Erotik

Basic Instinct (1992)

Regie: Paul Verhoeven
Original-Titel: Basic Instinct
Erscheinungsjahr: 1992
Genre: Erotik, Thriller, Krimi
IMDB-Link: Basic Instinct


Als Teenager bei der Oma zu übernachten, war schon eine feine Sache. Man hatte sein eigenes Zimmer mit Fernseher, und spätestens um 10 Uhr abends war die Oma müde und ging schlafen – rechtzeitig zu den interessanteren Sendereihen wie beispielsweise die „Sommernachtsphantasien“ – erotische Filme zu später Stunde. Die Qualität dieser Filme war meist solala, aber es gab nackte Brüste zu bestaunen. Was solche anatomischen Erkenntnisse mit pubertierenden Teenagern anstellen können, mag man sich ausmalen. Auf der gehobenen Seite dieser Filme gab es zumal auch Klassiker wie Verhoevens Skandalfilm „Basic Instinct“. Gebt es zu, ihr kennt ihn alle. Zumindest die Szene, in der Sharon Stone, die mit diesem Film zum neuen Sexsymbol der 90er gekürt wurde, während eines Verhörs die Beine übereinander schlägt und man noch weitere anatomische Erkenntnisse gewinnt. Da reißt es nicht nur Michael Douglas die Glupschaugen auf. Ich selbst war eigentlich nie ein großer Fan dieser Szene. Stones Frisur war mir hier zu streng. Ich mochte sie mit offenen Haaren lieber. Tja, die Oberflächlichkeit der Jugend. Vielleicht erklärt das auch meine späte Entwicklung in wichtigen Fragen des Erwachsenwerdens. Jedenfalls war ich nach dem Ansehen des Films ein bisserl verliebt. Und reichlich verwirrt. Dass ich mich noch an den Inhalt erinnern kann (der im Übrigen sämtliche Klischees bedient, die man sich vorstellen kann), grenzt an ein Wunder. Was aber auch wiederum für den Film spricht, der sich damit zumindest nachhaltig von den restlichen Machwerken, die im Rahmen der „Sommernachtsphantasien“ und ähnlichen Programmschienen gezeigt wurden, abhebt. Heute kann man den Film wohl kaum mehr ohne das Gefühl des Fremdschämens ansehen, und man freut sich für Michael Douglas, dass ihm die Zuseherschaft rasch verziehen hat, und für Sharon Stone, dass Scorsese sie dennoch für „Casino“ gecastet hat, worin sie schlicht umwerfend war. Der Skandal von damals würde heute kaum mehr als ein Gähnen hervorrufen. Aber als Kind seiner Zeit hat der Film unbestritten Eindruck hinterlassen und sich einen Platz in der Filmgeschichte und meinen erotisch aufgeladenen Erinnerungen gesichert. Nostalgische 6 Kürbisse.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Columbia TriStar/Getty Images – © 2013 Getty Images, Quelle: imdb.com)

Wet Woman in the Wind (2016)

Regie: Akihiko Shiota
Original-Titel: Kaze ni nureta onna
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Erotik, Drama, Liebesfilm, Komödie
IMDB-Link: Kaze ni nureta onna


Ganz ehrlich: Wegen solchen Filmen geht man doch auf Film-Festivals. Ich muss zugeben, bei der Ankündigung im Programmheft einer wilden Vögelei bin ich anno dazumal auf der Viennale 2016 mit der Erwartungshaltung in den Film gegangen, beim Viennale-Bingo meine wohlverdienten Kreuzchen bei den Feldern „Mehr als zwei Sexszenen“, „Brüste“ und „Penis“ setzen zu können. Bekommen habe ich „Mehr als zwei Sexszenen“, „Brüste“ und ein fettes Kreuz bei „WTF?“. Murakami im Wald meets Softporno-Parodie (inkl. der obligatorischen Jazzmusik). Ein Schriftsteller und Womanizer hat sich wegen einer nicht näher bezeichneten Frauengeschichte in eine Hütte im Wald zurückgezogen. Dort trifft er auf eine sehr ansehnliche und … ähm … seltsame, okay, nennen wir das Kind beim Namen: völlig durchgeknallte junge Frau, die ihn verführen will. Er weist sie ab, dann will er sie doch, sie weist ihn ab, dann kommt seine Exfreundin dazu samt Entourage (vier Milchbubis und eine verhuschte Sekretärin), und es endet, wie es enden muss: Alle stürzen sich aufeinander und die Ankündigung im Programmheft bewahrheitet sich (ist ja auch nicht immer so). Hunde heulen, ein größeres Tier röhrt im Wald, der Protagonist röhrt auch, das alles ist sehr witzig, aber irgendwie auch pointless. Ich habe das Gefühl, dass man statt der ganzen Vögelei auch einen sinnvolleren Film hätte drehen können. Ist halt nicht passiert. Aber Spaß macht es irgendwie trotzdem.


5,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: (c) Nikkatsu, Quelle imdb.com)

Ein leichtes Mädchen (2019)

Regie: Rebecca Zlotowski
Original-Titel: Une fille facile
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama, Erotik
IMDB-Link: Une fille facile


Eine der offenen Fragen der Menschheit: Wieviel wiegt so ein leichtes Mädchen eigentlich? Rebecca Zlotowski gibt darauf in ihrem neuen Film auch keine Antwort. Immerhin ist ihr mit der Besetzung ein Coup gelungen, der dafür sorgt, dass der Film ins Gespräch kommt, auch wenn er keine Antworten auf die schwerwiegenden Fragen geben kann: Mit Zahia Dehar verpflichtete die Regisseurin jene junge Dame, die vor einigen Jahren als minderjährige Prostituierte mit ein paar französischen Fußball-Stars unter die Bettdecke gehüpft ist. Sie spielt nun jenes leichte Mädchen, das sich in Cannes von älteren Herren auf Luxusyachten aushalten lässt. Als Kontrapunkt: Newcomerin Mina Farid als 15jährige Kusine, die als Anhängsel der lebensfrohen jungen Frau einen Sommer lang ebenfalls die Luft von Reich & Schön schnuppern darf, während sie die Entscheidung, welche Richtung ihr Leben nehmen soll, auf die lange Bank schiebt. Wäre der Film von einem Mann gedreht worden, hätte der erste empörte Hinweis auf einen „male gaze“ in Anbetracht der Inszenierung von Frau Dehars üppiger Oberweite nicht lange auf sich warten lassen. Auch eine der Grundprämissen des Films, nämlich dass Freiheit und Luxus durch Sex erlangt werden (können), wäre wohl heftiger diskutiert worden. Und dann schrammt der Film auch noch knapp an einem Lolita-Revival vorbei, denn die 15jährige Naima entwickelt ein Interesse am etwa fünfzigjährigen Philippe (Benoit Magimel), dem Mitarbeiter des Lebemannes und Yacht-Besitzers Andres Monteiro (Nuno Lopes), der die schöne Kusine vernaschen darf und sie dafür mit viel Blingbling in Form von sündteuren Handtaschen und Uhren entlohnt. Wie gesagt, wäre der Film von einem fünfzigjährigen Mann gedreht worden, hätte man erotische Gelüste hinein interpretieren können (ob nun zurecht oder nicht). Da der Film aber von einer Frau geschrieben und inszeniert wurde, scheint sich diese Diskussion zu erübrigen. Das macht den Film schon mal per se interessant. Allerdings schützt es ihn nicht davor, in einige wirklich unangenehme Klischee-Fallen zu tappen. Die Handlung ist so vorhersehbar wie das Ergebnis, wenn man sich zwei Stunden lang ohne Sonnenschutz an den Strand der Cote d’Azur setzt. Man hat das Gefühl, den Film bereits bei der ersten Sichtung mitsprechen zu können. Zwei- oder dreimal gelingt es der Regisseurin, kurz aus den bekannten Mustern auszubrechen, aber das reicht nicht aus, um den Film wirklich sehenswert zu machen. Am Ende ist es eine 08/15-Story mit prallen Brüsten und hübschen Booten.


5,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Viennale)

Amor Maldito (1984)

Regie: Adélia Sampaio
Original-Titel: Amor Maldito
Erscheinungsjahr: 1984
Genre: Drama, Liebesfilm, Krimi, Erotik
IMDB-Link: Amor Maldito


Adélia Sampaio ist eine Filmpionierin. Bis heute ist sie die einzige schwarze Frau, die in Brasilien jemals einen Film gedreht hat. Um die Mittel dafür zu bekommen, musste sie in die Trickkiste greifen und den Geldgebern vorgaukeln, sie würde einen Porno drehen. Und so weist der Film „Amor Maldito“, eine Liebesgeschichte über die Liebe zweier Frauen, das zu einem Gerichtsdrama wird, in der Ästhetik phasenweise eine weichgezeichnete Ästhetik von 80er-Jahre-Pornos auf. Auch Brüste dürfen nicht fehlen. Diese Ästhetik in Kombination mit dem grandios überdramatischem Schauspiel (das zu Pornos gehört wie der Leopard zu Locarno) führt immer wieder zu vergnügtem Schmunzeln. Eines ist klar: Sampaio wusste, was sie tat. Wenn man dieses Täuschungsmanöver aber durchschaut, entfaltet sich eine recht tragische Geschichte von Moral und Doppelmoral. Denn schlimm genug, dass Fernanda (Monique Lafond) den Verlust ihrer Geliebten Suely (Wilma Dias), die aus einem Fenster in Fernandas Haus gestürzt ist, ertragen muss, doch findet sie sich schon bald im Gerichtssaal als Angeklagte wieder. Ermordet soll sie Suely haben, zumindest durch ihre perverse und obszöne Lebensweise in den Freitod gezwungen haben, so der Gift und Galle spuckende Staatsanwalt. Die Verführung eines unschuldigen Mädchens durch eine Ausgeburt der Hölle ohne Moral und Anstand – so der Grundtenor. Die Verteidigung bemüht sich nach Kräften, diesem Zeigefinger der Scheinmoral etwas entgegenzusetzen – nämlich das Selbstverständnis der Liebe. Allerdings ist unklar, in welche Richtung das Pendel ausschwingen wird, denn zu fest scheinen kirchliche Moralvorstellungen in diesem brasilianischen Gerichtssaal der 80er Jahre zu sitzen. „Amor Maldito“ ist aus den eingangs erwähnten Gründen beileibe kein guter Film. Er ist sogar ziemlich schlecht – wobei man das den Umständen seiner Entstehung zuschreiben muss. Aber dennoch unterhält er recht gut und lässt den Zuseher einen spannenden Blick auf gesellschaftliche Moralvorstellungen seiner Zeit werfen. Und, wenn man ehrlich ist, hat sich bis heute eigentlich nicht genug daran geändert.


5,0
von 10 Kürbissen

Bang Gang – Die Geschichte einer Jugend ohne Tabus (2015)

Regie: Eva Husson
Original-Titel: Bang Gang (une histoire d’amour moderne)
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Drama, Erotik
IMDB-Link: Bang Gang (une histoire d’amour moderne)


„Es is verraucht, laut und eng – da Schweiß tropft von die Wänd / Won nu ana einekamat hätts die gonze Hittn gsprengt / Wo is jetz die ane, klane? Grod hob is nu gseng / I bin scho gonz plemplem, de Hormone tonzn Pogo / Boid is des a Gangbang …“ Skero hat mit seinem Sommerhit „Kabinenparty“ vorweggenommen, woran sich Eva Husson fünf Jahre später filmisch versucht hat. Jedenfalls kommt man nicht umhin, schmunzelnd Vergleiche zu ziehen, wenn man in die Eröffnungssequenz von „Bang Gang – Die Geschichte einer Jugend ohne Tabus“ einsteigt. Auch dort schwitzen jugendliche Leiber auf engem Raum und eng miteinander verschlungen. So was kommt halt raus, wenn Sommerferien sind und es einem fad im Schädel ist. Im Zentrum des Film stehen die beiden Mädels George (Marilyn Lima) und Laetitia (Daisy Broom) und deren Vögelei mit dem hedonistischen Alex (Finnegan Oldfield), dessen Kumpel Nikita (Fred Hotier) und dem Außenseiter Gabriel (Lorenzo Lefebvre). Wer da nun die zentrale Hauptfigur ist, weiß man nicht so recht, aber das ist okay, die Regisseurin wusste es offenbar auch nicht. Der Film weist diesbezüglich keinen eindeutigen Fokus auf und mäandert ein wenig herum. Und das ist auch gleich mal eines der Grundprobleme, die dieser Film hat: Eine spürbare Unentschlossenheit. Eine moderne Version von „Kids“ möchte er sein, aber er hat eigentlich nichts zu erzählen, außer dass Jugendliche Sex haben und wenn sie zu viel und mit zu vielen unterschiedlichen Personen davon haben, sich einen Tripper oder Syphilis einfangen können. Im Grunde ist „Bang Gang – Die Geschichte einer Jugend ohne Tabus“ nicht viel mehr als ein eineinhalbstündiges, relativ zähes Plädoyer für den Gebrauch von Kondomen. Das hätte man auch kürzer fassen können. Da bleibe ich, wenn es ums Schwitzen in engen Räumen geht, dann doch lieber bei Skero. „Kabiiiiiinenparty – geht scho, gemma Vollgas!“


3,5
von 10 Kürbissen

Elle (2016)

Regie: Paul Verhoeven
Original-Titel: Elle
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Krimi, Thriller, Drama, Erotik
IMDB-Link: Elle


Die grandiose Isabelle Huppert spielt in Paul Verhoevens Film eine Frau, die scheinbar nichts aus der Fassung bringt. Sie ist erfolgreiche Managerin einer Entwicklungsfirma für Computerspiele, sarkastische Tochter, geduldige Mutter, souveräne Ex-Partnerin … und fast gleichgültiges Vergewaltigungsopfer. Soweit die Ausgangsbasis für einen Thriller, der zunächst mit einer unglaublich starken Frauenrolle aufwartet, dann aber mehr und mehr in konventionelle Muster verfällt und aus diesen dann nicht anders auszubrechen weiß als auf Verhoeven-Art: Provokant, möglichst verstörend und schockierend. Gähn. Immer wieder fühlt man sich an Basic Instinct erinnert, und Paul Verhoeven opfert die Glaubwürdigkeit und Authentizität seiner Figuren auf dem Altar des Schock-Moments. Das ist jammerschade, denn die erste Hälfte des Films ist wohl das Beste, was er jemals gedreht hat. Isabelle Huppert ist, wie gesagt, überragend, sie wurde für ihre grandiose Leistung auch mit einer Oscar-Nominierung gewürdigt, aber auch ihre Figur leidet am Ende unter dem Verhoeven’schen Ziel, das Publikum möglichst durchzurütteln. Ja eh. Kennen wir schon. Ein wenig mehr Altersmilde und Subtilität würde Verhoevens Werk wirklich gut tun, aber in diesem Film bringt er das (noch) nicht. Ein Film mit durchaus vielen guten Ansätzen und auch in den schwächeren Momenten durchaus sehenswert, aber zu deutlich sehe ich das Potential, das Verhoeven hier liegen gelassen hat.

 


7,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen)

Die feurigen Schwestern (2018)

Regie: Albertina Carri
Original-Titel: Las Hijas del Fuego
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Erotik
IMDB-Link: Las Hijas del Fuego


23 Uhr, Stadtkino im Künstlerhaus. Ein voller Saal. Distinguierte Herren und Damen, Studentinnen und Studenten, ein Filmkürbis – sie alle haben sich hier versammelt, um der Vorstellung des, wenn man dem Vorschautext Glauben schenken darf, gewagten argentinischen Films „Las Hijas del Fuego“ beizuwohnen. 1 Uhr, Stadtkino im Künstlerhaus. Der Saal leert sich. Distinguierte Herren und Damen, Studentinnen und Studenten, ein Filmkürbis – alle bemühen sich um möglichst souveräne und nachdenkliche Gesichtszüge, aus denen man nach Möglichkeit ablesen kann, dass man gerade einem irrsinnig tiefsinnigen kulturellen Event beigewohnt hat und nicht einem feministischem Lesbenporno mit allen Spielarten, die man sich nur vorstellen kann. Was wir allerdings allesamt gesehen haben: Einen feministischen Lesbenporno mit allen Spielarten, die man sich nur vorstellen kann. Gruppensex, Strap-Ons, Squirting, Masturbation, ausgiebige orale und händische Verwöhnungen, Masken, Gerten, Fesseln, Ketten, Roleplays, und das Ganze zu zweit, zu dritt, zu sechst, übereinander, untereinander, nebeneinander – irgendwann hat man echt alles gesehen. Und genau darin liegt das Problem. Es wird mit Fortdauer des Films einfach fad. Originalitätspunkte gibt’s immerhin für eine heiße Gruppensexszene auf einem Kirchenaltar, aber ansonsten ertappt man sich immer öfter beim Gähnen, wenn die nächste Sexszene eingeläutet wird. Ja, ich erkenne das Gegenstück zum gängigen Erotikfilm, der ja traditionell von einem durchwegs männlichen Blick dominiert ist. Männer sind hier in diesem Film fehl am Platz – sie kriegen höchstens was auf die Schnauze. Und das ist eh fein, wenn sich die Frauen mal selbst um die Erfüllung ihres Glücks kümmern können. Da bin ich der Letzte, der irgendwas dagegen sagen würde. Aber ein kohärenter Film mit Handlung, der nicht so offensichtlich nur auf den Tabubruch aus ist (der eben durch die permanente Wiederholung öde wird) und auf nichts sonst, wäre irgendwie, sagen wir: befriedigender gewesen. Filmisch war das einfach gar nichts. Demnächst im Erotikfachhandel Ihres Vertrauens: „Die feurigen Schwestern 2 – Jetzt wird’s richtig heiß“.


2,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Viennale)