Horror

Planet Terror (2007)

Regie: Robert Rodriguez
Original-Titel: Grindhouse: Planet Terror
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Horror, Satire, Action
IMDB-Link: Grindhouse: Planet Terror


Wenn sich zwei hochbegabte Freunde zusammentun, um gemeinsam ein Werk zu erschaffen, kann das Resultat richtig episch werden. Im Fall von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez kamen dabei zwei Filme im Stil der alten Grindhouse-Double Features heraus, also zwei Filme im Stile von 70er-Jahre-Trashfilmen, die in billigen Absteige-Kinos im Doppelpack gezeigt wurden. Robert Rodriguez hat das Konzept für sein „Planet Terror“ mal gleich bis ins kleinste Detail übernommen – sein Film wirkt tatsächlich so, als hätte man in irgendeiner staubigen Garage noch ein paar alte Filmrollen gefunden und die mehr schlecht als recht zusammengestückelt. Allein dieses Konzept macht den Film schon sehenswert. Dazu kommt ein gut aufgelegter Cast (u.a. Josh Brolin, Rose McGowan, Michael Biehn, Marley Shelton, Bruce Willis, Michael Parks, Freddy Rodriguez und Quentin Tarantino himself), die mit sichtlich Freude Blut, Eiter und sonstige Körperflüssigkeiten verlieren oder dafür sorgen, dass ihre Gegenüber diese Flüssigkeiten verlieren. „Planet Terror“ ist ein grindiger Film auf allen Ebenen, aber gerade dadurch, dass er so komplett over the top ist, eine sehr spaßige Angelegenheit und gerade das Richtige für eine Filmparty mit Freunden, die allerdings allesamt über einen Saumagen verfügen sollten. Die Geschichte selbst? Zombies halt. Was wurscht ist, es hätten auch Marsianer sein können oder Werwölfe – Hauptsache, die Gedärme spritzen. Und damit ist meine Rezension gleichermaßen Empfehlung wie Warnung. Viel Spaß mit dem Ding!


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Conjuring – Die Heimsuchung (2013)

Regie: James Wan
Original-Titel: The Conjuring
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Horror
IMDB-Link: The Conjuring


Um mich zur Sichtung eines Horrorfilms zu überreden, braucht man gute Argumente. Oder Halloween. Meine Freundin hatte das Datum auf ihrer Seite, und so kam ich zu „The Conjuring“ wie die Jungfrau zum Dämonenbaby. Einen Monat später habe ich das Gesehene so weit verdaut, dass ich darüber schreiben kann. Auch die Rechnungen für die Psychotherapie sind mittlerweile bezahlt. Nur meine Freundin regt sich über unseren Stromverbrauch auf, seit ich in der Nacht alle Lichter brennen lasse und jeden Abend Bubblegumfish von den Harvest Moon Brothers zum Einschlafen brauche. Aber was soll man machen? Alles besser als ein Herzinfarkt. Den erleiden Vera Farmiga und Patrick Wilson als Experten für übernatürliche Phänomene fast im Haus der Familie Perron (Lily Taylor und Ron Livingston plus die obligatorischen Kids). Denn irgendwas Böses passiert hier. Die Familie Perron scheint nicht erwünscht zu sein, doch anstatt einfach freundlich zu bitten und an die menschliche Vernunft zu appellieren, zieht die Präsenz des Hauses gleich mal harte Bandagen auf. Gemein ist ja, dass das Böse immer mit fiesen Tricks spielt, während sich die menschlichen Gegner in der Regel auf Fairplay beschränken. Klar, dass das nicht sonderlich gut ausgeht. Aber irgendwie packt die Figuren in diesen Filmen ja auch immer dieser unnötige Ehrgeiz, den angefangenen Kampf auch zu Ende zu bringen anstatt sich einfach ins nächste Flugzeug zu setzen und so weit wie möglich wegzufliegen. Das hätte jedenfalls ich gemacht. Und wenn die Familie Perron das auch so gehalten hätte, wäre ich jetzt nicht Kunde des Jahres des örtlichen Energieversorgers. Fazit: Auch wenn „The Conjuring“ objektiv der deutlich bessere Film ist – was James Wan betrifft, bleibe ich doch lieber bei Aquaman.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Michael Tackett – © 2012 Warner Bros. Entertainment Inc., Quelle http://www.imdb.com)

REC (2007)

Regie: Jaume Balagueró und Paco Plaza
Original-Titel: REC
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Horror
IMDB-Link: REC


Was Spanier alles gut können: Rotwein machen. Siesta halten. Fußball spielen. Und Basketball. Kirchen bauen (auch wenn sie manchmal die geplante Bauzeit arg überschreiten.) Die Kunstwelt mit dadaistischen und kubistischen Werken verblüffen. Und meinen Puls auf die Flügelschlaggeschwindigkeit von Kolibris hochjagen. Das Konzept von „REC“ ist so watscheneinfach wie wirkungsvoll: Wir folgen einer karrieregeilen Moderatorenschnepfe und ihrem debilen Kameramann, wie sie für das Nachtfernsehen eine Reportage über eine Feuerwehreinheit in Barcelona drehen. Welch Glück für die beiden: Schon bald kommt ein Notruf rein, und die Einheit rückt aus, Schnepfe und Dumpfbacke im Gepäck. In einem Wohnhaus sollen laute Schreie aus der Wohnung einer alten Dame gekommen sein. Die Mitbewohner sind angesichts der nächtlichen Ruhestörung erst mal angepisst und versammeln sich im Stiegenhaus. In dieser Hinsicht ist der Film herrlich Wienerisch – ein halbes Dutzend genervter Leute steht zusammen und regt sich fürchterlich auf, aber niemand weiß was und niemand unternimmt was. Also müssen Feuerwehr und die ebenfalls eingetroffene Polizeieinheit die Wohnung aufbrechen und nachsehen, was da los ist. Und alle Beteiligten – inklusive mir als bekanntem Hosenschisser – wünschen sich bald, sie hätten das nicht getan. „REC“ reiht sich in die Tradition kostengünstig gedrehter „Homemade“-Horrorfilme a la Blair Witch Project oder „Paranormal Activity“ ein. Man braucht dabei nicht viel – eine wackelige Handkamera und eine gute Idee genügen. Diesem Prinzip folgt der Film von Jaume Balagueró und Paco Plaza bis in die letzte Konsequenz, was den Horror vor allem gegen Ende hin umso tiefer unter die Haut gehen lässt. Das Setting ist natürlich fies: Alles spielt sich in einem unscheinbaren Wohnhaus in unscheinbaren Wohnungen ab. Der Grusel ist also nur eine Tür weiter, da muss man gar nicht groß die Fantasie bemühen. Dennoch: Wenn man das Spiel erst mal durchschaut hat, kann man sich auch einigermaßen entspannt darauf einlassen, denn die Story an sich, die sich entfaltet, ist dann wieder recht klassischer Horror und damit recht vorhersehbar.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2007 Castelao Productions, Quelle http://www.imdb.com)

The Intruder (2020)

Regie: Natalia Meta
Original-Titel: El prófugo
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Thriller, Horror
IMDB-Link: El prófugo


Argentinier machen schon interessante Filme, wie ich auf diversen Festivals mittlerweile feststellen durfte. Filme, die sich einer klaren Genre-Definition entziehen und gerne schwarzen Humor mit Psychothriller- oder Horror-Sujets vereinen. „El prófugo“ von Natalia Meta reiht sich hier wunderbar ein. Die Synchronsprecherin und Chorsängerin Inés (Érica Rivas) macht eine dramatische Erfahrung und scheint in sich seltsame Geräusche zu tragen, die sich recht störend auswirken auf ihre Arbeit. Die überspannte Mutter, die kurzerhand bei ihr in der Wohnung einzieht, trägt nicht wirklich viel Positives zur Situation bei. Einzig ihre neue Bekanntschaft Alberto, der die Orgel im Konzertsaal stimmt, scheint ihr etwas Halt zu geben. Doch schon bald verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Und was ist die wahre Bedrohung für Inés? Natalia Meta vermeidet es fast schon zwanghaft, Antworten zu geben oder zumindest anzudeuten. Bis zur letzten Einstellung bleibt die Haupthandlung im Unklaren. Das reduziert aber nicht das Vergnügen der Sichtung. Geschickt hält die Regisseurin in ihrem zweiten Langfilm die Zuseher bei Laune, indem sie humorvolle Einlagen mit Momenten diffuser Bedrohung abwechselt. Am Ende ist man vielleicht keinen Deut schlauer, aber wurde zumindest eineinhalb Stunden lang gut unterhalten. Und das ist doch schon mal was. Ein durchaus sehenswerter erster Viennale-Film, der noch Luft nach oben lässt, mich aber schon mal gut in Festival-Stimmung gebracht hat. So kann’s weitergehen.


6,0
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

Schlaf (2020)

Regie: Michael Venus
Original-Titel: Schlaf
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Thriller, Horror
IMDB-Link: Schlaf


Ein gesunder Schlaf ist so wichtig! Es gibt doch nichts Schöneres, als morgens rundum erfrischt in seinem Bett aufzuwachen und den Tag voller Energie zu beginnen. Blöd also, wenn das mit dem Schlaf nicht so klappt wie gewünscht. Sandra Hüller kann ein Lied davon singen. Ihre überspannte Marlene, Mutter einer etwa sechzehnjährigen Tochter, schläft nämlich schon seit einiger Zeit nicht mehr so toll. Dementsprechend tief sind die Augenringe. Doch seltsamerweise ist das Hotel mit den drei toten Männern, von denen sie regelmäßig träumt, höchst real. Und dass es keine besonders gute Idee ist, an den Ort seiner Träume zu reisen, wissen wir erfahrenen Kinohasen aus hundert Jahren Horrorfilmgeschichte. Um die ganze Chose abzukürzen: Die Tochter (Gro Swantje Kohlhof mit einer souveränen Darstellung) muss in die Bresche springen und einem alten Familiengeheimnis auf die Spur kommen. Michael Venus‘ Filmdebüt „Schlaf“ mag nicht unbedingt Preise für die originellste Story einheimsen, verpackt aber die ländliche Kleinstadtidylle in ein finsteres Horrorsujet, das dank famoser Darstellerleistungen und einer schwarzhumorigen Erzählung nicht fad wird. Und manchmal haben die Geister der Vergangenheit durchaus ihre guten Gründe, uns Lebenden auf den Nerv zu gehen. Auch der zweite Film, den ich im Rahmen des diesjährigen Slash-Festivals zusammen mit einem halben Kinosaal voller Papp-Skelette, die penibel auf den Sicherheitsabstand achten, gesehen habe, ist durchaus sehenswert. So läuft das Festival dieses Jahr zwar etwas schaumgebremst, aber in unvermindert guter Qualität.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Pelikanblut (2019)

Regie: Katrin Gebbe
Original-Titel: Pelikanblut
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama, Thriller, Horror
IMDB-Link: Pelikanblut


Kinder als Satansbraten haben eine lange Tradition in der Filmgeschichte. Die kleine Raya (Katerina Lipovska mit einer beängstigend authentischen Darstellung) passt gut in diesen Kreis. Sie wurde von Reitstallbesitzerin und Pferdeflüsterin Wiebke (Nina Hoss) adaptiert. Die hat schon eine Adoptivtochter, warum also nicht zwei? Aber bald muss Wiebke feststellen, dass sie sich mit Raya eine Menge Probleme ins Haus geholt hat. So eine traumatisierte Fünfjährige ist eben nicht ständig auf Kuschelkurs. Und allmählich wächst in Wiebke der Verdacht, dass die Wutausbrüche von Raya sich auch einmal gegen sie selbst richten könnten. „Pelikanblut“ von Katrin Gebbe ist handwerklich ausgezeichnet gemachtes Erzählkino mit dem gewissen Unwohlsein-Faktor. Ohne dass Gebbe die Daumenschrauben ständig nachdrehen muss, entwickelt der Zuseher eine tief liegende Grundskepsis gegenüber allem und jedem – die Basis für subtilen Horror. Das ist verflucht gut gemacht, vor allem, wenn diese Geschichte von interessanten, ambivalenten Figuren getragen wird, die von Profis wie Nina Hoss exzellent gespielt werden. Ähnliches hat man zuletzt gesehen in Nora Fingscheidts Systemsprenger, der insgesamt auch noch leicht die Nase vorne behält. Denn gelegentlich weist „Pelikanblut“ Längen auf, die nach einem geduldigen Zuseher verlangen. Die Laufzeit ist mit knapp über zwei Stunden für die Story dann auch recht üppig geraten. Andererseits tragen auch die kleinen, nicht sonderlich relevant wirkenden Szenen zur Entwicklung der Charaktere bei, haben also ihre Berechtigung. Das Ende lädt dann zum gemeinsamen Diskutieren ein. Schön, dass man nicht alles am Silbertablett serviert bekommt, sondern den Film weiterdenken kann. „Pelikanblut“ ist eine Mischung Thriller und Horrordrama, das den Zuseher ernst nimmt, und damit trotz kleinerer Schwächen eine runde, lohnenswerte Sache.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © Miramar Film, Quelle imdb.com)

Bird Box – Schließe deine Augen (2018)

Regie: Susanne Bier
Original-Titel: Bird Box
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama, Horror
IMDB-Link: Bird Box


Zwei Jahre ist es mittlerweile her, dass „Bird Box“ zum ultimativen Darwin Award-Bewerbungsverfahren wurde. Mit verbundenen Augen stürzte sich die Crème de la Crème der menschlichen Rasse in Schluchten, von Häusern und in Flüsse, nur weil gerade ein Hashtag #BirdBoxChallenge im Trend lag. Selbst Netflix warnte davor. Und das alles nur, weil Sandra Bullock mit zwei jungen Gfrastern mit verbundenen Augen einen Fluss hinunterfährt. Womit die Haupthandlung dann auch schon grob umrissen wäre. Der Rest ist Vorgeschichte, wie es zu diesem idyllischen Paddeltrip kam. Auslöser war fünf Jahre davor ein Massensuizid-Phänomen, das man schon bald mit seltsamen, vielleicht außerirdischen Wesen assoziierte. Wer auch immer diese Dinger ansah, schlug sich Sekunden später an der nächsten Tischplatte den Schädel ein. Die einzige Möglichkeit, dem zu entkommen: Nicht hinschauen. Also versammeln sich einige Überlebende (darunter John Malkovich und Jacki Weaver, die auch schon mal motivierter gespielt haben) in einem Haus und verdunkeln die Fenster. Passt soweit, immerhin hat man es kuschelig und ist nicht einsam. Auch die Fahrt zum nächstgelegenen Supermarkt gelingt dank GPS-Signal im Auto ganz leidlich, aber man sollte halt aufpassen, wen man sich ins Haus holt und wen besser nicht. Und so wird die Truppe erwartungsgemäß dezimiert, bis schließlich Sandra Bullock und die zwei Kids im Boot sitzen. Und das ist schon mal ein Problem, das der Film hat: Man weiß von Beginn an, worauf alles hinausläuft und wie die Geschichte ausgehen wird – der Mitleidfaktor mit den Protagonisten hält sich also in Grenzen. Dass das Ganze dann über eine Laufzeit von mehr als zwei Stunden ausgerollt wird, wirkt sich ebenfalls negativ aus. Hier wäre eine kürzere, prägnantere Erzählweise stimmiger gewesen. Und schließlich weist der Film genretypisch Logiklöcher auf, die ich von einer Könnerin wie Susanne Bier, immerhin Oscar-prämiert für „In einer besseren Welt“, nicht unbedingt erwartet hätte. Allerdings ist der Film als Horrorfilm gut verdaulich und kommt ohne böse Jump-Scares aus, was ich ihm hoch anrechne. So kann auch ein Schisser wie ich mal einen Horrorfilm genießen.

 


5,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2018 – Netflix, Quelle: imdb.com)

Jurassic Park III (2001)

Regie: Joe Johnston
Original-Titel: Jurassic Park III
Erscheinungsjahr: 2001
Genre: Horror, Thriller, Science Fiction, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Jurassic Park III


Wenn man den Plot von „Jurassic Park III“ in einem Satz zusammenfassen möchte, dann böte sich dieser an: „Fetzendepperte Leute treffen fetzendepperte Entscheidungen und werden von freilaufenden Dinos zerfetzt – Sam Neill ausgenommen, da Sam Neill über jeden Zweifel erhaben ist.“ Nach Jeff Goldblum darf nun also wieder mal der grantige Neuseeländer ran und die alte Garde aus Jurassic Park vertreten. Mit dabei sind diesmal auch William H. Macy und Téa Leoni, dazu Alessandro Nivola, dessen Filmographie an einen A-Lister erinnert, ohne aber dass man sich an sein Gesicht oder seinen Namen erinnern würde, da er für gewöhnlich den sechsten Zwerg von links spielt, dazu drei Kanonenfutter-Figuren (im Star Trek-Universum klassische Red Shirts – man vergisst ihre Namen und Funktionen, noch bevor überhaupt der erste von ihnen ins Gras gebissen hat), der für diese Reihe übliche klugscheißende Junge, Laura Dern mit einem Gastauftritt und ein ziemlich angepisster Spinosaurier, der diesmal die Rolle des Oberschurken geben darf. Gleich vorweg: Der T-Rex hat das schauspielerisch glaubwürdiger hinbekommen. Spino neigt zu sehr zu Overacting. Der Rest ist „alles rennet, rettet, flüchtet“. Ja, man kennt das schon aus den vorigen Teilen, aus denen man sich für den dritten Teil schamlos bedient. Und auch die Weitergabe des Regie-Szepters von Steven Spielberg an Joe Johnston hat nicht unbedingt neue Impulse gebracht. Joe Johnston spult das bekannte Programm wohl in Huldigung der Genialität des ersten Teils routiniert herunter. Aber was soll’s. Es sind immer noch Dinos, die Menschen fressen, und das reicht manchmal auch aus für einen unterhaltsamen Abend. Zudem bringt William H. Macy, ein gnadenlos unterschätzter Schauspieler, einen echten Mehrwert ein, da niemand auf dieser Welt so traurige Augen hat und diese so gekonnt einsetzen kann. Zudem sorgt der Gag mit dem Klingelton bei jeder Sichtung für echtes Vergnügen. Das Fazit also: Passt schon.


5,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2001 – Universal Pictures, Quelle: imdb.com)

Vergessene Welt – Jurassic Park (1997)

Regie: Steven Spielberg
Original-Titel: The Lost World: Jurassic Park
Erscheinungsjahr: 1997
Genre: Horror, Thriller, Science Fiction, Abenteuerfilm
IMDB-Link: The Lost World: Jurassic Park


Mit Fortsetzungen ist das ja immer so eine Sache. Einerseits lechzt das Publikum danach, liebgewonnene Charaktere in neuen Abenteuern zu erleben. Andererseits ist aufgewärmt halt nur ein Gulasch besser. Ausnahmen bestätigen die Regel. „Vergessene Welt – Jurassic Park“, die Fortsetzung des Kult-Klassikers Jurassic Park, ist aber keine Ausnahme. Auch wenn mehr Jeff Goldblum besser ist als weniger Jeff Goldblum. Sein Chaostheoretiker Dr. Ian Malcolm, der schon im ersten Teil für die trockenen Sprüche und den Hauch Zynismus, den die Geschichte braucht, gesorgt hat, erhält nun im zweiten Teil an der Seite von Julianne Moore, Vince Vaughn und Pete Postlethwaite eine tragende Rolle und steht im Zentrum des Geschehens – sehr zu seinem eigenen Missfallen, denn wer schon einmal vom T-Rex angeknabbert wurde, möchte eine solche Begegnung kein zweites Mal machen. Aber was soll man tun, wenn die eigene Freundin einfach kommentarlos zu Forschungszwecken auf eine Dinosaurier-Insel abgerauscht ist? Also flugs hinterher – die eigene Tochter als blinder Passagier im Gepäck und eine Horde wildgewordener Kapitalisten, die den großen Reibach wittern, im Rückspiegel. „Vergessene Welt – Jurassic Park“ bietet im Grunde nichts Neues. Am Anfang sind alle verzückt von den anmutigen Dinosauriern, am Ende rennt alles durcheinander und versucht, seine Haut zu retten. Wer Dinosaurier mag (so wie ich), hat damit seine Freude. Allerdings ist der Film seltsam zweigeteilt. Während die ersten 1,5 Stunden im Grunde eine komplette, abgeschlossene Geschichte erzählen, nämlich den Überlebenskampf auf der entlegenen Insel, setzen Spielberg und sein Team in der letzten halben Stunde noch eins drauf, indem sie einen T-Rex nach San Diego schippern und von der entsetzten Stadtbevölkerung naschen lassen – die nicht so flink auf den Beinen ist wie das fachkundige Paläontologen-Team. Hätte es das sein müssen? Darüber kann man diskutieren, denn dieser „Epilog“ zerreißt den Film ziemlich. Aber man muss festhalten, dass ein wütender T-Rex, der durch die nächtliche Stadt stampft, durchaus Schauwert hat. Und dass man hier wunderbar viele Anspielungen auf Horrorklassiker wie Dracula, King Kong und Godzilla finden kann. Apropos Godzilla: Wenn man „Vergessene Welt: Jurassic Park“ noch mal genau betrachtet, sieht man deutlich, wieviel davon Roland Emmerich in seinem ein Jahr später erschienenen „Godzilla“ geklaut hat. Gegen diese Katastrophe von Film wirkt „Vergessene Welt: Jurassic Park“ wie ein Meilenstein der Filmgeschichte.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 1997 – Universal Pictures, Quelle: imdb.com)

Jurassic Park (1993)

Regie: Steven Spielberg
Original-Titel: Jurassic Park
Erscheinungsjahr: 1993
Genre: Abenteuerfilm, Horror, Science Fiction
IMDB-Link: Jurassic Park


Als Kind ging ich oft mit meinem Opa ins Haus der Natur, eine meiner schönsten und nachhaltigsten Erinnerungen. Was mich dort nach dem Reptilienzoo am meisten begeisterte, war der Raum, der den Dinosauriern und der Urzeit gewidmet war. Mich beeindruckten dort vor allem die lebensgroßen Nachbildungen von Skeletten und Dinosaurier-Modellen (das Allosaurus-Modell konnte sogar den Kopf bewegen und brüllen – damals eine echte Sensation). Und am Ende des Museumsbesuchs durfte ich mir immer im Shop einen Plastikdinosaurier aussuchen, zu besonderen Anlässen einen großen, ansonsten einen der kleineren. Im Laufe der Zeit sammelten sich so ein Diplodocus, ein Tyrannosaurus Rex, ein Brachiosaurus, ein Triceratops, ein Stegosaurus und ein Paracephalus an, und allein die Tatsache, dass ich das heute, dreißig Jahre später, immer noch so genau weiß, ist schon ein gutes Indiz für meine Vernarrtheit in die prähistorischen Tiere. Dass ich im zarten Alter von 11 Jahren Steven Spielbergs Schocker „Jurassic Park“ nicht sehen durfte, gehört zu den großen Niederlagen meiner frühen Jahre. Nachgeholt habe ich den Film dann später – und Mann, habe ich mir vor Angst in die Hosen geschissen, als der T-Rex das Klo abgedeckt und den darin kauernden Versicherungsvertreter gefressen hat oder die Velociraptoren in der Küche Jagd auf die Kinder gemacht haben. Natürlich, Jugendliche sind leicht zu beeindrucken, die lebhafte Fantasie überdeckt gern manchen schlechten Special Effect. Aber wenn ich den Film heute mit den Augen eines Erwachsenen sehe, der in Zeiten von CGI schon alles und das dreimal gesehen hat, bin ich nach wie vor beeindruckt von den bahnbrechenden Effekten, die Kino auf ein neues Niveau gehoben haben. „Jurassic Park“ gilt heute zurecht als Klassiker. Alles, was danach an Fortsetzungen kam, war ebenfalls unterhaltsam und gut gemacht, konnte aber die Magie des ersten Films, als plötzlich alles möglich schien, nicht mehr erreichen. Einer der bedeutenden Wegpunkte des modernen Kinos.


9,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2012 – Universal Pictures, Quelle: imdb.com)