Jennifer Reeder

Knives and Skin (2019)

Regie: Jennifer Reeder
Original-Titel: Knives and Skin
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Thriller, Drama, Fantasy
IMDB-Link: Knives and Skin


Der Film beginnt damit, dass ein Teenager-Mädel von ihrem Boyfriend nächtens ins Gemüse an einen beschaulichen See gekarrt wird. Dort findet man rasch zueinander, doch auf das Drängen des jungen Beaus, der sichtlich mehr will, reagiert die junge Dame nicht so positiv. Das wiederum lässt der hormongesteuerte Heißsporn nicht auf sich sitzen. Er stößt das Mädchen weg, das sich den Kopf blutig schlägt, und rast panisch davon. Und das ist das letzte Mal, dass Carolyn Harper lebendig gesehen wurde. Was Jennifer Reeder in „Knives and Skin“ dann aus dieser Prämisse macht, ist außergewöhnlich. Denn sie wählt nicht die einfachen, naheliegenden Verarbeitungsmöglichkeiten im Rahmen eines Verlust-Dramas oder eines Thrillers, sondern sie mischt die Zutaten dieser Genres wild zusammen mit Coming of Age-Themen, mit Popkultur, Mystery-Elementen und 80er-Chic. Eine derart arg zusammengewürfelte Melange kann auch rasch schiefgehen, zumal es hier keine klar definierten Hauptfiguren gibt. Eine groß aufspielende Marika Engelhardt als Mutter der Vermissten, die die Tragödie nicht so recht wahrhaben, geschweige denn verarbeiten kann, ist vielleicht noch das emotionale Zentrum des Films. Aber Reeder geht es um andere Aspekte: Um Beziehungsgeflechte, um das alte Thema des Erwachsenwerdens, um Emanzipation und Liebe, um Lust, um das ständige Beobachtenwerden in der Kleinstadt. Und wie die Balance ins Wanken gerät, wenn von außen eine Tragödie in die fragilen Beziehungen getragen wird. Das alles ist recht plakativ und zuweilen schrill in Szene gesetzt – und das ist vielleicht nichts für jedermann oder jederfrau. Mir hat „Knives and Skin“ aber gefallen. Jennifer Reeder versucht mit dem Film, sehr eigene und persönliche Wege zu gehen, und auch wenn der Film zuweilen ein bisschen wirkt, als wären die einzelnen Teile darin interessant, während das große Ganze aber undifferenziert und vage bleibt, als wäre es nicht ganz zu Ende gedacht worden, so bin ich diese Reise sehr gerne mitgegangen.


7,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Viennale)