Julien Faraut

The Witches of the Orient (2021)

Regie: Julien Faraut
Original-Titel: Les Sorcières de l’Orient
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Les Sorcières de l’Orient


Letztes Jahr hatten wir mit Druk den „betrunkenen Film“, dieses Jahr einen Film, der unter dem Viennale-Publikum nur als „Der Mila Superstar-Film“ bezeichnet wird. Man kann sich das Leben ja einfacher machen, und bevor ich mich mit meinen Nullkenntnissen der französischen Sprache vollends im Gespräch blamiere, greife ich dann doch lieber auf diese charmante Alternative zurück. Um Hexen geht es in „Les Sorcières de l’Orient“ nur am Rande, um Mila Superstar hingegen schon viel mehr, denn die Heldin der Anime-Serie beruht auf wahren Begebenheiten – was vielleicht viele (inklusive mir) nicht wussten. Jedenfalls wurde in den 60er Jahren in einer japanischen Textilfabrik eine Volleyball-Mannschaft herangezüchtet, die über 250 Spiele lang ungeschlagen war und für Japan den Weltmeistertitel und Gold bei den olympischen Spielen holte. Julien Faraut widmet diesem Sportwunder einen herrlich überdrehten Dokumentationsfilm, der tief eintaucht in die japanische Gesellschaft und ihrem Verständnis von Disziplin und Erfolg. Als fast schon grandios empfinde ich die Verknüpfung des japanischen Wiederaufbaus und Wirtschaftswunders mit den sportlichen Erfolgen – fußen die doch beide auf dem gleichen Verständnis von Ehrgefühl für das Heimatland und eisernem Willen. Der Film macht sehr viel richtig, indem er Elemente der Popkultur mit historischem Filmmaterial vermischt. Das ist ungemein unterhaltsam anzusehen. Was vielleicht ein bisschen fehlt, ist die kritische Distanz. Man hätte da durchaus mehr hinterfragen können, was die harten Trainingsmethoden betrifft und was das mit der Psyche der Spielerinnen gemacht hat. Man hätte auch zeigen können, wie das Leben der Spielerinnen nach diesen großen Erfolgen weiterging, was sie daraus mitgenommen haben und was eben auch nicht. Aber sei’s drum – „Les Sorcières de l’Orient“ ist dennoch großartige Unterhaltung und ein bisschen Good-Feel-Kino zwischen all den sonstigen „Problemfilmen“ des Festivals.


7,5 Kürbisse

(Foto: (c) Viennale)