre im tiefsten Süden der USA, wo Rassismus nicht nur Alltag ist, sondern regelrecht zelebriert wird. Es wird rasch klar, dass sich hier Konflikte ergeben, die sich in weiterer Folge massiv zuspitzen, und dass „Mudbound“ kein Feelgood-Buddy-Movie werden wird. In diese ohnehin schon wichtige Geschichte eingebettet ist noch die Story von Jamie, seinem Bruder Henry (Jason Clarke) und dessen Frau Laura (Carey Mulligan), die sich das Leben mit Henry so ganz anders vorgestellt hätte, als es letztlich auf der schlammigen, schmutzigen Farm eingetreten ist. Und daran schließt mein größter Kritikpunkt an einem ansonsten sehr guten und stimmigen und sehenswerten Film an: Diese Beziehungsgeschichte verlangsamt den Film und lenkt ein wenig von den eigentlich wichtigen und tragenden Themen ab. So benötigt „Mudbound“ auch eine Spieldauer von über zwei Stunden, um all seine Geschichten rund um das Figurengeflecht unterzukriegen, wobei letztlich eigentlich nur die Beziehung von Jamie und Ronsel von tatsächlicher Relevanz ist. So wirkt der Film phasenweise ein wenig unfokussiert. Dennoch ist „Mudbound“ richtig gut, und man sollte ihn gesehen haben – sofern man über einen Netflix-Account verfügt, da es sich hierbei um eine Netflix-Eigenproduktion handelt. Wäre es das nicht, hätte ich diesen Film eigentlich auch unter den Oscarnominierungen für den besten Film erwartet. Aber Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon werden von der Academy noch etwas stiefmütterlich behandelt trotz der großartigen Qualität, die sie oft liefern. Aber Filme wie „Mudbound“ bereiten definitiv den Weg für die nächsten Jahre.


7,0
von 10 Kürbissen