Fantasy

Der Supercop (1980)

Regie: Sergio Corbucci
Original-Titel: Poliziotto superpiù
Erscheinungsjahr: 1980
Genre: Komödie, Krimi, Fantasy
IMDB-Link: Poliziotto superpiù


Hier mal ein kleiner Exkurs für die jüngere Leserschaft dieses Blogs. Es gab Zeiten – bevor das Internet alles veränderte, indem es alles jederzeit verfügbar machte – als man mittels VHS-Kassetten und Recorder Filme, die zur Prime Time im Fernsehen liefen, aufnahm, um sie später erneut ansehen zu können. Dabei zitterte ein Finger immer über der Pausetaste des Recorders, um jede Werbeunterbrechung zu erwischen, was aber nie gelang, weshalb der aufgenommene Film dann immer wieder von ein paar Sekunden Werbung unterbrochen war, während die ersten Sekunden nach dem Ende der Werbung in der Regel fehlten, weil man nicht wieder schnell genug auf Record gedrückt hatte. Mit der Zeit und bei öfter wiederholter Sichtung nudelten sich die Kassettenbänder ab, und Film- und Tonspur wurden zum Teil verzerrt wiedergegeben. „Der Supercop“ mit Terence Hill in der Hauptrolle und Ernest Borgnine als Support gehörte zu jenen Filmen in unserer VHS-Sammlung, die am Ende meiner Kindheit schon arg zernudelt waren. Wie sehr habe ich den Film geliebt? Terence Hill als Polizist, der nach einem Atomumfall mit Superkräften ausgestattet ist, die sich beim Anblick der Farbe Rot in Luft auflösen, war ein verwegenes Kerlchen und einfach der coolste. Natürlich malte sich der kleine Kürbis insgeheim aus, was er für tolle Sachen anstellen könnte, hätte er diese Fähigkeiten. Ein paar sehr irre Tagträume, die bis heute nachwirken, entstanden dabei. Und da gab es kein Zögern und kein Zaudern, als ich diese Filmperle meiner Kindheit mal als DVD wiederfand. Man muss aber sagen: Manche Filme überstehen die Transformation vom kindlichen Betrachter zum erwachsenen Filmkritiker nicht so gut. „Der Supercop“ gehört da leider dazu, auch wenn bei der erneuten Sichtung nach vielen Jahren Pause immer noch der kleine Kürbis im Inneren vor Freude hüpft, wenn Terence Hill saftige Watschen an die bösen Jungs verteilt. Aber wenn man härtere Maßstäbe anlegt als die kindliche Freude an satten Schlägereien, bleibt nicht viel übrig, was die Messlatte überspringen kann. So fällt das Fazit verhalten aus: Objektiv betrachtet ist „Der Supercop“ mit seinen käsigen Dialogen und seiner hanebüchenen Story kein guter Film und bleibt hinter vielen anderen Filmen von Terence Hill (und Bud Spencer) zurück. Aber wenn man damit aufgewachsen ist und den Film in Dauerschleife gesehen hat, was will man machen? Es ergibt sich damit das salomonische Urteil von 5,5 Kürbissen, von denen mindestens 3 dem Nostalgiefaktor zugeschrieben werden müssen. 


5,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Penelope (2006)

Regie: Mark Palansky
Original-Titel: Penelope
Erscheinungsjahr: 2006
Genre: Fantasy, Komödie, Liebesfilm
IMDB-Link: Penelope


Schwein muss man haben. Mit einer Schweinsnase hingegen sieht die Sache schon wieder anders aus. Diese Erfahrung macht die junge Adelige Penelope (Christina Ricci), auf der ein alter Familienfluch lastet. Erst, wenn sie von jemandem „eigenen Blutes“ trotz Rüssels so geliebt wird, wie sie ist, ist der Fluch aufgehoben. Die hysterische und überprotektive Mutter (Catherine O’Hara) veranstaltet somit Castings unter den Adeligen. Irgendein junger Single wird sich ja schon finden lassen, der den Bann bricht. Doch leider reagieren die oberen Zehntausend beim Anblick Penelopes nicht so wie gewünscht und nehmen in der Regel den direkten Ausgang durchs Fenster. Auftritt Max Campion (James McAvoy), der sich aufgrund von Spielschulden in eine böse Scharade hineintheatern lässt, aber schon bald sein Herz an die blitzkluge wie hübsche Penelope verliert. Kann er den Fluch brechen? In der Zwischenzeit veranstaltet einer der abgeblitzten Fensterstürzer eine Hetzjagd mit Hilfe der Presse, um ganz London das „Monster“ zu zeigen. „Penelope“ von Mark Palansky ist ein modernes Märchen, das sich nicht davor scheut, genau das zu sein – eben ein Märchen. Inklusive Hexen, Flüchen und Prinzen, wobei letztere eher keine gute Figur abgeben. Das alles hätte ganz schön cheesy bis trashig werden können, wäre da nicht Christina Ricci als Herz und Seele des Films. Sie spielt die junge Penelope auf der Suche nach Liebe und vor allem, auf der Suche nach sich selbst, dermaßen charmant, dass das deformierte Riechorgan bald gar nicht mehr auffällt – im Gegenteil: zu ihrer Attraktivität beiträgt. James McAvoy ist als schusseliger, sympathischer, aber ziemlich windiger Love Interest eine sichere Bank, dem liegen diese Typen einfach. Und insofern kann man sich entspannt zurücklehnen und diese fantasievolle, entzückende Geschichte einfach genießen bis zum Schluss, der dann noch ein überraschend starkes Statement in petto hält.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Alles eine Frage der Zeit (2013)

Regie: Richard Curtis
Original-Titel: About Time
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Fantasy, Komödie, Drama, Rom-Com
IMDB-Link: About Time


Zeitreisegeschichten. Immer ein gutes Thema. Und von Hollywood schon auf solch vielfältige Weise verarbeitet – als Sci-Fi-Epen, als finsteren Dystopien, als Horrorgeschichten, als absurde Komödien – aber es brauchte jemanden mit Eiern wie Richard Curtis, um eine Zeitreise in einen romantischen Liebesfilm zu packen und daraus eine alltägliche Geschichte über die Liebe, das Familienleben, das Älterwerden und die kleinen Entscheidungen im Leben zu machen. Die Prämisse ist wunderbar einfach und wird auch herrlich unprätentiös ohne großes Brimborium vorgestellt: In Tims Familie können alle Männer in die Vergangenheit reisen. Sie müssen sich dafür nur an einen dunklen Ort begeben, die Hände zu Fäusten ballen und an den Moment denken, zu dem sie zurückkehren möchten. Tim, eher der Typ „einsamer Nerd“, nutzt diese Fähigkeit, um nach der Liebe zu suchen. Und nach anfänglichen Schwierigkeiten findet er sie in der Gestalt von Mary. Es braucht etliche Versuche, um ihr Herz zu gewinnen, aber wenn man theoretisch unendlich viele Möglichkeiten dafür hat, gelingt das auch schüchternen und unsicheren Kerlen wie eben Tim. Der Weg zu seinem Glück ist schon mal entzückend anzusehen – und Domhnall Gleeson und Rachel McAdams haben eine gute Chemie miteinander. Aber damit gibt sich Richard Curtis nicht zufrieden, was den Film in weiterer Folge weit über durchschnittliche Rom-Com-Kost hinaushebt. Denn der Film endet nicht damit, wie die beiden zueinanderfinden. Vielmehr ist das nur eine Zwischenstation auf Tims Weg. In seinem klugen, tiefgründigen Skript, das vielleicht die eine oder andere Länge hat, aber dann doch auch wieder in sich stimmig ist, arbeitet sich Curtis weiter ab an den vielen kleinen Lebensentscheidungen, um der Frage nachzugehen, was am Ende wirklich zählt und was unser Leben kostbar und lebenswert macht. Das Ende ist eines der schönsten, bittersten und wahrhaftigsten Filmenden, die ich seit langem gesehen habe, und – bei allem Respekt vor den vielen weiteren großartigen Momenten, die Richard Curtis in seiner Filmographie geschaffen hat – in meinen Augen sein persönlicher Höhepunkt. Um noch einmal die Zeit ins Spiel zu bringen: Ein Film für die Ewigkeit.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Murray Close – © 2013 – Universal Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Crimson Peak (2015)

Regie: Guillermo del Toro
Original-Titel: Crimson Peak
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Horror, Fantasy
IMDB-Link: Crimson Peak


Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Bess’res findet. Die fantasiebegabte junge Schriftstellerin Edith Cushing (Mia Wasikowska) hätte das lieber mal beherzigen sollen. Denn sonst hätte sie sich vielleicht nicht Hals über Kopf in den schottischen Adeligen und Pleitegeier Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) verguckt. Na ja, verguckt vielleicht schon, aber dann gleich beim ersten Heiratsantrag schwach werden und ihm in ein baufälliges Haus in die Einöde folgen, das zumindest hätte sie sich ersparen können. Denn in diesem Haus gehen die Probleme erst so richtig an. Auch fällt die stete Gegenwart von Thomas‘ Schwester Lucille (Jessica Chastain) eher unter Erschwerniszulage, aber so ist es halt: Die Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen, auch nicht, wenn sie angeheiratet ist. Also mal lieber schnell auf Mami hören, die zwar schon seit einiger Zeit tot ist, aber trotzdem noch viel zu sagen hat, und auf der Hut sein! „Crimson Peak“ trägt ganz klar die Handschrift von Guillermo del Toro, der ein Faible hat für das Übernatürliche und Monströse, verbunden mit großen Emotionen. Mit The Shape of Water hat er es damit sogar bis zu Oscar-Würden gebracht. „Crimson Peak“ stelle ich etwa auf eine Stufe mit seinem vielbejubelten Oscarfilm – was jetzt nicht heißt, dass ich „Crimson Peak“ als absolutes Meisterwerk erachte, dann dafür halte ich „The Shape of Water“ auch nicht. Beide Filme bieten aber sehr gute, spannende und atmosphärisch dichte Unterhaltung, wie sie typisch ist für del Toro-Filme. „Crimson Peak“ ist da eindeutig auf der düsteren Seite, insgesamt erwachsener und verhält sich zu „The Shape of Water“ ein wenig wie Tom Hiddleston zu Charlie Hunnam, der in „Crimson Peak“ den etwas naiven, unbedarften zweiten Love Interest geben darf. Wen von den beiden Schauspielern und Filmen man nun ansprechender findet, das sei jedem selbst überlassen, aber ich denke, ihr wisst, worauf ich hinaus will.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Kerry Hayes – © Universal Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

300 (2006)

Regie: Zack Snyder
Original-Titel: 300
Erscheinungsjahr: 2006
Genre: Action, Fantasy, Kriegsfilm
IMDB-Link: 300


Zack Snyder ist ein Regisseur, den man sehr leicht schon anhand weniger Bilder erkennen kann. Optik ist alles, der Inhalt hingegen überschätzt. Im Grunde scheint sein ganzes Schaffen darauf ausgerichtet zu sein, epische Kampfszenen zu zeigen, in denen sich toxische Männerbilder mit ordentlich Muckis oder übersexualisierte Frauen gegenseitig den Schädel einschlagen. An der Spitze dieses Schaffens steht der Kurzfilm „300“, eine nach Frank Miller sehr freie Interpretation der Schlacht an den Thermopylen. In der Geschichte und im Film schlugen sich dort Spartaner und Perser gegenseitig den Schädel ein. Der ganze Inhalt des Films ist rasch erzählt und passt auf eine Serviette: Perser wollen alle beherrschen, Spartaner wollen nicht beherrscht werden, also macht deren Anführer Leonidas (Gerald Butler) mit gut eingeölten 299 Getreuen (darunter Michael Fassbender in einer Rolle a la „Er war jung und brauchte das Geld“) einen Strandspaziergang, um in einer Engstelle Perser abzuschlachten. Die werfen allerhand fantastische Kreaturen in die Schlacht, aber alle rutschen auf der Ölspur aus, die die Spartaner hinterlassen, und tun sich fürchterlich weh dabei. Da aber ein solcher Kurzfilm allein nicht kinotauglich ist, greift Snyder zu einem gefinkelten Trick: Er lässt den Film einfach in Slow Motion ablaufen, um so die Dauer auf kinotaugliche zwei Stunden zu strecken. Hier wird in Zeitlupe Liebe gemacht (Lena Headey darf dabei mal Nippel zeigen), in Zeitlupe marschiert, in Zeitlupe abgeschlachtet und natürlich auch in Zeitlupe gestorben. Die Optik ist natürlich eine Wucht – seien es die satten Brauntöne, in die der Film gefärbt ist, seien es die atemberaubend choreografierten Kampfszenen – es ist schon klar, warum der Film von vielen als Meisterwerk gefeiert wird. Aber diese toxischen, eingeölten Männerbrüste und diese dümmlichen Dialoge mit ihrem „Ehre über alles“-Geschwafel, weshalb sich Snyder nicht zu Unrecht den Vorwurf gefallen lassen musste, einen faschistoiden Film gedreht zu haben, trüben das Vergnügen über die optische Meisterschaft aber immer wieder. So ist „300“ eine ambivalente Geschichte, auch in der Bewertung. Die ikonische Stilistik und Optik des Films ist gut für mindestens 8 Kürbisse, die rückwärtsgewandte Story für maximal 2. Macht also salomonische 5 Kürbisse.


5,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Die unendliche Geschichte (1984)

Regie: Wolfgang Petersen
Original-Titel: Die unendliche Geschichte
Erscheinungsjahr: 1984
Genre: Fantasy
IMDB-Link: Die unendliche Geschichte


„Aber das Buch war viel besser!“ – „Aber die Spezialeffekte wirken heute nur noch lächerlich!“ – „Aber die Handlung ergibt irgendwie keinen Sinn!“ – „Aber es wird ja nur die Hälfte der Geschichte erzählt!“ Alles richtig. Wenn man die Verfilmung des grandiosen Bestsellers von Michael Ende unter der Regie von Wolfgang Petersen kritisch auseinandernehmen möchte, findet man viele Ansatzpunkte, die alle ihre Berechtigung haben. Hier schreibt aber der 8jährige Filmkürbis, dessen größter Wunsch es war, selbst einmal mit Fuchur fliegen zu dürfen, der panische Angst vor dem Gmorg hatte, der sich selbst Namen für die Kindliche Kaiserin ausgedacht hat, kurz: Hier schreibt jemand, der sich von der Magie der Geschichte und Phantásiens einfangen ließ und dabei nicht auf nur schwer bewegliche Puppen oder mäßig ausgeführte Spezialeffekte schaute. Hier schreibt jemand, der sich selbst in Koreanders Buchladen schleichen und das geheimnisvolle Buch mit dem Aurýn-Symbol mitgehen lassen wollte. Seltsamerweise habe ich das Buch erst viele Jahre später gelesen, da war ich schon in meinen Dreißigern, und welchen Eindruck der Film damals auf mich machte, lässt sich am einfachsten daraus ablesen, dass auch die Kenntnis des Buches (und ja, es ist noch so viel besser und vielschichtiger als der Film) meinen weiteren Sichtungen des Films nichts anhaben konnte. Auch heute noch, nach wer weiß wie vielen Wiederholungen, werde ich zum Achtjährigen mit leuchtenden Augen, sobald sich Bastian Balthasar Bux (Barret Oliver) auf den Schuldachboden verkriecht und Atréju (Noah Hathaway) auf seinem treuen Pferd Artax losreitet, um Phantásien vor dem Nichts zu retten. Und wenn ich selbst mal Kinder habe im passenden Alter, dann werde ich ihnen nicht nur das Buch in die Hand drücken, sondern auch gemeinsam mit ihnen den Film ansehen, und sie werden ihn verdammt noch mal mögen, denn sonst werfe ich sie dem Gmorg zum Fraß vor!


8,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 1984 Warner Bros. Ent., Quelle http://www.imdb.com)

Ghostbusters – Die Geisterjäger (1984)

Regie: Ivan Reitman
Original-Titel: Ghostbusters
Erscheinungsjahr: 1984
Genre: Komödie, Fantasy
IMDB-Link: Ghostbusters


Es gibt Filme, über die man eigentlich gar nicht viel schreiben muss, denn es ist schlicht unmöglich, als halbwegs Filminteressierter bis heute daran vorbeigekommen zu sein. „Ghostbusters“ von Ivan Reitman aus dem Jahr 1984 ist so ein Fall. Daher gibt’s im Zuge dieses Beitrags nicht die übliche Verlinkung auf den Filmtrailer oder eine Szene aus dem Film, sondern eines meiner absoluten Lieblings-Youtube-Videos – Carl Davis dirigiert das Czech National Symphony Orchestra zur Titelmusik von „Ghostbusters“ und hat jede Menge Spaß dabei. Und damit ist die Grundstimmung des Films auch schon umrissen. „Ghostbusters“ ist einfach ein großes Vergnügen. Vier erwachsene Typen schmeißen sich in Raumanzüge und jagen mit Protonen-Packs Ektoplasma. Bill Murray ist dabei der Chauvinist mit den sarkastischen Sprüchen, Dan Aykroyd der schusselige Naivling, Harold Ramis der humorlose Wissenschaftler und der spät hinzugestoßene Ernie Hudson der Typ, der einfach zu schlecht bezahlt wird für diesen Job. Allein schon die Dynamik dieser vier Gestalten ist ungemein unterhaltsam. Dazu kommen noch Sigourney Weaver, Annie Potts und der leider viel zu früh in Schauspielpension gegangene Rick Moranis, die alle ihre großartigen Momente haben. Mehr braucht es dann auch nicht für einen gelungenen Filmabend. Die Beteiligten hatten sichtbar Spaß an dem Film, und das überträgt sich auf den Zuseher. Dabei ist der Film weniger klamaukig, als man vermuten möchte. Der Humor ist teils so trocken, dass man während des Films nicht rauchen darf. Und der Höhepunkt, wenn sich Gozer the Destroyer manifestiert, um New York in Schutt und Asche zu legen, ist ohnehin ein Meilenstein der absurden Unterhaltung. Wenn es also da draußen noch tatsächlich arme Seelen gibt, die diesen Film nicht kennen: Tut etwas für eure Gesundheit und schaut „Ghostbusters“.


8,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © Sony Pictures Home Entertainment, Quelle: imdb.com)

The Old Guard (2020)

Regie: Gina Prince-Bythewood
Original-Titel: The Old Guard
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Action, Fantasy
IMDB-Link: The Old Guard


Ein bisschen despektierlich ist es ja schon, Charlize Theron zur „Old Guard“ zu zählen. Aber was soll man machen – ihre Figur der Andromache hat halt schon ein paar Jahrtausende auf dem Buckel. Dafür, dass sie schon alles gesehen hat und das dreimal, lässt sie sich mit ihren ebenfalls unsterblichen Kumpels (Marwan Kenzari, Matthias Schoenaerts und Luca Marinelli) aber überraschend leicht in eine Falle locken. Auftakt zu einem soliden Action-Katz-und-Maus-Spiel, das von Harry Melling, Chiwetel Eijofor und KiKi Layne als Newcomerin, durch deren Augen das Publikum in die Welt der unsterblichen Krieger eingeführt wird, ergänzt wird. Schön an dem Film ist, dass die Damen Feuer unter dem Hintern haben und die Herren dann auch mal raushauen müssen. Überhaupt sind die Kampfsequenzen sehr gut choreographiert und mit Blick auf die Tatsache inszeniert sind, dass die Gruppe schon mehrere Jahrhunderte Zeit hatte, sich aufeinander einzuspielen. Das ergibt sehr geschmeidige Abläufe, die zum Teil schneller abgespult werden, als man als Zuseher überhaupt erfassen kann – ohne aber hektisch zu wirken. Was man dem Film aber ankreiden muss, ist ein recht unreflektierter Umgang mit Gewalt. Irgendwie scheint es niemanden zu wundern, warum ein Pharmaunternehmer in seinem Büro eine ganze Privat-Armee beschäftigt – Hauptsache, die unsterblichen Krieger können sich durch möglichst viele Statisten durchballern. Natürlich sinkt die Wertschätzung für das menschliche Leben, wenn man schon Jahrhunderte oder gar Jahrtausende lang Leuten beim Sterben zugesehen hat, aber dennoch hätte ich mir erwartet, dass diese Einstellung zu Leben und Tod von den Figuren zumindest einmal reflektiert wird. Aber das fehlt völlig. Man will Gutes tun und die Menschheit beschützen, und dafür muss man halt mal fünfzig böse Buben wegballern. Das ist mir zu einfach gedacht, hier verschenkt der Film einiges an Potential. So bleibt unterm Strich ein unterhaltsamer Actionfilm mit Schwächen, der wohl als Auftakt zu einer Filmreihe gedacht ist und selbst auch nicht mehr sein möchte. Mal schauen, ob in einem sehr wahrscheinlichen zweiten Teil diese Schwächen des ersten Films ausgebügelt werden, oder ob man sich darauf beschränkt, einfach noch mehr coole Action zu zeigen. Das wäre angesichts des fast schon philosophischen Potentials des Sujets dann aber eine arge Verschwendung.


5,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Okja (2017)

Regie: Bong Joon-ho
Original-Titel: Okja
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Fantasy, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Okja


Viel Positives kann man dem aktuellen Corona-Wahnsinn ja nicht abgewinnen. Auf persönlicher Ebene ist einer der wenigen positiven Aspekte, dass ich nun endlich mal dazu komme, Filme auf Netflix nachzusehen, die ich bislang verpasst habe. Und auf dieser Liste stand „Okja“ weit oben. Zu Recht, wie sich zeigen sollte, denn Bong Joon-ho (ja, der schon wieder!) legte 2017 einen Herz erwärmenden Fantasy-Film mit Botschaft vor, der bei mir noch lange nachklingen wird. In „Okja“ verspricht eine Konzernchefin (Tilda Swinton) das Ende des weltweiten Hungers durch die Züchtung eines Superschweins. 10 Jahre später soll das schönste und größte Tier von jenen, die bei lokalen Farmern weltweit in die Aufzucht gebracht wurden, in einer feierlichen Zeremonie geehrt werden. Nun stellt sich dabei aber ein unerwartetes Problem ein: Siegerschwein Okja aus Südkorea nämlich und Mija (Ahn seo-hyeon), die Enkelin des Farmers, haben eine richtig gute Beziehung zueinander. Dass das Schwein hochintelligent und empathisch ist, zeigt sich schon in den ersten Einstellungen. Doch entführt der Konzern rund um den schmierigen TV-Tierarzt Dr. Wilcox (Jake Gyllenhaal, der sichtlich Spaß hatte und das mit schamlosem Overacting zeigt) das treue Tier, woraufhin Mija aufbricht, um Okja zurückzubringen und dabei zwischen die Fronten von Konzernschergen und militanten Tierschützern (mit Paul Dano als Anführer) gerät. Bei all den Abenteuern vergisst Bong Joon-ho aber nicht auf das Herzstück des Films, nämlich das Herz, die Bindung zwischen Mensch und Tier. Das mag plakativ sein, ist aber wirkungsvoll in Szene gesetzt. Gegen Ende hin drückt Bong Joon-ho noch mal so richtig auf die Tube, um seine Botschaft anzubringen – und die ist nicht leicht zu ertragen, vor allem für Freunde eines genussvollen Steaks. Dass der Film trotz allem nicht plump wirkt, ist der inszenatorischen Kraft von Bong Joon-ho zu verdanken, der die Zügel stets im Griff behält. „Okja“ ist damit ein Film mit Wirkung und unbedingt sehenswert.


8,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Die Reise zum Mond (1902)

Regie: Georges Méliès
Original-Titel: Le Voyage dans la Lune
Erscheinungsjahr: 1902
Genre: Fantasy, Science Fiction, Kurzfilm
IMDB-Link: Le Voyage dans la Lune


Thomas Mann sagte einst: „Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich aus den Dingen etwas zu machen.“ Sein Zeitgenosse Georges Méliès muss diesen Spruch wohl auch gehört haben. Jedenfalls setzte sich der gelernte Zauberkünstler daran, diesem seltsamen neuen Medium mit den bewegten Bildern auf den Grund zu gehen und dessen Potential zu heben. Anders als die Gebrüder Lumière war Méliès nicht daran interessiert, die Zuseher mit möglichst realistisch wirkenden Bildern zu schocken. Nein, er erkannte so früh wie niemand sonst, dass man mit dem Film ganz neue Welten erdenken konnte. Am (vorläufigen) Ende dieser über 100 Jahre währenden Reise stehen nun die verblüffenden CGI-Welten des Blockbuster-Kinos von heute, wenn man konstatieren muss: Es gibt nichts mehr, was sich im Kino nicht darstellen lässt. Selbst Robert De Niro kann wieder jung aussehen, und Andy Serkis bekommt regelmäßige Faceliftings. Den Anfang machte Georges Méliès, der 66 Jahre, bevor die NASA das persönlich überprüfen konnte, den Mond von allerlei seltsamen Kreaturen bevölkern ließ – und nein, damit meine ich nicht Neil Armstrong und Buzz Aldrin. In Méliès‘ berühmten Science Fiction-Film „Die Reise zum Mond“ geht es weitaus seltsamer zu. Wissenschaftler fliegen in bunten Roben ins Auge des Mondes, echsenhafte Tiere hüpfen wildgeworden zwischen Kratern und Schwammerl sprießen aus dem Boden, dass es geradezu eine Freude ist. Erstaunlich sind neben der fantasievollen Ausstattung vor allem die Spezialeffekte, die auch heute noch verblüffen. Hier nutzte Méliès all seine Erfahrung als Zauberer, um in seinem Film Illusionen zu erzeugen, die heutzutage einen maßlosen Einsatz von CGI erfordern würden. Wie weit Méliès seiner Zeit voraus war, zeigt zudem die 2002 wiederentdeckte handkolorierte Version des Films. So ist „Die Reise zum Mond“ nicht nur einer der ersten Science Fiction-Filme der Geschichte in einer herausragenden technischen Umsetzung, sondern auch gleich mal einer der ersten Farbfilme überhaupt. Ein Meilenstein der Filmgeschichte, quasi der Urururgroßvater aller Avengers-Filme.


9,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)