Gaspar Noé

Climax (2018)

Regie: Gaspar Noé
Original-Titel: Climax
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Horror, Thriller, Musikfilm
IMDB-Link: Climax


Will man Gaspar Noés neuesten Film „Climax“ so knapp wie möglich zusammenfassen, kann man das auf diese Weise tun: Party hard! Nach einer Probe feiern die jungen Tänzerinnen und Tänzer, die für einige Tage in einem alten Schulgebäude untergebracht wurden, um sich auf eine Tournee durch Frankreich und die USA vorzubereiten. Es gibt Sangria, spektakuläre Tanzeinlagen (meist von oben gefilmt, Gaspar Noé lässt gerne mal die Kamera irgendwo herunterhängen – ist ja auch praktisch, wenn man sie an der Decke aufhängt, da ist sie nicht im Weg und man weiß immer, wo sie ist), Drogen, Alkohol, geschmeidige Bewegungen, Eifersucht, Machogehabe – was man halt so erwartet, wenn Noé eine Party inszeniert. Doch irgendwann fällt auf, dass in die Sangria offenbar noch ein paar Geheimzutaten gemischt sind. Was folgt, ist ein Horrortrip auf Drogen. Sämtliche Hemmungen fallen, die Nerven werden blank nach außen gekehrt, Ängste auf die Tanzfläche gekotzt. Die fiebrige Kamera ist stets nah dran, und wenn sich nach einem Stromausfall die völlig durchgeknallten Tänzer teils in Ekstase, teils in purer Panik auf dem durch die Notbeleuchtung rot schimmernden Boden wälzen und sich die Kamera auf den Kopf stellt, haben die Bilder etwas furchteinflößend Dämonisches an sich – als würden die durchgeknallten Berauschten von der Decke hängen. Das ist schon eine verdammt starke Einstellung und sorgt für Bilder, die man nicht oft sieht und vor allem auch nicht so schnell vergisst. Aber das ist generell eine Stärke von Noé – die sich aber auch in eine Schwäche wandeln kann, wenn diese Effekte nämlich zu repetitiv und uninspiriert eingesetzt werden. Und das ist hier zuweilen der Fall. Noé hat schon so oft versucht, das Publikum zu schocken, dass es genau das von ihm erwartet – und ihm fällt dazu nichts Neues mehr ein. So ist „Climax“ ein bildgewaltiger Albtraum, aber er ist unterm Strich auch zu berechnend, um die verstörende Meisterschaft von „Irreversibel“, Noés bislang bestem Werk, zu erreichen.


6,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Viennale)