Joe Wright

The Woman in the Window (2021)

Regie: Joe Wright
Original-Titel: The Woman in the Window
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Thriller, Drama, Krimi
IMDB-Link: The Woman in the Window


Casting Agent: „Hallo, spreche ich mit Julianne Moore/Gary Oldman/Jennifer Jason Leigh/Brian Tyree Henry/Anthony Mackie?“
Moore/Oldman/Leigh/Henry/Mackie: „Am Apparat. Worum geht’s?“
CA: „Folgendes: Wir haben ja gerade Pandemie. Lockdown und so. Die ganze Filmindustrie ist gerade on hold. Aber der Joe Wright hat sich in den Kopf gesetzt, jetzt doch einen Film zu machen. Alles gedreht in einem einzigen Haus wegen Mindestabstand und so. Und da hätten wir für dich vielleicht eine Rolle.“
M/O/L/H/M: „Klingt interessant. Worum geht’s?“
CA: „Ist so ein Thriller. Ziemliche Standardkost. Aber es bringt ein bisschen Geld rein.“
M/O/L/H/M: „Okay. Wer ist denn noch dabei?“
CA: „Ein Nachwuchsdarsteller namens Fred Hechinger, ein echt netter Junge. Und Wyatt Russell, du kennst ihn vielleicht vom Eishockey. Und aus ‚The Falcon and the Winter Soldier‘, aber da kriegt er gerade echt viel Shit ab und so. Ach ja, die Hauptrolle übernimmt Amy Adams.“
M/O/L/H/M: „Ah, Amy ist toll! Ich bin ein großer Fan von ihr!“
CA: „Ja, der ganze Film dreht sich auch um ihren Charakter. So eine Kinderpsychologin, die selbst nicht alle Tassen im Schrank hat und so und deshalb das Haus nicht verlassen kann. Und dann sieht sie was Merkwürdiges im Nachbarhaus.“
M/O/L/H/M: „Ach, ihr macht ein Remake vom ‚Fenster zum Hof‘?“
CA: „Nein, das nicht. Also irgendwie doch. Aber mit mehr Mindfuck und so.“
M/O/L/H/M: „Hm … das klingt nicht sehr überzeugend.“
CA: „Na ja, ich sagte ja schon: Wird ziemliche Standardkost. Aber dem Joe Wright ist halt fad. Und für dich springt dabei auch eine kleine Rolle raus.“
M/O/L/H/M: „Wie klein?“
CA: „Also … ähm … na ja …“
M/O/L/H/M: „Sag schon!“
CA: „Na ja, man sieht dich vielleicht eine Minute oder so …“
M/O/L/H/M: „Shit. Das ist nicht viel. Und dafür soll ich mir einen Film antun, der nicht mal sonderlich interessant klingt?“
CA: „Aber es bringt Kohle.“
M/O/L/H/M: „Okay. Ich mach’s. Weil Amy Adams eine tolle Kollegin ist und Joe Wright eigentlich auch immer gute Filme macht. So schlimm kann es ja nicht werden.“
CA: „Cool! Ich schick dir dann gleich den Vertrag, danach kriegst du das Drehbuch.“
M/O/L/H/M: „Kann ich das Drehbuch bitte vorab sehen?“
CA: „Ähm … das wollen die Produzenten nicht, sorry.“
M/O/L/H/M: *seufzt* „Egal. Schick mir den Vertrag rüber. Ich bin dabei.“


4,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Abbitte (2007)

Regie: Joe Wright
Original-Titel: Atonement
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Historienfilm, Drama, Liebesfilm
IMDB-Link: Atonement


Ein falscher Satz, und ein ganzes Leben kann auf den Kopf gestellt werden. Diese Erfahrung machen Cecilia (Keira Knightley) und Robbie (James McAvoy). Cecilias Schwester Briony (eine blutjunge Saoirse Ronan, die gleich ihre erste von mittlerweile vier Oscar-Nominierungen einfahren konnte) vermeint Robbie in einer verfänglichen Situation erwischt zu haben und setzt damit Verkettung unglücklicher Umstände in Gang, die mit bedeutungsvoller Musik und langen Shots auf traurige Gesichter untermalt werden können. Grundsätzlich balanciert „Abbitte“ verfänglich nah am Kitsch entlang. Dass diese Grenze allerdings nie überschritten wird, liegt an den herausragenden inszenatorischen Fähigkeiten von Joe Wright sowie den glanzvollen Darstellerleistungen. Das Drehbuch nach dem Roman von Ian McEwan steuert konsequent auf das Titel gebende Thema zu und scheut sich auch nicht davor, den Zuseher vor unangenehme Situationen zu stellen. Gleichzeitig schwingt allerdings vor allem im ersten Teil des Films eine humorvolle Leichtigkeit mit, die den anschließenden Fall nur umso tiefer macht. Zwar nimmt Joe Wright dadurch einige Längen in Kauf, um eben diese Fallhöhe zu konstruieren, und man hätte die Geschichte durchaus ökonomischer erzählen können, aber das stört in diesem Fall kaum. Man muss sich einfach bewusst sein, dass „Abbitte“ kein Film ist, den man nach einem langen Arbeitstag mal nebenher konsumieren kann. Für „Abbitte“ braucht es am besten einen verregneten Sonntagnachmittag, an dem kein Ungemach durch spontan störenden Besuch droht – und der Film schreit gerade danach,  gemeinsam mit Schokolade und heißem Schwarztee genossen zu werden. Der Tee passt zum Setting, die Schokolade braucht man, um die Melancholie, in die einen der Film hüllt, wieder abschütteln zu können.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Die dunkelste Stunde (2017)

Regie: Joe Wright
Original-Titel: Darkest Hour
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Kriegsfilm, Biopic
IMDB-Link: Darkest Hour


Gary Oldman ist unbestritten einer der besten und wandlungsfähigsten Schauspieler der Gegenwart. Dass er bislang noch nicht zu Oscar-Meriten gekommen ist, verwundert doch sehr. Das wird sich aber mit dem 4. März 2018 ändern. Denn dann wird Gary Oldman für seine Rolle als Winston Churchill in „Darkest Hour“ ausgezeichnet werden. Alles Andere wäre absurd bis grob fahrlässig von der Academy. Der Film selbst ist ein klassisches Biopic-Drama mit allen diesem Genre zuordenbaren Stärken und Schwächen. Will man halbwegs seriös bleiben in diesem Genre, lassen sich halt nur wenige dramaturgische Veränderungen der Handlung vornehmen, was dieser – neben der Tatsache, dass sie den meisten Zusehern ohnehin geläufig ist – fast immer etwas an Spannung kostet und die Möglichkeiten, die Geschichte interessant und frisch zu erzählen, drastisch reduziert. Gleichzeitig aber lebt das Genre vom Bezug auf die historisch realen Personen und lässt und diese besser kennenlernen. Auch das kann interessant sein bzw. ist es auch im Fall von „Darkest Hour“. Womit wir wieder beim überragenden Gary Oldman wären, der Churchill nicht nur spielt, sondern ihn wieder lebendig werden lässt. Ähnliches ist Daniel Day-Lewis vor einigen Jahren in „Lincoln“ gelungen. Es braucht aber Ausnahmekapazunder wie eben Daniel Day-Lewis, Gary Oldman oder Helen Mirren (als Queen Elizabeth II.), damit diese Unternehmung gelingt und der Film nicht zu spannungsarmer Dutzendware verkommt. Denn an sich ist die Geschichte in „Darkest Hour“ trotz der historischen Relevanz und inhärenten Dramatik nur bedingt dazu geeignet, das Publikum in die Sitze zu kleben: Es geht um die ersten Wochen der Regierungszeit von Winston Churchill, der die undankbare Aufgabe übertragen bekommt, im Kriegsjahr 1940 die Kohlen für Großbritannien, das im Krieg gegen das Deutsche Reich schon verloren aussieht, doch noch aus dem Feuer zu holen, und das gegen innere Widerstände, denn die meisten seiner Parteifreunde bevorzugen die Kapitulation in Form von Friedensgesprächen mit Hitler. Joe Wright, der Regisseur, zeichnet dabei ein durchaus privates und intimes Porträt von Winston Churchill, konzentriert sich dabei im Großen und Ganzen aber dennoch auf seine Funktion als Staatsmann und auf das politische Hickhack seiner Zeit. Wie gesagt, das alles ist historisch relevant, aber für die Dramaturgie eines Films nicht ganz ideal. So bleibt Joe Wright auch auf sicheren konventionellen Pfaden. Allerdings wird der Film veredelt durch die schauspielerische Glanzleistung von Gary Oldman. Und allein deshalb schon funktioniert „Darkest Hour“ wirklich gut und bleibt jeden Augenblick interessant.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 51 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


7,5
von 10 Kürbissen