James Whale

Frankensteins Braut (1935)

Regie: James Whale
Original-Titel: Bride of Frankenstein
Erscheinungsjahr: 1935
Genre: Horror, Drama
IMDB-Link: Bride of Frankenstein


Lord Byron sitzt mit dem Ehepaar Shelley bei einem Gläschen beisammen, die Nacht ist düster, der Wind peitscht gegen die Fenster, und der Horror, der sich in Frankenstein entfaltet hat, schüttelt dem guten Lord die Knochen durch. Anerkennend fragt er Mary Shelley, wie es sein kann, dass ein solch zartes Weibsbild eine solch schauerliche Geschichte erfinden konnte. Und die grinst nur schelmisch und meint, dass er noch nicht die ganze Geschichte gehört hätte. So also der Auftakt zur Fortsetzung des Filmklassikers mit Boris Karloff. Denn das von ihm verkörperte Monster hat die Feuersbrunst am Ende des ersten Films überlebt, und nun streift er durch die Wälder und wird von den Dorfbewohnern gejagt. Währenddessen bekommt Doktor Frankenstein Besuch von einem Kollegen, der ihn von einem finsteren Vorhaben überzeugen möchte. Wenn man den Film auf das Wesentlichste herunterbrechen möchte, dann wäre die Synopsis in etwa: Frankensteins Monster verliert Freunde und wird aus Einsamkeit zum Alkoholiker und Kettenraucher. Also eh eine moderne Geschichte, wenn man so will. Und man fragt sich, ob man für ein etwaiges Remake vielleicht Georg Friedrich begeistern könnte – der würde passen wie Arsch auf Eimer. Was „Frankensteins Braut“ in jedem Fall bieten kann, sind erstaunliche Spezialeffekte (die kleinen Menschen in den Reagenzgläsern!), ein sichtlich erleichterter Boris Karloff, der auch mal ein paar Sätze sprechen darf und schwarzer, teils ins Groteske gehender Humor. Die Schlusssequenz ist auch nach heutigen Maßstäben sensationell geschnitten. Man kann zwar nicht sagen, dass der Film rasend gut gealtert ist, und der Schrecken von damals ist die schenkelklopfende Unterhaltung von heute, aber wenn man sich darauf einlässt, ist der Film auch jetzt noch spannend und kurzweilig und tatsächlich noch einen Tick besser als der erste Teil.


7,0
von 10 Kürbissen

Frankenstein (1931)

Regie: James Whale
Original-Titel: Frankenstein
Erscheinungsjahr: 1931
Genre: Horror
IMDB-Link: Frankenstein


Boris Karloff als Monster. Eine Ikone der Filmgeschichte. James Whale schuf mit „Frankenstein“ mehr oder weniger die Blaupause für alle nachfolgenden Monsterhorrorfilme. Und gleich zu Beginn des Films wird von einem besorgten Moderator gewarnt: Ansehen nur auf eigene Gefahr! Dass Horror heutzutage anders funktioniert als vor 85 Jahren, dafür kann der Film nichts. Damals fuhren die auf der Leinwand gezeigten Schrecken (die ohne musikalischer Untermalung zur Zuspitzung der Situation auskommen) den arglosen Besuchern tatsächlich in die Glieder. Heute sind Karloffs schwankender Gang und sein starrer Blick zwar immer noch sehenswert, verbreiten aber keine Angst, sondern eher ein wohliges Gefühl der Nostalgie. Nein, „Frankenstein“ treibt heutzutage den Puls nicht mehr in die Höhe. Dennoch ist der Film definitiv eine Sichtung wert. Wenn man sich nämlich von der Prämisse löst, von einer Angststarre einen halben Meter tief in die Couch genagelt werden zu müssen, um den Film als Horrorfilm genießen zu können, entdeckt man sehr viel Schönes und dauerhaft Bewährtes. Wie etwa die wunderbare Atmosphäre, die sich in den mit Liebe zum Detail schaurig gestalteten Kulissen manifestiert. Oder eben das sehr physische, präsente Spiel von Boris Karloff. Und eben die von Mary Shelleys Romanvorlage übernommene prinzipielle Unschuld des Monsters, der erst durch den Umgang der Umwelt mit ihm dem Bösen in die Arme getrieben wird. Wunderbar die Szene, als das Monster am See mit einem kleinen Mädchen spielt – und wie emotional der Moment, als er es versehentlich tötet und vor Schrecken über seine eigene, aus Naivität geborener Tat in den Wald flüchtet. Das sind ganz starke Momente. Was mir allerdings nicht gefallen hat, war der allzu lockere Umgang mit der literarischen Vorlage. So heißt Viktor Frankenstein im Film plötzlich Henry Frankenstein, während Victor zwar vorkommt, aber als andere Figur, als guter Freund des Hauses nämlich (der für die Geschichte an sich ziemlich für die Fisch‘ ist) – im Grunde basiert der Film nur sehr lose auf Shelleys grandiosem Roman. Das zeigt sich auch an den Dialogen, bei denen es sich leider oft nicht mehr als um eine lieblose Aneinanderreihung von Plattitüden und Banalitäten handelt, die die Handlung vorantreiben sollen – nur leider: das geschulte Ohr hört mit, und manchmal wäre Schweigen wirklich Gold (vor allem, wenn das Gerede nur beschreibt, was ohnehin auf dem Bildschirm zu sehen ist). Dafür gibt’s Abzüge. Trotzdem kann James Whales „Frankenstein“ auch heute noch mit Genuss gesehen werden. Filmhistorisch ist dieses Werk ohnehin über jeden Zweifel erhaben.


6,5
von 10 Kürbissen