Drama

Licorice Pizza (2021)

Regie: Paul Thomas Anderson
Original-Titel: Licorice Pizza
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Drama, Komödie, Liebesfilm
IMDB-Link: Licorice Pizza


Licorice Pizza, übersetzt Lakritzepizza, da kommt zusammen, was nicht zusammen gehört. Das scheint jedenfalls der Hintersinn des nicht unbedingt offensichtlichen Titels von Paul Thomas Andersons Hommage an die 70er Jahre zu sein. Oder aber ihm kam in einem Anflug kulinarischen Wahnsinns mal die Idee, die legendäre Pizza Hawaii in Fragen der Kontroversität zu übertrumpfen, konnte sein Produkt aber Dr. Oetker nicht verkaufen und dachte sich: ‚Hey, wenn ich schon mal den Namen habe …‘ Man weiß es nicht. So oder so, unter seiner Regie ist nun ein Film entstanden, der wie aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Dieser Film atmet die pure 70er-Nostalgie. Was Jonah Hill in Mid90s gelang, nämlich ein Jahrzehnt nicht einfach nur filmisch zu würdigen, sondern es so authentisch hinzubekommen, dass man meint, der Film wäre damals tatsächlich gedreht worden, gelingt Paul Thomas Anderson, ohnehin ein Meister seines Fachs, in „Licorice Pizza“ mindestens genauso gut. Im Zentrum stehen dabei die 25jährige Alana und ihr um zehn Jahre jüngerer Verehrer Gary, ein umtriebiger Jungunternehmer und Fernsehstar. Der Film konzentriert sich auf das Auf und Ab dieser schwer definierbaren Beziehung, die immer irgendwo zwischen Freundschaft und doch romantischer Anziehung pendelt. Und gerade in dieser Hinsicht ist „Licorice Pizza“ besonders gut gelungen, denn er erzählt eine recht konventionelle Geschichte, die aber – wie es halt im Leben so spielt – ihre Haken schlägt und nicht immer auf das Offensichtliche zusteuert. Gerade dadurch wird die Geschichte von Alana und Gary so echt und nachvollziehbar. Alana Haim und Cooper Hoffman (der Sohn von Philip Seymour Hoffman, die Gene sind also mal ein großes Versprechen) in den Hauptrollen sind exzellent besetzt. Man könnte ihnen stundenlang zuschauen, wie sie sich aufeinander zu- und wieder voneinander wegbewegen. Der Rest des teils äußerst prominenten Casts steht dem aber um nichts nach. So reichen Bradley Cooper schon geschätzte zehn Minuten Screentime, um die vielleicht beste Leistung seiner Karriere auf die Leinwand zu zaubern. Und so könnte ich fast jedes einzelne Mitglied des Casts herausstellen, dazu die tolle Musik, die großartige Kameraarbeit, das feine Drehbuch, aber ich habe schon genug geschrieben und mein übliches Maß weit überschritten, also kürze ich diese Review jetzt mal ab – meine Begeisterung für den Film dürfte mittlerweile rübergekommen sein – und sage: Leute, schaut euch das an!


9,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Die rote Wüste (1964)

Regie: Michelangelo Antonioni
Original-Titel: Il deserto rosso
Erscheinungsjahr: 1964
Genre: Liebesfilm, Drama
IMDB-Link: Il deserto rosso


Der Filmtitel von Antonionis Meisterwerk führt in die Irre. Die Wüste ist nämlich gar nicht rot, sie ist grau und neblig. Wie Skelette prähistorischer Riesen ragen Schornsteine, Fabrikhallen und Schiffsrümpfe in den wolkenverhangenen Himmel. Der Mensch ist klein und unbedeutend und bestenfalls ein Rädchen im Getriebe. Kein Wunder, dass man da depressiv wird – wie die junge Mutter und Ehefrau Giuliana, die vor kurzem in einen Autounfall verwickelt war, der wohl weder unverschuldet noch absichtslos herbeigeführt wurde. Giuliana ist gebeutelt von Angstzuständen, Paranoia und der Unmöglichkeit, ihre Träume zu verwirklichen. Erst Corrado, ein Arbeitskollege ihres Mannes, der selbst desillusioniert auf die Welt blickt, vermag es, ihren Panzer zu durchbrechen und allmählich in ihr Wesen vorzudringen. Zwei verlorene Seelen haben sich gefunden – ein Thema, das in Antonionis Werk generell sehr präsent ist. Monica Vitti und Richard Harris spielen die beiden Hauptrollen, und sie haben eine gute Chemie miteinander. Das Herzstücks von Antonionis erstem Farbfilm ist aber die Industriezone von Ravenna, die eine Atmosphäre düsterer Beklemmung erzeugt. Das Spiel mit Farben und Schattierungen, mit dem Antonioni seine Geschichte begleitet, ist außergewöhnlich und einprägsam. Stilistisch ist „Die rote Wüste“ ein Ausnahmefilm. Auch ist er keinen Moment langweilig, auch wenn noch so wenig passiert. Die Geschichte verbirgt sich hinter dem Offensichtlichen. Die wohl beste Szene ist jene, als Giuliana, Corrado und ein paar Freunde einen Nachmittag in einer baufälligen Hütte im Hafen verbringen und in der Abgeschiedenheit von der Welt alle Konventionen fallen lassen und einfach Menschen sind.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Hustlers (2019)

Regie: Lorene Scafaria
Original-Titel: Hustlers
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama, Krimi, Komödie
IMDB-Link: Hustlers


Dass es bei Jenny on the Block mal zu einer Oscarnominierung reicht, hätte sich vor zehn Jahren wohl auch niemand gedacht. Doch für ihre Leistung in dem 2019 erschienenen Film „Hustlers“ von Lorene Scafaria ist genau das eingetreten – und man muss sagen: nicht unverdient, denn ihre Leistung als Stripperin Ramona, die kreative Wege findet, ihre Kunden noch etwas mehr abzuzocken, steht einsam wie Kubricks Monolith in ihrer filmischen Karriere. Besser war sie nie, und besser wird sie auch kaum mehr sein. Manche Menschen sind für manche Rollen wie geboren – siehe Mickey Rourke in „The Wrestler“ und nun eben Jennifer Lopez in „Hustlers“. Die Hauptrolle gehört aber Constance Wu als aufstrebende Stripperin Dorothy, die sich mit der besagten Ramona auf ein Packerl haut. Man merkt Hustlers wohltuend an, dass der Film von einer Frau geschrieben und inszeniert wurde. Wer auf reine Fleischbeschau aus ist, möge zu einem anderen Film greifen. Klar, milieubedingt gibt es auch die eine oder andere nackte Tatsache zu sehen, doch der „Male Gaze“ bleibt aus. Stattdessen konzentriert sich Scafaria auf die Krimigeschichte, die langsam entfaltet. Bis dahin hat der Film tatsächlich einige Längen und wirkt irgendwie unentschlossen, aber wenn dann die Hauptstory Fahrt aufnimmt, wird auch die Inszenierung frecher und frischer. Ob es den Rahmen mit der Journalistin Elizabeth (Julia Stiles), die über den Fall berichten möchte, gebraucht hätte, sei dahingestellt – er stört jedenfalls nicht, ohne wirklich Mehrwert beizutragen. Aber gut, es bleibt dennoch das Fazit, dass „Hustlers“ nach leichten Startschwierigkeiten zu einem gelungenen Schelmenstück wird mit einer wirklich großartigen Jennifer Lopez. Man kann sich den gut und gerne mal ansehen. Wo? Auf Netflix, wo er dieser Tage angelaufen ist.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Courtesy of STXfilms – © Motion Picture Artwork © 2019 STX Financing, LLC., Quelle http://www.imdb.com)

Die Brandstifter (1906)

Regie: Georges Méliès
Original-Titel: Les incendiaires
Erscheinungsjahr: 1906
Genre: Kurzfilm, Krimi, Drama
IMDB-Link: Les incendiaires


Ein paar Taugenichtse zündeln herum und fackeln einen Schuppen ab. Das bringt natürlich sofort die Polizei auf dem Plan und nach einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd wird schließlich einer der Strolche geschnappt. Nach einer nicht so schönen Zeit im Gefängnis, in der er schon von der Guillotine fantasiert, wird ihm dann tatsächlich der Prozess gemacht. Der fulminante Höhepunkt dieses frühen Krimidramas ist die Exekution des Verbrechers durch die schon angesprochene Guillotine. Die Gerechtigkeit obsiegt, der Schurke ist einen Kopf kürzer. Filmpionier Georges Méliès bewegte sich mit „Die Brandstifter“ mal auf anderem Terrain als den üblichen fantastischen Tollereien oder spaßigen Zaubertricks. „Die Brandstifter“ ist eine durchaus ernste Angelegenheit und erzählt in etwas weniger als acht Minuten eine ganze Geschichte. Natürlich nutzt Méliès hier wieder stark seine Fähigkeiten als Magier, um mit frühen Special Effects filmische Illusionen zu erzeugen. Ich kann mir vorstellen, dass die Enthauptung des Bösewichts zu damaligen Zeiten für einigen Schrecken in den Vorführungen gesorgt hat. Abgesehen vom fehlenden Blut (das wäre wohl wirklich too much gewesen) wirkt die Darstellung der Exekution recht realistisch. „Die Brandstifter“ sind ein gutes Beispiel dafür, wie rasch sich Méliès in den wenigen Jahren, in denen er aktiv Filme dreht, weiterentwickelte und das neue Medium Film auf vielfältige Weise für sich nutzen konnte.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von A7A09064_017.JPG – © Archives du 7e Art/DR – Bild mit freundlicher Genehmigung photo12.com, Quelle http://www.imdb.com)

Frau im Dunkeln (2021)

Regie: Maggie Gyllenhaal
Original-Titel: The Lost Daughter
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Drama
IMDB-Link: The Lost Daughter


Eine Professorin für italienische Literatur macht Urlaub in Griechenland. Was zunächst nach einem ungestörten Strandurlaub aussieht, wird aber schon bald recht anstrengend, als eine Großfamilie in die Villa nebenan zieht und den Strand kapert. Die junge, überforderte Mutter, die noch dazu eines Tages ihre eigene Tochter unbeaufsichtigt lässt und kurzzeitig verliert, löst bei Leda, so der Name der Professorin, einige Flashbacks aus. Auch sie war nicht die geborene Mutter, und die beiden Töchter waren öfter Störenfriede in ihrem arbeitssamen Leben als eigentlicher Mittelpunkt desselben. „Frau im Dunkeln“ ist eine sensible Adaption von Elena Ferrantes Romanvorlage. Es passiert nicht viel in Maggie Gyllenhaals Regiedebüt, und doch bleibt der Film über zwei Stunden lang interessant. Das liegt vor allem an Oliva Colmans herausragendem Schauspiel. Ihre Leda ist voller Ambivalenz, jede Gestik und Mimik wirkt echt und authentisch. Auch Jessie Buckley als die jüngere Version von Leda, die mit den Kindern überforderte Mutter, macht ihre Sache ausgezeichnet. So entsteht das Porträt einer Frau, die sich in Rollen gepresst sieht, die sie nicht auszufüllen vermag. Und doch – bei allem Respekt vor der konzentrierten Regie und der tadellosen schauspielerischen Leitungen: Gelegentlich zieht sich das Ganze ein wenig hin. „Frau im Dunkeln“ ist einer dieser Filme, für die man in der richtigen Stimmung sein muss. Ansonsten verliert man vielleicht doch mittendrin das Interesse, da alles so subtil und flüchtig ist, dass man schon aufnahmebereit sein muss, um den Film schätzen zu können. Auch wenn der Film auf Netflix läuft, aber das ist eigentlich etwas fürs Kino, um sich ablenkungsfrei auf die Geschichte konzentrieren zu können.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Liebe 1962 (1962)

Regie: Michelangelo Antonioni
Original-Titel: L’eclisse
Erscheinungsjahr: 1962
Genre: Liebesfilm, Drama
IMDB-Link: L’eclisse


Es braucht wohl ein trauriges Gesicht wie jenes von Monica Vitti, um mit dermaßen wenigen Worten gleich zu Beginn glaubhaft eine langjährige Beziehung zerbrechen zu lassen. Generell wird in Michelangelos Drama „Liebe 1962“ wenig gesprochen, zumindest nicht zwischen den Hauptprotagonisten Vitoria und Piero, ein von Alain Delon mit köstlicher Arroganz gespielter Börsenmakler. Dieser ist nach einigem Herummäandern Vitorias durch die Stadt der neue Auserkorene nach dem nächtlichen Drama mit ihrem Ex. Aber ist er auch der richtige bzw. ist Vitoria die richtige für ihn? „Liebe 1962“ ist beileibe kein konventioneller Liebesfilm, sondern ein Film, der sich auf das Ungesagte und Ungeschriebene zwischen den Zeilen konzentriert. In einer hektischen Welt, in der jeder eine Rolle zu spielen hat, eindrucksvoll verkörpert durch den Wahnwitz der Börse, reicht es vielleicht nicht aus, lieben zu wollen – man muss auch dazu fähig sein. Vitorias und Pieros Liebe ist hingegen die Liebe von Verzweifelten, die mehr mit sich selbst beschäftigt sind als mit allem Anderen und daher nicht lieben können. Alain Delon spielt Piero als Arschloch erster Güte, der sowohl die Börse als auch die Liebe eher als Spiel begreift. Die Börse ist fast ein dritter Protagonist im Bunde. Antonioni fängt den kompletten Irrsinn, die seelenlose Gier und Jagd nach Geld und Gewinn, hervorragend ein. Stark ist im ersten Drittel die Szene, als der Handel für eine Schweigeminute unterbrochen wird, aber auf die Sekunde genau nach Ablauf die Hektik wieder hereinbricht wie ein Krieg, der auf die Köpfe donnert. Hervorheben muss man auch die kunstvollen und stimmungsvollen Kameraeinstellungen, die zu meisterhaften Bildern führen – ein jedes davon könnte großflächig ausgedruckt und an die Wand gehängt werden. Das Ende ist konsequent und schlägt die Brücke zurück zum Anfang. Kleine Abzüge mag es aus heutiger Sicht für die Rassismusprobleme und eine Blackfacing-Szene geben, aber die muss man natürlich im Kontext der Zeit betrachten. Über die Zeit hinaus ist „Liebe 1962“ ein Meisterwerk.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 1962 – Cineriz, Quelle http://www.imdb.com)

Spencer (2021)

Regie: Pablo Larraín
Original-Titel: Spencer
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Biopic, Drama
IMDB-Link: Spencer


Die erste große Überraschung der Award Season: Kristen Stewart ist eine seriöse Anwärterin auf die wichtigsten Schauspielpreise. Die zweite große Überraschung der Award Season: Ausgerechnet beim Preis der Screen Actors Guild, den SAG Awards, ist sie nicht nominiert. Was ist da los? Warum einmal hü und einmal hott? Liefert sie als Prinzessin Diana eine der besten Leistungen des Jahres ab, oder ist ihre Darstellung überschätzt und exaltiert und daher doch nicht der heißeste Scheiß der Award Season? Die Wahrheit liegt in der Mitte. Zwar muss man ihr zweifelsfrei zugestehen, als innerlich zerrissene und von der höfischen Etikette unterdrückte Prinzessin die vielleicht beste Darstellung ihrer Karriere zu liefern, allerdings presst sie gleichzeitig ihre Sätze so heraus, als würde sie unter fürchterlicher Verstopfung leiden. Interessanterweise passt aber gerade dieser hochdramatische Ausdruck perfekt zu Pablo Larraíns kunstvollen, mit surrealen Versatzstücken verfremdeten Zugang zu einer Weihnachtsfeier, in der höfische Etikette und die Freiheitsliebe der depressiven Lady Di aufeinanderprallen. Larraín geht es hier nicht um Realismus (daher fügt sich auch Stewarts Schauspiel so gut ein). Jonny Greenwoods eindrücklicher Score begleitet eine filmische Reise in die tiefsten Abgründe und Ängste einer Person, die niemals öffentlich leben wollte und doch der Inbegriff der Öffentlichkeit wurde. Dazu kommen symbolhaft aufgeladene Momente, wenn Diana durch die ehrwürdigen Hallen des königlichen Schlosses tanzt oder ihr Anne Boleyn in den Gängen begegnet. Keine Frage – das ist richtig gut gemacht. Vielleicht braucht es ein bisschen, um sich in diese verfremdete Welt hineinzufinden, aber wenn man sich mal auf diese abenteuerliche Reise zu den dunkelsten Stellen einer verwundeten Seele eingelassen hat, ist die Geschichte durchaus packend, und alles fügt sich zu einem in sich stimmigen Gesamtkunstwerk zusammen. Larraín ist eben keiner, den klassische Biopics sonderlich interessieren, sondern er findet stets seinen ganz eigenen Zugang zu seinem Thema. Das muss man wissen, bevor man sich auf diesen Film einlässt.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

The Room (2003)

Regie: Tommy Wiseau
Original-Titel: The Room
Erscheinungsjahr: 2003
Genre: Drama
IMDB-Link: The Room


Kommen wir zu einem ganz besonderen Schmankerl. In der Filmwelt wird ja trefflich darüber diskutiert, wer nun wirklich der schlechteste Regisseur aller Zeiten war – Ed Wood oder Tommy Wiseau. Nach Sichtung des Meisterwerks „The Room“ ist für mich die Antwort nun völlig klar: Tommy Wiseau. Während die Filme von Ed Wood lustiger Trash sind, ist „The Room“ ein Unfall, ein Totalschaden, auf seine Weise auch wieder enorm lustig, ja, viel lustiger, als es jeder Ed Wood-Film sein könnte, aber das liegt auch daran, dass man bei Ed Wood immerhin noch ernsthafte Ambitionen gemerkt hat, auch wenn diese schrecklich umgesetzt wurden. „The Room“ hingegen ist … unbeschreiblich. Fangen wir beim unfassbar dilettantischen Drehbuch an mit banalsten Dialogen, völlig zusammenhanglosen Szenen und Storylines, die währenddessen komplett fallengelassen werden. Dazu jede Menge Sexismus und ein Tommy Wiseau, dessen Narzissmus aus jeder Dialogzeile jeder Figur tropft. „The Room“ ist eine Tommy Wiseau-Ego-Show, in der sein Johnny der beste Mensch der Welt ist, der von seiner bösen Freundin betrogen wird (das ist dann auch schon die ganze Geschichte). Gehen wir dann zu den Darsteller:innen – vor allem den Hauptfiguren. Man hätte Dummys aus Holz und Stroh basteln können, die eine bessere Leistung abgeliefert hätten. Vor allem der größenwahnsinnige Tommy Wiseau schießt den Vogel ab. James Franco muss in The Disaster Artist einen Höllenspaß gehabt haben, diesen komplett talentfreien Exzentriker zu spielen. Und schließlich Ausstattung und Kostüme und Kameraführung, also die technischen Komponenten. Nichts, wirklich gar nichts passt hier bei diesem Film. Man kommt 1,5 Stunden aus dem Lachen nicht raus. Und dabei habe ich die auf Youtube kostenfreie unzensierte Version gesehen. Was für ein Glück, dass ich zumindest nicht die Sexszenen miterleben musste. Ich kann hier gar nicht anders, als voller Enthusiasmus und mit wärmster Empfehlung, sich das mal anzutun, meine niedrigste Wertung von 0,5 Kürbissen zu zücken. Die sind so was von verdient!


0,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Midsommar (2019)

Regie: Ari Aster
Original-Titel: Midsommar
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Horror, Thriller, Drama
IMDB-Link: Midsommar


Der legendäre Hans Huber wusste es schon lange, nachzusehen auf Youtube: „Die Schweeeeeeden sind ein ganz harter Brocken.“ Und so ist trotz schönstem Wetter und langer Tage während des Midsommar-Fests in einer entlegenen schwedischen Kommune bei weitem nicht alles eitel Sonnenschein, wie Dani (Florence Pugh), die sich kurzerhand ihren Freunden bei diesem ethnologisch interessanten Trip angeschlossen hat, im Verlauf von Ari Asters Horrordrama feststellen muss. Dabei hätte Dani ein bisschen Ruhe und Abstand gebraucht, nachdem sich ihre depressive Schwester umgebracht hat und dabei auch noch gleich ihre Eltern mitgerissen hat. Freund Christian (Jack Reynor, das Ergebnis einer wilden Party der Gene von Chris Pratt und Chris Hemsworth) ist keine große Unterstützung. Immerhin bietet sich hier in der Kommune seines schwedischen Kumpels Pelle (Vilhelm Blomgren) die Möglichkeit einer interessanten Abschlussarbeit in Anthropolie. Doch Vorsicht, hätten sie bloß Herbert Prohaska dabei gehabt: Seine Warnung „Da san a poa Hurnkinda dabei“ wäre wohl nicht ungehört verhallt. Aber gut, der Mensch lernt durch Erfahrungen. Das einzige Problem: Diese Erfahrungen müssen erst mal überlebt werden, damit man von ihnen lernen kann. Ari Aster hat ein richtig stimmungsvolles und gleichzeitig abgründiges Horrordrama vorgelegt, das eingefleischte Horroraficionados ob des Mangels an Schreckmomenten wohl eher enttäuschen wird. Vielmehr schleicht sich das Grauen auf leisen Füßen ein. Es ist genau dieser Kontrast zwischen den in der Mittagssonne grell ausgeleuchteten Szenen und der rätselhaften Handlung, die die Stimmung immer bedrückender macht. „Midsommar“ ist kein Horrorfilm im klassischen Sinne, eher ein langsamer, aber unentrinnbarer Strudel ins Herz des Mystischen und der Folklore. In Schweden wird der Film angeblich als schwarze Komödie gefeiert. So kann man es auch sehen. Jedenfalls ist „Midsommar“ ein starker Film, der sich alle Zeit nimmt, die er für seine Geschichte braucht, doch die Zeit ist gut investiert, denn viele Bilder und Szenen lassen einen lange nicht mehr los.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Gabor Kotschy – © A24, Quelle http://www.imdb.com)

Opfer der Unterwelt (1949)

Regie: Rudolph Maté
Original-Titel: D.O.A.
Erscheinungsjahr: 1949
Genre: Thriller, Drama, Krimi
IMDB-Link: D.O.A.


Die Abkürzung D.O.A., so auch der englische Titel des Film Noirs von Rudolph Maté mit Edmond O’Brien in der Hauptrolle, steht unter anderem für „Dead on Arrival“. Und das passt, denn als der Buchhalter und Notar Frank Bigelow in einer denkwürdigen Auftaktszene ins Polizeiquartier stolpert, um einen Mord anzuzeigen, überrascht er alle, als er sich als den Ermordeten nennt. In seinem Körper ist ein hochgradig wirksames Gift, gegen das es kein Gegenmittel gibt. Eingefangen hat er sich dieses ungute Zeug während eines Kurzurlaubs in San Francisco. Da soll einer noch mal sagen: Wenn einer eine Reise tut, kann er was erleben. Dass er tödlich vergiftet wurde, ist ihm rasch klar, doch aus welchen Gründen, das nicht. Und so macht er sich in der geringen Zeit, die ihm noch verbleibt, auf die Suche nach seinen Mördern. In seiner Grundprämisse ähnelt „Opfer der Unterwelt“ dem 2021 erschienenen Netflix-Actionblockbuster Kate. Doch damit enden die Ähnlichkeiten auch schon. Denn auch wenn „Opfer der Unterwelt“ mit einigen guten Actionszenen aufwarten kann, so ist der Held der Geschichte ein ganz normaler, ja sogar ziemlich unscheinbarer Typ, der nicht auf Rache aus ist, sondern schlicht und ergreifend verstehen will, warum ihm so etwas Schreckliches widerfährt. Der Film bezieht seine Spannung aus dem Wettlauf gegen die Zeit. Nach und nach wird ein dichtes Netz an halbseidenen Figuren und kriminellen Machenschaften sichtbar, in das sich Bigelow eher zufällig verfangen hat. „Opfer der Unterwelt“ ist ein gelungener Genrebeitrag zum Film Noir, der auch heute noch spannend anzusehen ist.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)