Drama

Old (2021)

Regie: M. Night Shyamalan
Original-Titel: Old
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Thriller, Horror, Drama, Fantasy
IMDB-Link: Old


So ein Traumurlaub kann schnell mal in einen Albtraum umschlagen. Man kennt das. Mieses Hotelessen. Schlechtes Wetter. Nervige Zimmernachbarn, die bis drei Uhr in der Früh laut Andreas Gabalier hören. Seeigeln. Diese verdammten Seeigeln! Oder aber, dass man auf einem traumhaften Strand binnen kürzester Zeit altert. Das ist natürlich blöd, denn auch wenn man sich oft wünscht, dass ein Urlaub ewig dauern möge – so ist das mit Sicherheit nicht gemeint. In M. Night Shyamalans neuem Film geht es aber genau darum. Das geschieht mit der Familie rund um Guy (Gabriel García Bernal) und Prisca (Vicky Krieps) sowie weiteren Leidensgenossen, die eigentlich nur eine nette Zeit unter karibischer Sonne verbringen wollten. Und mehr sei an dieser Stelle gar nicht verraten. Wollen wir uns auf den restlichen Zeilen lieber mit M. Night Shyamalan und seinem Zugang zu Filmen beschäftigen. Denn bei kaum einem anderen Regisseur streut die Qualität des Outputs dermaßen wie bei ihm. Einem Meisterwerk wie „The Sixth Sense“ stehen Gurken wie „The Lady in the Water“ gegenüber. „Old“ reiht sich tatsächlich irgendwo dazwischen ein. Das Rätselhafte, wofür Shyamalan steht und das er stets genüsslich zelebriert, ist durchaus interessant genug, um den Zuseher bei der Stange halten zu können. Schauspielerisch ist auch nicht viel Negatives zu sagen, Vicky Krieps ist ohnehin eine unverwechselbare Darstellerin, die in ihren Rollen sehr glaubhaft rüberkommt – ihr fehlt das Glatte, was vielen routinierten Hollywoodschauspieler:innen oft anhaftet. Auch Gabriel García Bernal sowie in weiteren Nebenrollen Rufus Sewell, Alex Wolff, Ken Leung, Nikki Amuka-Bird und vor allem Thomasin McKenzie (ich sag‘ euch ja schon seit Leave No Trace, dass ihr die im Auge behaltet sollt) machen ihre Sache gut. Die filmische Umsetzung ist auch nicht übel geraten – die Kamera mäandert oft recht ziellos am Strand daher und begleitet somit die Konfusion, die unter den überforderten Figuren immer mehr um sich greift. Natürlich wirkt das recht aufgesetzt, verfehlt aber nicht die Wirkung. Allein das Drehbuch hält da nicht Schritt. Logiklöcher, wohin das Auge reicht, teilweise sehr hölzerne, befremdlich wirkende Dialoge – all das hätte man eleganter lösen können. Unterm Strich ist „Old“ ein durchaus sehenswerter Thriller mit einer schönen Metaebene über das Altern, wenn man in Sachen Logik alle Augen inklusive Hühneraugen zudrücken kann.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Phobymo/Universal Pictures – © 2021 Universal Studios, Quelle http://www.imdb.com)

Shirins Hochzeit (1976)

Regie: Helma Sanders-Brahms
Original-Titel: Shirins Hochzeit
Erscheinungsjahr: 1976
Genre: Drama
IMDB-Link: Shirins Hochzeit


Helma Sanders-Brahms macht es ihren Zusehern mit ihrem nüchternen, distanzierten Zugang nicht einfach. Die Geschichte aber, die sie in „Shirins Hochzeit“ erzählt, weist viel emotionalen Sprengstoff auf – und hatte für die Beteiligten an dem Film ein überraschendes Nachspiel, nachdem türkische Nationalisten gegen den Film protestierten und sich das türkische Parlament persönlich mit dem Film auseinandersetzen musste. Wenn man einer nationalistischen Regierung dermaßen ans Bein pisst, dass es zu debattieren beginnt, muss man fast zwangsläufig etwas richtig gemacht haben. Helma Sanders-Brahms‘ Film ist jedenfalls einer der ersten, der sich aus türkischer Sicht mit dem Schicksal von Gastarbeiterinnen im Deutschland der 70er Jahre auseinandersetzte. Im Zentrum steht die junge Shirin (Ayten Erden) aus Anatolien, die dem in Deutschland lebenden Mahmud versprochen ist, aber an den Dorfverwalter verhökert wird. Kurzerhand ergreift sie die Flucht nach Köln, um dort nach Mahmud zu suchen. Doch der Weg ins vermeintliche Glück erweist sich als Sackgasse in den Abgrund. Helma Sanders-Brahms erzählt vom harten Los derjenigen, die ohne viele Perspektiven und mit geringen Sprachkenntnissen nach Europa kommen und dort feststellen müssen, dass Träume nur Träume sind und die Realität überall ihre Fallen aufgestellt hat. Wird sie in Anatolien von der männlichen Gesellschaft unterdrückt, ist es in Deutschland das kapitalistische System und der Zwang, sich darin zu behaupten, um zumindest genug Geld fürs Leben zu erwerben. In beiden Systemen ist Shirin als junge Frau ohne große Chancen. Diese Parallelität wirkt bedrückend und ist auch das Herzstück des Films. Erschreckend ist, dass fast fünf Jahrzehnte nach Erscheinen von „Shirins Hochzeit“ die Welt keine vollkommen andere ist. Und so entfaltet der Film auch heute noch seine Wirkung. Sichten kann man den Film übrigens auf DVD – er ist in der Edition Zweitausendeins Deutscher Film erschienen.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat:: Quelle http://www.imdb.com)

Chappie (2015)

Regie: Neill Blomkamp
Original-Titel: Chappie
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Drama, Science Fiction, Action
IMDB-Link: Chappie


Mit dem oscarnominierten „District 9“ hat Neill Blomkamp einen der besten Science Fiction-Filme der letzten 15 Jahre vorgelegt. Meine Erwartungshaltung an „Chappie“ war dementsprechend positiv. Darin geht es um einen Polizeiroboter, der ein Eigenleben, eine Seele entwickelt und lernen muss, sich in einer harten, unbarmherzigen Welt zu behaupten. Ihm dabei zur Seite steht ein Verbrecherduo (Yolandi und Ninja von der südafrikanischen Elektro-Band Die Antwoord) und der Wissenschaftler Deon Wilson (Dev Patel). Die Gegenseite besteht aus Hugh Jackman, der sichtlich Freude daran hat, mal böse sein zu dürfen, und Sigourney Weaver. Das Herzstück des Films ist aber der Roboter Chappie, der tatsächlich als Projektionsfläche für allerlei Emotionen funktioniert. So geht der Film in seinen besten Momenten auch sehr an die Nieren und reißt den Zuseher mit. Allerdings hat „Chappie“ drei gewaltige Probleme: Erstens: Man hat das alles schon in den 80ern Jahren in „Nummer fünf lebt“ gesehen. „Chappie“ wirkt fast schon wie ein Remake des Kultklassikers und hat wenig eigene Ideen. Zweitens: Die beiden Nasen von Die Antwoord können einfach nicht spielen, so lustig sie auch aussehen. Aber neben ihren oscarnominierten Kollegen Weaver, Jackman und Patel (auch wenn die in diesem Film keine Glanzrollen hinlegen) gehen sie nicht nur komplett unter, vielmehr stören sie oft auch das Filmgeschehen mit ihrem unbeholfenen Spiel. Und drittens: „Chappie“ weiß nicht, ob er ein Plädoyer für Diversität und Selbstbestimmung sein möchte, oder ein harter Actionkracher. Der Versuch, beides zu sein, geht daneben, denn dadurch wird der Film unrund und anstrengend. So bleibt es bei vielen guten Ansätzen, die aber insgesamt keinen sonderlich guten Film ergeben. Sehenswert ist „Chappie“ dennoch, aber er verschenkt eben viel Potential und kommt nie auch nur ansatzweise in die Situation, am Stuhl von „District 9“ als Blomkamps Meisterwerk zu sägen.


5,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 2015 CTMG, Inc. All rights reserved. Courtesy of Columbia Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Eine bretonische Liebe (2017)

Regie: Carine Tardieu
Original-Titel: Ôtez-moi d’un doute
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Liebesfilm, Rom-Com
IMDB-Link: Ôtez-moi d’un doute


Und der Rosamunde-Pilcher-Award für den schnulzigsten Filmtitel 2017 geht an … *trommelwirbel* … „Eine bretonische Liebe“ von Carine Tardieu – der im Original natürlich anders heißt, aber der deutsche Filmverleih hat mal wieder ganze Arbeit geleistet, um das Heer von 60jährigen frankophilen Kaffeekranztanten ins Kino zu locken. Der Kürbis eures Vertrauens musste den Film zuhause auf der Couch nachholen. Und ich darf gleich mal Entwarnung geben: Der Film ist nicht mal halb so schnulzig, wie es der Titel suggeriert. Denn eigentlich geht es weniger um die Liebe, auch wenn die eine Rolle spielt, sondern mehr um Familie mit und ohne Blutsverwandtschaft. Denn der stoische Bombenentschärfer Erwan (François Damiens), der kurz davor steht, Großvater zu werden, erfährt, dass sein Vater gar nicht sein leiblicher Vater ist. Also macht er sich auf die Suche. Und wie so oft findet man auf der Suche selten das, wonach man eigentlich gesucht hat, sondern alles Mögliche. „Eine bretonische Liebe“ ist ein leichtfüßiger, durch und durch französischer Film, der von guten Darstellerinnern (wie Cécile de France und Alice de Lencquesaing) und Darstellern (allen voran André Wilms und Guy Marchand als Väter) getragen wird, und der vielleicht an manchen Stellen ein bisschen gar vorhersehbar ist, aber dennoch in sich stimmig wirkt. Allein Comic Relief Didier (Estéban), der vertrottelte Assistent von Erwan, passt nicht so ganz ins Bild und verhagelt einem einige Szenen, ehe er zum Ende hin dann doch ein bisschen ernster genommen wird. Insgesamt macht der Film mehr richtig als falsch, und die schöne bretonische Landschaft als Kulisse ist auch nie verkehrt. Lange hängenbleiben wird „Eine bretonische Liebe“ aber eher nicht, dazu ist er dann doch zu leichtgewichtig.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Der Name der Rose (1986)

Regie: Jean-Jacques Annaud
Original-Titel: The Name of the Rose
Erscheinungsjahr: 1986
Genre: Drama, Historienfilm, Krimi
IMDB-Link: The Name of the Rose


Lasst uns mal über Europa reden. „Der Name der Rose“ ist eine hauptsächlich deutsche Produktion in englischer Sprache unter der Regie eines Franzosen mit einem Schotten in der Hauptrolle, basierend auf einem italienischen Roman. Ach ja, in Nebenrollen sind unter unter anderem ein Österreicher, ein Russe, ein Brite, einige Deutsche und US-Amerikaner zu sehen, und den Love Interest spielt eine Chilenin. Kann so ein Mash-Up gutgehen, vor allem, wenn der Roman, ein historischer satirischer Wälzer mit über 600 Seiten, ein literarischer Welterfolg war, der die Messlatte schon verdammt hoch angelegt hat? Ja, das geht. Denn Annaud und Produzent Bernd Eichinger machen alles richtig, indem sie nicht versuchen, das Buch mit dem Medium Film zu kopieren. Vielmehr verändern sie den Fokus auf die düstere Kriminalhandlung in der Benediktinerabtei, die der zu einem Disput angereiste Franziskaner William von Baskerville (perfekt besetzt mit Sean Connery) mit seinem Adlatus Adson von Melk (Christian Slater) zu lösen versucht. Die Mönche sterben wie die Fliegen in diesem ehrwürdigen Kloster, doch der Abt ist wenig begeistert davon, dass der logisch denkende Franziskanermönch der Wahrheit auf den Grund gehen möchte. Bald schon sind William und Adson selbst im Fokus des Killers. Und ein spannender Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Wie gesagt, die Verfilmung von Annaud fühlt sich gänzlich anders an als die Romanvorlage von Umberto Eco. Diese ist ein satirisches Meisterwerk, in dem der große Philosoph und Intellektuelle Eco gegen religiöse Verbohrtheit und naive Gutgläubigkeit ins Feld zieht und diese auch ins Lächerliche zieht. In Annauds Film sind diese Spitzen schon noch vereinzelt zu erahnen, doch ist die Stimmung des Films weitaus düsterer, und die Handlung konzentriert sich eben auf eben den Hauptstrang der Mordserie, die es aufzuklären gilt. So gesehen verfolgen Film und Buch zwei sehr unterschiedliche Ansätze. Puristen mag das vielleicht sauer aufstoßen, doch in meinen Augen hat man beim Film alles richtig gemacht, denn das Buch 1:1 zu verfilmen, wäre ein Ding der Unmöglichkeit geworden. So aber ist „Der Name der Rose“ der vielleicht beste Mittelalterkrimi aller Zeiten.


8,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Archive Photos/Getty Images – © 2012 Getty Images, Quelle http://www.imdb.com)

Fuchs im Bau (2020)

Regie: Arman T. Riahi
Original-Titel: Fuchs im Bau
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama
IMDB-Link: Fuchs im Bau


Will man erklären, worum es in Arman T. Riahis neuem Film geht, kann man sich so behelfen: Man stelle sich „Dangerous Minds“ vor, ergänze das durch „Club der toten Dichter“, würze das mit einer Prise österreichischem Filmpessimismus und versetze die Geschichte in einen Jugendknast. Dann hat man einen ganz guten Eindruck, was einen in „Fuchs im Bau“ erwartet. Spannend ist jedenfalls, dass der Film in der Tonalität so gänzlich anders als Riahis voriger Film Die Migrantigen wirkt, obwohl er sich mit diesem sogar den Hauptdarsteller Aleksandar Petrovic teilt – der ebenfalls ganz andere Töne anschlägt als in der satirischen Migrantenkomödie. Als neuer Gefängnislehrer Hannes Fuchs schleppt er jede Menge eigener Probleme in den schon ohnehin problembehafteten Gefängnisunterricht. Er soll die alteingesessene Lehrerin Berger (Maria Hofstätter, wie gewohnt souverän) ablösen, doch ehe er daran überhaupt denken kann, muss er erst mal lernen, sich durchzusetzen in einer Klasse voller Jugendlicher mit Gewaltproblemen und ohne Zukunftsperspektiven. Über die burschikose Samira (mitreißend: Luna Jordan), die zusätzlich zu ihrer Gefängnisstrafe noch tiefer liegende Probleme mit sich herum trägt, findet der aus einem Ereignis in der jüngeren Vergangenheit selbst traumatisierte Fuchs allerdings allmählich Zugang zu diesem Milieu. Man merkt es an meiner Wortwahl: Probleme, Probleme, Probleme. Die ziehen sich als rote Linie durch den Film. Kaum jemand, der nicht mindestens ein paar Jahr guter Gesprächstherapie notwendig hätte. Ausgenommen vielleicht Tara Ketabi (Sibel Kekilli) von der Jugendgerichtshilfe, die aber nicht nur deswegen wie ein Fremdkörper wirkt – Sibel Kekilli spielt erstaunlich konsequent an allen Anderen vorbei, als wäre sie wortwörtlich im falschen Film. Außerdem macht es sich Riahi zur Aufgabe, möglich nichts direkt zu erzählen, sondern alle Hintergründe, die vielleicht für ein tieferes Verständnis der Figuren hilfreich (und manchmal auch notwendig) wären, anzudeuten. Viele Fragen bleiben offen. An sich mag ich dieses indirekte Erzählen ja sehr, aber hier gerät es zum Manierismus. Dass „Fuchs im Bau“ dennoch über die ganze Handlung hinweg interessant bleibt, spricht dann wiederum für seine Qualitäten als Filmmacher.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Miss Marx (2020)

Regie: Susanna Nicchiarelli
Original-Titel: Miss Marx
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Biopic
IMDB-Link: Miss Marx


Punk ist nicht tot. Punk macht jetzt Biopics. Auf diese Idee kommt man jedenfalls, wenn man sich Susanna Nicchiarellis „Miss Marx“ ansieht. Nicchiarelli hat ja mit Nico, 1988 schon einen wertvollen Genrebeitrag geliefert. „Miss Marx“, die das Leben der jüngsten Tochter von Karl Marx nach dessen Tod beleuchtet, kommt da nicht ganz heran. Wie in „Nico, 1988“ weiß die Hauptdarstellerin, in diesem Fall Romola Garai, zwar zu überzeugen, und auch die punkigen Soundtrack-Einschübe lockern den Film einerseits auf und untermalen andererseits das Anderssein der Rebellin und Sozialistin, aber phasenweise mäandert der Film dann doch recht ziellos durch die Gegend. Allerdings wird er dabei nie langweilig oder banal – das muss man Nicchiarelli klar zu Gute halten. Nur verfranst sie sich manchmal zwischen den Themen „Eleonor Marx als sozialistische Kämpferin gegen die Ausbeutung“, „Eleonor Marx als Stütze in einer schwierigen Beziehung mit dem Künstler Edward, der mit Geld nicht umgehen kann“, „Eleonor Marx mit der Bürde des langen Schatten, die ihr Vater und enger Freund Friedrich Engels geworfen haben“ und „Eleonor Marx als liebevolle Tante, die aber immer wieder ihre familiären Beziehungen zurückstellt“. Nicchiarellis Eleonor Marx möchte alles sein und ist damit nichts wirklich. (Möglicherweise hatte Punk das gleiche Problem.) Ich denke, am Ende ist das dann auch genau die Aussage, die hängenbleiben soll und die das Ende nachvollziehbar macht. So gesehen wird das Ziel erreicht, ein wenig mehr Fokus hätte „Miss Marx“ aber dennoch gut getan und aus einem guten, sehenswerten Film einen großartigen machen können.


6,5 Kürbisse

(Foto: Filmladen Filmverleih)

I Am Legend (2007)

Regie: Francis Lawrence
Original-Titel: I Am Legend
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Drama, Thriller, Horror, Science Fiction
IMDB-Link: I Am Legend


Es ist irgendwie deppert, wenn man der einzige Überlebende in New York ist, das ansonsten nur von ungustiösen Zombies bevölkert wird. Und es noch depperter, wenn man es als Wissenschaftler in der Hand gehabt hätte, das Schlamassel zu verhindern, aber daran gescheitert ist. Und noch dazu die ganze Familie verloren hat. Nur noch die treue Schäferhündin Samantha hält die Stellung in Robert Nevilles Kampf gegen die Dämonen – die eigenen und die da draußen. Will Smith spielt diesen zerrissenen Survival-Experten gewohnt charismatisch, auch wenn ihm der Schäferhund immer wieder die Show stiehlt. Aber so ist das eben mit Hunden am Set, dagegen hast du selbst als Superstar keine Chance. „I Am Legend“ ist dennoch lange Zeit eine Will Smith-Soloshow, ehe der Film gegen Ende hin ein paar nötige Kapriolen schlägt, um die Geschichte vorwärts und zu einem Ende zu bringen. Über dieses lässt sich dann trefflich streiten, aber der Weg dahin ist spannend inszeniert. Insgesamt zementiert „I Am Legend“ den Legendenstatus von Will Smith wohl weniger, als er das im Sinn gehabt hätte, aber als spannender Unterhaltungsfilm ist er schon in Ordnung. Und das verwahrloste New York, das von Hirschen und anderen Wildtieren zurückerobert wird, ist ein Hingucker und atmosphärisch dicht umgesetzt. Allein dafür lohnt sich die Sichtung schon mal.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Fast verheiratet (2012)

Regie: Nicholas Stoller
Original-Titel: The Five-Year Engagement
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Komödie, Liebesfilm, Rom-Com, Drama
IMDB-Link: The Five-Year Engagement


John Lennon in all seiner Weisheit hat die Quintessenz unserer Existenz so zusammengefasst, dass man dazu nichts mehr ergänzen kann: „Life is what happens to you while you’re busy making other plans“. Und genau das passiert auch Tom und Violet (Jason Segel und Emily Blunt). Eigentlich wäre man ja frisch verlobt und schon dabei, Hochzeitspläne zu schmieden, doch dann bekommt Violet ein berufliches Angebot aus Michigan, das so attraktiv ist, dass die Hochzeit erst mal warten muss. Kein Problem für Tom, den modernen Mann, der für seine Beziehung die Aussicht auf eine Chefkoch-Stelle ausschlägt, um seine Liebste zu unterstützen. Doch irgendwie läuft dann doch alles anders, als sich das junge Paar das im Vorfeld vorgestellt hat. „Fast verheiratet“ (im Original: „The Five-Year Engagement“) von Nicholas Stoller ist vordergründig klassisches Rom-Com-Kino, nur dass die übliche Prämisse, nämlich „Paar findet zueinander“ hier übersprungen wird und der Fokus auf den alltäglichen Schwierigkeiten liegt. Die Herausforderung hier ist nicht, in Liebe zueinander zu finden, sondern die Liebe durch alle Schwierigkeiten hindurch aufrecht zu halten. Und das macht der Film, der nicht auf die komödiantische Komponente seines Genres vergisst, auf eine wirklich herzerfrischende, ehrliche und unprätentiöse Weise. Jason Segel und Emily Blunt sind ein absolut glaubwürdiges Paar und harmonieren perfekt. Doch auch die prominent besetzten Nebenrollen (Chris Pratt, Rhys Ifans, Jacki Weaver, Alison Brie, Dakota Johnson) machen ihre Sache außerordentlich gut. Das Besondere an diesem Film ist, dass er seine Figuren ernst nimmt und nie der Lächerlichkeit preis gibt, so lustig und absurd manche Szenen auch sind. Das ist ein Qualitätsmerkmal herausragender Komödien: Diese beziehen ihren Humor aus der Geschichte und nicht aus billig eingestreuten Gags. Und so ist „Fast verheiratet“ für mich ein überraschender Beitrag zu seinem Genre, der damit gleich mal einen ernsthaften Angriff auf die Spitze fährt. Ein echter Geheimtipp.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2012 – Universal Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Apollo 13 (1995)

Regie: Ron Howard
Original-Titel: Apollo 13
Erscheinungsjahr: 1995
Genre: Drama, Thriller
IMDB-Link: Apollo 13


Ein guter Film ist ein guter Film. Ein guter Film ist zum Beispiel dann ein guter Film, wenn er eine interessante Geschichte schlüssig und nachvollziehbar erzählt, ohne dass er mit Überwältigungen arbeiten muss, um das Publikum bei der Stange zu halten. Bei aller Dramatik der Apollo 13-Katastrophe macht Ron Howard eines goldrichtig: Er erzählt die Geschichte so, wie sie (zumindest zum allergrößten Teil) tatsächlich passiert ist. Da braucht es keine zusätzlichen Explosionen oder Asteroidenschauer – allein den drei Hanseln dabei zuzusehen, wie sie nach ihrer Havarie ohne Boardcomputer in der Mondlandekapsel sitzen und sich den Arsch abfrieren, da alle Systeme runtergefahren sind, während man unten im Kontrollzentrum verzweifelt nach kreativen Ideen sucht, um die Astronauten wieder zurück zur Erde zu bringen, ist ganz großes Kino. Natürlich wird an der einen oder anderen Stelle eine dünne Schicht Pathos aufgetragen, soll so sein, das gehört irgendwie dazu, aber Ron Howard versteht sein Handwerk gut genug, um selbst den Blick auf die zuhause ausharrenden Ehefrauen nicht zum Tränendrücker verkommen zu lassen. Im Gegenteil. Die o scarnominierte Kathleen Quinlan legt ihre Rolle als Frau des Kommandanten Jim Lovell (Tom Hanks) durchaus tough an. Überhaupt ist es an der Zeit, die großartige Besetzung gebührend zu loben. Neben Hanks, der die Hauptrolle spielend schultert, und der schon erwähnten Quinlan überzeugen Kevin Bacon, Bill Paxton, Gary Sinise und vor allem Ed Harris, der als Flugdirektor Gene Kranz eine der besten Leistungen seiner ohnehin überragenden Karriere abliefert – und dabei hat er kaum Textzeilen aufzusagen. Aber allein seine Körpersprache ist es wert, in allen Schauspielkursen dieser Welt genau studiert zu werden. Auch die Spezialeffekte darf man lobend erwähnen, denn die lassen auch heute noch staunen, und der Film hat immerhin schon mehr als ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel. Wie gesagt: Ein guter Film ist eben ein guter Film, daran ändert sich auch mit den Jahren nichts. Und so vergehen die fast 2,5 Stunden (diesen Kalauer darf ich mir jetzt erlauben) schließlich wie im Flug.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Universal Home Video – © 1995 Universal Pictures, Quelle http://www.imdb.com)