John G. Avildsen

Rocky V (1990)

Regie: John G. Avildsen
Original-Titel: Rocky V
Erscheinungsjahr: 1990
Genre: Sportfilm, Drama
IMDB-Link: Rocky V


Wenn selbst Stallone selbst zugibt, den fünften Teil der Rocky-Saga nur aus Gier gemacht zu haben und den Film nicht zu mögen, so lässt das nichts Gutes für den neugierigen Zuseher erwarten. Und ja, „Rocky V“ ist ein missglücktes, völlig verhatschtes Zwischending aus Sportfilm und Familiendrama. Wobei – und das ist für einen Film der Rocky-Reihe eigentlich ein vernichtendes Urteil – das Familiendrama noch den interessanteren Part ausmacht. Rocky ist in diesem fünften Teil gesundheitlich angeschlagen und darf/soll nicht mehr boxen. Weil sein Steuerberater ein windiger Hund ist und Rocky selbst in finanziellen Belangen ja nicht durch besondere Genialität auffällt, wie wir aus dem zweiten Teil der Reihe wissen, steht die Familie Balboa mal wieder mit leeren Händen da. So muss man zurück ins alte Elendsviertel von Philadelphia ziehen, sehr zum Missfallen des Juniors (Sylvester Stallones Sohn Sage Stallone in seiner ersten Filmrolle). Statt teuren Privatschulen gibt es nun den knallharten Überlebenskampf gegen missgünstige Bullies. Was dem Sohnemann aber am meisten aufstößt: Dass Paps das Vater-Sohn-Gespann links liegen lässt, als er auf den aufstrebenden jungen Boxer Tommy Gunn stößt und ihn zu trainieren beginnt. So weit ist es also nicht her mit dem Familiensinn des Italian Stallion. Und das gibt Reibereien. Zunächst mal innerhalb der eigenen Familie und dann auch noch gegen den Schützling selbst, als sich dieser von seinem Idol abwendet, um mit Hilfe eines aalglatten Promoters die große Kohle zu scheffeln. Diese Unstimmigkeiten werden am Ende – wie es sich für einen Rocky-Film gehört – mit den Fäusten zu Ende diskutiert. Allerdings nicht im Ring, sondern auf der Straße. Irgendwie hat man bei „Rocky V“ ständig das Gefühl, eine lange Episode einer Soap Opera zu sehen. Wenn man sich dann noch mal vor Augen hält, mit welcher Klasse die Saga 1976 begonnen hat, kommen einem die Tränen. Aber wenigstens hat es Stallones Bankkonto gut getan. Und ein weiterer positiver Nebeneffekt: „Rocky V“ war ein solches cineastisches Desaster, dass Stallone erst mal 16 Jahre lang die Griffel von seinem Titelhelden gelassen hat. Die Zeit bis zum nächsten Rocky-Film, „Rocky Balboa“, wurde offenbar gut genutzt, denn diesem gelang es tatsächlich, der Filmreihe neues Leben einzuhauchen und die Figur wieder zurück zu ihren Wurzeln finden zu lassen.


3,5
von 10 Kürbissen

Rocky (1976)

Regie: John G. Avildsen
Original-Titel: Rocky
Erscheinungsjahr: 1976
Genre: Sportfilm
IMDB-Link: Rocky


Nicht nur im Oktober hat ein Kürbis Lücken und Löcher, sondern auch unterjährig in cineastischen Belangen. Um eine davon zu schließen, habe ich mir also nun die gesamte Rocky-Filmreihe hineingezogen, wobei ich „Rocky Balboa“ und „Creed“ bereits kannte. Ich habe also das Pferd von hinten aufgesattelt. Nun also der erste Film, der zu den wohl einflussreichsten Filmen der Filmgeschichte gehört. Bei der Oscar-Verleihung schlug er „Taxi Driver“ von Martin Scorsese und wurde als bester Film ausgezeichnet. Und auch John G. Avildsen, der Regisseur, durfte sich, so wie seine Cutter, über einen Goldmann freuen. Der Mastermind von Rocky ist allerdings Sylvester Stallone, der nicht nur den Titelhelden auf eine Weise verkörpert, dass Filmfigur und Darsteller völlig miteinander verschmelzen, sondern auch das Drehbuch geschrieben hat. Für beide Leistungen wurde er (was vielleicht überraschend sein mag angesichts seiner späteren Filme) völlig zurecht für den Oscar nominiert. Sein Rocky ist eine fantastische Figur, das muss man einfach so sagen. Recht einfältig, aber mit dem Herz am rechten Fleck – ein Mann, der viel Gefühl und Empathie aufbringt, aber in den seltensten Fällen schafft, dies tatsächlich in Worte zu kleiden. Viel mehr drückt er über seine linkischen Bewegungen aus, sein Schulterzucken und dieses glückliche Lächeln, wenn er merkt, dass er verstanden wird. Gleichzeitig hat er ein Kämpferherz wie kein Anderer. Und dem ist es auch zu verdanken, dass er gegen den Weltmeister Apollo Creed (Carl Weathers) in den Ring steigen darf. Der Fokus des Films liegt allerdings weniger auf dem Boxkampf, sondern auf der Frage, was es bedeutet, eine einmalige Chance im Leben zu erhalten und was eine solche Chance aus einem Mann macht. Und vor allem auch, wie man Respekt vor sich selbst erarbeitet. Neben Stallone glänzen Talia Shire als Adrian, Burt Young als deren Bruder Paulie und Burgess Meredith als alter Boxtrainer Mickey. Alle drei wurden für ihre Leistungen mit einer Oscarnominierung belohnt. Ich halte es zwar nach wie vor für eine Sünde, „Taxi Driver“ nicht als besten Film ausgezeichnet zu haben, aber unabhängig davon, ob man mit dem Genre des Boxerfilms etwas anfangen kann, kann auch „Rocky“ sich sehen lassen – im Gegensatz zu den meisten Fortsetzungen dieser Filmreihe, aber darüber in den nächsten Tagen mehr.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 37 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


7,5
von 10 Kürbissen

Karate Kid (1984)

Regie: John G. Avildsen
Original-Titel: The Karate Kid
Erscheinungsjahr: 1984
Genre: Action, Sportfilm
IMDB-Link: The Karate Kid


Wenn dich die Jungs an der neuen Schule ärgern, such dir einen väterlichen japanischen Freund, lass dir von ihm bei Hausarbeiten Karate beibringen, und dann vermöbele die bösen Jungs im Wettkampf. Damit sind alle Probleme gelöst. Dir gehört dann der neue Wagen, das hübsche Mädchen, der Respekt der Gegner und ein Bonsai-Baum. So jedenfalls wird es in „Karate Kid“ erzählt, ein Kultfilm der 80er, der – das muss man ihm anrechnen – mit einer recht sympathischen Besetzung (Ralph Macchio als Teenager Daniel, Pat Morita, für diese Rolle mit einer Oscarnominierung geehrt, als Mr. Miyagi) eine simple Geschichte erzählt. Im Gegensatz zu anderen Kampfsportfilmen (mir fallen hierzu spontan „Bloodsport“ oder „Mortal Combat“ ein) geht es nicht um den Kampf ums nackte Überleben und/oder gegen das ultimativ Böse, sondern einfach darum, in einer amerikanischen Highschool einigermaßen über die Runden zu kommen. Im Grunde ist „Karate Kid“ ein typischer Vertreter der Coming of Age-Filme. Familientauglich sind damit auch die Kampfszenen, die nie brutal wirken. Dennoch war ich nicht wirklich zufrieden mit der Umsetzung. Denn so sympathisch vor allem Pat Morita in der Rolle des ausgeglichenen Karatemeisters wirkt, so zweifelhaft ist dennoch die Botschaft, die der Film stellenweise vermittelt. Zwar wird „Gewalt ist vielleicht doch eine Lösung“ immer wieder relativiert, wenn beispielsweise betont wird, dass man Karate lernt, um eben nicht kämpfen zu müssen, aber irgendwie läuft es dann doch darauf hinaus, dass glücklicher ist, wer sich körperlich zur Wehr setzen kann. Und ja, ich weiß, das ist ein Film über Karate, ein Kampfsportfilm, aber ein bisschen mehrdimensionaler hätte man dennoch herangehen können. Zudem ist der Film die meiste Zeit über zwar ganz nett anzusehen, reißt aber kaum mit – und das Ende wirkt dann plötzlich extrem gehetzt. „Karate Kid“ hat ein massives Problem mit dem Timing. Warum sich dieser Film zum Kultfilm entwickelt konnte, erschließt sich mir nicht ganz – aber für einen netten Fernsehabend taugt er trotzdem.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 35 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


5,5
von 10 Kürbissen