Horror

Schlaf (2020)

Regie: Michael Venus
Original-Titel: Schlaf
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Thriller, Horror
IMDB-Link: Schlaf


Ein gesunder Schlaf ist so wichtig! Es gibt doch nichts Schöneres, als morgens rundum erfrischt in seinem Bett aufzuwachen und den Tag voller Energie zu beginnen. Blöd also, wenn das mit dem Schlaf nicht so klappt wie gewünscht. Sandra Hüller kann ein Lied davon singen. Ihre überspannte Marlene, Mutter einer etwa sechzehnjährigen Tochter, schläft nämlich schon seit einiger Zeit nicht mehr so toll. Dementsprechend tief sind die Augenringe. Doch seltsamerweise ist das Hotel mit den drei toten Männern, von denen sie regelmäßig träumt, höchst real. Und dass es keine besonders gute Idee ist, an den Ort seiner Träume zu reisen, wissen wir erfahrenen Kinohasen aus hundert Jahren Horrorfilmgeschichte. Um die ganze Chose abzukürzen: Die Tochter (Gro Swantje Kohlhof mit einer souveränen Darstellung) muss in die Bresche springen und einem alten Familiengeheimnis auf die Spur kommen. Michael Venus‘ Filmdebüt „Schlaf“ mag nicht unbedingt Preise für die originellste Story einheimsen, verpackt aber die ländliche Kleinstadtidylle in ein finsteres Horrorsujet, das dank famoser Darstellerleistungen und einer schwarzhumorigen Erzählung nicht fad wird. Und manchmal haben die Geister der Vergangenheit durchaus ihre guten Gründe, uns Lebenden auf den Nerv zu gehen. Auch der zweite Film, den ich im Rahmen des diesjährigen Slash-Festivals zusammen mit einem halben Kinosaal voller Papp-Skelette, die penibel auf den Sicherheitsabstand achten, gesehen habe, ist durchaus sehenswert. So läuft das Festival dieses Jahr zwar etwas schaumgebremst, aber in unvermindert guter Qualität.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Pelikanblut (2019)

Regie: Katrin Gebbe
Original-Titel: Pelikanblut
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama, Thriller, Horror
IMDB-Link: Pelikanblut


Kinder als Satansbraten haben eine lange Tradition in der Filmgeschichte. Die kleine Raya (Katerina Lipovska mit einer beängstigend authentischen Darstellung) passt gut in diesen Kreis. Sie wurde von Reitstallbesitzerin und Pferdeflüsterin Wiebke (Nina Hoss) adaptiert. Die hat schon eine Adoptivtochter, warum also nicht zwei? Aber bald muss Wiebke feststellen, dass sie sich mit Raya eine Menge Probleme ins Haus geholt hat. So eine traumatisierte Fünfjährige ist eben nicht ständig auf Kuschelkurs. Und allmählich wächst in Wiebke der Verdacht, dass die Wutausbrüche von Raya sich auch einmal gegen sie selbst richten könnten. „Pelikanblut“ von Katrin Gebbe ist handwerklich ausgezeichnet gemachtes Erzählkino mit dem gewissen Unwohlsein-Faktor. Ohne dass Gebbe die Daumenschrauben ständig nachdrehen muss, entwickelt der Zuseher eine tief liegende Grundskepsis gegenüber allem und jedem – die Basis für subtilen Horror. Das ist verflucht gut gemacht, vor allem, wenn diese Geschichte von interessanten, ambivalenten Figuren getragen wird, die von Profis wie Nina Hoss exzellent gespielt werden. Ähnliches hat man zuletzt gesehen in Nora Fingscheidts Systemsprenger, der insgesamt auch noch leicht die Nase vorne behält. Denn gelegentlich weist „Pelikanblut“ Längen auf, die nach einem geduldigen Zuseher verlangen. Die Laufzeit ist mit knapp über zwei Stunden für die Story dann auch recht üppig geraten. Andererseits tragen auch die kleinen, nicht sonderlich relevant wirkenden Szenen zur Entwicklung der Charaktere bei, haben also ihre Berechtigung. Das Ende lädt dann zum gemeinsamen Diskutieren ein. Schön, dass man nicht alles am Silbertablett serviert bekommt, sondern den Film weiterdenken kann. „Pelikanblut“ ist eine Mischung Thriller und Horrordrama, das den Zuseher ernst nimmt, und damit trotz kleinerer Schwächen eine runde, lohnenswerte Sache.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © Miramar Film, Quelle imdb.com)

Bird Box – Schließe deine Augen (2018)

Regie: Susanne Bier
Original-Titel: Bird Box
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama, Horror
IMDB-Link: Bird Box


Zwei Jahre ist es mittlerweile her, dass „Bird Box“ zum ultimativen Darwin Award-Bewerbungsverfahren wurde. Mit verbundenen Augen stürzte sich die Crème de la Crème der menschlichen Rasse in Schluchten, von Häusern und in Flüsse, nur weil gerade ein Hashtag #BirdBoxChallenge im Trend lag. Selbst Netflix warnte davor. Und das alles nur, weil Sandra Bullock mit zwei jungen Gfrastern mit verbundenen Augen einen Fluss hinunterfährt. Womit die Haupthandlung dann auch schon grob umrissen wäre. Der Rest ist Vorgeschichte, wie es zu diesem idyllischen Paddeltrip kam. Auslöser war fünf Jahre davor ein Massensuizid-Phänomen, das man schon bald mit seltsamen, vielleicht außerirdischen Wesen assoziierte. Wer auch immer diese Dinger ansah, schlug sich Sekunden später an der nächsten Tischplatte den Schädel ein. Die einzige Möglichkeit, dem zu entkommen: Nicht hinschauen. Also versammeln sich einige Überlebende (darunter John Malkovich und Jacki Weaver, die auch schon mal motivierter gespielt haben) in einem Haus und verdunkeln die Fenster. Passt soweit, immerhin hat man es kuschelig und ist nicht einsam. Auch die Fahrt zum nächstgelegenen Supermarkt gelingt dank GPS-Signal im Auto ganz leidlich, aber man sollte halt aufpassen, wen man sich ins Haus holt und wen besser nicht. Und so wird die Truppe erwartungsgemäß dezimiert, bis schließlich Sandra Bullock und die zwei Kids im Boot sitzen. Und das ist schon mal ein Problem, das der Film hat: Man weiß von Beginn an, worauf alles hinausläuft und wie die Geschichte ausgehen wird – der Mitleidfaktor mit den Protagonisten hält sich also in Grenzen. Dass das Ganze dann über eine Laufzeit von mehr als zwei Stunden ausgerollt wird, wirkt sich ebenfalls negativ aus. Hier wäre eine kürzere, prägnantere Erzählweise stimmiger gewesen. Und schließlich weist der Film genretypisch Logiklöcher auf, die ich von einer Könnerin wie Susanne Bier, immerhin Oscar-prämiert für „In einer besseren Welt“, nicht unbedingt erwartet hätte. Allerdings ist der Film als Horrorfilm gut verdaulich und kommt ohne böse Jump-Scares aus, was ich ihm hoch anrechne. So kann auch ein Schisser wie ich mal einen Horrorfilm genießen.

 


5,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2018 – Netflix, Quelle: imdb.com)

Jurassic Park III (2001)

Regie: Joe Johnston
Original-Titel: Jurassic Park III
Erscheinungsjahr: 2001
Genre: Horror, Thriller, Science Fiction, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Jurassic Park III


Wenn man den Plot von „Jurassic Park III“ in einem Satz zusammenfassen möchte, dann böte sich dieser an: „Fetzendepperte Leute treffen fetzendepperte Entscheidungen und werden von freilaufenden Dinos zerfetzt – Sam Neill ausgenommen, da Sam Neill über jeden Zweifel erhaben ist.“ Nach Jeff Goldblum darf nun also wieder mal der grantige Neuseeländer ran und die alte Garde aus Jurassic Park vertreten. Mit dabei sind diesmal auch William H. Macy und Téa Leoni, dazu Alessandro Nivola, dessen Filmographie an einen A-Lister erinnert, ohne aber dass man sich an sein Gesicht oder seinen Namen erinnern würde, da er für gewöhnlich den sechsten Zwerg von links spielt, dazu drei Kanonenfutter-Figuren (im Star Trek-Universum klassische Red Shirts – man vergisst ihre Namen und Funktionen, noch bevor überhaupt der erste von ihnen ins Gras gebissen hat), der für diese Reihe übliche klugscheißende Junge, Laura Dern mit einem Gastauftritt und ein ziemlich angepisster Spinosaurier, der diesmal die Rolle des Oberschurken geben darf. Gleich vorweg: Der T-Rex hat das schauspielerisch glaubwürdiger hinbekommen. Spino neigt zu sehr zu Overacting. Der Rest ist „alles rennet, rettet, flüchtet“. Ja, man kennt das schon aus den vorigen Teilen, aus denen man sich für den dritten Teil schamlos bedient. Und auch die Weitergabe des Regie-Szepters von Steven Spielberg an Joe Johnston hat nicht unbedingt neue Impulse gebracht. Joe Johnston spult das bekannte Programm wohl in Huldigung der Genialität des ersten Teils routiniert herunter. Aber was soll’s. Es sind immer noch Dinos, die Menschen fressen, und das reicht manchmal auch aus für einen unterhaltsamen Abend. Zudem bringt William H. Macy, ein gnadenlos unterschätzter Schauspieler, einen echten Mehrwert ein, da niemand auf dieser Welt so traurige Augen hat und diese so gekonnt einsetzen kann. Zudem sorgt der Gag mit dem Klingelton bei jeder Sichtung für echtes Vergnügen. Das Fazit also: Passt schon.


5,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2001 – Universal Pictures, Quelle: imdb.com)

Vergessene Welt – Jurassic Park (1997)

Regie: Steven Spielberg
Original-Titel: The Lost World: Jurassic Park
Erscheinungsjahr: 1997
Genre: Horror, Thriller, Science Fiction, Abenteuerfilm
IMDB-Link: The Lost World: Jurassic Park


Mit Fortsetzungen ist das ja immer so eine Sache. Einerseits lechzt das Publikum danach, liebgewonnene Charaktere in neuen Abenteuern zu erleben. Andererseits ist aufgewärmt halt nur ein Gulasch besser. Ausnahmen bestätigen die Regel. „Vergessene Welt – Jurassic Park“, die Fortsetzung des Kult-Klassikers Jurassic Park, ist aber keine Ausnahme. Auch wenn mehr Jeff Goldblum besser ist als weniger Jeff Goldblum. Sein Chaostheoretiker Dr. Ian Malcolm, der schon im ersten Teil für die trockenen Sprüche und den Hauch Zynismus, den die Geschichte braucht, gesorgt hat, erhält nun im zweiten Teil an der Seite von Julianne Moore, Vince Vaughn und Pete Postlethwaite eine tragende Rolle und steht im Zentrum des Geschehens – sehr zu seinem eigenen Missfallen, denn wer schon einmal vom T-Rex angeknabbert wurde, möchte eine solche Begegnung kein zweites Mal machen. Aber was soll man tun, wenn die eigene Freundin einfach kommentarlos zu Forschungszwecken auf eine Dinosaurier-Insel abgerauscht ist? Also flugs hinterher – die eigene Tochter als blinder Passagier im Gepäck und eine Horde wildgewordener Kapitalisten, die den großen Reibach wittern, im Rückspiegel. „Vergessene Welt – Jurassic Park“ bietet im Grunde nichts Neues. Am Anfang sind alle verzückt von den anmutigen Dinosauriern, am Ende rennt alles durcheinander und versucht, seine Haut zu retten. Wer Dinosaurier mag (so wie ich), hat damit seine Freude. Allerdings ist der Film seltsam zweigeteilt. Während die ersten 1,5 Stunden im Grunde eine komplette, abgeschlossene Geschichte erzählen, nämlich den Überlebenskampf auf der entlegenen Insel, setzen Spielberg und sein Team in der letzten halben Stunde noch eins drauf, indem sie einen T-Rex nach San Diego schippern und von der entsetzten Stadtbevölkerung naschen lassen – die nicht so flink auf den Beinen ist wie das fachkundige Paläontologen-Team. Hätte es das sein müssen? Darüber kann man diskutieren, denn dieser „Epilog“ zerreißt den Film ziemlich. Aber man muss festhalten, dass ein wütender T-Rex, der durch die nächtliche Stadt stampft, durchaus Schauwert hat. Und dass man hier wunderbar viele Anspielungen auf Horrorklassiker wie Dracula, King Kong und Godzilla finden kann. Apropos Godzilla: Wenn man „Vergessene Welt: Jurassic Park“ noch mal genau betrachtet, sieht man deutlich, wieviel davon Roland Emmerich in seinem ein Jahr später erschienenen „Godzilla“ geklaut hat. Gegen diese Katastrophe von Film wirkt „Vergessene Welt: Jurassic Park“ wie ein Meilenstein der Filmgeschichte.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 1997 – Universal Pictures, Quelle: imdb.com)

Jurassic Park (1993)

Regie: Steven Spielberg
Original-Titel: Jurassic Park
Erscheinungsjahr: 1993
Genre: Abenteuerfilm, Horror, Science Fiction
IMDB-Link: Jurassic Park


Als Kind ging ich oft mit meinem Opa ins Haus der Natur, eine meiner schönsten und nachhaltigsten Erinnerungen. Was mich dort nach dem Reptilienzoo am meisten begeisterte, war der Raum, der den Dinosauriern und der Urzeit gewidmet war. Mich beeindruckten dort vor allem die lebensgroßen Nachbildungen von Skeletten und Dinosaurier-Modellen (das Allosaurus-Modell konnte sogar den Kopf bewegen und brüllen – damals eine echte Sensation). Und am Ende des Museumsbesuchs durfte ich mir immer im Shop einen Plastikdinosaurier aussuchen, zu besonderen Anlässen einen großen, ansonsten einen der kleineren. Im Laufe der Zeit sammelten sich so ein Diplodocus, ein Tyrannosaurus Rex, ein Brachiosaurus, ein Triceratops, ein Stegosaurus und ein Paracephalus an, und allein die Tatsache, dass ich das heute, dreißig Jahre später, immer noch so genau weiß, ist schon ein gutes Indiz für meine Vernarrtheit in die prähistorischen Tiere. Dass ich im zarten Alter von 11 Jahren Steven Spielbergs Schocker „Jurassic Park“ nicht sehen durfte, gehört zu den großen Niederlagen meiner frühen Jahre. Nachgeholt habe ich den Film dann später – und Mann, habe ich mir vor Angst in die Hosen geschissen, als der T-Rex das Klo abgedeckt und den darin kauernden Versicherungsvertreter gefressen hat oder die Velociraptoren in der Küche Jagd auf die Kinder gemacht haben. Natürlich, Jugendliche sind leicht zu beeindrucken, die lebhafte Fantasie überdeckt gern manchen schlechten Special Effect. Aber wenn ich den Film heute mit den Augen eines Erwachsenen sehe, der in Zeiten von CGI schon alles und das dreimal gesehen hat, bin ich nach wie vor beeindruckt von den bahnbrechenden Effekten, die Kino auf ein neues Niveau gehoben haben. „Jurassic Park“ gilt heute zurecht als Klassiker. Alles, was danach an Fortsetzungen kam, war ebenfalls unterhaltsam und gut gemacht, konnte aber die Magie des ersten Films, als plötzlich alles möglich schien, nicht mehr erreichen. Einer der bedeutenden Wegpunkte des modernen Kinos.


9,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2012 – Universal Pictures, Quelle: imdb.com)

Der Schacht (2019)

Regie: Galder Gaztelu-Urrutia
Original-Titel: El hoyo
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Thriller, Satire, Drama, Horror
IMDB-Link: El hoyo


Für einen guten Film braucht es nicht mehr als eine gute Idee. Dann reicht es auch, wenn man beispielsweise Tom Hardy in ein Auto setzt und telefonieren lässt (wie in No Turning Back) oder ein paar Nasen durch ein Labyrinth aus Würfeln laufen lässt (wie in „Cube“). Mit letzterem Film hat „Der Schacht“ des jungen spanischen Regisseurs Galder Gaztelu-Urrutia einiges gemein. Denn auch hier ist die Kulisse auf das Allernötigste zusammengedampft und gerade in seiner Repetition äußerst interessant. Es beginnt damit, dass Goreng (Iván Massagué), der sich freiwillig dafür gemeldet hat, auf der Plattform 48 des Schachtes erwacht. Der Schacht ist ein Konstrukt aus einer unbekannten Anzahl von Ebenen, auf der jeweils zwei Menschen zusammen eingesperrt sind. Die haben je einen persönlichen Gegenstand bei sich sowie die Kleidung, die sie am Körper tragen. In der Mitte dieser Ebenen befindet sich ein rechteckiges Loch. Dadurch fährt einmal pro Tag ein Tisch voller Essen herab. Das Perfide: Je weiter der Tisch nach unten kommt, desto weniger befindet sich logischerweise darauf. Wer also auf einer der oberen Ebenen sitzt, kann sich satt essen. Auf den unteren Ebenen hingegen sieht es hingegen trist aus. Noch perfider: Einmal im Monat werden alle Insassen betäubt und wachen auf einer neuen Ebene auf. Wer vorhin oben war, kann sich nun unten wiederfinden – und umgekehrt. Ebene 48 scheint dabei kein schlechter Start zu sein, wie Gorengs Mitbewohner, der zynische und opportunistische Trimagasi (Zorion Eguileor) versichert. Der ist schon seit zehn Monaten im Schacht und sitzt seine letzten beiden Ebenen ab. Als im nächsten Monat Goreng und Trimagasi auf Ebene 171 erwachen, geht der Spaß los – denn Essen kommt da unten keines mehr an. „Der Schacht“ ist eine düstere Parabel und unverhohlene Kapitalismus-Kritik. Als solche ist sie vielleicht ein wenig plump geraten, aber dennoch – oder vielleicht auch gerade deshalb – äußerst wirkungsvoll. Diese Netflix-Eigenproduktion entwickelt sich gerade zum viralen Renner, und das zurecht. Denn durch die Umsetzung mit minimalen Mitteln konzentriert sich der Film komplett auf seinen Inhalt, der politisch, religiös und vor allem natürlich gesellschaftskritisch interpretiert werden kann. Die von Gaztelu-Urrutia vorgeschlagene Lösung ist vielleicht zu einfach und naiv gestrickt, doch legt er unzweifelhaft den Finger in die Wunde unserer Gesellschaft, dass es nämlich schwierig bis unmöglich ist, das bestehende System von innen, also jenen, die Teil davon sind, zu ändern. In dieser Hinsicht ist die Dystopie keine mehr, sondern ein bitterer Realitäts-Check.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Predator (1987)

Regie: John McTiernan
Original-Titel: Predator
Erscheinungsjahr: 1987
Genre: Action, Horror, Science Fiction
IMDB-Link: Predator


„If it bleeds, we can kill it.“ Arnie im Dschungel, zuerst noch mit einer Armee von Söldnern, um einen zweifelhaften Auftrag auszuführen, dann am Ende allein gegen eine außerirdische Kreatur, den „Predator“. Der sieht im Dunkeln, kann von Baum zu Baum springen, hat fancy Laserwaffen und eine Aversion gegen menschliche Haut – die wird den Opfern einfach abgezogen. Und so mordet sich dieses finstere Wesen fröhlich durch die zunehmend planloseren Soldaten. Bis er schließlich dem ultimativen Endgegner aller Actionfilme der 80er gegenübersteht: Der steirischen Eiche. „Predator“ von John McTiernan, der ein Jahr nach diesem Film mit Stirb Langsam unendlichen Ruhm unter Action-Afficionados einfahren sollte, ist ein schnörkelloser Kracher mit viel Blut, Gedärmen und trockenen One-Linern. Ein Beispiel gefällig? Als Arnie bei einem Überfall auf ein russisches Camp, das heimliche Ziel der Mission im Dschungel, einen gegnerischen Soldaten mit einem Buschmesser an eine Wand nagelt, gibt er diesem noch folgende letzte Empfehlung mit: „Stick around!“ Ja, der Film ist einer der Sorte „Hirn aus, Popcorn rein“, und auch wenn er schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, unterhält er auch heute noch sehr gut. Der dampfige Dschungel, die schweren Waffen, dieses aus allen Poren tropfende Testosteron, der fast bis zum Schluss unsichtbare, übermächtige Gegner, dessen ekliges Creature Design etwas Zeitloses hat – all das hat sich erstaunlich gut bis in die heutige Zeit gehalten. Klar, einen solchen Film würde man heute nicht mehr drehen, dafür ist er a) zu geradlinig und b) zu sehr Macho-Huldigung, aber das heißt nicht, dass er nicht mehr unterhaltsam ist.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 1987 Twentieth Century Fox, Quelle: imdb.com)

Das Ding aus einer anderen Welt (1982)

Regie: John Carpenter
Original-Titel: The Thing
Erscheinungsjahr: 1982
Genre: Science Fiction, Horror
IMDB-Link: The Thing


Zefix, ihr Nasen – habt ihr das noch immer nicht begriffen? Man lässt gefälligst die Griffel von seltsamen Zeug aus dem All. Oder hat etwa die Crew auf der Forschungsstation in der Antarktis den Film Das Ding aus einer anderen Welt nicht gesehen? Jedenfalls steht diese, angeführt vom Helikopter-Piloten MacReady (Kurt Russell) bald vor einem gewaltigen Problem. Die Kollegen von der norwegischen Forschungsstation sind offenbar durchgeknallt und ballern aus einem Hubschrauber heraus auf einen armen Huskey. Beim Versuch, diesem bei der Station der Amerikaner endgültig den Garaus zu machen, geht der Hubschrauber in Flammen auf, und alle Norweger sterben. Die Amis sind da erst einmal verwirrt, was ihnen keiner verübeln kann. Und ohne es zu bemerken, holen sie sich bei der Durchsuchung der norwegischen Station einen ungebetenen Gast ins Haus. Dieser hat die dumme Angewohnheit, formzuwandeln, sprich: jedes Lebewesen imitieren zu können (nachdem es dieses getötet hat), und sich wie ein Virus zu verbreiten in der unheiligen Mission, die Menschheit auszurotten – beginnend mit der Antarktis (man muss sich ja bei solchen großen Projekten Schritt für Schritt vorwagen und erst mal ein geeignetes Testfeld finden). Der Transformationsprozess dieses Dings aus dem All sieht spektakulär aus. Die Effekte sind zum Staunen, wunderschön eklig und gewitzt inszeniert. Der dumpf-bedrohliche Soundtrack von Meister Ennio Morricone verstärkt das Gruseln und schafft mit den eisigen Bildern eine Stimmung permanenter, aber nicht greifbarer Bedrohung. In diesem Film muss nicht hinter jeder Ecke ein Monster hervorspringen – im Gegenteil: Die Stärke des Films ist, dass das Monster eben nicht so leicht zu finden ist. Ein Muss für jeden Filmfan! Aber eine Warnung sei dennoch ausgesprochen: Man sollte keinen allzu empfindlichen Magen haben, denn sonst wird’s mühsam.


8,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Das Ding aus einer anderen Welt (1951)

Regie: Christian Nyby
Original-Titel: The Thing From Another World
Erscheinungsjahr: 1951
Genre: Science Fiction, Horror
IMDB-Link: The Thing From Another World


Man sollte seltsame Aliens, die eingefroren im Eis liegen, nicht auftauen. Leute, merkt euch das endlich mal! Dabei kommt einfach nichts Gutes raus. Aber im Fall von „Das Ding aus einer anderen Welt“ von 1951 kann man als Entschuldigung für blöde Entscheidungen anführen, dass dieser Sci-Fi-Klassiker einer der ersten war, der sich mit solch seltsamen feindseligen Wesen aus dem All herumplagen musste. Die Helden späterer Filme haben diese Ausrede nicht mehr. Jedenfalls stellen im Film von 1951, den der legendäre Howard Hawks produziert hat und bei dem er auch Co-Regie geführt hat, einige in der Arktis stationierte Wissenschaftler fest, dass wir nicht allein sind im All und dass die Karotte, die in Menschengestalt schon bald durch die Forschungsstation läuft, Lust auf menschliches Blut hat. Das führt zu allerlei Scharmützel, die aber handzahm bleiben – wie auch das Creature Design. Die Fünfziger halt. Technisch war man eben noch nicht so weit, die wirklich gruseligen Ideen von John W. Campbell Jr., der die dem Film zugrunde liegende Kurzgeschichte geschrieben hat, 1:1 umzusetzen. Das ist keine Schande. Der Film punktet stattdessen mit einer lässigen Frauenfigur (Margaret Sheridan als Nikki), einigen sehr sehenswerten Szenen im Eis und einer angenehmen Laufzeit, dank der der Film nur wenige Leerstellen aufweist. Damit sicherte sich „Das Ding aus einer anderen Welt“ von 1951 den Status eines wegbereitenden Werks der Science Fiction. Und auch wenn er heute schon arg angestaubt ist und der Gruselfaktor nun gegen Null tendiert, kann man durchaus mal eine Sichtung wagen.

Demnächst gibt es dann übrigens noch den ultimativen Vergleich mit John Carpenters Verfilmung dieser Geschichte, die noch mehr als die Originalversion von 1951 Kult-Status genießt.


5,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)