Komödie

Der Teufel trägt Prada (2006)

Regie: David Frankel
Original-Titel: The Devil Wears Prada
Erscheinungsjahr: 2006
Genre: Komödie, Drama
IMDB-Link: The Devil Wears Prada


Mit dem Traumjob ist es ja oft so eine Sache. Man arbeitet ewig darauf hin, nur um dann festzustellen, dass es wie in jedem Job erst mal primär von den Leuten abhängt, mit denen man zusammenarbeitet, ob man jeden Abend mit einem breiten Grinser ins Bett fällt oder sich in den Schlaf weint. Hast du eine Chefin wie Miranda Priestly (Meryl Streep), dann greifst du vielleicht gar nicht erst zu den Tranquilizern, sondern gleich zur Luger, um dein Hirn an die Wand zu malen. Glücklicherweise ist Andy (Anne Hathaway) hart im Nehmen – oder einfach nur unglaublich deppert. Jedenfalls hält sie die Schikanen ihrer Chefin, der Modemagazin-Herausgeberin, deren Gespür für extravaganten Geschmack nur von ihrem Talent, alle Menschen im Umkreis von fünfhundert Metern mit Depressionen auszustatten, übertroffen wird, ohne handgreiflich zu werden aus. Auch das ist ein Talent. Besonders vergnüglich wird es für den Zuseher, wenn dieser weiß, dass die biestige Magazin-Chefin auf der realen Figur der Anna Wintour beruht, und die Autorin Lauren Weisberger ihre Erfahrungen als Assistentin eben jener Anna Wintour in ihrem Erfolgsroman, dem der Film zugrunde liegt, verarbeitet hat. Auch wenn man mit der Welt der Mode nicht so viel am Hut hat – und mich lässt diese Welt sogar komplett kalt – so bekommt man einen energiegeladenen Film mit grandiosen Darstellern serviert, die sichtlich Freude an ihrer Arbeit haben. Allen voran die überragende Meryl Streep, die für diese Rolle völlig zurecht eine ihrer geschätzt 143 Oscar-Nominierungen eingefahren hat, aber auch Anne Hathaway, Emily Blunt und Stanley Tucci müssen sich nicht im geringsten verstecken. So bleibt man gerne bei der Stange. Und spätestens beim Abspann, wenn man ein wenig Zeit hat, das Gesehene zu reflektieren, denkt man sich: Die eigene Hackn ist eigentlich gar nicht so übel.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: 2006 Twentieth Century Fox, Quelle http://www.imdb.com)

Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug (1980)

Regie: Jim Abrahams, David Zucker und Jerry Zucker
Original-Titel: Airplane!
Erscheinungsjahr: 1980
Genre: Komödie
IMDB-Link: Airplane!


Es gibt Filme, aus denen wächst man mit der Zeit ein wenig heraus. So ist das der Fall bei mir mit „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ (im Original schlicht: „Airplane!“) von Jim Abrahams, David Zucker und Jerry Zucker. Was habe ich den Film als Kind geliebt! Ich hätte mich bei jedem „Over, Roger!“ und den in der Synchronisation auf Bayrisch parlierenden Schwarzen zerkugeln können. Viele Gags unter der Gürtellinie sind mir da sogar noch entgangen – wie etwa der aufblasbare Autopilot. Aber trotzdem – auch wenn das Buch „1001 Filme, die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist“ diesen Film führt, und auch wenn manche Gags auch heute noch zünden – irgendwie ist die Magie futsch. Und gerade im Vergleich zur Nackten Kanone-Trilogie, die das gleiche Konzept aufzieht, nämlich die gnadenlose Parodie auf bestimmte Filmgenres, Inhalt wurscht, Hauptsache Gags, Gags, Gags, fällt die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug doch arg ab. Natürlich war das damals bahnbrechend. Ein komplett neues Filmgenre wurde damit geschaffen (das spätestens mit dem Disaster Movie wieder zu Grabe getragen wurde). Insofern hat der Film eine Aufnahme in die cineastische Hall of Fame redlich verdient. Aber was soll ich machen, wenn ich nicht mehr darüber lachen kann? Vielleicht noch eine wehmütige Träne verdrücken und mir wünschen, ich wäre wieder der Zehnjährige, der ständig vor dem Bildschirm kudert, weil er gerade den lustigsten Film aller Zeiten sieht.


5,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 1980 – Paramount Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Asterix bei den Briten (1986)

Regie: Pino Van Lamsweerde
Original-Titel: Astérix chez les Bretons
Erscheinungsjahr: 1986
Genre: Animation, Komödie
IMDB-Link: Astérix chez les Bretons


Die spinnen, die Briten! Diese Aussage hat sich zweitausend Jahre lang gehalten. Und wer hat’s von Anfang an gewusst? Obelix natürlich! Der fünfte Zeichentrickfilm führt Asterix und Obelix jedenfalls auf die Insel, wo sie Erfahrungen gemischter Art mit englischer Küche, englischen Manieren und englischem Sport machen. Liebevoll überzeichnet und gezeichnet bietet dieses Abenteuer auch heute noch gute Unterhaltung. Vor allem die Eigenheiten der Briten sind witzig und charmant dargestellt. Auch ist der Film – anders als viele andere Asterix-Verfilmungen – tatsächlich sehr eng an die Comic-Vorlage angelehnt. Mit den daraus entstehenden altbekannten Problemen, dass die Dynamiken von Comic und Film halt einfach nicht zueinander passen, aber dafür mit viel Fan-Pleasing der Comicleser. Natürlich fehlt es auch diesem Film an der für die Comics typischen Hintersinnigkeit und den gesellschaftspolitischen Anspielungen. Die Comics bleiben in dieser Hinsicht einfach unerreicht, und es ist kein Wunder, dass sich Asterix auch heute noch einer solchen Beliebtheit erfreut. Aber wenn man diese Unfähigkeit, die sprachliche und sozialkritisch geniale zweite Ebene in den Filmen zu reproduzieren, beiseite lässt, dann kommt unterm Strich dennoch ein vergnüglicher Sonntagnachmittagsfilm raus, der die ganze Familie vor dem Fernseher vereint. Und immerhin wissen wir nun alle, wie der Tee nach England gekommen ist.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Brügge sehen… und sterben? (2008)

Regie: Martin McDonagh
Original-Titel: In Bruges
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Drama
IMDB-Link: In Bruges


Colin Farrell kann großartig sein, wenn man ihm die richtigen Rollen gibt. Wenn man das nicht tut, kommt so etwas wie „Alexander“ heraus, aber Schwamm drüber, das ist auch schon wieder 16 Jahre her. Bei Brendan Gleeson muss man sich hingegen im Vorfeld kaum Gedanken machen, ob das passen könnte. Es passt einfach immer. Und da Colin Farrell in Martin McDonaghs Slow-Motion-Thriller „In Bruges“ ebenfalls passt, und zudem auch noch Ralph Fiennes, Clémence Poésy und Peter Dinklage-Lookalike Jordan Prentice den Cast veredeln und ihre Sache gut machen, kann man sich getrost zurücklehnen und es genießen, zwei leicht depressiven Auftragskillern auf einer Sightseeing-Tour durch Brügge zuzusehen, während sie auf den Anruf ihres Bosses warten. Tempo und Handlung sind in diesem Film sehr gedrosselt. Man muss sich auf diese sperrige Erzählweise auch einlassen können. Aber dann liest man recht schnell zwischen den Zeilen die großen existentialistischen Fragen heraus: Wer bin ich? Was ist mein Leben wert? Was ist ein Leben im Generellen wert? Wie begleiche ich vergangene Schuld? Ist das überhaupt möglich? Und wie lebe ich mit meiner Schuld weiter? Colin Farrells von Gewissensbissen geplagter und etwas einfältiger Auftragskiller Ray ist hierbei das emotionale Zentrum des Geschehens, Brendon Gleesons Ken so etwas wie sein Anker, der ihn im Leben hält. Als Thriller mag der Film für viele nur mäßig funktionieren, dazu ist sein Tempo zu stark gedrosselt, aber wenn man sich auf die dramatischen Aspekte und den gelegentlichen schwarzen Humor konzentriert, gehört „In Bruges“ zu den besten Filmen, die Colin Farrell jemals gedreht hat.


8,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Frühling in Paris (2020)

Regie: Suzanne Lindon
Original-Titel: Seize Printemps
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Liebesfilm, Komödie
IMDB-Link: Seize Printemps


Als 16jährige hat Suzanne Lindon die Geschichte zu „Seize Printemps“ entwickelt. Vier Jahre später ist nun der Film dazu in den Kinos – mit Lindon selbst in der Hauptrolle der Suzanne, eine brave 16jährige Schülerin, die von der Schule und ihren Altersgenossen gelangweilt ist. Eine Zufallsbegegnung führt sie mit dem Schauspieler Raphael (Arnaud Valois) zusammen, der ganz in der Nähe ihrer Wohnung Theater spielt. Und vorsichtig nähern sich die beiden einander an. Suzanne Lindon belässt es aber bei Teenie-Schwärmereien und Andeutungen. Grenzen werden keine überschritten – die Fantasie eines verliebten Teenager-Mädels handelt wohl in der Regel auch weniger von nächtelangen Vögeleien als von dem Gleichklang der Seelen, die ihre Körper synchron zu Opernmusik im Café tanzen lassen. Diese verspielte, schwärmerische Note tut dem Film gut, er passt auch zu Gefühlen der ersten Liebe, diese schrecklich schöne Verwirrung des Herzens. Die pornographischen Elemente schleichen sich später ganz von selbst ein, aber am Anfang sind es eben tanzende Schmetterlinge und Ekstase, wenn man sich allein schon bei den Händen hält. „Frühling in Paris“ ist ein verfilmter Teenie-Traum, der auch nicht mehr sein möchte. Genau diese fehlende Ambition macht den Film aber am Ende zu einer Erfahrung, die man wohl auch rasch wieder vergisst. Dass der Film in den offiziellen Wettbewerb von Cannes eingeladen wurde, überrascht dann doch sehr. Fazit: Ganz nett. Aber auch wurscht.


5,0
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

Kajillionaire (2020)

Regie: Miranda July
Original-Titel: Kajillionaire
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Komödie, Krimi
IMDB-Link: Kajillionaire


Es gibt sie ja, die Menschen, die sich vom Kapitalismus nicht vereinnahmen möchten und nicht mitmachen beim Prinzip „Geld gegen Leistung“. Was, wenn man aber bei diesem Spiel nicht mitmachen möchte, aber dennoch alle Energie aufbringt bzw. aufbringen muss, um Geld zusammenzubringen, das für das Leben eben unabdingbar ist? In Miranda Julys „Kajillionaire“ geht es um eine solche Familie (Debra Winger, Richard Jenkins und Evan Rachel Wood), die nach außen hin dem bösen System trotzen, indem sie sich aufgrund kleiner Gaunereien am Geld anderer Leute bedienen. Das Familienleben selbst liegt aber im Argen. Das Misstrauen gegen die Welt ist so ausgeprägt, dass selbst interfamiliäre Zuneigungen nicht möglich erscheinen – alles nur Schein und Trug, wenn man dem Kind zum Geburtstag ein Geschenk macht, oder? Die Tochter Old Dolio (allein die Namensgebung beweist, dass manche Menschen einfach keine Eltern werden sollten) ist dementsprechend nicht mit allzu großer Sozialkompetenz ausgestattet. Als eines Tages eine Zufallsbekanntschaft (Gina Rodriguez) zu diesem seltsamen Trio stößt, bringt die eine neue Dynamik in dieses Gefüge hinein, und Old Dolio lernt, dass ihre Lebensrealität vielleicht nicht die einzig wahre ist, auch wenn ihr Vater versichert, dass sie selbst die Gesunden sind, während alle anderen Menschen nur danach streben, „Kajillionäre“ zu werden. Gemäß des alten Witzes: „Verkehrsfunk: Achtung, ein Geisterfahrer auf der A1″ – Autofahrer: Was? Einer? Das sind Hunderte!“. Miranda Julys Film wirkt an vielen Stellen etwas gar aufgesetzt und übertrieben, die von Evan Rachel Wood mit viel Fragilität gespielte Old Dolio zu naiv und unbedarft – da schießt der Film vielleicht ein bisschen am Ziel vorbei. Aber geschenkt, wenn man dennoch so gut unterhalten wird, mit Witz, aber auch viel Herz. Die Verwundungen der Seele werden nicht direkt thematisiert, sind aber stets zu spüren. So ist der Film zwar nur in Teilaspekten gut gelungen, aber das reicht aus für einen lohnenden Kinobesuch.


6,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

Moonrise Kingdom (2012)

Regie: Wes Anderson
Original-Titel: Moonrise Kingdom
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Komödie, Liebesfilm, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Moonrise Kingdom


An Wes Anderson und seinen Filmen scheiden sich die Geister. Entweder man liebt den Stil und die lakonische, oft indirekte Erzählweise, die gerne mal Umwege nimmt, um die Geschichte von überraschenden Seiten aus zu beleuchten, oder man stört sich an den Manierismen und der scheinbaren Emotionslosigkeit der Erzählung. Ich gehöre mit Herz und Seele zu den Anderson-Fans. Ich liebe seine Filme und halte sie durchwegs für Meisterwerke. Und ja, auch andere Filmemacher/innen haben eine deutlich erkennbare Handschrift, aber um einen Wes Anderson-Film zu erkennen, braucht es nicht viel mehr als eine einzige Einstellung. Was mich aber vollends zum absoluten Groupie macht, ist die Tatsache, dass bei aller stringenten Komposition immer eine wunderschöne Geschichte mit liebevollen Charakteren im Zentrum steht. „Moonrise Kingdom“ ist dafür ein Paradebeispiel. Im Grunde geht es um nicht viel: Zwei Kinder reißen von zuhause aus, um gemeinsam durchzubrennen, kommen aber nicht sonderlich weit, da ihnen die gesamte Insel (darunter Edward Norton, Bruce Willis, Frances McDormand und Bill Murray) auf den Fersen ist. Eine kleine, süße Abenteuergeschichte, bei der man leicht die ernsteren Hintergründe übersehen kann. Denn viele Risse ziehen sich durch die familiären Beziehungen – die im Angesicht der Krise sichtbar werden. Dennoch legt Wes Anderson seinen Fokus nicht darauf, sondern vielmehr auf die Beziehung des jungen Liebespaares (Jared Gilman und Kara Hayward). Ihm gelingt es, diese erste Liebe völlig ernst zu nehmen und glaubhaft zu machen, so künstlich auch das Setting wirkt. „Moonrise Kingdom“ wird im Œuvre Andersons insgesamt ein kleinerer Film bleiben (mit dem neunfach Oscar-nominierten und vierfach ausgezeichneten „Grand Budapest Hotel“ und seinem Durchbruchs-Film „The Royal Tenenbaums“ als Flaggschiffe vorneweg), aber das heißt nicht, dass man auf eine Sichtung verzichten sollte. Wer sich auf Wes Andersons Stil einlassen möchte, wird mit diesem Film reich belohnt.


8,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Focus Features – © 2011 Focus Features, Quelle imdb.com)

Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga (2020)

Regie: David Dobkin
Original-Titel: Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Komödie, Musikfilm, Satire, Rom-Com
IMDB-Link: Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga


Will Ferrell kann ganz schön anstrengend sein. Die stoischen Kindsköpfe, die er stets zu spielen pflegt, haben sich halt mittlerweile abgenutzt, und man könnte meinen, dass er ein One-Trick-Pony ist. Für das wunderbare „Stranger Than Fiction“ war er perfekt, aber der Film liegt halt auch schon wieder 14 Jahre zurück. Und nun spielt er in „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ einen isländischen Popmusiker, der mit seiner Partnerin Sigrid (Rachel McAdams) beim Eurovision Song Contest groß rauskommen möchte. Sein einziger Lebenstraum: Dort zu triumphieren. Was nach einem sicheren Weg ins filmische Desaster klingt, nämlich die Parodie auf eine Parodieveranstaltung mit dem stoischen Kindskopf Will Ferrell in der Hauptrolle, entpuppt sich überraschend als recht charmante Hommage an einen Wettbewerb, den keiner ernst nehmen kann und der gerade deshalb so großartig und wichtig ist. Die musikalischen Beiträge und deren Interpreten sind auf dem Punkt. Jeder einzelne von ihnen könnte im echten Eurovision Song Contest auftreten. Und so lächerlich die Veranstaltung per se auch ist, sie wird von David Dobkins Film nicht lächerlich gemacht. Da merkt man, dass die Macher mit sehr viel Liebe ans Werk gegangen sind. Und plötzlich ist auch Will Ferrell wieder erträglich, und die Musik plötzlich bei aller Absurdität gar nicht so schlecht und das Leben irgendwie schön und bunt. Soll nichts Schlimmeres passieren als der neue Will Ferrell-Film.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by John Wilson/NETFLIX/John Wilson/NETFLIX – © 2020 Netflix, Inc., Quelle imdb.com)

On the Rocks (2020)

Regie: Sofia Coppola
Original-Titel: On the Rocks
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Komödie
IMDB-Link: On the Rocks


Was macht man, wenn man einen Bill Murray im Cast hat? Ganz einfach: Man lässt ihn Bill Murray sein – und das Ding läuft. Sofia Coppola hat darauf schon in ihrem grandiosen „Lost in Translation“ vertraut, und auch wenn Bill Murray mittlerweile ein paar Falten mehr hat und die Haare ergraut sind, so funktioniert das Grundrezept noch immer. Weil Bill Murray halt Bill Murray ist – und was soll man an einer solchen Perfektion noch verbessern wollen? Dass Coppolas neuester Film „On the Rocks“ aber nicht zu einer Bill Murray-Soloshow wird, der den dandyhaften Lebemann mit zu viel Geld und ganz schlechten Ratschlägen wunderbar mimt, liegt an einer gut aufgelegten und grundsympathischen Rashida Jones, die sich als gestresste Mutter und möglicherweise gehörnte Ehegattin mit einer Leichtigkeit ins Herz des Films und jenes der Zuseher spielt. Ihre Laura ist eine Frau mit echten Problemen, die man nur zu gut nachvollziehen kann. Und man wünscht ihr ja nur das Allerbeste – allein, dass der Göttergatte plötzlich so viel arbeitet und stets mit der hübschen Kollegin verreist, lässt Böses erahnen. Und wenn man dann einen Vater wie Felix, eben Bill Murray, hat, der sein Geld und seine Beziehungen spielen lässt, um dem Ehemann nachzuspionieren, kommt man vom Regen in die Traufe. Das alles ist dank Coppolas ruhiger, fokussierter Inszenierung amüsant anzusehen, ohne aufgesetzt zu wirken. Kern des Films ist die Beziehung zwischen Laura und Felix, eine ohnehin nicht ganz friktionsfreie Tochter-Vater-Beziehung, die durch die gemeinsamen Abenteuer auf eine weitere Probe gestellt wird. Hätte jemand Anderer die Regie übernommen oder auch jemand Anderer als Bill Murray den Vater gespielt, hätte der Film leicht überspannt werden können, aber so sitzt alles am richtigen Fleck. Wenn man schon Meisterwerke wie das besagte „Lost in Translation“ abgeliefert hat, muss man sich fast zwangsweise daran messen lassen, und dagegen ist „On the Rocks“ dann doch eher ein Leichtgewicht, aber für einen unterhaltsamen und friktionsfreien Kinoabend ist der Film perfekt.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

The Old Man Movie (2019)

Regie: Oskar Lehemaa und Mikk Mägi
Original-Titel: Vanamehe film
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Animation, Komödie
IMDB-Link: Vanamehe film


Aino, Mart und Priidik sind alles andere als begeistert: Die verwöhnten Großstadtkinder werden über den Sommer zum Opa aufs Land abgeschoben. Der ist im Dorf ein Star, denn er versorgt die süchtigen Dorfbewohner mit Milch, die er frisch von seiner Kuh zapft. Aino, Mart und Priidik haben rasch Mitleid mit dem armen Tier, das in einem winzigen Stall gehalten wird und sich Tag um Tag abschuftet, ohne dafür Dank zu ernten. Doch das Tier freizulassen ist auch keine gute Ideen, wie sich zeigt. Denn einer Kuh, die 24 Stunden lang nicht gemolken wird, schwellen die Euter an, bis sie explodieren – und es zur Laktokalypse kommt. Um das zu verhindern, schwärmen Opa und die Kinder auf ihrem Traktor aus auf der Suche nach der Kuh. Ihnen auf den Fersen: Der alte Melker, der nach einer solchen Laktokalypse-Explosion vor vielen Jahren entstellt wurde. Der hat verständlicherweise einen ziemlichen Groll auf das Fleckvieh im Generellen und sich zum Ziel gesetzt, mit Hilfe dreier arbeitsloser Sägewerksangestellter Opas Kuh zu enthaupten. „The Old Man Movie“ ist ein völlig abgedrehtes Stop-Motion-Abenteuer, das nicht mit Fäkalhumor spart, dabei aber eine wunderbare kindliche Naivität an den Tag legt, dass man jede Szene feiern möchte. Eine schräge Situation folgt auf die nächste, und wenn man denkt, dass der Gipfel der Absurdität erreicht wurde, kommt die nächste Szene, die dann doch noch mal eins draufsetzt. Ein herrlicher Spaß: derb, eigenwillig, überdreht, schwarzhumorig und garantiert nicht laktosefrei. Ich könnte mir vorstellen, dass so ein Film nicht jedermanns bzw. jederfraus Sache ist, aber wer offen ist für Filme, die sich selbst nicht ernst nehmen und einfach nur derb-charmant und auf möglichst originelle Weise unterhalten möchten, wird mit „The Old Man Movie“ von Oskar Lehemaa und Mikk Jägi, beides übrigens sehr lockere und witzige Typen, voll auf seine Kosten kommen.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © BOP Animation, Quelle imdb.com)