Hong Sang-soo

Die Frau, die rannte (2020)

Regie: Hong Sang-soo
Original-Titel: Domangchin yeoja
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama
IMDB-Link: Domangchin yeoja


Gam-hee (Kim Min-hee) ist seit fünf Jahren verheiratet. Eine Geschäftsreise ihres Ehemanns ermöglicht es ihr, einige alte Freundinnen und Bekannte zu besuchen. Die hat sie seit Jahren nicht mehr gesehen, denn, wie sie allen erzählt, war sie im Laufe ihrer fünfjährigen Ehe bislang keinen einzigen Tag von ihrem Ehemann getrennt. Er sei der Meinung, dass ein Paar, das sich liebt, eben stets zusammen sein müsse. In dieser Aussage schwingen schon viele unausgesprochene Probleme und unerfüllte Sehnsüchte mit. Denn Gam-hee scheint nichts Anderes mehr zu sein als die Ehefrau, die noch nie von ihrem Mann getrennt war. Für das alltägliche Leben ihrer Freundinnen bringt sie Bewunderung auf, Beziehungen und das Liebesleben kommentiert sie ehrfürchtig und fast verschämt. Man merkt: Diese Frau ist gefangen, in ihrer Beziehung, in sich selbst, in der Gesellschaft. Ausgesprochen wird dies aber nie. Hong Sang-soos neuer Film ist still, fast meditativ, und enorm handlungsarm. Die Gespräche drehen sich meist um Beiläufigkeiten und kommen über die Qualität von Smalltalk selten hinaus. Trotzdem wird im Laufe des Films Gam-hees Einsamkeit und Suche nach sich selbst immer spürbarer. Dies so erlebbar zu machen, hat große Qualität. Allerdings ist „Die Frau, die rannte“ ein Film, für den man Geduld und zumindest ansatzweise die Antenne für Ungesagtes mitbringen muss. Und man muss wertschätzen können, dass das Leben hauptsächlich aus Kleinigkeiten besteht wie zum Beispiel das Schälen eines Apfels. Der Film fordert die Geduld der Zuseher heraus, ist aber trotz seiner Passivität an der Oberfläche lohnenswert.


6,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

Yourself and Yours (2016)

Regie: Hong Sang-soo
Original-Titel: Dangsinjasinwa dangsinui geot
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama
IMDB-Link: Dangsinjasinwa dangsinui geot


Der südkoreanische Film „Dansisitzgmpftz Dingsda …“ (ich glaube, ich halte mich lieber an den englischen Verleihtitel „Yourself and Yours“) behandelt ein junges Paar. Sie trinkt offenbar gerne mal einen über den Durst, er findet das nicht so toll, und als er Gerüchte aufschnappt, dass sie trotz gegenteiligem Versprechen öfter mal ohne ihn einen zwitschert, konfrontiert er sie damit, sie streiten, sie streitet alles ab, schreitet von dannen und fortan bestreitet er seine Tage allein, jammert seine Freunde mit traurigen Liebeskummersonaten voll, und einen verletzten Fuß hat er plötzlich auch noch – vielleicht ist ihm ja der Liebeskummer in den großen Zeh gefahren. Sie wiederum verhält sich seltsam, kennt ihre Bekannten nicht mehr, um dann doch mit ihnen in die Kiste zu springen, die Geschichte plätschert vor sich hin, ohne wirklich Gefahr zu laufen, interessant zu werden, es werden Nudeln geschlürft, manchmal darf man schmunzeln, und südkoreanische Tauben sehen genauso aus wie Wiener Tauben. Eh ganz okay. Warum Hong Sang-soo aber zu den renommiertesten südkoreanischen Regisseuren dieser Tage gezählt wird und regelmäßig Einladungen zu den Wettbewerben der größten Filmfestivals der Welt erhält, erschließt sich mir anhand dieses Films jedenfalls nicht so ganz.

 


5,0
von 10 Kürbissen